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Versionen und Variationen#

(Woher kommt die Bezeichnung Dorf 4.0?)#

Von Martin Krusche#

Gehen Sie bitte davon aus, daß wir einige Begriffe nicht verwenden, um uns mit einen plakativen Begriff aus der Marketingabteilung zu behängen. Wenn da Position eins bis Position vier angedeutet werden, bedeutet das, wir haben uns einen historischen Verlauf angesehen, haben das Vorgefundene sortiert und zur besseren Orientierung diese Markierungen angebracht; etwa Dorf 4.0.

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Ich hab mit den Lokalpolitikern Werner Höfler, Peter Moser und Robert Schmierdorfer schon mehrere Projekte realisiert, die stets ihr Ortsbezogenheit hatten, aber auch mit größeren Zusammenhängen verknüpft waren. Die Steiermark weist seit rund 200 Jahren eine kuriose Besonderheit auf: Weltgeschichte berührt Regionalgeschichte. Damit meine ich, daß sich bedeutende Innovationen in Technik und Wirtschaft jeweils auch an steirischen Entwicklungen darstellen lassen.

Das reicht von der Dampfmaschinenmoderne mühelos in die technische Gegenwart. Unter solchen Wirkungen haben sich natürlich auch die einzelnen Kommunen verändert, was von starken Kontrasten handelt, weil die Oststeiermark einst ein Armenhaus der Monarchie gewesen ist. In unserer Zusammenschau von Volkskultur, Popkultur und Gegenwartskunst ergibt das ein markantes Koordinatensystem.

Aber! Die Dörfer!#

Wir können als Hintergrundfolie für unsere prozeßhafte Arbeit vier Abschnitte benennen, von denen unsere Leute sozialgeschichtlich bis heute geprägt sind. Zu jedem dieser Abschnitte umgeben uns noch Spuren, Artefakte, Erfahrungen und mentalitätsgeschichtlich ist das sowieso ungebrochen wirksam.

Was uns über zweihundert Jahre und mehr geformt hat, verschwindet nicht in zwei Generationen, bloß weil sich das Leben radikal verändert hat. Also zeigt sich folgendes Schema, das nun keine wissenschaftlichen Kategorien repräsentiert, aber uns bei der Wissens- und Kulturarbeit nützt:

  • Dorf 1.0: Die alte agrarische Welt.
  • Dorf 2.0: Umbrüche durch eine teilweise Industrialisierung der Region.
  • Dorf 3.0: Das Agrarische, Industrielle und Urbane hat sich in den Dörfern verzahnt.
  • Dorf 4.0: Die Vierte Industrielle Revolution ändert das alles völlig.
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Ich beschreibe das kurz, um einen Eindruck zu schaffen, worauf wir da jeweils den Fokus gerichtet haben. Die Schwerpunktsetzung ergab sich unter anderem daraus, was uns mit den kulturpolitischen Optionen eines Dorfes vereinbar schien.

Dorf 1.0: Die alte agrarische Welt.#

Das war eine Ära geringer Mechanisierung, wo um die Erträge sehr hart gerungen werden mußte. Fast immer bestand ein Mangel, oft eine Not. Gesundheitliche Gefahren, schlechtes Wetter mit Ernteeinbrüchen, gelegentlich Krieg, und für die meisten Leuten kaum verfügbares Bargeld, weil das Gros der oststeirischen Betriebe Selbstversorgerwirtschaften waren.

Dorf 2.0: Umbrüche durch eine teilweise Industrialisierung der Region.#

Damit kamen für geschickte Leute neue Jobs in die Gegend, was bessere Einkünfte bot. Die wachsende Kaufkraft und der Bedarf an Gütern wie Dienstleistungen veränderte die Wirtschaft, trieb die Mechanisierung voran. Steigende Effizienz, mehr Ertrag, veränderte Wertschöpfung… Das nahm die Kargheit hier noch nicht aus den Leben heraus, aber immer mehr Leute konnten ihre Talente vielfältiger ausspielen.

Dorf 3.0: Das Agrarische, Industrielle und Urbane hat sich in den Dörfern verzahnt. #

Was wir heute leben, ist weit weg von den alten Hierarchien und harten Klassengrenzen, von den Einschränkungen einer ständischen Gesellschaft und der materiellen Enge. Volksmotorisierung, die zunehmende Teilhabe am Wohlstand für weite Kreise, Jahrzehnte ohne Krieg… Wir können heute physisch und geistig gleichermaßen mobil sein, auch wenn alles unüberschaubarer geworden ist. Das birgt interessante soziokulturelle und politische Aufgaben. Es hat die Dörfer grundlegend verwandelt.

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Dorf 4.0: Die Vierte Industrielle Revolution ändert das alles völlig. #

Die Menschen zweier Generationen vor mir waren noch in einer völlig anderen Welt beheimatet. Wir leben in einer permanenten technischen Revolution. Die Entwicklungen haben längst ein Tempo, das uns für Neuigkeiten kaum noch Adaptionsphasen läßt. Außerdem haben uns rasante Innovationsschritte völlig neue Automatisierungstechniken beschert und verändern unsere Arbeitswelten. Schaffen wir es da noch, im Gemeinwesen bei der Partizipation zu bleiben und nicht gesamtgesellschaftlich in die Konsumation dessen zu kippen, was uns Geschäftsleute und Konzerne an umfassenden Lösungen andienen?

Meine Projekte sind unter anderem auch der Frage gewidmet, welche Modi nun plausibel erschienen, um das alte Muster „Zentrum/Proviz“ jenseits des Landeszentrums nicht zu reproduzieren, was uns konzeptionell wenigstens in das 19. Jahrhundert zurückwerfen würde.

Kontext#