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Felsritzbild am steirischen Dachsteinplateau (Notgasse, Foto: TheRunnerUp, CC BY-SA 3.0 at)
Felsritzbild am steirischen Dachsteinplateau (Notgasse, Foto: TheRunnerUp, CC BY-SA 3.0 at)

Die Magie der Bildnisse#

(Was abstrakt begann…)#

von Martin Krusche

Ich suche nach nächster Klarheit bezüglich der Grundlagen unserer laufenden Arbeit im „Archipel“. Dazu gehören auch Überlegungen, wie unser Tun kulturpolitisch vertreten werden kann.

Mich ermüdet gängiges Raunen, was a) die Kunst der Gesellschaft biete und b) eine angebliche Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber der Kunst sei etc., denn da finde ich viel Abgestandenes, Trübes und Saures an Gedankengut des vorigen Jahrhunderts. Das langweilt und ermüdet mich.

Um da ein paar frischere Klarheiten zu finden, gehe ich allerdings im Nachdenken gerade weit zurück. Über das Abstrakte in der Kunst hinweg frage ich mich, weshalb denn Menschen überhaupt begonnen haben, Bildnisse zu schaffen.

Ocker-Stein aus der Blombos-Höhle (Foto: Chris S. Henshilwood, CC BY-SA 4.0)
Ocker-Stein aus der Blombos-Höhle (Foto: Chris S. Henshilwood, CC BY-SA 4.0)

Dazu halte ich es für anregend, mir frühe Arbeiten anzusehen. Das macht auf jeden Fall deutlich, daß es nicht mit einem „Realismus“ begonnen hat, sondern sehr symbolisch daherkam. Ich hab angenommen, der Beginn waren Kritzeleien, vermutlich auf Sand oder Erde; flüchtig. Aber dann die Petroglyphen. In Felsen Geritztes.

Ich stelle mir vor, das hätten Menschen getan, bevor sie mit Farbstoffen experimentiert haben: Ruß, Blut, Pigmente… Ritzereien und Verzierungen auf allem, was sich dafür eignet. Was wissen wir? Geritzte Ockerstücke in der afrikanischen Blombos-Höhle wurden auf ein Alter von etwa 77.000 Jahren geschätzt.

Die Malerei kam deutlich später. Das Handnegativ in einer Höhle auf Sulawesi wird auf ein Alter von wenigstens 67.800 Jahren geschätzt. Aber zehntausend Jahre waren in jenen frühen Zeiten des symbolischen Denkens von Menschen keine gar so große Sache. Was heute belegbar ist, zeigt, daß Stiländerungen sehr lange gebraucht haben.

Mich interessiert dabei vor allem, was daran am Verhältnis zwischen den Menschen und der sie umgebenden Welt ablesbar erscheint; natürlich auch in der Gestaltung des Lebens in Gemeinschaft. Sie ahnen vielleicht, mich beschäftigt dabei unter anderem, der Abstraktion ihren Rang zuzuerkennen.

Ich habe eben erst im Aviso zu einer kommenden Ausstellung notiert: „Wir sind von Natur aus befähigt, unserer Wahrnehmung über symbolisches Denken einen weiten Erlebnisraum zu schaffen. Für zweckrationale Verfahrensweisen bleiben uns im Alltag ohnehin genug dringende Gelegenheiten. Die Kunst ist kein ‚Mittel um zu…‘, sondern um ihrer selbst willen ein fundamentaler Teil der Conditio humana.“ (Quelle)

2026 auf der v@n-site publiziert.