Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht vollkommen anonym nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. ACHTUNG: Wir können an Sie nur eine Antwort senden, wenn Sie ihre Mail Adresse mitschicken, die wir sonst nicht kennen!
unbekannter Gast

‎Richard Mayr und Martina Brandl.
‎Richard Mayr und Martina Brandl.

Debatte und Projektentwicklung#

(Konferenz in Permanenz)#

von Martin Krusche

Permanenz bedeutet hier, daß wir im „Archipel“ einen kontinuierlichen Fluß an Debatten bevorzugen, in denen Grundlagen erörtert und Vorhaben besprochen werden. Das verlangt nach realer sozialer Begegnung und konkreter Anschauung greifbarer Dinge.

All das läßt sich durch nützliche Optionen wie Teleworking und Telepräsenz nicht ersetzen. Die sinnliche Erfahrung physischer Anwesenheit und konkreter Gegenstände bietet Erfahrungswerte, die vom Digitalen nicht kommen können. (Das ist auch in den KI-Debatten von Belang.)

Malerin Martina Brandl hat bei unserer jüngsten Session vorgeschlagen, das Thema Bildung etwas konkreter herauszuarbeiten. Dazu können wir im „Archipel“ vor allem zwei Ebenen bearbeiten. Archipelische Wissensarbeit macht über unsere aktuellen Themenstellungen sehr konkrete Angebote. Aber dem Studium von Texten ziehen viele Menschen die sinnliche Praxis vor.

Also haben wir nun erst einmal über ein mögliches Workshop-Angebot gesprochen. Malerei, Literatur, Fotografie, diese Genres decken wir ab. Architekt Joachim Karner erklärte sich spontan bereit, ein Thema anzubieten, das in vielen Bereichen zu den Grundlagen zählt: Perspektive und perspektivisches Sehen.

Geschichtsbetrachtung#

Sie sehen Martina Brandl auf dem Foto neben Fotograf Richard Mayr übrigens mit einem alten Dokument. Es ist der „Illustrierte Modewarenbericht 1913-1914“, welcher damals von Kastner & Öhler ausgegeben wurde. Dieses Druckwerk steht exemplarisch für einige Zusammenhänge, mit denen wir befaßt sind.

Das Kaufhaus Kastner & Öhler war am 1. April 1873 in Troppau (heute Tschechien) als „Kurzwarenhandlung Kastner & Öhler“ eröffnet worden. Das Grazer Stammhaus in der Sackstraße 7 gab es dann ab 1883. Daraus wurde 1912/1913 ein großer Neubau. Das von Fellner und Helmer geplante Gebäude setzte Stadtbaumeister Alexander Zerkowitz um.

Regisseur Fritz Aigners Film „Meine jüdische Familie“, welcher im November 2023 erstmals gezeigt worden ist, handelt vom Schicksal jener Familie Zerkowitz. Ich habe am 8. Mai 2025 mit Aigner im Gleisdorfer Dieselkino einen Abend realisierst, an dem wir uns einer gewichtigen Frage gewidmet haben.

Joachim Karner
Joachim Karner
Johannes Rubey
Johannes Rubey

Bei „Gedenken: Was zu tun!“ (Ein zeitgeschichtlicher Filmabend mit Diskussion) ging es im Fazit um einen Positionswechsel. Vom „Du sollst!“ zum „Ich werde!“ (Link am Seitenende!) Das ist auch im krisenanfälligen Kulturbetrieb eine wichtige Überlegung, weil es verlockend bleibt, anderen Leuten zuzurufen, was sie tun sollen, damit Dinge in Ordnung kommen. Es bleibt aber vorteilhafter, zu verdeutlichen, wofür konkret man selbst Verantwortung übernehmen wird.

Kulturelle Querverbindungen#

Eine andere thematische Verbindung markiert das alte Kastner & Öhler-Dokument bezüglich meiner Arbeitsschritte mit Johannes Rubey. Er sammelt leidenschaftlich historische Magazine, nutzt sie auch manchmal als Material für sein grafisches Werk.

Rubey konzentriert sich auf Periodika zu den Themen Jazz und Kino. Er kommt selbst als Gitarrist vom Gipsy Swing, ist mit Blues vertraut, kennt also einige Grundlagen unserer Popularkultur. Genres, aus denen sich etliche Virtuosen auf höchstem Qualitätslevel entwickelt haben.

In solchen Zusammenhängen entsteht derzeit ein Teilprojekt, welches im Zusammenhang mit unserem Schwerpunkt „Das schwebende Museum“ steht. Private Sammlungen und individuelle Sachkompetenz bezüglich konkreter Themen ergeben in einer konkreten Community etwas, wofür andernorts Museen gebaut werden müssen. Wir bearbeiten das in der Art des schwebenden Verfahrens, gestützt auf privaten Besitz, der oft staunenswerte Exponate enthält.