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vom 23.05.2017, aktuelle Version,

Walther Kastner

Walther Kastner (* 11. Mai 1902 in Gmunden, Oberösterreich; † 31. März 1994 in Wien) war ein österreichischer Jurist, Manager, Kunstfreund und Mäzen.

Leben

Kastner wuchs in Linz auf und war unter anderem führend in der Wandervogelbewegung aktiv. Er besuchte das Gymnasium in Linz gemeinsam mit Ernst Kaltenbrunner. Nachdem er sein Studium der Kunstgeschichte abgebrochen hatte, begann er eine Banklehre bei der Bank für Oberösterreich und Salzburg in Bad Ischl. Nach seiner Entlassung 1926 studierte er in nur einem Jahr Jura in Innsbruck und promovierte am 5. November 1927. Ab 1930 war Kastner in der österreichischen Finanzprokuratur tätig. Nach der Ausschaltung des Parlamentes wurde Kastner im Austrofaschismus ins Finanzministerium als Prüfungskommissär berufen. Nach dem Anschluss Österreichs wurde Kastner von Seyß-Inquart, den er nach eigenen Angaben aus "der Systemzeit" kannte, in die Österreichische Kontrollbank für Industrie und Handel berufen, die zur Arisierung der österreichischen Wirtschaft herangezogen wurde. 1939 wurde er zum leitenden Direktor dieser zentralen Institution der Enteignung der jüdischen Bevölkerung. Er lehnte eine besonders frühe Nummer der NSDAP aus der illegalen Zeit ab und stellte am 12. September 1940 einen Antrag zur Aufnahme in die NSDAP, in der er selbst angab, für die illegale NSDAP vor 1938 tätig gewesen zu sein: „Während der Systemzeit habe ich meine nationale Gesinnung und Haltung immer bekannt und habe die NSDAP durch Spenden und durch Aufbewahrung von illegalen Propagandaschriften unterstützt.“ Als die Kontrollbank 1942 abgewickelt wurde, da sie ihre Funktion zur "Entjudung" der österreichischen Wirtschaft erledigt hatte, wechselte Kastner in den Vorstand der Semperit AG. Nachdem der Vorstandsvorsitzende Franz Messmer in Mauthausen ermordet wird, tritt Walther Kastner dessen Nachfolge an und bleibt bis zum Kriegsende Vorstandsvorsitzender. Kastner gibt an, sich in seiner Funktion des Ariseurs der Wirtschaft nicht privat bereichert zu haben, lediglich ein Teppich, den er seinem Chef in der Finanzprokuratur Rudolf Löw 1938 vor dessen Emigration abkaufte, wird in der Autobiographie erwähnt. Aus Kastners Sicht eine Unterstützung Löws, nach heutiger Rechtssicht wohl ein Zwangsverkauf. Kastner hat nach eigenen Angaben vielen jüdischen Mitbürgern die Ausreise erleichtert; diese sollen sich mit dem Schenken von Kunstwerken bei dem als Sammler bekannten Kunstliebhaber bedankt haben. Bekannt ist auch, dass Kastner seit 1941 eine zuvor einem jüdischen und 1939 geflohenen Ehepaar in Wien IX gehörende Wohnung bewohnte.

Ab Herbst 1945 muss Kastner als Belasteter Strafarbeit leisten und wird als Hilfsarbeiter in einem Kunstbergungstrupp eingesetzt. Peter Krauland sorgt persönlich dafür dass Kastner trotz seiner NS-Tätigkeit bereits ab 1946 als persönlicher Konsulent für Krauland tätig werden darf. Kastner war für die Restitution von großen Wirtschaftsbetrieben zuständig, die er als Leiter der Kontrollbank "entjudet" hatte. Zwei Verfahren wegen Kriegsverbrechen gegen Walther Kastner wurden nach direkter Intervention durch Peter Krauland eingestellt.

Da Peter Krauland 1949 selbst verurteilt wurde Krauland-Skandal, war Kastner ab 1949 als Wirtschaftsanwalt tätig (und wirkte dabei an Restitutionsfällen mit, die er zuvor von der Seite der „Arisierung“ her kannte, zum Beispiel vertrat er die Familie Rothschild, Karl Kahane Montana oder Bunzl&Biach).

Ab 1964 war Kastner auch als Professor für Handelsrecht an der Universität Wien tätig. Zahlreiche Gesetze dieser Zeit tragen die Handschrift des damals führenden österreichischen Gesellschaftsrechtlers. Walther Kastner ist auch der Autor des 5. Restitutionsgesetzes. Kastner wurde Ehrenmitglied der österreichischen Akademie der Wissenschaften. Zu seinem 80. Geburtstag erschienen im Wiener Orac-Verlag Kastners Memoiren: Mein Leben – kein Traum. Aus dem Leben eines österreichischen Juristen.

Walther Kastner stiftete seine bedeutende Gemäldesammlung 1975 dem Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz.

Kastner wurde am Grinzinger Friedhof (Gruppe 21, Reihe 9, Nummer 24) bestattet. Nach ihm ist der Walther-Kastner-Preis benannt, der als die bedeutendste Auszeichnung im Bereich des Banken- und Gesellschaftsrechts gilt. Der Preis wird vom Verband Österreichischer Banken und Bankiers für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten vergeben, die dazu geeignet sind, das österreichische Bankwesen zu fördern – insbesondere auf dem Gebiet des Gesellschaftsrechts, des Steuerrechts und der Volkswirtschaftslehre.

Seit 2013 wird dieser Preis nicht mehr Walther Kastner Preis genannt, sondern firmiert nunmehr als Preis des Verbandes österreichischer Banken und Bankiers.

Literaturhinweise

  • Walther Kastner: Grundriss des österreichischen Gesellschaftsrechts, Wien 1986
  • Wirtschaftspraxis und Rechtswissenschaft – Festschrift für Walther Kastner, Wien 1972
  • Benno Ulm: Kunstsammlung Walther Kastner, Katalog Schlossmuseum Linz, Linz 1975
  • Lothar Schultes: Die Sammlung Kastner. Band 1: Mittelalter und Barock, Linz 1992
  • Lothar Schultes: Die Sammlung Kastner. Band 2: Die Kunst des 19. Jahrhunderts, Linz o. J.
  • Bernhard Prokisch: Die Sammlung Kastner. Teil 4: Münzen, Linz 1997
  • Johannes Wieninger, Elisabeth Schmuttermeier, Lothar Schultes: Die Sammlung Kastner. Band 5: Ostasiatische Kunst und Schmuck, Linz 1999
  • Lothar Schultes: Die Schenkung Kastner, Teil 1: Mittelalter und Barock, Linz 2010 (mit Biographie)
  • Lothar Schultes: Die Schenkung Kastner, Teil 2: Vom Biedermeier zum Expressionismus, Linz 2010
  • Manuel Heinl, Birgit Kirchmayr Walter Kastner Zwischenbericht