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Notiz 062: Origami-Ninjas#

(Zwischenstand auf zwei Feldern)#

von Martin Krusche

Zur Erinnerung: Die Origami Ninja Association beruht auf einem dichten Dialog von Musiker Oliver Mally und Autor Martin Krusche, im ersten Corona-Jahr (2020) via Facebook mit einer Serie von Tele-Drink-Sessions markiert. Der permanente Austausch über Erfahrungen, Schlußfolgerungen und strategische Optionen, wie ein Künstlerleben zu sichern, fortzuführen ist, bleibt weitgehend der private Teil. Die Tele-Drink-Sessions waren Ausdruck des Bedürfnisses, auch unter höherer Belastung und erheblichen Einschränkungen a) handlungsfähig zu bleiben und b) ab und zu ein Fest zu haben; wenigstens für Minuten.

Autor Martin Krusche bei einer 2020er Tele-Drink-Session.
Autor Martin Krusche bei einer 2020er Tele-Drink-Session.

Daß wir in diesem Dialog und bei den Schritten ins Web auch skurrile Momente generiert haben, liegt an unserem Wesen und am Kontrast unserer Charaktere. In diesem Zusammenhang entstand das Origami-Ninja-Motiv, das zwei Metaphern bündelt:

  • a) Das Leben kann einen manchmal zusammenfalten.
  • b) Wir entfalten uns immer wieder.

Bei all dem ist die Pandemie mit ihren einschränkenden Konsequenzen nur ein Aspekt in jenem Kräftespiel, dem wir als freischaffende Künstler nun schon über Jahre ausgesetzt waren, da sich spätestens ab 2010 die Strukturen markant verändert haben, was in der Branche zu einem Wettrennen um Ressourcen führte.

Gemäß dem alten Grundsatz „Vom Jammern wird nichts besser“ tendieren wir zum Handeln. Mally: performative Gewichtung. Krusche: konzeptionelle Gewichtung. Wie geht das, wenn kein Publikum zusammenfinden darf und der Kulturbetrieb wie auch der Markt in weiten Bereichen eingefroren sind?

Musiker Oliver Mally mit Crew bei der Arbeit.
Musiker Oliver Mally mit Crew bei der Arbeit.

Daran arbeiten wir jeweils im bevorzugten Genre entsprechend und tauschen uns darüber aus. Bei Mally hat das gerade zu einem neuen, vielfach gelobten Album geführt, während er Konzept um Konzept schreibt, sie den Schritten den laufenden Änderungen von Reglements anpaßt, unter denen er mit Verbündeten wieder Konzerte realisieren kann, naja, könnte.

Behördliche Vorschriften und Haftungsfragen stellen einen dafür vor andere Anforderungen, als wenn jemand bloß seinem Unmut Luft machen möchte, sich eventuell via Facebook austobt etc.

Ganz anders der Krusche-Part, bei dem eben in Gleisdorfs Innenstadt der „Zeit.Raum“ eingerichtet wurde, um einen kontinuierlichen Ausstellungsbetrieb zu starten. Das wird mit einer Diskursebene verknüpft, auf der nun verschiedene Kräfte aus anderen Bereichen ankommen. Aktion und Reflexion sind miteinander verzahnt.

So ist aus der Krise und dem Lockdown heraus ein Beispiel für prozeßhafte Wissens- und Kulturarbeit angelegt worden, was die Kunstpraxis einschließt. Keine Proklamationen! Basis sind adäquate Kommunikation und aktive Anwesenheit, gestützt auf konkrete Kompetenzen. Selbstverständlich gilt dabei auch Dissens als anregend, denn es entstehen keinerlei Wahrheiten, indem man einfach Widersprüche eliminiert.


Bild 'zeitraum'
Bild 'ona_stempel400'