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Johannes Rubey und Louis Armstrong by KI
Johannes Rubey und Louis Armstrong by KI

Leben im Kontrast#

(Gezeiten: Schnittstellen)#

von Martin Krusche

Was ich eben in „Die Corrida: Massive Mehrdeutigkeit“ zum Thema „Euphorie und Flow“ notiert habe, faßt Psychologin Petra Schwarz erklärtermaßen in einem freudianischen Sinn zusammen. Sie hält Thanatos und Libido für zwei wirksame Aspekte eines Kräftespiels.

Dabei sei Thanatos das Zerstörerische, bis hin zur Auslöschung, dem gegenüber Libido etwas Erschaffendes, eine Quelle von Lebensfreude. Sie stellt klar, daß in ihrer Denkweise Libido kein Synonym für Sex sei, mit Genitalien assoziiert.

Schwarz bevorzugt diese schlichte und klare Frage: „Woraus beziehst du deine Lebensfreude?“ Da denke ich nun auch an Platon, der den Begriff Eros ja im Text „Das Gastmahl“ unmißverständlich erläutert hat. Eros steht für das Begehren des Entbehrten in jedem Sinn. Die Verkürzung der Wortbedeutung auf den sexuellen Kontext ist völliger Mumpitz.

Ich habe also mit Schwarz inzwischen einige Aspekte unseres gemeinsamen Vorhabens ausführlicher erörtert. Mit dem „unseres“ sind freilich nicht bloß wir zwei gemeint. Da bestehen etwa verbindende Schnittstellen zum archipelischen Teilprojekt „Gezeiten“, an dem auch Johannes Rubey beteiligt ist, mit dem ich an „Let there be Jazz!“ arbeite.

Das ist wiederum mit „Mythos Puch XI“ verwoben, wo es um das Thema „Endorphin-Maschine“ geht. Dazu läuft derzeit im archipelischen Kulturraum „Corrida“ in der Verbindung dieses Endorphin-Genres mit einem ganz anderen, welches durch Mayrs Stierkampf-Fotos thematisiert wird.

Petra Schwarz und Ayrton Senna by KI
Petra Schwarz und Ayrton Senna by KI

Demnach sind für uns Thanatos, Libido und Eros als Begriffe für innere menschliche Vorgänge in Gebrauch, die kein Entweder-Oder ergeben, sondern in einer Art Fließgleichgewicht miteinander verwoben wirken. Damit wird für mich passabel erklärbar, weshalb manche Menschen in Extreme gehen, egal, welche Richtung grade dominiert.

Mit diesen Deutungen kann ich besser verstehen, wie weit die Conditio humana reicht und ich kann dem verlockenden Angebot widerstehen, das, was mir bei anderen als abweichendes Verhalten (Devianz) erscheint, sofort zu pathologisieren.

So vermeide ich es auch, leichtfertig zu behaupten, was „normal“ sei und was dem gegenüber als „abnormal“ gelten müsse. Auf die Art entsteht mehr Spielraum und ein weiterer Horizont, um zu erkunden, was Menschenart sei.

Ich habe in „Massive Mehrdeutigkeit“ angemerkt, daß die Evolution uns als Spezies durch Empathie und Kooperation äußerst erfolgreich werden ließ. Jetzt muß ich mir noch erklären können, wie es kommt, daß sich vom Alltäglichen bis zum Besonderen so auffallend viele Gegenbeispiele feststellen lassen.

Im Teilprojekt „Gezeiten“ gehen wir überdies auf eine gedankliche Reise, um innerhalb einer künstlerischen Phantasie markanten Persönlichkeiten zu begegnen, die nicht mehr unter uns weilen. Dazu nutze ich für die Visualisierung mancher Momente eine KI. Ich hab das in „Die Avatare“ skizziert. Petra Schwarz und Ayrton Senna. Johannes Rubey und Louis Armstrong. ich und Ingeborg Bachmann.

Damit bin ich ferner beim Teilprojekt „Böhmen liegt am Meer“ angelangt, wo es ein Gezeiten-Set geben wird. Dieser ganze Erzählstrang ist das Produkt einer kollektiven, vor allem aber prozeßhaften Wissens- und Kulturarbeit.



Martin Krusche und Ingeborg Bachmann by KI
Martin Krusche und Ingeborg Bachmann by KI

Querverweise#

Die erwähnten Texte#