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Francis Andre: „Taureau“, 1982 (Foto: Pierre Branquart, CC BY-SA 4.0)
Francis Andre: „Taureau“, 1982 (Foto: Pierre Branquart, CC BY-SA 4.0)

Apropos Stier#

(Corrida: Das Endorphin-Festival)#

von Martin Krusche

Der Stier ist seit Menschengedenken das stärkste Landtier in unserem Lebensraum. Wenig überraschend, daß er in Europas Mythen als entsprechend prominentes Wesen dargestellt wurde. Dabei kommt dem kretisch-minoischen Stierkult eine besonders markante Rolle zu.

Wenn ich aus all dem ein paar Aspekte herausgreife, soll das ein Stück Hintergrundfolie zu unserem Thema „Endorphin-Maschine“ schaffen.

Das hat bei der Betrachtung unserer Sozial-, Technologie- und Mobilitätsgeschichte in Teilen Belang; bis hin zur Assoziierung von Automodellen mit kraftvollen Tieren wie Stier, Mustang, Cobra etc. (Siehe dazu am Seitenende: „Das Bestiarium. Totem-Tiere“!)

Wir haben über Jahrtausende hinweg bezüglich Zugkraft und Tempo allerhand Anregungen aus der Tierwelt bezogen. Nun noch einmal kurz Kreta. Mondgöttin Hera, Tochter des Kronos und der Rhea, war die Schwester und zugleich Gattin von Boss Zeus. Aus all den göttlichen Verwicklungen, Zeus und die Frauen, tauchte unter anderem Herakles auf, den Zeus mit Alkmene gezeugt hatte und dessen Ziehvater Amphitryon war.

Auf der Motorhaube des Lamborghini Huracán.
Auf der Motorhaube des Lamborghini Huracán.

Die sexuelle Umtriebigkeit des Gottvaters und deren Konsequenzen lieferten jener einigermaßen nachtragenden Hera manche Gründe, den Herakles demonstrativ herabzuwürdigen. Sie unterstellte ihn dem eher bedeutungslosen Eurysthenes, der ihm eine Reihe sehr anstrengender Aufgaben zu erledigen übergab.

Apollodoros beschrieb diese in seinem Werk „Die zwölf Arbeiten des Herakles“. Da heißt es an einer Stelle: „Als siebte Aufgabe trug er ihm auf, den Kretischen Stier herbeizuholen“. Es gibt verschiedene Deutungen, was es mit diesem prächtigen Fabelwesen zu tun habe.

Apollodoros unterstrich diese Variante, wonach der Stier „von Poseidon aus dem Meer heraufgeschickt worden war, als Minos versprochen hatte, dem Poseidon zu opfern, was zuerst aus dem Meer auftauchen würde. Als Minos damals, wie man sagt, die herrliche Gestalt des Stieres sah, habe er ihn unter seine Rinderherde gesteckt und dem Poseidon einen anderen geopfert. Im Zorn darüber habe der Gott den Stier wild werden lassen.“ (2,94)

Diesen Minos hatte Gott Zeus übrigens mit der phönizischen Prinzessin Europa gezeugt. Auch so eine Stier-Geschichte. Poseidon revanchierte sich bei Minos auf sehr üble Art. Er löste in Minos’ Frau Pasiphaë ein heftiges Begehren aus, sich mit dem Kretischen Stier zu paaren. Daedalus, der versierte Handwerker, baute ihr dafür ein hölzernes Gestell, das er mit einer Kuhhaut bespannte.

Folglich kam Minotauros, der Stiermensch, zur Welt. Den ließ Minos in ein Gefängnis sperren, das von Daedalus in Form eines Labyrinthes errichtet worden war. Wäre auch noch von der smarten Königstochter Ariadne zu erzählen, aber ich kürze ab. All das führt zu Daedalus und Ikarus; letztlich auch zu Lamborghini, Ford Mustang und Konsorten. Darum geht es ja in der Episode „Corrida“ unter anderem.