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Ernst Lauermann: Die dunklen Jahrhunderte des Weinviertels#

Bild 'Lauermann'

Ernst Lauermann: Die dunklen Jahrhunderte des Weinviertels. Von Germanen, Hunnen und Awaren bis zu den frühen Babenbergern. Unter Mitarbeit von Renate Heger. Edition Winkler-Hermaden. Schleinbach. 132 S., ill., € 19,90

Im Vorjahr veröffentlichte Dr. Ernst Lauermann, wissenschaftlicher Leiter des Urgeschichtsmuseums in Asparn/Zaya, ein Buch über die archäologische Landschaft des Weinviertels. Der behandelte Zeitraum umfasste 400.000 Jahre, vom ersten Auftreten des Menschen an der March bis zu den keltischen Siedlern der letzten Jahrhunderte vor Christus. Jetzt legt der langjährige niederösterreichische Landesarchäologe die Fortsetzung vor: Von Germanen, Hunnen und Awaren bis zu den frühen Babenbergern. Die "dunklen Jahrhunderte" dauerten rund ein Jahrtausend.

"Auf die Perioden der Urgeschichte folgen Epochen der 'Schriftzeiten', die in die Römische Kaiserzeit, die Völkerwanderungszeit und die Frühgeschichte gegliedert sind. Darauf folgen die Jahrhunderte des Mittelalters", schreibt Ernst Lauermann einleitend. Die Darstellung der Römischen Kaiserzeit (1. bis 4. Jahrhundert n. Chr.) beginnt er mit der Besiedlung des nördlichen Niederösterreichs durch Kelten und Germanen - eine Geschichte friedlicher und militärischer Auseinandersetzungen. Bei Ausgrabungen eines germanischen Einzelgehöftes in Bernhardsthal kamen neben freihändig geformter Gebrauchskeramik Gefäße zum Vorschein, die Warenaustausch mit den Römern belegen. Sie nannten die norddanubischen Germanen Quaden. Diesen ist wohl die Besiedlung Mährens, der Slowakei und des östlichen Weinviertels in der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts zuzuschreiben. Krieger- und Fürstengräber gaben reiche Funde frei.

Spätantike und Völkerwanderungszeit (5. Jahrhundert n. Chr.) sind besonders gut auf dem Oberleiserberg dokumentiert, wo sich ein germanischer Königssitz befand. Auf der Hochfläche hatte schon in den 1920er Jahren Herbert Mitscha-Mährheim gegraben, dessen 1963 erschienenes Hauptwerk "Dunkler Jahrhunderte goldene Spuren" bis heute als unübertroffenes Lehrbuch gilt. Hier kamen seine Nachfolger jedoch zu anderen Ergebnissen als der Professor. "Mehr als 90 Prozent des nicht römischen Fundmaterials nördlich und südlich der Donau stammen aus Gräbern", schreibt Lauermann. 1910 stieß man in Untersiebenbrunn auf einen außergewöhnlichen Grabfund aus dem 5. Jahrhundert. Als Beigaben einer jungen Frau entdeckte man u. a. goldene Halsreifen und Ohrgehänge, Prunkfibeln und Glasgefäße sowie Reiterzubehör für drei Pferde.

Die Langobarden (489 bis 568) kamen aus dem Elberaum und nahmen das westliche Weinviertel als "Rugiland" in Besitz, 505 überschritten sie die Donau und gelangten ins Tullnerfeld. Die wichtigsten Gräberfelder liegen in Aspersdorf, Poysdorf und Hauskirchen. Dort befand sich das "Grab der Königin" mit vergoldetem Pferdegeschirr.

568 bis 830 gilt als Zeit der Awaren, die als berittene Bogenschützen bekannt sind. Reich mit Waffen ausgestattete Männergräber lassen auf die hohe soziale Stellung der Reiterkrieger schließen. Beim Bau von Erdgasleitungen und Ausgrabungen bei Schönkirchen-Reyersdorf stieß man auf 170 awarische Gräber, die eine Rekonstruktion der Männer- und Frauentracht ermöglichten.

Die Besiedlung nördlich der Donau im 7. bis 9. Jahrhundert lässt sich mit den Slawen in Verbindung bringen. In den letzten Jahrzehnten wurden in Oberrohrbach und Mitterretzbach Freilandsiedlungen erforscht. Allein zwischen 1982 und 1984 lokalisierten die Experten 50 Stellen.

"Von den Magyaren bis zu den frühen Babenbergern (9. bis 11. Jahrhundert)" nennt der Autor das letzte Kapitel. Er schreibt: "Die Anwesenheit der Ungarn im nördlichen Weinviertel um die Jahrtausendwende kann in engem Zusammenhang mit dem heiligen Koloman gesehen werden, der der Legende nach 1012 in Stoccherouwe (Stockerau) als fremdländischer Spion aufgehängt wurde … Die Gegend um Stockerau war zu dieser Zeit Grenzbereich zwischen den Mährern, den Ungarn und den Bayern, also sicher in einer unruhigen Lage." Für die Zeit des frühen Hochmittelalters war der Michelberg, 11 km nördlich von Stockerau ein bemerkenswertes Forschungsobjekt. Nach der Überlieferung soll Karl der Große dort die erste Kirche gegründet haben. Dies konnte die Untersuchung zwar nicht bestätigen, doch sprechen zahlreiche Funde für eine kleine Holzkirche und eine mittelalterliche Besiedlung. In seinem "Rückblick und Ausblick" nennt der Archäologe das Weinviertel einen "Schnittpunkt der Kulturen" und betont die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Geschichtswissenschaften. Diese lässt "die anscheinend so dunklen Jahrhunderte doch heller erscheinen als vielfach angenommen". Das vorliegende Buch hat seinen Beitrag dazu bestens geleistet.