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Caroline Klima: Echt clever !#

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Caroline Klima: Echt clever ! Geniale Erfindungen aus Österreich. Wartberg-Verlag Gudensberg-Gleichen. 120 S., ill., € 15,50

Österreichische Erfinderschicksale sind sprichwörtlich traurig. Der Schneider Josef Madersperger (1768-1850) baute eine Nähmaschine, die sein Gewerbe revolutioniert hätte. Er fand aber keinen Financier für die Patentgebühr und das Privileg verfiel. Sein Leben endete im Versorgungshaus. Der Forstmann Josef Ressel überließ seine Konstruktionspläne der Schiffsschraube in gutem Glauben einem Franzosen, der vorgab, ihm zu helfen. Er musste zusehen, als der erste Schraubendampfer als Weltneuheit bestaunt wurde - seine Idee, der Erfolg anderer. Der Tischler Peter Mitterhofer (1822-1893) baute nach und nach fünf Typen einer Schreibmaschine und wanderte damit nach Wien. Der Kaiser bewilligte ihm zwar einige hundert Gulden an Subvention, aber niemand interessierte sich ernsthaft dafür.

Um den Mythos etwas zu korrigieren - was im vorliegenden Buch geschieht - muss man aber bedenken, dass im 19. Jahrhundert manche Erfindungen gewissermaßen in der Luft lagen und mehrere unabhängige "Väter" haben. Allerdings wiederholt sich das Motiv, dass staatliche Stellen, die mit der Prüfung befasst waren, und das Militär in Österreich die Tragweite der Erfindungen nicht erkannten. "Es war dafür schlicht und einfach zu früh, die industrielle Entwicklung noch nicht reif", schreibt Caroline Klima über die Nähmaschine.

Die Autorin ist Historikerin, Journalistin und Grafikerin in Wien. In ihrem originell gestalteten Buch schildert sie an die 40 "geniale Erfindungen", manchmal sind es eher Entdeckungen, aber jedenfalls genial. Die Reihenfolge entspricht der Chronologie: Vom josephinischen Sparsarg (1784) bis zum Energydrink Red Bull (1987). Nicht alle Erfinder erlitten ein "österreichisches" Schicksal. Der Architekt und Industrielle Joseph Hardtmuth (1758-1816) entwickelte Bleistifte in 19 verschiedenen Härtegraden. Seine Budweiser Fabrik, weltweit eine der ältesten ihrer Art, stellt noch immer Bleistifte der Marke Koh-i-Noor Hardtmuth her. Nachkommen von Michael Thonet (1796-1871) produzieren heute in Deutschland in 6. Generation Designermöbel aus Bugholz und Stahl. Sachertorten, Mozartkugeln und Mannerschnitten überlebten als Spezialitäten und sind bei Feinschmeckern "in aller Munde." Zu den bekannten, wenn auch schon nostalgischen, Erfindungen des 19. Jahrhunderts zählen Postkarten und Glühbirnen. Im Streit um die Erfindung des Autos - Siegfried Marcus (Österreich) oder Nicolaus Otto/Carl Benz (Deutschland) hütet sich die Autorin, ein Urteil zu fällen, doch widmet sie der brisanten Geschichte ein besonders ausführliches Kapitel. Was leider völlig fehlt, sind die Fahrzeuge von Ludwig Lohner (1858-1925) und Ferdinand Porsche (1875-1951). Sie konstruierten um 1900 nicht Elektromobile, Hybridwagen und Fahrzeuge mit Allradantrieb - jetzt wieder sehr aktuelle Fragestellungen.

Im 20. Jahrhundert erwiesen sich beispielsweise Kaplanturbine (Viktor Kaplan, 1913), Luftkissenboot (Dagobert Müller von Thomamühl, 1915), Trommelspeicher (Gustav Tauschek, 1932/33) und Frequenzsprungverfahren (Hedy Lamarr, 1942) über die Jahrtausendwende hinaus als zukunftsweisend. Nicht zu vergessen sind auch in diesem Jahrhundert die kulinarischen Innovationen. Die hier vorgestellten beginnen mit der Schwedenbombe (Walter und Johanna Niemetz, 1926) und Pez-Zuckerl (Eduard Haas, 1927) und reichen bis in die Gegenwart mit "Dreh und trink" (Kurt Hofer, 1973) und "Red Bull" (von Dieter Mateschitz 1987 in Österreich eingeführt).

Namhafte Wissenschaftler erfahren im Buch ihre Würdigung, die ihnen zu Lebzeiten keineswegs immer zuteil wurde. Der Anatom Joseph Hyrtl (1810-1894), der seine Präparate in alle Welt verkaufte, erwarb ein beträchtliches Vermögen, mit dem er eine Waisenhausstiftung errichtete. Der Gynäkologe Ignaz Semmelweis (1818-1865), der durch seine Beobachtungen zur Entstehung des Kindbettfiebers als "Retter der Mütter" gilt, wurde von seinen Kollegen angefeindet. Der Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud (1856-1939) zählt zu den einflussreichsten Denkern des 20. Jahrhunderts. Karl Landsteiner (1868-1943), der Entdecker der Blutgruppen, erhielt 1930 den Nobelpreis. Der Kernphysikerin Lise Meitner (1868-1943) blieb er versagt, obwohl sie 48-mal dafür vorgeschlagen wurde. Mit dem Attribut "Mutter der Atombombe" konnte sie sich ebenso wenig anfreunden wie der Chemiker Karl Djerassi (1923-1915), den man "Vater der Antibabypille" nannte.

Erfinder und Entdecker aus (Alt-)Österreich waren auf vielen Gebieten aktiv. So nennt das Buch unter anderem Filmmusik (Max Steiner, 1933), SOS-Kinderdorf (Hermann Gmeiner, 1949) und Shopping-Center (Victor Gruen, 1956). Es ist erfreulich, wie Caroline Klima ihre Leserschaft mit diesen und anderen Genies in unterhaltsamer, doch fundierter Weise bekannt macht. Die passend ausgewählten Illustrationen tragen wesentlich zum Gesamteindruck des sympathischen Buches bei.