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vom 17.02.2017, aktuelle Version,

Tabakfabrik Linz

Areal der Tabakfabrik mit Kraftwerks- und Zigarettenfabrikationsgebäude
Das Hauptgebäude der Zigarettenfabrikation

Die Tabakfabrik Linz (auch Tabakregie bzw. umgangssprachlich Tschickbude) ist ein von 1929 bis 1935 nach Plänen von Peter Behrens und Alexander Popp in Linz errichteter Gebäudekomplex. Die denkmalgeschützte Industrieanlage ist der erste Stahlskelettbau Österreichs im Stil der Neuen Sachlichkeit, aus diesem Grund ist sie auch architekturgeschichtlich von Bedeutung.[1]

Bis Ende September 2009 wurden in der Tabakfabrik Zigaretten hergestellt. Im Jahr 2010 hat die Stadt Linz das 38.148 Quadratmeter große Fabriksareal und den Gebäudebestand zum Preis von 20,4 Mio. Euro von Japan Tobacco International gekauft und es zum Gebiet der Stadtentwicklung erklärt.

Die Entwicklung des Areals wird seither von der Tabakfabrik Linz Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft mbH konzipiert, die zur Unternehmensgruppe der Stadt Linz gehört.[2] Die Tabakfabrik Linz wird zu einem Kreativ-Areal umgestaltet und soll zum Zentrum der oberösterreichischen Kreativwirtschaft werden.[3]

Kreativ-Areal

Die Tabakfabrik Linz spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei der internationalen Positionierung von Linz im Bereich der Creative Industries.[4] Laut einer Studie der KMU Forschung Austria und des Linzer Instituts für qualitative Studien soll die Tabakfabrik Linz als Leuchtturm der oberösterreichischen Kreativwirtschaft ausgebaut werden.[5] Seit ihrer Wiedereröffnung hat sich die Tabakfabrik Linz als Veranstaltungs- und Ausstellungsort etabliert.[6] Teile der Gebäude und Räumlichkeiten sind teilweise bereits besiedelt bzw. in Verwendung: Stiege A (Bau 1), Bau 2, Bau 3, Brandland und Kraftwerk sowie die Lösehalle.

Eine Strategie des Entwicklungsteams rund um den künstlerischen Direktor Chris Müller ist die Zwischennutzung des Areals, vor allem im Veranstaltungsbereich. Durch den temporären Gebrauch von ungenutzten Flächen und Räumen wird die bestmögliche Nutzung des Gebäudes herausgefunden.[7]

2015 wurde die Einrichtung des VALIE EXPORT Centers auf einem 350 Quadratmeter umfassenden Areal in der Tabakfabrik bekannt gegeben. Im Vorfeld hatte das Lentos Kunstmuseum das Archiv der aus Linz stammenden Medienkünstlerin erworben. Das „VALIE EXPORT Center, Forschungszentrum für Medien- und Performancekunst“ soll sich neben der Aufarbeitung des Archivs auch der Auseinandersetzung mit ähnlichen Kunstrichtungen widmen. Die Fertigstellung ist für 2017 geplant.[8]

Geschichte

Zigarettenerzeugung am Standort Linz

Nachdem die Linzer Wollzeugfabrik ihren Betrieb 1850 eingestellt hat, wurden Teile der Wollzeugfabrik für die Erzeugung von Rauch- und Kautabaken genutzt. 1859 waren dafür bereits mehr als 1000 Personen beschäftigt. Nachdem die Erzeugung von Kautabak 1903 eingestellt wurde, führte man 1904 an der Unteren Donaulände Zigarren- und Zigarettenproduktion der österreichischen Tabakregie ein.[9]:28 Die Belegschaft bestand dabei zu 90 Prozent aus Frauen.[10] Die „industriefeindliche, ländliche Bevölkerung“ brachte der Tabakfabrik anfangs keine große Wertschätzung entgegen. Vor allem kirchliche Würdenträger und das Linzer Bürgertum befürchteten „sittliches Verderben“ durch die Fabrik.[9]:26

Bis 1918 wurden aufgrund der stetig steigenden Produktion und aufgrund des technologischen Fortschritts (Dampfmaschine) diverse Um- und Ausbauten der ehemaligen Wollzeugfabrik durchgeführt.[9]:29f. Während des Ersten Weltkriegs wurde jährlich rund eine Milliarde Zigaretten hergestellt. Stieg zu Beginn des Krieges die Produktion aufgrund des großen Bedarfs der Armee noch an, machten sich bald Probleme mit der Rohstoff-Versorgung bemerkbar. Die Tabakregie sah 72 approbierte Streckmittel vor; darunter vor allem Buchenlaub, Hanf und Hopfen.[9]:30 1928 waren die Gebäude der alten Wollzeugfabrik schließlich nicht mehr nutzbar und ein Neubau wurde beschlossen.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1938 mutierte der Betrieb der Tabakfabrik zum „nationalsozialistischen Musterbetrieb“: 1942 wurde der Fabrik aufgrund der „Verfügung des Führers vom 29. August 1936 über den Nationalsozialistischen Musterbetrieb“ ein Gaudiplom für hervorragende Leistungen verliehen. Außerdem errang der Betrieb das Leistungsabzeichen für vorbildliche Sorge um die Volksgesundheit.[9]:34 Besuche von hochrangigen Nationalsozialisten wie Gauleiter August Eigruber, DAF-Leiter Robert Ley oder Reichsfinanzminister Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk sollte die Verbundenheit zum Regime stärken. Die Tabakfabrik war durch Arbeiter wie Josef Teufl aber auch ein Ort des Widerstands.[9]:35 Das Produkt Zigarette galt als kriegswichtig und das Unternehmen Tabakfabrik Linz war ein wehrwirtschaftlicher Betrieb. Während des Zweiten Weltkrieges wurden im Neubau der Fabrik rund fünf Milliarden Zigaretten produziert.[11]

Soziale Wohlfahrt

Während der Zigarettenproduktion durch die Österreichische Tabakregie war die Tabakfabrik Linz aufgrund von verschiedenen Einrichtungen der sozialen Wohlfahrt ein begehrter Arbeitsplatz. Die Arbeitsräume waren mit ausreichend Entstaubungs-, Wasch- und Toilettanlagen, Handtüchern, Seife und Wandspucknäpfen ausgestattet.[12]:66 Eigene Betriebsärzte ordinierten täglich in entsprechend ausgestatteten Räumlichkeiten in der Fabrik. Der Wohlfahrtsverein der Tabakregie betrieb Erholungsheime für Beamte in Bad Aussee und Bad Schallerbach sowie für Arbeiter in Kärnten (Sattendorf, St. Urban und Mallnitz).[12]:67 Den Arbeiterinnen wurde zusätzlich zum gesetzlichen Mutterschutz ein zweiwöchiger bezahlter Urlaub gewährt. Andere Sicherheitsmaßnahmen im Arbeitsschutz betrafen Verschalungen von Maschinen, Arbeitsschutzkleidung sowie diverse plakatierte Warnungen.[12]:68 Für die Arbeiterinnen an den Lösetischen entwarf Architekt Behrens eigene Stahlrohrsessel. Die Rollo für den Sonnenschutz sind aktuell im ursprünglichen braun-weiß gestreiften Design noch teilweise funktionstüchtig.[13]:64 und[14]:105

Eine eigene Werksküche erhielt die Linzer Tabakfabrik im Vergleich zu anderen Werken der Tabakregie erst relativ spät. Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Mittagspause im Ausmaß von zwei Stunden so lange bemessen, um „nach Hause zu gehen und dort zu essen“. Nach Kürzung der Pause auf 30 Minuten mit der Ausweitung der Arbeitszeit im Zweiten Weltkrieg war diese Argumentation nicht mehr aufrechtzuerhalten und 1943 wurden werkseigene Küche und Speisesaal von Gauleiter Eigruber eröffnet.[12]:69

Bereits 1918 wurde ein „Säuglingsheim“ eröffnet, in dem Kinder bis zu einem Alter von nur einem Jahr „unter Aufsicht der Fabrikärzte von fachkundigen Wartefrauen kostenlos beaufsichtigt, gebadet und gepflegt“ wurden. Dies hatte zur Folge, dass viele Arbeiterinnen ihre Kinder entgegen der Vorschriften nach Beendigung des ersten Lebensjahres mit an den Arbeitsplatz nahmen. Der Betriebskindergarten für Säuglinge und Kinder bis zum Alter von sechs Jahren wurde 1939 eröffnet. 1952 übersiedelte der Kindergarten in einen Neubau im baulichen Anschluss an das einzige von der alten Linzer Wollzeugfabrik erhaltene Gebäude der ehemaligen Zwirnerei, dem „Zwirnerstöckl“. Dort bestand der Kindergarten mit Hort als betriebliche Einrichtung bis 1977.[12]:70

Betriebskindergarten im ehem. Zwirnerstöckl
Wohnhäuser in der Gruberstraße 65 und 67

Bis 1910 hat die Tabakregie ein alle Fabriken umfassendes Wohnbauprogramm ausgearbeitet. Dabei entstanden in Linz 1923 ein Beamtenwohnhaus sowie später zwei Arbeiterwohnhäuser in der heutigen Gruberstraße[12]:71 an deren Fassaden Tabakpflanzen als Relief eingearbeitet wurden.[12]:87 Im Jahr 1941 erwarb die Tabakregie das gemeinnützige Wohnungsunternehmen Riedenhof.[15]

Ab 1918 erhielten alle beschäftigten Männer Rauchdeputate in erheblichem Ausmaß: Angestellte erhielten im Jahr 1940 750 Stück Zigaretten pro Monat, Arbeiter 600 Stück. Jungarbeiter im Alter von 16 bis 20 Jahren erhielten die Hälfte. Um einen Weiterverkauf der Deputate zu erschweren, wurden die Zigaretten in Packungen mit dem Aufdruck „Personal“ abgegeben.[12]:70f.

Neuere Unternehmensgeschichte

Hauptartikel: Austria Tabak

1997 übertrug die Republik Österreich ihre Anteile an den Austria Tabakwerken, und damit auch an der Tabakfabrik Linz, an die ÖIAG. Ab 1997 erfolgte die Privatisierung der Austria Tabakwerke durch die ÖIAG und 2001 ein Verkauf an die Gallaher Group. Diese Gruppe wurde 2007 durch JTI übernommen, 2008 wurde die Schließung des Werks beschlossen.

Geschichte und Design des Gebäudekomplexes

Wandgemälde von Herbert Dimmel mit Uhr in der Lösehalle (Zigarettenfabrikationsgebäude)

Alexander Popp war ein Schüler Behrens an der Wiener Akademie und führte später mit ihm ein Architekturbüro in Wien. Die Tabakfabrik Linz war nach Arbeiten für Hoechst und AEG der letzte Industriebau Behrens'. Im Nachlass von Alexander Popp im Inventar des Museums Nordico befindet sich ein zwischen Behrens und Popp geführter Schriftwechsel. Diesen führten sie zwischen August 1928 und April 1936 zu ihrem gemeinsamen Bauprojekt in Linz (Bauakten, Raumprogramm und andere Baudetails), allgemeinen Angelegenheiten ihres gemeinsamen Arteliers in Wien sowie privaten Dingen.[16]

Der Neubau der Fabrik fand in den wirtschaftlich schwierigen Jahren der Weltwirtschaftskrise statt. 1934 konnte der Bau nur durch vom damaligen Finanzminister Karl Buresch zur Verfügung gestellte monatliche Zuschüsse zum Investitionskredit fortgesetzt werden.[9]:33

Die Eröffnung der Tabakfabrik Linz fand im November 1935 im Beisein von Bischof Johannes Maria Gföllner, Bürgermeister Wilhelm Bock, Landeshauptmann Heinrich Gleißner und den Ministern Ludwig Draxler und Karl Buresch statt.[9]:35

Einheitlich aus dem kostenintensiven Grundstoff Tombak, einer hoch kupferhaltigen Messinglegierung, sind Handläufe in Stiegenhäusern, Innen-, Aufzug- und Außentüren gestaltet.[13]:64 Der charakteristische Türkis-Farbton ist als „Linzer Blau“ bekannt.[14]:105

Im Jahr 1969 wurden von der Austria Tabak zwei weitere Magazine und 1982 ein Zubau im Westen des Areals errichtet (nicht denkmalgeschützt, geplant vom ehem. Schweizer Architekturbüro Suter + Suter). Im neueren Zubau (Verwaltungsgebäude) befindet sich ein Glasbild von Robin Christian Andersen und Josef Raukamp. Die Skulptur „Zigarettenturm“ aus Cortenstahl an der Kreuzung Gruberstraße/Untere Donaulände stammt von den beiden Künstlern Karl-Heinz Klopf und Gerhard Knogler.[17]:171

Zigarettenfabrikation

Das seit 1981 unter Denkmalschutz stehende Hauptgebäude der Fabrik[18] gilt als Markstein der Industriearchitektur der österreichischen Zwischenkriegszeit und verläuft gebogen am südlichen Grundstücksrand zur Ludlgasse auf einer Länge von 226,8 Metern.[19] Dieses Gebäude war der erste Stahlskelettbau dieser Dimension in Österreich. Das Stahlgerippe wog 3.000 Tonnen und wurde von der Firma Waagner-Biro errichtet.[14]:103 und 106 Die vorgemauerten Holzblockziegel, durchlaufende Fensterbänder und alle weiteren konstruktiven Bedingungen dieses Bauwerks (Außenhaut: Holzsteinmauerwerk und Kork) waren der Notwendigkeit geschuldet, dass zur Zigarettenerzeugung eine konstante Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent und gleichbleibende Temperatur sowie ausreichend Helligkeit nötig war.[14]:103f.

Detail der Gedenktafel von Robert Obsieger

Das Gebäude verfügt über eine Nutzfläche von rund 24.000 Quadratmeter und eine Gedenktafel von Robert Obsieger. An die Zigarettenfabrikation angeschlossen ist die Lösehalle.

Kraftwerk

Das Kraftwerk befindet sich im Innenhof des Gebäudekomplexes. Der oben auskragende Teil ist das Kohlesilo, welches die Beschickung der Hochdruck-Dampfanlage anfangs mit dem Brennstoff Kohle im freien Fall ermöglichte.[13]:63 Später wurde das Kraftwerk mittels Öl- und Gasanlage geführt. Der Anschluss an das Fernwärmenetz erfolgte im Jahr 2010.[14]:104

Pfeifentabakfabrikation

Im Inneren des Pfeifentabakfabrikationsgebäudes

Das Gebäude der Pfeifentabakfabrikation verläuft mit 60 Metern Länge am nördlichen Grundstücksrand und umfasst sechs, der Nebentrakt sieben Geschosse. Wie das Zigarettenfabrikationsgebäude ist es ein Stahlskelettbau und verfügt über durchgehende Fensterbänder.

Fries aus dem Jahr 1934

Der Fries aus gebranntem Klinker am ehemaligen Haupteingang an der Unteren Donaulände von Wilhelm Frass wurde dem 150-jährigen Jubiläum der Österreichischen Tabakregie im Jahr 1934 gewidmet und zeigt einen Tabakarbeiter mit Tabakballen, einen Maschinenarbeiter mit Zahnrad sowie mittig Merkur.[13]:69 Umgesetzt wurde das Relief von der Ziegelfirma Wienerberger.[17]

Magazine

1930 wurde mit dem Bau eines Magazins begonnen. Zwei Uhren von Karl Hauk mit Darstellungen von Jahreszeiten (Richtung Nord) und Tierkreiszeichen (Richtung West) sind an diesem Gebäude an der Unteren Donaulände angebracht. Ursprünglich ein Teil der Pfeifentabakfabrikation, wurde es später als Rohstoffspeicher genutzt.

Nicht errichtete Gebäude

Ein Wohlfahrts- und ein Werkstättengebäude sowie ein Verschleißmagazin und ein Verwaltungsgebäude im Westen des Areals waren im Jahr 1935 noch geplant, sind jedoch nicht errichtet worden.[14]:113

Produzierender Stadtteil

Ars Electronica 2013 mit „Zigarettenturm“

Konzept

Laut dem derzeitigen Konzept soll die Tabakfabrik wie ein Konzern funktionieren, in dem eingemietete Unternehmen miteinander kollaborieren.[20] Eine Kreativkette soll die diversen Bereiche, von der Forschung und Wissenschaft über die Kunst und das produzierende Gewerbe – bis hin zum geistigen und materiellen Konsumieren – auf dem Areal bündeln.[21][22] Wohnbauten sind nicht vorgesehen. 2014 beginnt der Planungsprozess für die Revitalisierung des größten Gebäudes auf dem Areal, Bau 1 mit rund 24.000 Quadratmetern, der unter Denkmalschutz steht.[23] Bis 2015 soll ein erstes Konzept für die Nutzung dieses Gebäudes entstehen.[24][25]

Finanzierung

Nachdem der erste kaufmännische Leiter der Tabakfabrik das Amt nach Rechenfehlern zurücklegte, erfährt die Tabakfabrik seit 2013 eine positive finanzielle Entwicklung.[26] Geld aus der öffentlichen Hand benötigt man für die Instandhaltung, Renovierung und Adaptierung der denkmalgeschützten Bauten sowie für die inhaltliche Entwicklung des Areals. Der laufende Veranstaltungsbetrieb sowie die bereits vermieteten Bereiche erwirtschaften 2014 Gewinne.[27]

Für die Instandhaltung der Entwicklungsflächen und die Entwicklungsarbeit erhält die GmbH einen Zuschuss der Stadt Linz, dessen Höhe vom Gemeinderat beschlossen wird. Umgekehrt bezahlt die Tabakfabrik für das Areal Miete an die Stadt Linz, die je höher ausfällt, je mehr von der Eigentümerin der Liegenschaft, der Immobilien Linz GmbH, baulich investiert wird. Über die baulichen Investitionen in der Tabakfabrik Linz entscheiden Gremien der Stadt Linz in einem mehrstufigen Verfahren. Die Entwürfe des Entwicklungsteams werden im Aufsichtsrat der Tabakfabrik und im Aufsichtsrat der Immobilien Linz GmbH besprochen, vom Gebäudemanagement der Stadt Linz planerisch und technisch entwickelt und im Gemeinderat der Stadt Linz beschlossen.[28] Nachdem die wichtigsten Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind, wird sich die Tabakfabrik Linz über Mieteinnahmen und die Erlöse von Veranstaltungen selbst finanzieren.

Mieter – PionierInnen

In der Tabakfabrik arbeiten Künstler wie Hannes Langeder, der mit seinem Fahrradi Farfalla internationales Aufsehen erregte[29][30], Kulturvereine, Coaching- und Bildungseinrichtungen, Gesundheitsorganisationen, Sozialvereine, Werbe- und Digitalagenturen wie Netural[31], Technologie- und Softwareentwickler, Architekten[32], Designer, Medienunternehmen und Handwerksbetriebe wie die Grafische Manufaktur[33][34].

Die so genannten 'PionierInnen' nutzen die Räume (Stiege A von Bau 1 und Bau 2) als Ateliers, Büros, Hörsäle, Praxen, Studios und Werkstätten. Seit der vollständigen Sanierung von Bau 2 arbeiten auf dem Areal insgesamt 300 Personen, das sind mehr als vor der Schließung 2009.[35]

Die Creative Region Linz & Upper Austria wurde 2011 in der Tabakfabrik angesiedelt, auch um die dort angesiedelten Unternehmen zu unterstützen.[36] Der Fabriksgedanke wird mit so genannten „Sektionen“ hochgehalten: In Erinnerung an die Motorsportsektion der Austria Tabak knüpft die „Sektion Zweirad“ an, eine Gemeinschaft von Motor- und Fahrradbegeisterten, die sich regelmäßig in der Tabakfabrik treffen.[37]

Ab 2015 soll in der Tabakfabrik Linz ein Mode-Studium angesiedelt werden: Das Bachelorstudium Mode der Kunstuniversität Linz – bisher in Wien-Hetzendorf gelegen – soll auf rund 800 Quadratmeter von Bau 1 verlegt werden. Zugleich sollen die Studierenden in die oberösterreichische Kreativwirtschaft eingebunden werden.[38][39]

Veranstaltungen

Installationen der Ars Electronica 2010 in der Tabakfabrik

Vor allem im Bereich der Veranstaltungen wird die Strategie der Zwischennutzung eingesetzt: Die Tabakfabrik vermietet ihre Räume an Externe, die Bandbreite reicht von Hochkultur über Populär- bis hin zu Subkultur. Eigenveranstaltungen führt sie nur in Kooperation mit anderen Institutionen, wie beispielsweise der Ars Electronica, dem Brucknerhaus oder der Kunstuniversität Linz, durch. Im Veranstaltungskalender finden sich diverse Kongresse, Workshops, Lesungen, Messen, Konzerte (beispielsweise von Parov Stelar[40]), Pop-up-Stores, Foto- und Videoshootings, Tauschbörsen, Opern, junges Theater (wie beispielsweise 'Hamlet.Material'[41]), Performances und Festivals[42]. Die Tarife sind unterteilt in Kommerz-, Kultur- und Sondertarife.[43]

Ausstellungen

Aufgrund der ungewöhnlichen und großen Räumlichkeiten finden seit 2012 im Brandland der Tabakfabrik Ausstellungen statt. Im einstigen Hochregallager[44] wurden Großausstellungen wie Porsche – Design, Mythos und Innovation (2012–2013, rund 65.000 Besucher[45]), die Terrakotta-Armee (2013, rund 45.000 Besucher[46]) oder 2014 die Wanderausstellung Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze[47] gezeigt. Unter dem Titel „Ausstellungswerft“ will die Tabakfabrik in der Zukunft Anlaufhafen für diese travelling exhibitions sein, eingemietete Kreativ-Unternehmen sollen die Schauen gemeinsam konzipieren, entwickeln, bauen und auf die Reise schicken.[48]

Lage

Die Tabakfabrik Linz liegt zwischen dem Zentrum, der Donaulände und dem Hafenviertel. Ihre Entwicklung hängt mit dem sich stark entwickelnden Hafenviertel zusammen.[49]

2013 wurden die Gleise des Areals reaktiviert und es fuhr erstmals ein Personenzug (ÖBB Desiro 5022) mit 200 Mitarbeitern der voestalpine vom neuen Bahnhof der Stahlwelt zur Tabakfabrik Linz. In Zukunft sollen bei Kulturprojekten Züge auf der Strecke fahren.[50][51]

Der Bau einer zweiten Straßenbahnachse in Linz wird die Tabakfabrik in Zukunft noch stärker in das öffentliche Nahverkehrsnetz einbinden. Die bereits in Planung befindliche Straßenbahnlinie 4 soll vom Bulgariplatz über die Gruberstraße bis zur Donau führen.[52][53] Momentan ist die Tabakfabrik über die Linien 12 (Haltestelle Parkbad), 25 (Haltestelle Parkbad), 26 (Haltestelle Lüfteneggerstraße) und 27 (Haltestelle Lederergasse) an den öffentlichen Verkehr angebunden.

Literatur

  • Sabine Fellner, Georg Thiel: Die Tabakfabrik Linz. 1850 bis 2009. Sutton Verlag, Erfurt 2009, ISBN 978-3-86680-422-7.
  • Andrea Bina: Tabak Fabrik Linz. Kunst Architektur Arbeitswelt. Verlag Anton Pustet, Museen der Stadt Linz 2010, ISBN 978-3-7025-0633-9.
  • Hermann Steindl: Architekt Prof. Peter Behrens. Die Tabakfabrik Linz Eine Ikone der modernen Industriearchitektur. Trauner Druck, Linz 2010, ISBN 978-3-200-01903-4.
  Commons: Linz Austria Tabakwerke  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.linz.at/geschichte/de/1615.asp
  2. http://www.linz.at/politik_verwaltung/47601.asp
  3. http://www.regionews.at/report/Kreativbiotop_statt_Zigaretten_Linzer_Tabakfabrik_produziert_wieder-404
  4. http://www.volksblatt.at/artikel/linz_will_unesco_city_werden_25022014/
  5. Der Standard – Artikel http://derstandard.at/1355459946252/Linz-Studie-fuer-Tabakfabrik-als-Kreativort
  6. https://tabakfabrik-linz.at/wp-content/uploads/2014/04/2013.12.10_-_BilanzPK_Unterlagen_Tabakfabrik_Linz1.pdf
  7. FAQ zur Tabakfabrik https://tabakfabrik-linz.at/konzept/faq/
  8. https://science.apa.at/rubrik/kultur_und_gesellschaft/Grundstein_fuer_Forschungszentrum_VALIE_EXPORT-Vorlass_landet_in_Linz/SCI_20150429_SCI39351351623289974
  9. 1 2 3 4 5 6 7 8 Sabine Fellner, Georg Thiel: Die Geschichte der Tabakfabrik Linz. In: Andrea Bina: Tabak Fabrik Linz. Kunst Architektur Arbeitswelt. Verlag Anton Pustet, Museen der Stadt Linz 2010, S. 24–63, ISBN 978-3-7025-0633-9.
  10. Andrea Bina: Skizze einer 159-jährigen Linzer Industriegeschichte, PDF S. 10, abgerufen am 10. Juni 2012.
  11. Tabakfabrik, öffentliches Gebäude auf linz.at, abgerufen am 10. Juni 2012.
  12. 1 2 3 4 5 6 7 8 Sabine Fellner, Georg Thiel: Austria Tabak als Arbeitgeber – Soziales und Wohlfahrt. In: Andrea Bina: Tabak Fabrik Linz. Kunst Architektur Arbeitswelt. Verlag Anton Pustet, Museen der Stadt Linz 2010, S. 66–88, ISBN 978-3-7025-0633-9.
  13. 1 2 3 4 Hermann Steindl: Architekt Prof. Peter Behrens. Die Tabakfabrik Linz Eine Ikone der modernen Industriearchitektur. Trauner Druck, Linz 2010, ISBN 978-3-200-01903-4.
  14. 1 2 3 4 5 6 Andrea Bina: Die Neue Tabakfabrik: Erweiterungs- und Umbau in: Dies.: Tabak Fabrik Linz. Kunst Architektur Arbeitswelt. Verlag Anton Pustet, Museen der Stadt Linz 2010, S. 102–127, ISBN 978-3-7025-0633-9.
  15. Vgl. zum Weiterverkauf des Wohnungsunternehmens: Abatec-Chef Niederndorfer kauft Wohnbaufirma in: OÖN vom 21. Dezember 2010, abgerufen am 21. Juli 2012.
  16. Andrea Bina: „Hochverehrter Herr Professor“: Die Korrespondenz zum Bau der Fabrik Linz in: Dies.: Tabak Fabrik Linz. Kunst Architektur Arbeitswelt. Verlag Anton Pustet, Museen der Stadt Linz 2010, S. 146–151, ISBN 978-3-7025-0633-9.
  17. 1 2 Andrea Bina: Kunst (am Bau): Die Fabrik Linz / Zeitgenössische Kunst zu Fabrik und Produkten. In: Dies.: Tabak Fabrik Linz. Kunst Architektur Arbeitswelt. Verlag Anton Pustet, Museen der Stadt Linz 2010, S. 168–187, ISBN 978-3-7025-0633-9.
  18. Zur Verhängung des Denkmalschutzes über die Fabrik vgl. Klaus Kohout: Die Linzer Tabakfabrik – Karriere eines Architekturdenkmals in: Andrea Bina: Tabak Fabrik Linz. Kunst Architektur Arbeitswelt. Verlag Anton Pustet, Museen der Stadt Linz 2010, S. 190–193, ISBN 978-3-7025-0633-9.
  19. Vgl. Plan Fabrikareal, JPG, abgerufen am 10. Juni 2012.
  20. http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/Mode-Studium-in-der-Linzer-Tabakfabrik;art16,1332197
  21. Standard-Artikel http://derstandard.at/1389858312445/Feuer-und-Flamme-fuer-die-alte-Tschickbude
  22. Profil Artikel zum Kreativquartier http://www.profil.at/articles/1250/560/348709/falk-landinsel-die-linzer-tabakfabrik-kreativquartier
  23. http://www.linz.at/archiv/denkmal/default.asp?action=denkmaldetail&id=907
  24. ORF-Artikel zu Bilanz 2013 http://ooe.orf.at/m/news/stories/2619671/
  25. Rundschau-Artikel zur Bilanz 2013 http://www.meinbezirk.at/linz/wirtschaft/tabakfabrik-ein-stadtteil-entwickelt-sich-d784094.html
  26. http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/linz/Nach-Krise-ist-Tabakfabrik-nun-im-Aufwind;art66,1334635
  27. Finanzierung https://tabakfabrik-linz.at/konzept/faq/#7-woher-kommt-das-geld-fr-die-tabakfabrik
  28. Rundschau-Artikel http://www.meinbezirk.at/linz/kultur/fahrradi-farfalla-entstanden-in-der-tabakfabrik-d152621.html
  29. Spiegel-Artikel http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/fahrradi-farfalla-ffx-tandem-fahrrad-mit-autokarosserie-a-832060.html
  30. http://www.meinbezirk.at/linz/wirtschaft/ein-smartes-office-in-der-tabakfabrik-d701027.html
  31. http://derstandard.at/1389858312445/Feuer-und-Flamme-fuer-die-alte-Tschickbude
  32. Artikel Rundschau Linz zur Grafischen Manufaktur http://www.meinbezirk.at/linz/chronik/viel-oel-und-viel-liebe-d725313.html
  33. Artikel OÖN über die ersten Pioniere http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/83-Unternehmen-draengen-in-die-Linzer-Tabakfabrik;art16,1054784
  34. http://www.regionews.at/report/Kreativbiotop_statt_Zigaretten_Linzer_Tabakfabrik_produziert_wieder-404
  35. https://www.land-oberoesterreich.gv.at/Mediendateien/LK/PK_LH_17_10_2011_Internet.pdf
  36. http://www.meinbezirk.at/linz/sport/tabakfabrik-sektion-zweirad-passion-fuer-zwei-raeder-d720555.html
  37. OÖN Artikel zum Mode-Studium in der Tabakfabrik http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/Mode-Studium-in-der-Linzer-Tabakfabrik;art16,1332197#ref=rss
  38. Die Presse Artikel zu Hetzendorf http://diepresse.com/home/leben/kreativ/1578637/Kunstuniversitaet-Linz_Der-Umzug-als-letzter-Ausweg?_vl_backlink=/home/leben/index.do
  39. LT1 Bericht zu Parov Stelar in der Linzer Tabakfabrik http://www.lt1.at/tv-berichte/magazin/12027
  40. Facebook-Seite von Hamlet Material https://www.facebook.com/HamletMaterial
  41. Veranstaltungsübersicht und -archiv https://tabakfabrik-linz.at/events/#events-upcoming
  42. Auflistung der Tarife https://tabakfabrik-linz.at/veranstalten/
  43. Räume der Tabakfabrik https://tabakfabrik-linz.at/veranstalten/raeume/
  44. Rundschau Linz Artikel http://www.regionews.at/newsdetail/Porsche_Ausstellung_in_Linzer_Tabakfabrik_Bereits_65_000_BesucherInnen-48070
  45. ORF Artikel „Neuer Schwung in der Tabakfabrik“ http://ooe.orf.at/m/news/stories/2619671/
  46. http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/Tutanchamun-Ausstellung-Pharao-zieht-in-die-Tabakfabrik-ein;art16,1323935
  47. http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/Die-Tabakfabrik-entdeckt-sich-selbst-als-Ausstellungswerft;art16,1328222
  48. Artikel Rundschau Linz zur Hafenentwicklung http://www.meinbezirk.at/linz/chronik/hafen-soll-zur-modellregion-fuer-stadtentwicklung-werden-d888856.html
  49. Rundschau Artikel zum Schienenanschluss http://www.meinbezirk.at/linz/chronik/interurbahner-schienenschluss-fur-die-tabakfabrik-linz-d671080.html
  50. Linz TV http://www.linztv.at/szene/2013-09-10-haltestelle-zukunft.html
  51. http://www.linz.at/futurelinz/62037.asp
  52. http://www.meinbezirk.at/linz/chronik/noch-heisst-es-warten-auf-die-zweite-strassenbahnachse-in-linz-bis-die-entscheidung-wegen-der-eisenbahnbruecke-gefallen-ist-m4535035,613243.html