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Johannes Wais, Marlene Ott-Wodni, Thomas Neumair: Schloss Eckartsau #

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Johannes Wais, Marlene Ott-Wodni, Thomas Neumair: Schloss Eckartsau. Schicksalsschloss in der Wildnis. Mit Architekturfotos von Christoph Panzer und Naturfotos von Franz Josef Kovacs. Verlag Brandstätter Wien. 144 S., ill., € 29,90

Rechtzeitig zum Jubiläumsjahr "100 Jahre Ende der Donaumonarchie" ist im Brandstätter-Verlag das erste Buch über Schloss Eckartsau erschienen. Von dort trat die kaiserliche Familie den Weg in ihr Exil an. Ein Autorentrio und zwei Fotografen haben einen unkonventionellen Band geschaffen. Johannes Wais und Marlene Ott-Wodni kommen von der Kunstgeschichte, Thomas Neumair ist Nationalpark-Ranger. Der Meisterfotograf Christoph Panzer hat sich auf Bilder der Architektur spezialisiert, Franz Josef Kovacs als Nationalparkförster sein Talent für Naturfotos entdeckt.

Mit "Marchfeld" verbinden man meist die große Ritterschlacht zwischen König Rudolf I. und Ottokar II. von Böhmen - vor heuer genau 740 Jahren - aber auch Kornkammer und endlose Gemüsefelder. Es ist Schlachtfeld und Erntefeld zugleich, wie Franz Grillparzer formulierte. In dieser besonderen Landschaft liegt das Schloss Eckartsau, dessen Ursprünge in die Zeit der Babenberger zurückreichen. Im späten 12. Jahrhundert entstand eine Burg, geschützt durch einen Graben mit Wasser aus den Donauauen.

1720 erwarb der böhmische Hofkanzler Franz Ferdinand Graf Kinsky das Anwesen und begann wenig später den barocken Umbau. Aus dieser Phase blieb die Schlosskapelle erhalten. Doch schon bald ließ der Graf den Adelssitz in ein zeitgemäßes und repräsentatives Jagdschloss umbauen. Vielleicht war seine Hochzeit mit der 36 Jahre jüngeren Maria Augustina Gräfin Pálffy ab Erdöd ausschlaggebend. Zahlreiche Symbole, wie Wappen und Darstellungen der Jagdgöttin Diana, legen die Vermutung nahe. Als Architekten engagierte Kinsky Joseph Emanuel Fischer von Erlach, für die Plastiken Lorenzo Mattielli, für die Fresken Daniel Gran. Die bekanntesten Künstler jener Zeit schufen ein Gesamtkunstwerk, das mit Seidentapeten, vergoldeten und intarsierten Möbeln und kostbaren Glaslustern ausgestattet wurde. Ein im Zeitgeschmack mit Porzellan gestaltetes "chinesisches Kabinett" durfte nicht fehlen. Um 1750 besuchten Kaiser Franz Stephan I. und Maria Theresia des öfteren das Schloss im wildreichen Jagdrevier, 1760 kauften sie die Kinsky'schen Besitzungen. Nach Maria Theresias Tod hatten die Habsburger kaum noch Interesse am Jagdschloss. Teile wurden wegen Baufälligkeit abgetragen.

Erst Thronfolger Franz Ferdinand entdeckte das "Schloss in der Wildnis" wieder. Er frönte hier nicht nur seiner Jagleidenschaft und lud dazu Gäste wie Wilhelm II. ein. Der deutsche Kaiser erlegte 1908 an zwei Tagen 67 Hirsche. Der neue Schlossherr setzte das Barockjuwel stilgerecht instand. Dabei zeigte er sich technischen Neuerungen aufgeschlossen. Er ließ ein modernes Badezimmer, eine Dampfkesselheizung und elektrische Leitungen einbauen. Zwei Helfer bedienten den großen Staubsauger Marke "Atom", der im Schloss zu besichtigen ist. Schließlich wurde Eckartsau zum Zufluchtsort des letzten Kaisers. Karl I. unterzeichnete in seinem "Schicksalsschloss" die Verzichtserklärung für Ungarn. Am nahen Bahnhof Kopfstetten fuhr der Hofzug mit englischer Mannschaft am 23. März 1919 um 7.05 Uhr ein, um die kaiserliche Familie in ihr Schweizer Exil zu bringen.

Den Bahnhof in Kopfstetten gibt es seit 15 Jahren nicht mehr, aber das ehemalige Jagdschloss und seine Umgebung haben eine neue Bestimmung gefunden. Das, nun im Besitz der Österreichischen Bundesforste befindliche, Schloss Eckartsau hat sich für Besucher geöffnet. Es ist Filmdrehort, Event-Location und wurde mehrfach als schönstes Hochzeitsschloss des Landes ausgezeichnet. Sein Park, den Erzherzog Franz Ferdinand vor mehr als 100 Jahren als englischen Landschaftsgaren anlegen ließ, ergänzt das besondere Ambiente. Ein Meilenstein war 1984 die Protestbewegung gegen das geplante Kraftwerk Hainburg. Der Erfolg kam zwölf Jahre später mit der Gründung des Nationalparks Donau-Auen. Seither finden 50 Fisch-, 100 Brutvogel- und 36 Säugetierarten sowie 700 höhere Pflanzenarten in den in den Auwäldern ihre Heimat. Als grüne Oase zwischen Wien und Bratislava ist die Au um Eckartsau zum beliebten Ausflugsziel geworden.