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Die Hilfsbrücke#

(Fürs Fußvolk und für die Radfahrerei, Raab)#

Von Martin Krusche#

Ein Tragwerk, als hätte man einen Gittermasten umgehauen. Sozusagen ein wohlgeordneter Haufen von „Fächern“, also von x-förmig verstrebten Quadraten und Rechtecken, etliche davon mit Knotenblechen, die man gut erkennen kann. Zwei solcher Fachwerke liegen parallel über dem Fluß, tragen einen Geh- und Fahrradweg. (Man mag nun ahnen, weshalb ich Brücken, Gittermasten und Kräne als Verwandtschaft betrachte.)

Es war für mich ein Glückstreffer, denn ich kann ja nicht durchs Land rennen und schauen, wo gerade eine alte Brücke abgetragen wird, um auf eine Behelfsbrücke zu stoßen. Manchmal haut auch bei Hochwasser angeschwemmtes Holz eine Brücke weg, die noch gut beinander war, und es wird eine Hilfsbrücke verlegt.

Als am Westrand von Gleisdorf die Brücke über die Raab erneuert werden mußte, hatte ich meine Chance. Ich konnte das spartanisch ausgeführt Teil im September 2020 näher betrachten und fotografieren. Dabei hätte das schon ein Jahr davor laufen sollen. Aber...

Am 5. September 2019 informierte das Land Steiermark: “Schon bei Baubeginn Mitte Juli wurde kommuniziert, dass beim Neubau der Raabbrücke auf der B 65 (Gleisdorfer Straße) in Gleisdorf hinsichtlich geplanter Fertigstellung Anfang Dezember vor allem bei der Errichtung der Bohrpfähle, die aus statischen Gründen an die 20 Meter tief gegründet werden müssen, ein Restrisiko besteht. Deshalb wurden an der 92 Jahre alten Brücke auch noch keine wesentlichen Arbeiten durchgeführt, sprich sie ist nach wie vor befahrbar.”

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Robert R. Hausmann notierte zur alten Raab-Brücke: “Die Neuerrichtung der Brücke im Jahr 1851 verursachte derart hohe Kosten und in der Folge Betriebskosten, dass sich die Gemeinde entschloss, sie 1874 dem Ärar zu überantworten.” Das bedeutet, ab nun war es Sache des Staates, damals: des Kaiserhauses.

Aber was meint “Abteufen der Bohrpfähle” durch härtere Schichten? Das ist ein Ausdruck aus der Bergmannsprache. Abteufen heißt: einen Schacht senkrecht in die Tiefe treiben. Es gilt als eine der schwierigsten Arbeiten im Bergbau. Übrigens, das effiziente Drehbohren ist eine relativ junge Errungenschaft. (Das begann im 19. Jahrhundert.) Davor war bloß das mühsame Schlagbohren möglich, mit dem allerdings in China schon vor tausenden Jahren ungefähr einen Kilometer tieg gebohrt wurde. Aber ich schweife ab... Die Brücke? Die mußte warten.

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Verkehrslandesrat Anton Lang: „Damit ist bei Fortsetzung Verkehrsfreigabe vor den Weihnachtsfeiertagen mehr als nachdem bei der Baueinleitung vereinbart wurde, dass die A2 kommend in das Stadtzentrum vor allem über Weihnachten unbedingt gegeben sein muss, müssen wir den geplanten Bauablauf umstellen und den Neubau der Brücke vollständig ins nächste Jahr verschieben.”

Voila! Für mein Brückenthema paßt es natürlich sehr gut, daß diese Hilfsbrücken so nahe an der Autobahnbrücke lag. Das ergibt eine anschauliche Szene, um Dimension und Aufwand zu verdeutlichen. Es heißt übrigens, daß Gustave Eiffel, dem wir den pariser Eiffelturm verdanken, die ersten Behelfsbrücken produziert habe.



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