Flocke: Kultur und Geschichte#
(Worin wir verwoben sind)#
von Martin KruscheKultur ist kein Park der Denkmäler, auch kein geistreich dekoriertes Gräberfeld, sondern eine Dünung, welche sich quer durch die Zeiten ständig bewegt. Dazu befähigt uns symbolisches Denken. (Die ältesten Artefakte in diesem Sinn sind etwa 70.000 Jahre alt.)
Was immer uns in der Kunst gelingt, beruht auf den Vorleistungen anderer Menschen. Wahrnehmungserfahrungen und Kognitionsprozesse, unser Bearbeiten von Themen und von Aufgaben mit künstlerischen Mitteln, all das hat zur Bedingung, daß wir unsere Sinne und unser Denken variantenreich schulen konnten.
Werke aller Epochen sind uns ihrerseits Anlaß zu Debatten über die Welt und über Fragen zur Kunst, speziell auch zur Conditio humana. Wer sind wir? Es gibt demnach eine ganze Reihe guter Gründe, darauf zu achten, wer in unserem unmittelbaren Lebensraum schon vor uns tätig war, um uns in solchen Zusammenhängen etwas zu hinterlassen.
Damit meine ich nicht bloß künstlerische Werke, sondern vor allem auch Impulse, welche beigetragen haben, die Provinz an manchen Stellen weniger provinziell erscheinen zu lassen. Es war überdies nötig, das alte Denkschema „Zentrum /Provinz“ aufzubrechen. Solches Denken stammt in aktuellen Varianten aus dem 19. Jahrhundert und nützt uns heute nichts mehr.
In solchem Sinn widmen wir uns beim Archipel einer Wissens- und Kulturarbeit abseits des Landeszentrums, die grundlegend andere Bedingungen hat, als vergleichbares Engagement in Graz oder Wien. Deshalb auch die Metapher „Archipel“ als Namen für unsere autonome Kulturformation.
Das betrifft freilich nicht nur jene Anregung, die so eine Topographie der landschaftlichen Vielfalt bietet. Wir beziehen uns damit auch auf den karibischen Philosophen Édouard Glissant, der uns gezeigt hat, wie ein „archipelisches Denken“ über die alten eurozentristischen Denkmuster hinausführen kann.
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Postskriptum#
Das „Archipel: Forum für Kunst, Kultur und Bildung“ steht in der Tradition der eigenständigen Regionalentwicklung und ist einem Prinzip verpflichtet, das verlangt, Aktion und Reflexion beisammenzuhalten. Siehe dazu auch:- Der Hintergrund: Die Woge (Einige Rückblicke)
- Die Tangente: Zur Zeitenwende (Ein kulturpolitisches Positionspapier)
- History (Projektverläufe)
