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Notiz 053: Mantras und Spaziergänge#

(Über das unbekannte Nächste)#

von Martin Krusche

Ich muß mir noch ein passendes Mantra überlegen, um das kürzer zusammenzufassen: Wir werden nicht zum Zustand vor Corona zurückkehren. Wir werden nach dem Lockdown ärmer an Ressourcen sein, aber reicher an Erfahrungen. Wir werden – branchenbezogen – eine nächste Kulturpolitik brauchen, denn die jetzige scheint mir nicht mehr reformierbar zu sein.

Die Übüs alias Blauensteiner und Kanzain. (Foto: Werkraumtheater)
Die Übüs alias Blauensteiner und Kanzain. (Foto: Werkraumtheater)

Ich staune, wie viel derzeit noch in alten Kategorien gedacht und lamentiert wird. Das bring uns nicht weiter. Weiß ich mehr als andere? Nein! Woher auch? Es ist eine Quest. Für Origami Ninjas (Musiker Oliver Mally und ich) gehört das zu unserem Selbstverständnis. Und zwar nicht aus der Pose singulärer Exzellenz, sondern aus der Praxis kollektiver Kulturarbeit.

Das heißt, wir verständigen uns mit anderen Leuten und wir kooperieren mit anderen Leuten, denn niemand ist alleine schlau. So ergeben sich nächste Einsichten. Daraus kann was werden. Wenn alles gut geht.

Bisher hatte ich für ein internsiveres Erkunden neuer Möglichkeiten zwei Felder der Kunstpraxis vor mir. Das konzeptionelle und das performative Feld am Beispiel meiner Arbeit und der von Musiker Oliver Mally. Das bedeutet:

  • Konzeptionell: ich bin Schriftsteller, kann rund drei Viertel meiner vertrauten Arbeit in meinem Büro erledigen. Solange Stromversorgung und Internetzugang ungetrübt bleiben, ist dieser Sektor stabil. Das schließt sogar den Zugriff auf weltweit verstreute Archive mit großartigen Beständen ein.
  • Performativ: Mally macht vieles ganz für sich, in seinen vier Wänden. Aber etliches entsteht in Kooperation mit anderen Musikern. Da Mally sehr wenig auf das Streamen gibt und die reale Begegnung mit Publikum für unverzichtbar hält, ringt er zusätzlich um Auftrittsmöglichkeiten unter den gegebenen Bedingungen.

Während es mit völlig reicht, in laufenden Jahr ein paarmal real vor Publikum zu stehen und ich ansonsten gut in meinem Büro zurechtkomme, kann Mally vieles in Büro und Studio machen, muß aber unbedingt hinaus vor die Leute.

Dazu kommt nun eine weitere Variante in Sachen Erkenntnisgewinn: Vater und Mutter Übü alias Franz Blauensteiner und Rezka Kanzian. Dieses Theaterkollektiv, zu dem auch Roland Furian und Eugen Fasching gehören, mußte 2020 sein „Werkraumtheater“ als realen Ort aufgeben. („grotesk-patapysisches theater ... am kopf stehend denken und auf den füssen spielen...“)

Studio und Labor, Forschung und Praxis, da kommen also noch ganz andere Aspekte ins Spiel. Was die Übüs bieten, kann zwar zum Teil via Video realisiert werden, funktioniert aber selbstverständlich nicht wie ein Musik-Album. Es braucht ebenfalls das reale Publikum.

Das Verhältnis zwischen Büro, Studio und Bühne ist also bei uns allen völlig unterschiedlich angelegt und gewichtet. Sie ahnen schon, das wird eine meiner nächsten kulturellen Spazierkonferenzen; mit Kanzian und Blauensteiner den Status quo erörtern und erkunden, was da an Schlüssen gezogen, an nächsten Praxisschritten gesetzt werden kann.

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Ich hab derweil in Sequenzen, Segmente und Sektoren schon skizziert, wie sich solche Schritte mit meiner regionalen Kulturarbeit verzahnen und mit wem ich dabei vor Ort zusammenarbeite. Dabei habe ich erneut ein Augenmerk auf das Wechselspiel zwischen „Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft“.

Ich denke, es ist von Vorteil, wenn wir überlegen, welche Optionen vom Multidisziplinären ins Interdisziplinäre führen. Was das heißt? Werde ich noch genauer ausführen.