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Herbert Gschwendtner: Glück auf! Erzweg Kupfer#

Bild 'Gschwendtner'

Herbert Gschwendtner: Glück auf! Erzweg Kupfer Wanderungen und Bergbaugeschichten. Verlag Anton Pustet, Salzburg. 144 S., ill., € 22,-

"Da Bua, der Trottl, is für nix zan brauchn", schimpfte der Vater von Herbert Gschwendtner. Er irrte gewaltig. Gschwendtner wurde Bergmann, Maler, Hüttenwirt, Wanderführer, Impulsgeber für den Pongauer Tourismus, Radiomoderator, Zeitungskolumnist und Autor mehrerer Bücher. Auch das jüngste hat er ebenso persönlich wie professionell geschrieben. Gekonnt verknüpft der Autor Wissenswertes über den "Erzweg Kupfer" beim Hochkönig im Salzburger Land, Wanderrouten und Sagen. Zahlreiche Farbfotos, eigene Erinnerungen und ein Anhang mit Begriffen aus der Bergmannssprache und Bergmannssprüchen komplettieren das lesenswerte Buch. Als Insider konnte der Autor die Entwicklung verfolgen: die Einrichtung von Museen und Schaustollen und die Rettung des seinerzeit von den Bergleuten in unbezahlter Arbeit errichtete Knappenheims in Mühlbach am Hochkönig. Dass er die Aktivisten kennt und namentlich nennt, verleiht dem Text weitere Authentizität.

Die Geschichte des Kupferbergbaus im Pongau reicht 5000 Jahre zurück. Zweieinhalb Jahrtausende hindurch wurde der prähistorische Abbau mittels "Feuersetzmethode" betrieben. Dabei machten die Bergleute mit Feuer und Wasser das Gestein spröde und erreichten, mit einem Vortrieb von täglich zwei bis drei Zentimetern, Tiefen bis 100 m. Diese waren in Mitteleuropa in prähistorischer Zeit einzigartig. Das Metall fand Verwendung für Werkzeuge und Schmuck. Erst 1976 wurde der Bergbau geschlossen.

Der erste Weg führt von Hüttau nach Bischofshofen. Hüttau liegt im Fritzbachtal zwischen dem Südfuß des Tennengebirges und dem Hochgründeck. Hier ist der Kupferabbau vom Mittelalter bis ins 17. Jahrhundert belegt. 150 Männer fanden beim Bergbau und im Hüttenwerk Arbeit. 1998 wurde in Hüttau das Schaubergwerk "Kupferzeche Larzenbach" eingerichtet. Im Gemeindehaus hat ein Bergbaumuseum Platz gefunden.

Die nächste Etappe geht von Bischofshofen nach Mühlbach. Bischofshofen ist eine der ersten Siedlungen und die älteste christliche Kultstätte des Pongaus Anno 711 gründete der Salzburger Bischof Rupertus hier ein Kloster. Neben drei Kirchen und einem Turm aus dem Mittelalter ist das Besucherzentrum des Global-Geoparks "Erz der Alpen" mit einem künstlichen Stollen von touristischem Interesse. Wintersportbegeisterte kennen die Stadt als Austragungsort der Vierschanzentournee.

Weiter wandert man von Mühlbach am Hochkönig nach St. Veit. Zur Blütezeit des Kupferbergbaus - im Jahrhundert zwischen 1829 und 1929 - hatte Mühlbach 3000 Einwohner, heute sind es halb so viele. Ein Schaustollen und ein Museum erinnern an die große Vergangenheit. Zu den Exponaten zählt eine Kopie der Himmelsscheibe von Nebra (geunden 1999 in Sachsen/Deutschland). Sie ist einer der wichtigsten archäologischen Funde aus der Bronzezeit. Die rund viertausend Jahre alte Bronzescheibe mit Goldauflagen gilt als weltweit älteste konkrete Himmelsdarstellung. Das dafür verwendete Kupfer stammt aus den Mühlbacher Erzminen.

Die fünfte und letzte Etappe des Erzwegs führt von St. Veit zum Schaubergwerk Sunnpau. In St. Veit birgt das Seelackenmuseum im Kurpark Schätze aus Archäologie, Bergbau, Mineralogie und Volkskunde. Ein Gutteil ist dem Schriftsteller Thomas Bernhard gewidmet, der im Ort zur Kur weilte. "Sunnpau - Matthiasstollen" war ein prähistorisches Bergwerk. Als man es freilegte, fand man ein Grab aus der Zeit um 1000 - 1100 v. Chr. und eine Öllampe aus der Römerzeit.

Bei jeder Route erfährt man viel Wissenswertes, etwa über die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute, eine resolute Hüttenwirtin, oder den Werdegang eines Hauers. Barbara wurde mit Bräuchen verehrt, wie dem gemeinsamen Kirchgang der Knappen in ihrer schwarzen Tracht und weißen Federbüschen auf den Kappen. Im Stollen befand sich eine Barbarastatue und es war Tradition, beim Arbeitsbeginn dort eine Kerze zu entzünden. Wenn diese nicht brennen wollte, verstand man es als Warnung vor einem drohenden Unglück. Die Hüttenwirtin Therese Radacher lebte im 19. Jahrhundert. Sie war eine große und tüchtige Frau, die 22 Jahre lang zugleich eine Alm und das fast 3000 m hoch gelegene Matrashaus am Hochköniggipfel bewirtschaftete. Zunächst bereitete sie den Bergsteigern auf der Alm das Frühstück, dann im fast 3000 m hoch gelegenen Schutzhaus das Mittagessen und abends wieder das Nachtmahl auf der Alm. Zeitgenossen waren nicht nur davon beeindruckt, sondern auch von ihrer Erscheinung - 1,80 m war damals groß für eine Frau - und ihrer Kleidung. Sie trug eine Kniebundhose, einen breiten Hut und war nie ohne ihren langen Bergstock unterwegs. Um ein gelernter Bergmann (Hauer) zu werden, musste man mehr als fünf Jahre Ausbildung absolvieren. Als 18-Jähriger begann ein Bursche mit Hilfsdiensten, als "Förderer", der die Hunte (Erzwagen) füllte oder "Kuppler", der die Erzzüge zusammenkuppelte. Nach einem Jahr konnte er zur Gedingearbeit ider Zeche (Abbau) oder im Vortrieb eingeteilt werden. Nachdem in zwei Jahren alles gelernt hatte, was ein Hauer können muss, wurde er zum "Lehrhauer". Dazu gab es einen Brauch, den Ledersprung. Dabei musste der Lehrling über das Bergleder (Arschleder, ein Teil der Schutzleidung) springen, einen Spruch aufsagen und einen Liter Bier trinken. Nach weiteren zwei Jahren schlug ihn der Reviersteiger (Aufseher) als Hauer vor. Nach drei Monaten und Prüfungen erhielt er dann den lang ersehnten Hauerbrief.

Zahlreich sind auch die Bergwerkssagen. Sie handeln u. a. von Berggeistern und weißen Katzen, die vor Bedrohung warnen. Eine Geschichte erzählt von einem jungen Pfarrer, der sich in eine Bauerntochter verliebte. Um sich treffen zu können, schlug er von der Kirche zum Bauernhof einen Stollen, in dem er schließlich starb. In einer anderen Sage rettete ein Knappe einem Berggeist das Leben. Als Dank versprach er ihm Gold für ein Jahr, Silber für zwei Jahre oder Heilwasser für 100 Jahre. Der kluge Hauer entschied sich für letzteres.