Mini Fabula: Kommunikationsräume#
(Eine Frage der Medienkompetenz)#
von Martin KruscheDie in Prag lebende Steirerin Milena Renate Findeis hat eben ein weiters Beispiel dafür gebracht, worum es in der Netzkultur unter anderem geht. Wer eine Website hat, pflegt, auf diesem Weg für ein Publikum sorgt, realisiert die eigene Teilhabe an dem, was Demokratie bedeutet.
Nämlich eine Position in öffentlichen Diskursen als Element dessen, was man unter Öffentlichkeit versteht; selbstverständlich auch eine kritische Öffentlichkeit. Den Anlaß für diese Glosse bot mir eben ihr Text „Zwischen (W) Orte“ (Spuren im Netz).
Findeis reflektiert einen größeren Zusammenhang, was sich nicht einfach in Selbstrepräsentation erschöpft. Dem gegenüber: Wer die eigene Webpräsenz nur nutzt, um sich selbst darzustellen, verzichtet dabei auf eigene Reichweite, agiert auf antiquierte Art, hat offenbar das Netz der Netze nicht verstanden.
Wer dagegen Vernetzung als etwas Dynamisches begriffen hat, wird andere Wege gehen. Dynamisch? Na, als einen Prozeß von Kommunikation, Interaktion, gelegentlich auch Kooperation. Ein Telefonbuch ist kein Beispiel für Vernetzung. Eine Liste von Kulturinitiativen mit Kontaktdaten im Internet ist kein Beispiel für Vernetzung. Sowas ist bloß nackte Evidenz.
Wenn aber begriffen wird, daß zum Beispiel jeder Erfolg von Findeis denselben Boden stärkt, den ich brauche, damit mir was gelingt, kann Vernetzung beginnen. Also die anderen aktiven Leute beachten, mitdenken, sie dem eigenen Publikum nahezubringen; vice versa. Ist das gängige Praxis? In der Steiermark nicht. In Gleisdorf nicht.
Kontext#
Spätestens mit dem Erfolg der Social Media als grenzüberschreitender Kommunikationsraum hat die herkömmliche Medienwelt in der Gutenberggalaxis, das Reich der Printmedien, einen nächsten radikalen Veränderungsschub erfahren, der eingeschlagen hat wie ein Meteor.Um bei diese Metapher zu bleiben, die Medienlandschaft ist über tektonische Verschiebungen in den Fundamenten radikal verändert worden; mit den entsprechenden wirtschaftlichen Konsequenzen.
Aber auch in umgekehrter Richtung passiert gerade sehr viel. Wir sehen das exemplarisch am Beispiel der kulturpolitischen Krise Gleisdorfs. Aus ökonomischen Gründen wurde das offizielle Organ der Kommune („Stadtjournal“) von zwölf auf vier Ausgaben pro Jahr heruntergestuft.
Komplementär ist an den Regionalblättern bemerkbar, welche Folgen wirtschaftlicher Druck auf die Berichterstattung hat. Das bedeutet unter anderem, für die Kunstschaffenden der Region wie auch für die Wissens- und Kulturarbeit ist mediengestütze Sichtbarkeit massiv eingebrochen.
Wir verlieren gerade eine Menge an Möglichkeiten, uns laufend einem Publikum zu zeigen. Ich halte mich gar nicht erst damit auf, das zu beklagen. Sowas wäre verschenkte Energie. Uns bleibt nun vor allem, auf diese Situation inhaltlich und strategisch zu reagieren. Selbstverständlich bietet die Netzkultur dazu etliche Optionen.
- Mini Fabula (Die Startseite)
Weiterführend#
- „Zwischen (W) Orte“ (Spuren im Netz)
- Siehe dazu auch: „Kontext“ (Kein Thema steht bloß für sich)
- Netzkultur

