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Kaiser Karl VI. - Schirmherr des Glaubens am Anfang der Frühaufklärung im Barockzeitalter#

Von Ernst Zentner

Kaiser Karl VI. - Schirmherr des Glaubens
Kaiser Karl VI. Johann Gottfried Auerbach, 1735; KHM - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Große Frömmigkeit und Gottvertrauen#

Constantia et fortitudine
Regierungsmotto Kaiser Karls VI. "Constantia et fortitudine" auf der Stuckdecke im geplanten Arbeitszimmer des Kaisers im Stift Klosterneuburg, Kaisertrakt - Foto: Ernst Zentner

Große Frömmigkeit und Gottvertrauen begleiteten Karl VI. sein gesamtes Leben. Sogleich nach der Geburt erhielt er eine ganze Serie von Taufnamen, die auf wesentliche Heilige Österreichs, Europas und eventuell Spanien Bezug nahmen: "Karl Franz Joseph Wenzel Balthasar Johann Anton Ignaz". Sie umrissen ein gigantisches Programm, das Karl VI. erst als er erwachsen wurde, so richtig begriff und davon Gebrauch machte. Sein einziger kurzlebiger Sohn erhielt ebenfalls Namen nach populären Heiligen. Seine Töchter gleichfalls. Dessen ungeachtet war es in hochadelige Familien alte Sitte, dass der Zweitgeborene dem Geistlichenstand zugeführt wurde. Vater Leopold I. galt als gottesfürchtig und bigott während Mutter Eleonore Magdalena geradezu klösterlich – fromm auftrat. In dieser Atmosphäre fiel auch die seit 1692 erfolgte Ausbildung durch zwei Jesuitengeistliche. Denkbar wäre noch, dass der damalige Wiener Bischof Ernst Graf Trautson den jungen Erzherzog beeinflusste, zumal Trautson sich nebenbei mit historischen Studien beschäftigte.
Was mag den Habsburger so fasziniert haben am weihevollen theatralen Prunk der Liturgie während des Gottesdienstes? War es die Allmacht des Glaubens? Die fühlbare Nähe zu Gott? Der harzige Duft des Weihrauchs, der in blauen Schwaden durch das Kirchengebäude emporstieg?
Nochmals: Karl VI. wurde eher zu einem Geistlichen erzogen, und sein kaiserliches oder politischen Wirken war auch entsprechend ausgeprägt.
Die Kirche beziehungsweise, der österreichische Klerus sah als dringendste Aufgabe, außer Religion und tiefste Frömmigkeit, die Allmacht des Glaubens und der Existenz Gottes zu präsentieren. Die Kraft, um durch die Härten des Alltags im 18. Jahrhundert zu schlagen und zu ertragen wurde aus dem Glauben geschöpft. Der Rest war verschnörkeltes Denken und Lebensmut. Der Mensch dieser Zeit war sich stets bewusst, dass das Ende ständig gegenwärtig sein konnte. Das galt ebenso für den einfachen Menschen als auch für den führenden Herrscher. Epidemien, Krisen, Kriege, Elend und Eifersuchtsdramen gehörten zum Alltag des Barock.

Vorbild und Volksfrömmigkeit#

Der Kaiser war sich als Herrscher seiner Vorbildwirkung im Bezug auf das Volk enorm bewusst. So musste alles, was er auch tat, eben charismatisch hervorgehoben werden, seine Frömmigkeit und sonstigen Tugenden. Mystiker wie sein Vater war er keiner. Karl VI. war in religiösen Belangen sehr streng – erinnern wir uns an den pädagogischen Einfluss durch Jesuitenmönche in seiner Kindheit. Der Kaiser achtete die Feiertage als oberster Schirmherr- wie Schutzherr und akzeptierte seit Jugendtagen – beeinflusst durch Jesuiten – den 1. Januar als Neujahrsbeginn. Dieses Datum hatte 1691 Papst Innozenz XII. eingeführt. Damals zählte der Habsburger erst sechs Jahre. Allerdings sei erwähnt, dass Innozenz XII. in seinem Pontifikat als Kirchenerneuerer hervortrat. Er schaffte die Vetternwirtschaft der Päpste ab, reformierte Ordens- und Weltklerus und unterstützte die Missionstätigkeit in der Neuen Welt, in Persien und im Chinesischen Reich.
Das Fest der Empfängnis der Unbefleckten Jungfrau Maria dehnte Papst Clemens XI. 1708 auf die gesamte römisch-katholische Kirche aus. [1] Der Großvater Karls VI., Kaiser Ferdinand III. (gest. 1657) hatte nach dem Schwedenkriegen das Maria Empfängnis-Fest auf dem 8. Dezember festgelegt, und das in seinem Reich zu feiern sei. (Er war damals der Meinung, dass die hl. Jungfrau Maria das Ende der Schwedenkriege ermöglichte.)

Maria Immaculata, ehemaliges Hochaltargemälde von Martino Altomonte, 1728; Pfarrkirche St. Peter in Sarleinsbach, Bez. Rohrbach, Oberösterreich - Ausschnitt eines Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Maria Immaculata, ehemaliges Hochaltargemälde von Martino Altomonte, 1728; Pfarrkirche St. Peter in Sarleinsbach, Bez. Rohrbach, Oberösterreich - Ausschnitt eines Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Weihnachten so wir es heute kennen wurde dezenter gefeiert. Geschenke gab es bereits am 6. Dezember, Festtag des hl. Nikolaus. Die Kaiserfamilie besuchte vormittags den Gottesdienst in der kaiserlichen Hofkapelle, dann nachmittags den Gottesdienst in der kaiserlichen Kammerkapelle. Danach teilte der Kaiser die Nikolaus-Geschenke an seine Ehefrau Kaiserin Elisabeth Christine sowie den drei Töchtern und hohen Hofdamen aus. Die Gläubigen in der Regierungszeit Kaiser Karls VI. kannten bereits, vorwiegend in Tirol, Weihnachtskrippen und im übrigen Österreich üppige, erschütternde Kalvarienberg-Kirchenbauten. In Hernals bei Wien gab es die Kalvarienbergkirche. Er hielt zum Beispiel die Fastenzeit genau ein, beichtete ernsthaft nach Vorschrift, wusch alljährlich am Gründonnerstag demutsvoll zwölf Greisen die Füße – die Kaiserin tat das gleiche an Greisinnen. Immer die Vorbildwirkung Jesu Christi (von Nazareth) vor Augen. Die Verkörperungen der Jünger Jesu zählten nach Angaben des Wienerischen Diarium jeweils an die Hundert Jahre. Nur ein interessantes Beispiel am Rand: Am Gründonnerstag 1722 – 2. April 1722 – wusch der Kaiser zwölf armen Männern die Füße. Angeblich zählte der Älteste an 111 – einhundertundelf – Jahre! Der Jüngste zählte 64 Jahre. So wurde das im Wienerischen Diarium 1722 überliefert. (Wer es glauben möchte, soll das tun – vielleicht ist das statistische Alter im Barock wieder einer Überprüfung wert.) Das gleiche tat seine Ehefrau Kaiserin Elisabeth Christine mit zwölf armen Frauen. Ebenso Kaiserinwitwe Amalia Wilhelmina mit zwölf armen Frauen. Wobei zwei Älteste immerhin auf 104 – einhundertundvier – Jahren brachte. So stand es im Wienerischen Diarium! Bei der Zeremonie war es üblich, dass einer von den armen Männern eine Dankesrede gehalten hatte, in der er den Kaiser würdigte und Gott um Beistand bat.
Außerdem nahm Karl VI. an den regelmäßig im Kirchenjahr stattfindenden prunkvollen Prozessionen teil, ohne sich selber in den Vordergrund zu spielen.

Kalvarienberg, Hernals, 1724
Kalvarienberg in Hernals. Kupferstich von Salomon Kleiner, 1724 - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Als Auftakt zur Karwoche eine Fußwallfahrt zur Hernalser Kalvarienbergkirche, zu Fronleichnam hinterm Allerheiligsten einhergehend und zu St. Leopoldi eine Wallfahrt nach Klosterneuburg. Auch die Nächstenliebe schien für den Kaiser kein leeres Wort gewesen sein. Er verzieh sogar seinem ärgsten Feind, nämlich Ludwig XIV., als dieser 1715 gestorben war und beauftragte schärfste Hoftrauer – aber der religiöse Grund war nicht die alleinige Ursache für die kaiserliche Hoftrauer, sondern das verwandtschaftliche Nahverhältnis der Bourbonen zu den Habsburgern. Marterln, Wegkapellen, Wallfahrtskirchen wurden in Karls VI. Zeit umgestaltet oder neuerrichtet. Die dunkle aufstrebende Gotik wich einem farbensprühenden Barockdesign. Die Verehrung vieler im Volk beliebter Heiliger nahm sprunghaft zu, und auch Österreichs über die Grenzen bekanntester Wallfahrtsort Mariazell wurde zum Zentrum religiöser Besinnung.

Wallfahrtskirche Mariazell, Steiermark
Wallfahrtskirche Mariazell in der Steiermark - Foto: © Bwag/Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Bevor Karl VI. als junger Mann die beschwerliche Reise nach Spanien antrat besuchte er Mariazell. Dort erbat er sich von der Magna Mater Austriae den Schutz für sich und für Österreich. Was noch wichtig war: Karl stellte seine Regierung als König von Spanien unter dem Schutz der Magna Mater Austriae. Dazu stiftete er ein silbernes mit wertvollen Edelsteinen besetztes Kreuz. (Dieses Kruzifix wird 300 Jahre später beim Requiem für Otto von Habsburg-Lothringen (1912 – 2011) in der Basilika Mariazell wieder Verwendung finden.) Die Jesuiten waren glühende Marienverehrer, was sich zwangsläufig auch auf die Erziehung Karls (VI.) auswirkte. Seine Marienverehrung blieb sein gesamtes Leben ungebrochen. Karl VI. besuchte 1732 während seiner Erbhuldigungsreise sogar Mauthausen, um der Verehrung einer lokal befindlichen Marienstatue nachzukommen. Seine Ehefrau Elisabeth Christine übte sich ebenfalls als fleißige Marienverehrerin. Längst war sie Mitglied in der Gemeinschaft der Jungfrau von Montserrat. An den Tagen der entscheidenden Militäraktionen gegen die Osmanen betete der Monarch verzweifelt in der Hofburgkapelle. Die Osmanen verloren am 5. August 1716 die Festung Peterwardein. An diesen Tag hatte sich der Kaiser zu einer Wallfahrt in Mariazell aufgehalten. Nach den von Prinz Eugen siegreich verlaufenen Feldzügen gegen die Osmanen sandte der Kaiser als Dank an die hl. Muttergottes erbeutete osmanische Fahnen an die Wallfahrtskirche Mariazell. Erfolgreiche Friedensschlüsse waren genug Ursache für Wallfahrten zum Nationalheiligtum. Karl VI. setzte auf religiös-christlich betonte Wallfahrten. Sie konnten zwei oder mehr Wochen dauern. Die Route führte vorbei an den bekanntesten Klöstern Niederösterreichs, an kleineren oder größeren Wallfahrts- und Andachtsorten, bis ins steiermärkische Mariazell. Die Pilgerreise geschah aus dem Wunsch nach einem Erben heraus …
Aus okkulten Dingen machte sich der Kaiser nichts. Er hatte seinen festen Glauben – nebenbei in Notsituationen hegte er ein wenig abergläubisches Gedankengut … So wie jeder, fast jeder Mensch etwas an seichten Relikten aus der Vergangenheit zehrte. Wie die Krönungsreise nach Prag, wonach einer böhmischen Legende nur ein gekrönter König einen Erbprinzen bekommen könne … Unter Karl VI. erfuhr die Reliquienverehrung einen gewaltigen Höhepunkt. Die Taufe des ersehnten Thronfolgers war ausreichend Grund genug, aus der Geistlichen Schatzkammer der Hofburg eine stattliche Serie berühmter Reliquien herbeizuholen: Hl. Kreuz, Hl. Nagel, Hl. Blut, Hl. Dorn, Hl. Schleier. Auffallend am Herzen lag dem Kaiser die Hostienverehrung (1724 Umgestaltung der Heilig-Blut- Kapelle in Tirol und 1729 – 30 Bundesladen- und Versöhnungsdenkmal in Raab (= Györ, Ungarn)).
Große Frömmigkeit und Gottvertrauen begleiteten Karl VI. sein gesamtes Leben. Sogleich nach der Geburt erhielt er eine ganze Serie von Taufnamen, die auf wesentliche Heilige Österreichs, Europas und eventuell Spanien Bezug nahmen: "Karl Franz Joseph Wenzel Balthasar Johann Anton Ignaz". Sie umrissen ein gigantisches Programm, das Karl VI. erst als er erwachsen wurde, so richtig begriff und davon Gebrauch machte. Sein einziger kurzlebiger Sohn erhielt ebenfalls Namen nach populären Heiligen. Seine Töchter gleichfalls. Dessen ungeachtet war es in hochadelige Familien alte Sitte, dass der Zweitgeborene dem Geistlichenstand zugeführt wurde. Vater Leopold I. galt als gottesfürchtig und bigott während Mutter Eleonore Magdalena geradezu klösterlich – fromm auftrat. In dieser Atmosphäre fiel auch die seit 1692 erfolgte Ausbildung durch zwei Jesuitengeistliche. Denkbar wäre noch, dass der damalige Wiener Bischof Ernst Graf Trautson den jungen Erzherzog beeinflusste, zumal Trautson sich nebenbei mit historischen Studien beschäftigte. Nachdem feststand, dass Erzherzog Karl als König von Spanien eingesetzt würde, begab er sich noch vor seiner Abreise auf Wallfahrt nach Mariazell, um die hl. Muttergottes um Beistand zu erflehen, und wo er ein kostbares Kruzifix opferte. Gezielt wurde er von seiner religiös motivierten Umgebung seine Frömmigkeit auf die Marienverehrung ausgerichtet, die auch offenbar sein religiöses Leben bestimmte. Nach dem erfolgreichen Entsatz von Barcelona befahl er die Errichtung eines Mariendenkmals, das unter einem großen Aufwand am 20. Juni 1706 eingeweiht wurde.

Schwarze Madonna von Montserrat
Schwarze Madonna von Montserrat (Katalonien), 12. Jahrhundert - Ausschnitt eines Fotos von Misburg3014, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Nach der erfolgreichen Schlacht Prinz Eugens bei Ramilies unternahm Karl mitsamt Gefolge im Juli 1706 eine Wallfahrt in das Benediktinerkloster Santa Maria de Montserrat, wo er der weltberühmten "schwarzen Madonna" huldigte und einen kostbaren Degen opferte. Gleichenorts versprach er, er werde für die Sache Jesu Christi kämpfen. Zwei Jahre später kam er abermals nach Montserrat. Diesmal mit seiner Ehefrau Elisabeth Christine und stiftete einen mit 28 Diamanten besetzten Kelch und sie stiftete diamantenbesetzte Messkännchen. Abt Fèlix Ramoneda gab beide Schenkungen zum Klosterschatz. Nach der Rückkehr nach Österreich ließ 1721 ein spanischer Prinz – Don Emanuel – im niederösterreichischen Brunn am Gebirge in der dortigen Pfarrkirche hl. Kunigunde eine Marienstatue aus dem südspanischen Granada aufstellen ("Schmerzhafte Muttergottes"). (Könnte es nicht auch Prinz Don Emanuel von Portugal, der als polnischer Thronanwärter seit Ende 1732 und 1733 gehandelt wurde, gewesen sein? Dieser hielt sich im Mai 1733 in St. Pölten auf. Dann befände sich die Statue seit dieser Zeit in der Wallfahrtskirche.) Die Pfarrkirche Hl. Kunigunde in Brunn am Gebirge wurde nicht ohne Zufall von 1721 bis 1735 wohl durch Zutun des Kaisers zu einem Wallfahrtszentrum ausgebaut.

Religion in Spanien#

Eine Frage stellt sich doch – mag die Antwort auch vielleicht zu überkritisch sein: Womit Erzherzog Karl es in klerikalen Umständen in Spanien zu tun hatte? Karl war als überaus frommer Kaisersohn erzogen worden. Das religiöse Umfeld am Wiener Hof hatte ihn zutiefst geprägt. Das war auch aus zeitkulturellen Ursachen bedingt. Nun er wird zwar nicht mit Zitaten aus der Bibel umhergeworfen haben. Zumindest hatte er den Willen des Mächtigen zu respektieren und was auch das Schicksal für den Habsburger beschieden hatte, das hatte er mit Mühe akzeptiert. Der Streit, wer über den Papst und wer über den Kaiser stand, das war auch damals philosophisches und theologisches Streitthema, das an den Feiertagen, und solche gab es nicht wenig, wenigstens in den Hintergrund rückte. Die leidige Frage um die Macht geistlicher und weltlicher Institutionen war stets vorhanden.
Erzherzog Karl betrat spanischen Boden. Ein Blick in die Geschichte der spanischen Religionskultur ist nicht ohne Gefahr der Einseitigkeit möglich. Die katholischen Könige hatten über Jahrhunderte die Bevölkerung geprägt. Seit den nicht gerade ruhmreichen Tagen der Inquisition hatte in Spanien nur eine Religion das Recht ausgeübt zu werden: Die römisch-katholische Religion wobei das Christentum als tragende tolerante humanistische Kraft – peinlicherweise – an Gültigkeit verloren hatte. Protestanten wurden nicht geduldet – nur in Biskaya lebten an 30.000 Lutheraner … Juden wurden nicht geduldet – und das seit 1492 … Die Söhne des Propheten wurden genauso wenig geduldet. Seit der Reconquista war der Islam auf spanischen Boden kein Diskussionsthema gewesen. Naturreligionen, wie sie farbige Sklaven aus Afrika – womöglich der altägyptischen Kulte verpflichtet – mitgebracht hatten, wurden nicht geduldet. Beinahe erinnert das alles an den Hitlerismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das einseitige kulturelle Missverhältnis existierte auch in Spanien an der Wende zum 18. Jahrhundert. Im Konflikt zwischen Bourbonen und Habsburger waren plötzlich auch zweierlei geistig-geistliche Strömungen da, die gleichfalls zum intellektuellen Kampfeinsatz gegeneinander herhalten mussten. Für Kulturhistoriker wäre das, ein reizender Ansatz diese Geisteskultur inmitten des spanischen Erbfolgekonfliktes in wissenschaftlichen Abhandlungen darzulegen. Auf den Österreicher musste die iberische Religionskultur – mitsamt ihren ja doch eher makabren Traditionen und Gebarungen im Brauchtum – wie ein Schock gewirkt haben. Andererseits könnte sie seinem katholischen Weltbild sowieso entgegengekommen sein – und das auch nur weil Prinzen aus dem Hause Habsburg des Öfteren für eine Thronfolge in Spanien entsprechend ausgebildet wurden. Hauptsache Karl von Österreich konnte sich die spanische Krone aufsetzen – wenn auch nur vorübergehend.
Karl VI. achtete auch die Nationalheiligen Spaniens, so etwa die heilige Eulalia von Mérida – sie lebte im 3./4. Jahrhundert. Sie wurde von ihren Gegnern als jugendliche Gegnerin der Christenverfolgung grausam gefoltert und ermordet. (Der Legende zufolge stieg ihre Seele in Gestalt einer weißen Taube zum Himmel.) Dazu sei erwähnt, sie gilt als hohe Nationalheilige Spaniens. Mérida liegt in der Estremadura – El Escorial! – in Spanien. Eigentlich war die heilige Eulalia nicht nur Nationalheilige von Spanien, sondern auch von Katalonien.

P. Vitus Georg Tönnemann, um 1738; Museum für Stadtgeschichte Paderborn - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
P. Vitus Georg Tönnemann, um 1738; Museum für Stadtgeschichte Paderborn - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Der Beichtvater Leopolds I. und auch Karls, nämlich Pater Veit Georg Tönnemann wurde nach Wolfenbüttel gesandt, um Elisabeth Christine kennen zu lernen und zum Katholizismus zu bewegen. Damals gab es unter Intellektuellen wie Cristóbal de Rojas y Spinola, ein Franziskanermönch und seit 1686 Bischof von Wiener Neustadt (um 1625 – 1695) und den Wolfenbütteler Bibliothekar Leibniz die berechtigte Hoffnung auf ein Zusammengehen des Luthertums und des römischen Katholizismus. Die Prinzessin wechselte ehest ihre Konfession. Zum Studium erhielt sie Bücher von Theologen die den in Frankreich verbotenen Jansenismus angehörten. Diese katholisch-theologisch-philosophische Richtung vertrat einen auf den wichtigsten beschränkten katholischen Glauben – vor allem diente die Bibel als Grundlage. Die Kaiserin war zwar römisch-katholisch geworden, aber offenbar war sie zeitlebens doch lutherisch geblieben. Ihre Denkweise orientierte sich am Katholizismus, aber ihr tiefstes Unterbewusstsein blieb lutherisch. Bedeutende Jansenisten waren der Erzieher Kaiser Josephs I., nämlich Karl Theodor Fürst Salm, über Prinz Eugen ist nichts darüber bekannt, dann der Leibarzt des Kaisers Karl VI. Pius Nikolaus Garelli und endlich der führende Staatsmann Bartenstein. Elisabeth Christine betrachtete den Konfessionswechsel mit ehrlichen Zweifeln, erst als kurzzeitige Königin von Spanien und danach als Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches erkannte sie die Richtigkeit. In Wien wurde sie stellvertretend in der Hietzinger Pfarrkirche von dessen kaiserlichen Bruder Joseph I. geehelicht. Im Sommer 1708 heiratete der junge Gegenkönig Prinzessin Elisabeth Christine von Wolfenbüttel-Lüneburg offiziell in der Kathedrale von Barcelona. Die Trauung vollzog der Erzbischof von Tarragona Joseph Llinar i Azuar de Broto. Frauen eines – spanischen – Herrschers hatten sich nicht um Politik zu kümmern, sondern in der Öffentlichkeit als praktizierende Katholikin zu erscheinen. Bevor Karl III. als Karl VI. nach Deutschland reiste hinterließ er seiner Ehefrau eine Instruktion, nach der sie auf die hl. Maria Muttergottes vertrauen möge.[2] Die Marienverehrung bereitete ihr keine Probleme und sie bevorzugte den hl. Johannes Nepomuk, den Nationalheiligen des Königreiches Böhmen.
Noch im Zusammenhang der Hochzeitsfeierlichkeiten besuchten Karl und Elisabeth Christine am 11. August 1708 in Barcelona die Barmherzigkeitkirche Esglesia de la Mercé, um den in der Sakristei verwahrten, unversehrten Körper der hl. Maria von Cervelló ihre Aufwartung zu machen. Im Beisein des Bischofs von Albarracín (Bischof Lamberto Manuel López (1701–1717) von Teruel y Albarracín???) entnahmen sie Reliquien – Schleier und Gürtel. Am nächsten Tag – 12. August 1708 – wurde der Körper der Heiligen im Dom Santa Maria del Mar von Barcelona aufgebahrt und ein Hochamt gegeben. Danach wurde sie wieder in die Barmherzigkeitkirche zurückgebracht. Elisabeth Christine sah vom Palast aus, die Prozession vorbeiziehen.
Die Verehrung der Eucharistie lag traditionell seit der Gegenreformation bei den Habsburgern im Vordergrund. So auch bei Kaiser Karl VI, seinen Bruder Joseph I. und den Ahnen. Kaiser Karls VI. Ehefrau Elisabeth Christine griff – offenbar seit 1712 – als Statthalterin von Katalonien (eigentlich Spanien-Katalonien) aus tiefstem Antrieb auf. Sie war erst wenige Jahre zuvor vom Protestantismus zum Katholizismus konvertiert. Ihr Schwager Joseph I. galt als liberal – allgemein sah er die Religion nicht als vorrangig an – und praktizierte die Eucharistieverehrung wohl nur aus Staatsräson. Kaiser Karl VI. lag als strenggläubiger Mensch auf der erzkonservativen Linie.
Gebet und Meditation zählte zu den wichtigsten religiösen Tätigkeiten eines tieffrommen Habsburgers. Die immerhin sehenswerte Kapelle Santa Águeda in der barcelonischen Residenz des Vizekönigs wurde zum Ort der religiösen Meditation Karls in Krisenmomenten. Auch während krisenhaften Momenten 1706 – im militärischen Kampf um die Vorherrschaft in Spanien – hielt Karl an seinem Glauben fest. Im Barceloner Nonnenkloster Sant Pere besaß er sogar einen eigenen Kirchenschlüssel, um an der Heiligen Messe bewohnen zu können. Das Kloster stand ihm zur völligen Verfügung offen. In Wien besuchte der Herrscher seine privaten Kapellen, etwa die kaiserliche Hofburgkapelle und die dem hl. Joseph geweihte Kammer-Kapelle im Leopoldinischen Trakt der Hofburg, ebenso die in den Schlössern seiner Jagdreviere untergebrachten Schlosskapellen.

Wien

Der mächtige Turm des aus dem Mittelalter stammenden Stephansdoms dominierte über der Stadtfestung. Der hohe spitzzulaufenden Turm war weithin sichtbar – heute ist seine Sicht durch die hohen Wohnbauten verstellt. In der Zeit seiner Grundsteinlegung 1137 wurde das Bauwerk völlig nach dem Sonnenstand im Osten ausgerichtet. In Wien selbst befanden sich über zwanzig Kirchen und ebenso viele Klöster. Ihre skurrilen Glockentürme beherrschten die Stadtsilhouette. In einem Kriegs- oder Katastrophenfall wurde die Pummerin von St. Stephan geläutet. Normalerweise waren ihre Glockentöne höchstens zu den hohen Feiertagen des Kirchenjahres zu hören.

Kirche und Staat - Papst und Kaiser#

Der Kaiser unterhielt ein gesamtes Beziehungsgeflecht mit den hohen kirchlichen Institutionen im Reich. Als frommer Herrscher kam er den meisten Kardinälen, Bischöfen und Äbten irgendwie entgegen, auch wenn ihre politischen Ansichten nicht immer dem kaiserlichen Ansinnen deckten, sondern Rom zu eigen wirkten.
Staat und Kirche bzw. Kirche und Staat gingen ineinander auf. Der Kaiser – oder jeweilige Landesfürst – sah sich als hoher, absolutistischer Kirchenfürst, als oberster weltlicher Priester, den Kardinäle, Erzbischöfe und andere zu respektieren bzw. sogar zu folgen hatten. In der Realität funktionierte das aufgrund der Intellektualität der Kirchenspitze, vom Vatikan abwärts bis zum Bischof nicht. Aber das Staatskirchenwesen existierte nun einmal – nur bis in das Zeitalter der Aufklärung. Der Kaiser versuchte zu intervenieren. Der Kardinal oder Erzbischof versuchten zu intervenieren. Der Nuntius versuchte zu intervenieren. Alle glaubten an Gott ohne das in Frage zu stellen. Und heraus kamen oft wunderliche Ergebnisse, mit denen zwar niemand zufrieden aber zumindest nach dem Willen des Allerhöchstens völlig ausreichend zufrieden zu sein hatte. Stets agierte das System der Intrige wie im Kleinen wie im Großen. Nun blieb seit dem Hochmittelalter die Frage im Raum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation: Wer über wen stand? Der Papst über den Kaiser? Der Kaiser über dem Papst? Eine Antwort gab es schon lange: Über beiden stand Gott.
Immerhin kamen und gingen im Leben Karls VI. acht Päpste.: Innozenz XI., Alexander VIII., Innozenz XII., Clemens XI., Innozenz XIII., Benedikt XIII., Clemens XII., Benedikt XIV. Obwohl er sie nie persönlich gekannte, blieb sein Verhältnis aus traditionellen Gründen – geradezu anachronistisch – zu ihnen zwiespältig. Das ging Jahrhunderte weit in die Vergangenheit zurück, bis in die Zeit in der die Päpste und die Kaiser sich anschickten die Weltherrschaft anzustreben. Begonnen hatte das im schwierigen Konflikt um die Erbfolge Spaniens. Papst Clemens XI. lehnte den Österreicher als Nachfolger auf dem Thron des Königs von Spanien ab. Die Kurie befürchtete, der neue König könnte seine kirchlichen Vorrechte zum Nachteil Roms verwenden – so etwa selber die Wahl eines spanischen Kardinals bestimmen.
Joseph I. belehnte am 12. Februar 1707 seinen Bruder mit Mantua und einer Provinz nördlich im Po-Delta. Im folgenden Jahr wälzte sich eine kaiserliche Armee durch den Kirchenstaat in Richtung Neapel, was den Papst unsagbar bedrückte. Obendrein waren Neapel und Sizilien Lehen des Papstes, was den Kaiser wenig kümmerte. Insgesamt war das der letzte gewaltsam ausgetragene Konflikt zwischen dem Kaisertum und dem Papsttum seit dem mittelalterlichen Investiturstreit. Im Sommer 1708 reiste Elisabeth Christine über Italien nach Spanien, ohne vom Klerus, wegen der Besetzung des Kirchenstaates, respektiert worden zu sein. Im Januar 1709 schlossen Kaiser und Papst Frieden. Der Pontifex maximus anerkannte Karl von Österreich als König von Spanien und der Imperator war bereit für die Kriegsschäden im Kirchenstaat aufzukommen. Karl misstraute weiterhin dem – pro-bourbonischen – Nachfolger Petri, wie er brieflich im Mai 1709 Wratislaw anvertraute. Sechs Monate später gab Clemens XI. die Anerkennung Karls von Österreich als Spanienkönig öffentlich kund.
Inzwischen verstarb einer der weiteren und eigentlichen Verursacher des Spanischen Erbfolgekrieges, Kardinal Portocarrero im Alter von 74 Jahren am 14. September 1709. Seine politische Karriere war längst verwirkt gewesen. Philipp V. hatte ihm die Thronerlangung verdankt – aber er hatte ihn wegen seines unersättlichen Machthungers rasch verachtet. Portocarrero wollte nicht erkennen, dass Spanien ehest eine ordentliche Reform in Fragen von Finanzen und Wirtschaft brauchte. Seine Tätigkeit war von einem egozentrischen Weltbild geprägt. Wütend hatte Philipp V. den Kardinal vom Madrider Hof entfernt und in sein früheres Erzbistum Toledo zurückgeschickt, was freilich ohnedies einer Verbannung gleichgekommen war. In jungen Jahren genoss er nicht selten weibliche Gesellschaft. Er galt fürsorglich gegenüber den Ärmsten der damaligen Gesellschaft. Jedoch auf dem Parkett der Weltpolitik fand er keinen Halt. Auf testamentarischen Wunsch wurden auf die letzte Ruhestätte des hohen Würdenträgers des spanischen Klerus folgende Worte verewigt: "Hic jacet pulvis, cinis, et nihil." Frei interpretiert hieß das: Hier läge nur Pulver, Asche und sonst nichts.
Während des grausam geführten Bürgerkrieges zwischen Parteigängern Philipps V. und Karls befahl der Österreicher, wohl beeinflusst durch seine Ehefrau und dem Respekt vor dem Klerus, seinen Generälen, dass Kirchen und Klöster zu schonen seien. Sogar die Frage der Religionszugehörigkeit wurde von beiden Gegnern zu Propagandazwecken missbraucht.

Kaiserkrönung - Königskrönung#

Papst Clemens XI.
Papst Clemens XI, 1700-21. Porträt, Standort? - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Der Papst protestierte gegen den Wahlmodus während der Kaiserkür Karls VI. zumal zwei profranzösische Kurfürsten fehlten. Im Dezember 1711 erfolgte die Kaiserkrönung durch den Erzbischof Schönborn, Kurfürst von Mainz. Die Feierlichkeiten fanden im St. Bartholomäusdom von Frankfurt am Main statt. In der Schwurrede wurde von Karl VI. abgerungen, dass er die Kirche schützen und verteidigen werde. Als Reaktion darauf vermied der neue Kaiser das Wort "Papst" überhaupt auszusprechen ... Glocken verkündeten die Kaiserkrönung und es waren auch Kirchenglocken, die auch die Ankunft des Kaisers im winterlichen Wien meldeten. Unter den dröhnenden Klängen der kürzlich neu gegossenen "Pummerin" von St. Stephan reiste Karl VI. in seine Reichshauptstadt. Am 27. Januar 1712 zelebrierte Bischof Rummel einen Festgottesdienst mit einem feierlichen Tedeum im Stephansdom, wo der Kaiser mitsamt seinen 150 Ministern erschienen war.

Krönung Kaiser Karls VI. zum König Karoly III. von Ungarn im St. Martinsdom von Pressburg (Pozsony / Bratislava)
Krönung Kaiser Karls VI. zum König Karoly III. von Ungarn im St. Martinsdom von Pressburg (Pozsony / Bratislava) am 22. Mai 1712 - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Monate später, am 22. Mai wurde der Kaiser im Pressburger St. Martinsdom von Kardinal Christian August von Sachsen (Herzog von Sachsen-Zeitz) zum "König Karl III. von Ungarn" mit der Stephanskrone gekrönt. Der Habsburger versprach feierlich das Königreich nach allen Himmelsrichtungen zu schützen. Für diesen feierlichen Akt wurde ein türkischer repräsentativer Säbel von einem Wiener Goldschmied mit Diamanten versehen. Vermutlich achtete der Kaiser den Nationalheiligen der ungarischen Untertanen, den hl. Stephan und dessen Festtag am 16. August.

Krönung Karls VI. zum König Karel von Böhmen am 5. September 1723 im St. Veitsdom in Prag. Kupferstich, 1727 - Foto: Rijksmuseum, Amsterdam - Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Krönung Karls VI. zum König Karel von Böhmen am 5. September 1723 im St. Veitsdom in Prag. Kupferstich, 1727 - Foto: Rijksmuseum, Amsterdam - Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Elf Jahre hernach widerfuhr ihm im Prager St. Veitsdom die Krönung mit der Wenzelskrone durch den Erzbischof von Prag Graf Franciscus Ferdinand von Khuenburg und der Bischöfe von Breslau und Olmütz, Franciscus Ludovisco Pfalzgraf am Rhein und Graf Wolfgang Hannibal von Schrattenbach (1719 – 22 Vizekönig von Neapel) am 5. September 1723. Drei Tage später erhielt Kaiserin Elisabeth Christine die böhmische Königswürde zugeeignet. Damals beging die Stadt Prag ihr 1000-Jahrjubiläum und das dortige Bistum seine 750-Jahr-Feier.
Die Krönungsfeier in den "drey Prager Stätten" war ein Spektakel, das sogar die Kaiserkrönung von 1711 versuchte zu überbieten – und äußerst teuer. Bei der Krönung zum König von Böhmen umstanden Karl VI. dazu noch zwei Jesuitengeistliche, die außerdem Kardinäle waren. Was für eine Situation. Der Kaiser stand bei der Zeremonie unter theologisch-politischen Druck. Kardinalpater Alvarez Cienfurgos, ein Spanier, der schon seine Treue zu Karl II. von Spanien unter Beweis gestellt hatte. Wenn sein Name spielerisch falsch geschrieben wird, etwa satirisch "Cienfurgos" zu "Cien-Fuego", hieße das "Hundert Feuer" – eine Anspielung an das drohende Purgatorium, das auch einen Kaiser erwarten könnte, dessen Seelenheil der Verdammnis entgegenflog …? Dann noch Kardinalpater Johannes Baptist Salerno (1679 – 1729), ein Italiener, der fähig gewesen war, Prinz August von Sachsen zum römischen Katholizismus bekehren. Dazu unterstützte er die Heirat des Prinzen mit einer ältesten "josephinischen" Erzherzogin Maria Josepha (1719), einer Nichte Karls VI. Mit ihnen – den Mitgliedern der Societas Jesu hatte Karl VI. zugleich Repräsentanten zugunsten Spaniens und Roms vor Augen. Aber eigentlich Glaubenswächter, die den Kaiser in Fragen des Protestantismus in Böhmen genau beobachteten. Damals gab es von ihnen wirklich weltweit – von Europa über Asien bis Südamerika an die 20.000 Mitglieder.
1712 gründete – auf Betreiben des Fürsten Liechtenstein – Karl VI. die Liechtentaler Pfarrkirche "Hll. Vierzehn Nothelfern" als Zentrum einer künftigen Pfarre, die sogar kurzzeitig "Carlsstadt" genannt wurde. Das Gotteshaus wird als Schubertkirche weltberühmt.
Der im 17. Jahrhundert bekannte Wallfahrtsort Kloster Kladruby bzw. Kloster Kladrau (Okres Tachov) im Westen Böhmens wurde durch widrige Umstände und dem Dreißigjährigen Krieg zerstört. Im 18. Jahrhundert war Wiederaufbau angesagt. Vermutlich durch Anregung Kaiser Karls VI. wurde von 1712 bis 1726 die Klosterkirche Mariä Himmelfahrt nach Plänen des böhmischen Baukünstlers Johann Santini-Aichel (1677 – 1723) – er studierte bei Hildebrandt und dem älteren Fischer von Erlach – im Stil der Barockgotik neuerrichtet. Kaiser Karl VI. war ein bekennender Verehrer der Hl. Maria Muttergottes. Angrenzende neuere Konventgebäude wurden von Kilian Ignaz Dientzenhofer (1689 – 1751) erbaut. Das Innere der Kirche wurde von den Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam sowie von Matthias Bernhard Braun gestaltet. Heute ist das Gotteshaus das Drittgrößte in Böhmen und wichtiges nationales Kulturdenkmal Tschechiens. Dientzenhofer war in den 1730er Jahren der meist beschäftigte Baumeister Böhmens und wurde vom Kaiser zum offiziellen Hofbaumeister erhöht (1730) und danach zum Oberfestungbaumeister ernannt (1737). Im November 1712 legte Karl VI. den Grundstein der Liechtentaler Pfarrkirche – "Schubertkirche" – in Wien-Alsergrund. Sie und weitere Wiener Kirchen wurden zum geistig-geistlichen und indirekten Schutzwall gegen jegliche weltliche Beschwerlichkeit.

Karlskirche - Wien als neues Rom?#

Karlskirche
Karlskirche, Wien-Wieden - Foto: Ernst Zentner

Eine Pestkatastrophe in Wien erreichte im Februar 1713 (insgesamt 8644 Tote) ihren Höhepunkt. Der Kaiser gelobte am Sonntag, den 22. Oktober 1713, während einer Prozession von der St. Augustinus-Hofkirche bis zum Stephansdom, bei dem innig herbei geflehten Ende der Epidemie einen Bau einer dem Mailänder Pestheiligen Karl Borromäus geweihten Kirche in Angriff zu nehmen und den Spanischen Erbfolgekrieg zu beenden. Zwei Jahre später wurde der Bau dieser "Karlskirche" unter Fischer von Erlach begonnen und 1737 vollendet. Diese eindrucksvolle Kirche war der letzte große Barockbau Wiens.
Ich vermute, Karl VI. hatte bei seiner Reise nach Linz – zu seiner Lisl – kurz Aufenthalt im Stift Melk genommen, wo er aus reiner Höflichkeit den Baufortschritt der neuen Klosterkirche begutachtet hatte, nahm an einer Messe teil. Der gastfreundliche und freigiebige Abt Berthold Dietmayr,

Abt Berthold Dietmayr von Stift Melk
Abt Berthold Dietmayr von Stift Melk. Kupferstich, 1703 - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

bereits Ratgeber unter Kaiser Leopold I. und Dekan der Theologischen Fakultät in Wien, hatte ihm wohl das Modell der Stiftkirche gezeigt und möglicherweise könnte Karl VI. auch den Tiroler Klosterarchitekten Jacob Prandtauer begegnet sein. Aber das bleibt Spekulation – nachweisbar im modernen Sinne ist es nicht.

Stift Melk, Niederösterreich
Stift Melk - Foto: Walter Hochauer, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Aber der Neubau der Klosterkirche Melk könnte den Kaiser indirekt zur Gestaltung der Wiener Karlskirche doch angeregt haben. Ihre Kosten waren beachtlich: 304.005 Gulden und 22 ¼ Kreuzer. Die Gelder für den Bau der Kirche wurden aus den Teilstaaten der gesamten Monarchie innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zusammengetragen. Oftmals auch mittels Zwangsabgaben. Hamburg musste sogar Strafgeld abliefern, weil der dortige "Pöbel" im Verlauf eines Aufstandes eine vom Kaiser gestiftete Kirche (Hamburg-Altona) zerstört hatte. Die Gelder kamen aus sämtlichen Besitzungen des Kaisers – Ungarn leistete 12 Prozent davon – und zynischerweise auch von Financiers jüdischer Herkunft, die sogar das meiste in Raten liefern mussten: So die Brüder Marcus und Mayr Hirschl um ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern zu können: 150.000 Gulden. Später mussten sie nur mehr 100.000 Gulden zahlen, und das wieder in Raten.

Durchschnitt Der St. Caroli Kirchen von einwendig, wie Solche anzusehen. / Fischer V: E: Inv: - 'Entwurff Einer Historischen Architectur', 1721
Durchschnitt Der St. Caroli Kirchen von einwendig, wie Solche anzusehen. / Fischer V: E: Inv: - aus "Entwurff einer Historischen Architectur", 1721 - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Karl VI. und die Israeliten#

Das Judentum zur Zeit Karls VI. genauso wie Andersgläubige schwersten Repressalien ausgesetzt. In erster Linie hatten sie höchstens Geld oder Ratgeber zur Verfügung zu stellen. Und zwar "Dona gratuita", sozusagen sprachverharmlost als freie Spende. Und wer nichts hatte, hatte nichts zu melden … Als Hoffaktor war der jeweilige Financier auch für seine Gemeinde verantwortlich. Verhielt er sich unbotmäßig, bekam das seine ihm anvertraute Gemeinde brutal zu spüren.
Noch am 3. März 1716 regelte Kaiser Karl VI. die Abgaben der (niederösterreichischen) Juden. Dem Kaiser ging es nur darum, Geld in die kaiserliche Hofkammer fließen zu lassen.
Der brutale Antijudaismus Kaiser Karls VI. beruhte daher, dass schon sein Vater Kaiser Leopold I. in seiner Regierungszeit mit äußerster Rohheit und Erbarmungslosigkeit gegen die Juden vorgehen ließ, nur weil er in ihnen die Feinde Christi sah. Wie der Alltags-Anti-Judaismus zu sehen damals zu sehen ist, erläutert eine über Hofprediger Abraham a Sancta Clara um 1700 überlieferte Anekdote. Während der Fahrt auf der Donau durch die gefährlichen Strudeln beruhigte er einen mitreisenden Rabbiner folgendermaßen: "... es werde ihm nichts geschehen; was an den Galgen gehörte, fände in der Donau kein Grab …" Angespornt durch die Wiener Bürgerschaft – vor allem der Händler und Kaufleute. Die Erziehung Karls durch fanatische Geistliche tat ihr übriges.
Die Wiener Bürgerschaft wandte sich an den neuen Kaiser 1712 mit der Forderung die Vertreibung von 4.ooo Juden aus der Stadtfestung. Eigentlich eine übertriebene Zahl. Tatsächlich lebten nur zehn tolerierte Familien in der Residenzstatt. Und der Rest im Umfeld der Stadt. Im Gegenzug verlangte die Regierung und die Hofkammer konstruktive Vorschläge wie der finanzielle Verlust auszugleichen wäre. Natürlich hatte die Wiener Bürgerschaft keine Ideen.
Jedenfalls schien der Kaiser aufgrund seiner befangenen Beamten keine gute Meinung über die jüdische Bevölkerung in Wien und Umgebung gehabt zu haben. 1723 empfahl er, jeden jüdischen Händler bewachen zu lassen. Und: Unter Kaiser Karl VI. wurden die in Wien lebenden Juden peinlicherweise kontrolliert, ob sie sexuelle Kontakte mit Nichtjuden unterhielten … Die Hofkammer – gleichermaßen das Finanzministerium – sah große Vorteile in der finanziellen Umklammerung weniger reicher jüdischer Familien und trat für eine positivere Weltsicht ein. Einer milderen Vorgehensweise gegenüber jüdischen Menschen konnte der Kaiser nichts abzugewinnen. An christlichen Sonntagen und Feiertagen – die gab es nicht wenig – wurden den Mosaisch-Gläubigen untersagt vor zehn Uhr vormittags auszugehen. Die dauernde Anstellung christlicher Dienstnehmer wurde ihnen völlig erschwert. Zumindest gestand er ihnen etwas Spielraum in der Ausübung religiöser Pflichten. ("sie sollen ihre jüdischen Ceremonien in aller Stille und ohne Aergernus deren Christen exerciren", Patent vom 16. Oktober 1723.) Kaiser Karl VI. war kein tiefer Freund des Judentums. Das lag einerseits in seiner strengen römisch-katholischen Erziehung begründet und andererseits war sein Vater Leopold I. vom Hoffaktor Samuel Oppenheimer finanziell zeitweise abhängig gelegen. Dazu kam noch, dass die Familie Oppenheimer in einem Banken- und Börsenkrach internationalen Ausmaßes verwickelt gewesen war – ein Bankrott der Monarchia Austriaca war die Folge. Stets hatten die finanzkräftigen jüdischen Potentaten ihre materielle "Unterstützung" zu leisten: Für die Kaiserkrönung Karls VI. stellte Hoffaktor Samson Wertheimer 148.000 Gulden zur Verfügung. Einen Hauptanteil für die Kosten im Kampf gegen die Hohe Pforte hatten sie mit 1,237.000 Gulden zu bieten (1717). Das finanzielle Aufgebot zur Unterhaltung des Militärs belief sich auf 600.000 Gulden (1727). Die Wiener Juden boten dem Kaiser 1732 eine finanzielle Unterstützung mit der Bitte um Erlaubnis zum Bau eines Gotteshauses in der Vorstadt. Eine negative Reaktion folgte. 1736 existierte in Wien eine eigene türkische jüdische Gemeinde mit Synagoge. Sie genoss eine Sonderstellung in der Residenzstadt Karls VI. Sie war ein Resultat des Abkommens von Passarowitz mit dem Osmanischen Reich 1717/1718. Die türkisch-jüdische Gemeinde war durch den Vertrag des Kaisers mit dem Osmanischen Reich geschützt. Falls den türkischen Juden etwas widerführe, könnte den Christen im Osmanischen Reich genauso widerfahren. Also ganz dürfte Karl VI. kein Antisemit im modernen Sinne gewesen sein. Einen Portugiesier-Spanier israelischen Glaubens erhob er 1726 sogar in den Adelsstand. Es war Don Diego d‘Aguilar Pereira, welcher den Tabakvertrieb in Österreich offenbar vorzüglich organisiert hatte. Für die nach 1718 bestehende türkisch-jüdische Gemeinde finanzierte er eine Synagoge und ein Bethaus. Um ihn scharten sich "angesehene Spaniolen" wie die Camondo, Nissan, Eskenasy, Nissim, Juda Amar, Malgo und Beneviste. Aguilar zählte – neben Oppenheimer und Wertheimer – als bekanntester Wiener Hofjude. Er entstammte einer Marranenfamilie – erst als 30-Jähriger erfuhr er von seiner jüdischen Herkunft. In Amsterdam bekannte er sich mit seiner Familie offiziell zum jüdischen Glauben, kam 1722 nach Wien, pachtete das staatliche Tabakmonopol, das zur Basis der späteren "Österreichischen Tabakregie" wurde.

Hinrichtung Joseph Süss
Hinrichtung Joseph Süss vor Stuttgart - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Interessant war auch, dass sich in der späten Ära Kaiser Karls VI. die Affäre Jud Süß ereignete (1737/1738). Im Herzogtum Württemberg gab es eine Krise nach der anderen. Jud Süß – eigentlich Joseph Süß Oppenheimer – wurde wegen seiner politischen Nähe als Hoffaktor zum Herzog Carl Alexander von Württemberg (1664 – 1737) missbilligt und wegen Hochverrat aus nichtigen Ursachen – als Sündenbock – hingerichtet, eher ermordet.
Der Kaiser dürfte über die Affäre Bescheid gewusst haben – auch wenn es keinen direkten Beleg dazu gibt – aber eine reelle Hilfe schien er auch nicht geleistet zu haben …
Zum Vergleich sei die jüdische Gemeinde in Prag angeführt, sie gehörte seit Ende des 17. Jahrhunderts zu den Wichtigsten der einstigen Epoche – trotz Widrigkeiten durch die Pest (1689). Aber seit 1724 wurde auch dort die jüdische Bevölkerung unterdrückt, indem ihre Bevölkerungszahl reglementiert und die Wohnorte diktiert wurden. Eine Auswanderungswelle wieder nach Westungarn und Polen war die Folge.
Anerzogener Alltagshass auf jüdische Menschen gehörten zur Lebenswelt im Zeitalter Kaiser Karls VI. Nicht einmal ihr Laubhüttenfest (Sukkot) duften sie ungestört 1714 feiern. Nicht einmal ihre kultisch bedingten Freudenfeste durften sie feiern. Übrigens seine Tochter Maria Theresia blieb auch in Fragen des Judentums keine Ausnahme. Maria Theresia hatte keine angenehmen Ansichten über Mitmenschen jüdischer Herkunft. Trotzdem lieh sie sich vom sephardischen Juden Diego d’Aguilar 300.000 Gulden für den Ausbau ihres Lieblingsschlosses Schönbrunn. Ein von der kaiserlichen Obrigkeit diktierter Antijudaismus. Ein mögliches Erklärungsmodell warum über Jahrhunderte bis ins 20. Jahrhundert die Shoah den grausigen Höhepunkt markieren sollte? In Österreich? In den deutschsprachigen Gebieten? Zufall?
Der Kaiser duldete in seinen Königreichen und Ländereien als absolutistischer Herrscher keinen Unruhen – mit den Protestanten oder Lutheranern hatte er es schwer genug – aber mit jüdischen Geistlichen war das für ihn neu gewesen. Andererseits, das ist wahrhaftig ein Widerspruch, der so typisch war an den carolinischen Absolutismus: Der Kaiser fühlte sich auch für Belange seiner jüdischen Untertanen zuständig. Der damalige Rabbiner von Prag, David Ben Abraham Oppenheimer (1664- 1736), ein in Worms geborener, anerkannter Theologe, Mathematiker und Geograf, wurde als alleiniger böhmischer Landesrabbiner – als Kabbalist – ungewollt in theologische Streitereien verwickelt. Karl VI. hatte genug mit Aufständen protestantischer Untertanen zu tun. Ein Ärgernis durch israelitische Untertanen käme einer kostenpflichtigen Zuwaage gleich: Der Kaiser verbannte die aufständischen – aber strengen – Jewischa-Studenten – Sabbatianer – aus Prag und übergab David Oppenheimer die alleinige Autorität über die Prager Rabbinatsstudien.

Kirchen, Heilige und Dreifaltigkeitssäulen#

Am 6. Juli 1713 legte Kaiserin Elisabeth Christine den Grundstein der Linzer Karmelitinnenkirche "Empfängnis Mariae". Das lokale Barockgenie Johann Michael Prunner wird sie entwerfen und bauen. Drei Jahre später wird sie geweiht und erst 1732 fertiggestellt. Heute Kirche und Kloster der Barmherzigen Brüder.
In Anlehnung an die gegen Ende des 17. Jahrhunderts von seinem Vater gestiftete Pestsäule (eigentlich eine Dreifaltigkeitssäule) am Graben ließ der Kaiser am 3. Juni 1714 in Baden bei Wien den Grundstein zum Bau einer Dreifaltigkeitssäule legen. Auch hier galt es die Errettung vor der Pest durch Gott entsprechend zu würdigen. Zugleich wurde der Wiederaufbau der Kurstadt Baden in Unter=Österreich nach einer im Winter geschehenen Brandkatastrophe damit unterstrichen. Der Entwurf stammte von Martino Altomonte und der Bildhauer Giovanni Stanetti realisierte sie. Diese Säule wurde vier Jahre später fertiggestellt und steht auf dem Hauptplatz. An ihr sind unter anderem die Figuren des hl. Sebastian und des hl. Karl Borromäus. Der Kaiser fungierte als überhöhtes Vorbild für eine St. Pöltener Hauseigentümerin: Noch 1717 wurde in St. Pölten auch aus Anlass der Errettung vor der Pest auf dem Herrenplatz eine Mariensäule, die vermutlich vom Schwiegersohn Jacob Prandtauers, Peter Widerin, errichtet. Anderen Quellen soll der Bologneser Antonio Beduzzi – er gestaltete die Ausstattung der Melker Stiftskirche – den Entwurf geliefert haben und Joseph Pabel die Realisation erledigt haben. Anregung dürfte dazu Kaiser Karl VI. indirekt gegeben haben. Er galt ja als inniger Marienverehrer. Ich gehe davon aus, dass noch viele solche Beispiele gab, und auch solche die längst von der Zeit überwunden worden waren.
Kaiser Karl VI. unterstützte wohl von 1712 bis 1727 auch den Weiterbestand der Schwarzspanierkirche in Wien-Alsergrund – hinter dem heutigen Universitätscampus. Sie war damals ursprünglich eine 1633 erbaute Klosterkirche der weißgekleideten Benediktiner von Montserrat. Fünfzig Jahre später wurde sie während des Osmanensturms zerstört (1683). Ihr Nachfolgebau wurde mit der Grundsteinlegung 1690 begonnen und bis 1727 errichtet. 1725 nahm das Kaiserehepaar an einem Festakt an der halbwegs hochgezogenen Schwarzspanierkirche in Wien-Alsergrund teil. Nach zwölf Jahren führte Kardinal Sigismund Graf von Kollonitsch die Einweihung des Gotteshauses am 6. September 1739 durch. Nach zwölf Jahren nahmen der Kaiser und die Kaiserin an der Einweihung des fertigen Kirchenbaues durch Fürsterzbischof Sigismund Graf von Kollonitsch am 6. September 1739 – Tag der hl. Maria von Montserrat – ebenfalls teil. Heute steht nur mehr seit 1963 die denkmalgeschützte – inzwischen sanierte – interessante Fassade mitsamt der Vorhalle und birgt den Anbau des Evangelischen Studentenheimes "Albert Schweitzer-Haus". Der Name des barocken Baumeister verschwand aus übertriebener Bescheidenheit im Dunkel der Kunstgeschichte. (Im früheren benachbarten Schwarzspanierhaus wird einmal ein Ludwig van Beethoven leben.)
Der Kaiser könnte in Hietzing bei Wien, Lainzer Straße nahe 117A, die Errichtung einer Dreifaltigkeitssäule mit Gnadenstatue aus Sandstein initiiert haben. Am 21. Mai 1714 legt er den Grundstein für eine Dreifaltigkeitssäule im niederösterreichischen Mödling.

Dazwischen eine Grundsteinlegung für eine Wallfahrtskirche#

Ein bevollmächtigter Vertreter des Kaisers vollzog am 18. September 1714 die Grundsteinlegung für die neue Wallfahrtskirche Maria Trost bei Graz (Maria Troster Kirche Geburt Maria). Der Erzbischof von Seckau, Josef Dominikus von Lamberg, weihte damals den Stein. Andreas Stengg und sein Sohn Johann Georg Stengg entwarfen und zogen das Bauwerk hoch. Allerdings die Vollendung zog sich bis Ende des 18. Jahrhunderts hin. Das Deckenfresko von Lukas von Schram und seinem Schüler Franz Naher (1733/35 bis 1737), verfasst von einem kaiserlichen Programmverfasser namens Pio Niccolò de Garelli – kaiserlicher Rat, zeigt Maria als "Schlachtenhelferin" bei der Belagerung von Konstantinopel(durch die Slawen im Jahre 626. Kaiser Heraklius (Herakles!) wurde als neuer Mose, David und Salomon gepriesen – und wurde zum Vorläufer Kaiser Karls VI.

Stifte und Klöster - Bauboom#

Die Finanzkraft der vom Bauboom erfassten Stifte und Klöster (– sie sicherten auf Jahrzehnte (hinaus) Arbeitsplätze –) führte dahin, dass der Kaiser am 15. März 1715 ein Bauverbot für Klöster dekretierte. Er mutmaßte mit dieser Methode die vom Erbfolgekrieg marodierte Staatskasse wieder auffüllen zu können. Andererseits wahrscheinlich (er)hoffte er eine finanzielle Beteiligung von seitens des Prälatenstandes am Bauprojekt "Karlskirche" und einen damals geplanten Feldzug gegen die muslimischen Osmanen, die "Ungläubigen" die finanzielle Basis bereiten zu können. Doch der Kaiser gedachte mit dieser gigantischen Kirche ein völlig erneuertes Rom auf die Beine zu stellen, und das er zu kontrollieren gedachte. Karl VI. hatte nichts gegen den Herrn der Welt, eher etwas gegen dessen Stellvertreter, der vorwiegend Tendenzen zu den Bourbonen aufbrachte. Karl VI. begann Wien – wohl mit berechneter Absicht und angesichts des bourbonenfreundlichen Pontifex maximus – zu einem Konkurrenz-Rom auszubauen. Kirchenfürsten wie Kaiser pflegten sich durch Symbole auszudrücken. Sichtbares Zeichen bot etwa der Bau der Karl-Borromäus-Kirche durch die beiden Fischer von Erlach in Wien-Wieden, an dem Ufer des Wien-Flusses und an der Route zur Favorita und zum Schloss Laxenburg. Das war bloß der Anfang. Später wurde die Karlskirche in Wien-Wieden zum politischen Symbol habsburgischer Macht und Überherrlichkeit. Karl VI. zollte Gott seinen allerhöchsten Respekt, aber der irdischen Amtskirche bemühte sich der Kaiser eher als weltlicher Herrscher seinen Willen aufzuzwingen. Freilich begann damit ein insgeheimer Konkurrenzkampf zwischen Rom und Wien. Die Dimension der Karlskirche übertraf sogar die Ausmaße der Stiftskirche von Melk. Der Kuppelbau gemahnt an den Dom von St. Peter zu Rom ... Die Säulen gemahnten an die antike Trajanssäule und Minarette der Hagia Sophia in Konstantinopel …
Eigenartig wie beinahe epochengleich – wenn auch am Ende des europäischen Dreißigjährigen Krieges – auf einem anderen Kontinent das Tschad Mahaj entstand.

Errettung von der Pest und ein neues Rom in Wien#

Der Kaiser erfüllte mit dem Bau der Karlskirche ein Gelöbnis. Aber die Errettung vor der Pest schien eher ein äußerer Anlass gewesen zu sein. Allein, dass die Baukosten durch Zwang hereingebracht wurden, lässt auf andere Ursachen schließen. Tatsächlich schien er als Schutzherr der Kirche eher eigene Wege zu beschreiten, indem er eine Konkurrenz zum Vatikan zu errichten gedachte. Mit Sitz in Wien … Das hätte wohl eine gigantische Kirchenspaltung, ein monumentales Schisma zur Folge gehabt. Das hätte dem … Kaiser gewiss gefallen? Was Karl VI. auch immer vorgehabt hatte, sein Leben war zu kurz geworden, um bedeutende Gelegenheiten zu vollbringen. Wollte er die Position des Papstes einnehmen, wie sein Ahne Maximilian I.? Wie mächtig wollte Karl VI. noch werden? Wir dürfen keineswegs vergessen in seiner Jugend wurde er von Jesuiten ausgebildet, für ein geistliches Amt. So agierte er auch, wie ein oberster Priester mit all den Entscheidungen, die zu fällen galt. Seine geistlichen Erzieher haben niemals den Gedanken erwogen, dass mit Erzherzog Karl womöglich ein Gegner des Papsttums herangereift sein könnte. In der Kunstsammlung des Kaisers ist ein von Holbein geschaffenes Gemälde einer der Ehefrauen Heinrichs VIII. – jener war Oberhaupt der Anglikanischen Kirche …
Am 4. Februar 1716 erfolgte die Grundsteinlegung. 1733 übergab der Kaiser das Gotteshaus den Orden der Kreuzherren aus Prag zur Seelsorgetätigkeit. Die eigentliche Ausstattung der Kirche sollte der Orden übernehmen. Sie brachten gewiss wertvolle Sakralkunstwerke mit. Am 28. Oktober 1737 zelebrierte der Kaiser die Einweihungsfeier mit einem bislang seltenen Aufwand. Das Kaiserpaar fuhr mit einer angeblich aus Spanien mitgebrachten goldenen von Pferden gezogenen Hofwagen nach Wien-Wieden, begab sich in die Kirche. Der Wiener Erzbischof Sigismund Graf von Kollonitsch nahm die offizielle Einweihung innerhalb eines Gottesdienstes vor. Nach mehr als zwanzig Jahren war der von Johann Bernhard Fischer von Erlach und seinem Sohn Joseph Emanuel geschaffene imposanteste Kirchenbau Wiens endlich vollendet gewesen. Auf dem daneben liegenden Friedhof wurde 1741 Vivaldi bestattet. Die Silhouette der Karlskirche ist aus dem Stadtbild des modernen Wiens nicht mehr wegzudenken. Beide Säulen bieten Szenen aus dem Leben des hl. Karl Borromäus. Sie erinnern auch an die Säulen des Herakles an die Trajanssäule und an die Regierungsdevise des Herrschers: Constantia et fortitudine. In nächster Nähe liegt das Belvedere des Prinzen Eugen …

Verschwörungstheorie?#

Noch ein Aspekt ist interessant. Sein plötzlicher Tod im Oktober 1740. Die Ursache seines Leidens nie so richtig geklärt, damals haben die Mediziner alles Mögliche gefunden. Ein Pathologe Ende des 20. Jahrhunderts hatte auch irgendwelche Theorien – Folgen einer Alkoholerkrankung – in die Welt gesetzt. Die These eines Giftmordes – es hieß der Kaiser soll ein Pilzgericht zuvor gegessen haben – ist nie verstummt. Voltaire behauptete das später in seinen Memoiren (1784). Spuren führen überall hin und doch nirgends …
Motiv der Rache aus dem Haus Wittelsbach? Eine Zerstörung der Weltkirche wäre damals von gewissen Kreisen niemals zugelassen worden.

Ein Erzbischof wird Reichsfürst#

Kardinal Imre Csáky
Kardinal Imre Csáky (von Keresztszeg) - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Im Dezember 1714 erhob er den Erzbischof von Ungarn – die dortigen Bischöfe waren seit dem 13. Jahrhundert auch Primas von Ungarn – in den Reichsfürstenstand. Seither war der jeweilige ungarische Kirchenfürst Fürstprimas. 1717 ließ Karl VI. Fürstprimas Erzbischof Emmerich Graf Csáky (von Keresztszeg) – dieser stützte 1722 den Kaiser in der ungarischen Anerkennung der Pragmatischen Sanktion – zum Kardinal erheben. (Vier Jahre später – 1721 – nahm er beim Konklave, aus dem Innozenz XIII. hervorging, teil. Der Kaiser zeigte sich 1723 dem Kardinal dankbar und schenkte ihm ein ganzfigüriges Porträt-Gemälde des Prinzen Eugen aus der Hand Johann Kupetzkys.
An den Konklaven von 1724 und 1730 nahm Kardinal Imre Graf Csáky nicht teil.

Papst Innozenz XIII.
Papst Innozenz XIII., 1721-24. 18. Jh. - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Nach langen Verhandlungen überreichte Papst Innozenz XIII. 1722 dem Habsburger Sizilien als päpstliches Lehen. Der Kaiser bestätigte im folgenden Jahr diese Belehnung. Damit erreichte die Monarchia Austriaca ihre größte Ausdehnung, vom Ärmelkanal bis Sizilien, von Schlesien bis Walachei.

Kriege und Instandhaltungen von Festungen und bauliche Gegebenheiten in den von Prinz Eugen eroberten neuen Gebieten der Monarchie kosteten Geld. Kaiser Karl VI. beanspruchte die mehr oder weniger starke Finanzkraft der österreichischen Abteien, worin ihm die Päpste Clemens XI. (15. Februar 1716) und Benedikt XIII. (31. Januar 1725) mittels Breves eher doch unwillig unterstützten. Etwa brauchte der Kaiser das Geld – heute schier unvorstellbare Unsummen – für das Militär gegen Ende des Spanischen Erbfolgekrieges und gegen die Hohe Pforte sowie im polnischen Thronfolgekonflikt. Für das hatte der niederösterreichische Prälatenstand aufzukommen. Genauso mussten sie eine Fortifikationssteuer berappen (1724). Sie diente zur Instandhaltung der Festungen von Belgrad und Temesvár.
Dazu sei angemerkt, dass Papst Clemens XI. für den Krieg gegen die Osmanen 1716 bis 1718 umfangreiche Subsidien zur Verfügung stellte. Ironie der Geschichte: Mit Geldern des Papstes entriss die spanische Flotte – auf Anordnung des Kardinal Gulio Alberoni – dem Kaiser 1717 Sardinien. Für Karl VI. war der Fall sonnenklar, der Heilige Vater betrieb – angeblich – ein Täuschungsmanöver, und der Vatikan setzte in der Quadrupelallianz vom 2. August 1718 durch, dass Italien neugeordnet wurde. Nachdem die spanische Flotte von der britischen, besser bewaffneten Kriegsmarine geschlagen worden war, wurde bei den Verhandlungen die altgewohnten Lehensrechte des Papstes völlig übergangen.
Um 1714/1715 bekundete die Kaiserin ihr Interesse an einem kirchlichen Institut zur Ausbildung adeliger Tochter und eventuell daraus zu gewinnenden Nonnen. Noch im darauffolgenden Winter wurde mit dem Bau begonnen. Ende April 1715 erlaubte Kaiserin Elisabeth Christine die Grundsteinlegung für den Bau einer Kirche für das Institut der Englischen Fräulein in St. Pölten. Die Kaiserin wurde durch den Bruder der Mutter Oberin vertreten. Zwei Jahre später wurde das Gotteshaus geweiht und 1718 vollendet. Kaiser Karl VI. erlaubte dem gleichen Institut eine Filialgründung in Krems an der Donau (12. Oktober 1722). 1715 gestattete der Kaiser in seinen Königreich Ungarn die Errichtung des Piaristenordens und förderte gleichzeitig die Papstkirche.
Während einer Wallfahrt nach Mariazell versprach Kaiser Karl VI. eine Stiftung eines Sakralgegenstandes hauptsächlich aus Silber im Wert von 20.000 Gulden. Bis 1722 wurde vom Goldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried eine silberne Kreuzigungsszene für den Hochaltar der Basilika geschaffen. Das besondere daran ist, dass die Figurengruppe über eine Weltkugel, die schon früher angefertigt wurde, gesetzt wurde. Eigentlich entsprach es dem Weltbild Kaiser Karls VI. Er versprach zu stiften, und wie er das tat. Er hielt seine Versprechen, vor allem gegenüber dem Höchsten. 1722 stiftete der Kaiser als Votivgabe eine Kreuzigungsgruppe aus Silber für den von Johann Bernhard von Fischer von Erlach vor 1700 bis 1702 zuvor geschaffenen Hochaltar. Sie war der Ersatz einer damals bislang vorhandenen Kreuzgruppe des Münchner Hofbildhauers Andreas Faistenberger. Die vom Kaiser angeschafften Figuren wurden schon 1714 von Lorenzo Mattielli als Modelle geschaffen, die zur Vorlage für die Bildhauerarbeit des Wiener Silberschmied Johann Känischbauer wurden, der sie 1720 vollendete. Später wurden die Seitenfiguren "Muttergottes" und "Hl. Johannes" 1806 entfernt und ein Jahr darauf durch versilberte Holzfiguren ersetzt. Im August 1722 wurde in Anwesenheit des Monarchen und Abt Anton Stroz von St. Lambrecht die Figurengruppe offiziell eingeweiht.

Einmischung in kircheninterne Angelegenheiten - Bistum Wien wird Erzbistum#

So mischte Karl VI. ganz (ungehörig) zum Ärgernis des Vatikans in der Kirchenpolitik mit. Hofkanzler Sinzendorf und der kaiserlichen Beichtvater Tönnemann intervenierten im Auftrag des Kaisers über eine Erhebung des Bistums Wien zu einem Erzbistum. Die Reichsresidenzstadt erwuchs zu einer richtigen bevölkerungsreichen Hauptstadt mit über 80.000 Einwohnern und brauchte einen größeren Kirchenverwaltungssprengel(-bereich). Sehr zum Widerstand des Passauer Bischofs Graf Rabatta und des Salzburger Erzbischofs Graf Harrach, den unwiderruflich letzten Metropoliten Österreichs, die in diesem Vorhaben eine Beschneidung ihrer Amtsgewalten sahen. Im Dezember 1719 schrieb der Kaiser direkt an den Papst und begründete den Erhebungswunsch damit, dass die Kaiserresidenz Wien einst das Bollwerk gegen die Osmanen darstellte. Ebenso argumentierte er, dass ein Jahrhundert zuvor zwei deutsche Bistümer (Magdeburg und Bremen) abhanden gekommen waren. Anfang März 1721 kam der Erhebungsbeschluss. Allerdings weigerte sich der Kaiser für die überhöhte Bestätigungsgebühr zu bezahlen. Er meinte sarkastisch, wer ein Erzbischof sein möchte, soll auch selber zahlen; Innozenz XIII. gab nach und halbierte diese Gebühr; am 1. Juni 1722 stand endlich das Erzbistum Wien mitsamt Suffraganbistum Wiener Neustadt. Nach Ankunft der päpstlichen Erhebungsbulle nahm am 24. Februar 1723 der Kaiser am Festgottesdienst in der nunmehrigen Metropolitankirche St. Stephan teil. Gegen den Widerstand des Passauer Bischofs Graf Rabatta und des Salzburger Erzbischofs Graf Harrach, letzter Metropolit von Österreich, setzte der Kaiser die Erhebung durch. Erster Erzbischof wurde der bisherige Bischof Sigismund Graf von Kollonitsch. Auf kaiserlicher Initiative von 1726 wurde er im November 1727 zum Kardinal ernannt. Aprilanfang erfolgte in der Augustiner-Hofkirche die Birettaufsetzung durch den Kaiser daselbst. Bei der Danksagungsaudienz musste der neue Kardinal den Kaiser und die Kaiserin mit Handkuss ehren. Der Vatikan kritisierte den Akt der Birettaufsetzung und den Handkuss, allerhöchstens hätte das dem Nuntius vorbehalten bleiben sollen.
Mit der Erzbistumserhebung war es nicht allein getan. Eine territoriale Vergrößerung wurde gewünscht, was der Bischof von Passau, Graf Lamberg nicht tolerierte. Sein Verwaltungssprengel erstreckte sich über Ober- und Niederösterreich sowie Wien bis zur ungarischen Grenze. (Wohlgeneigt und beeinflusst von Tönnemann schlug der Kaiser vor, dass die Stifte Melk, Göttweig und Klosterneuburg in Weihbistümer des Erzbistums Wien umgewandelt werden sollten. Das Salzburger Erzbistum müsse an Wiener Neustadt 36 Pfarren abgeben, Passau sogar 110 Pfarren an Wien. Die neuen Weihbistümer sollten jeweils einen überhöhten Geldbetrag als Dotationsgut an das Wiener Erzbistum abliefern.) Der Kaiser musste erfahren wie schwer es war in klerikalen Sachfragen zu verfahren und zu entscheiden. (Beispielsweise sprach der Melker Abt, der Geheime Rat Berthold Dietmayr bei ihm vor, um dieses Vorhaben, das die damalige Existenz seines von den Babenbergern begründeten Stiftes und die der zwei anderen in Frage gestellt hätte, zu Fall zu bringen.) Papst Benedikt XII., ein kluger, weitblickender Außenpolitiker (des Vatikans), ließ mittels Nuntius durchblicken, wenn der Kaiser Comacchio, ein Besitz des Kirchenstaates, zurückgäbe, würde er brauchbare Zugeständnisse bieten. Passau stellte der Papst eine Erhebung zum Erzbistum in Aussicht. Der Kaiser hatte sich in kircheninternen Angelegenheiten verstricken lassen und gab nach, verzichtete auf Comacchio. Das Erzbistum Wien erhielt von Passau unter anderem die Pfarreien des Viertels unter dem Wienerwald, dagegen wurde Passau Erzbistum. Im August 1728 versprach Karl VI., dass diese Ausgliederung die letzte sein würde. Der Wiener Erzbischof versicherte den Passauer Kirchenbesitz auf Wiener Boden unangetastet zu lassen. Karl VI. äußerte zehn Jahre später den Wunsch den Passauer Erzbischof (Fürstbischof) als Kardinal zu sehen, was auch Papst Clemens XII. ermöglichte.

Gebete um einen ersehnten Erben#

Seine jahrelange Nachkommenlosigkeit brachte ihn mitsamt seiner Ehefrau im Frühsommer 1715 auf eine Wallfahrt nach Mariazell. Sie ereignete sich vom 13. Juni bis zum 18. Juni 1715. Am 15. Juni 1715 zelebrierte Abt Anton Stroz von Mariazell und St. Lambrecht ein Pontifikalhochamt in der Wallfahrtskirche. Karl VI. und Elisabeth Christine baten inniglich um einen Nachfolger. Dabei gab der Kaiser ein Versprechen ab für den Hochaltar eine silberne Kreuzigungsgruppe zu stiften. Das Kaiserpaar stiftete ein silbernes Kruzifx. Die Kaiserin stiftete ein mit kostbaren Edelsteinen (Diamanten) besetztes goldenes Herz.
Am 13. April 1716 kam endlich der ersehnte Thronfolger in Wien zur Welt. Im darauffolgenden Sommer fand wieder eine Wallfahrt statt, und zwar vom 30. Juni bis zum 4. Juli 1716. Sie stand unter dem Dank des Kaiserpaares gegenüber der Magna Mater Austriae statt. Wieder mit einem von Abt Anton Stroz geleiteten Hochamt und einem seltenen Akt des Gnadenerweises: Abt Anton reichte die Marienfigur direkt zum Kuss des Kaiserpaares herab. Der Kaiser opferte ein kostbares Ziborium (Hostienbehälter) mit Edelsteinen. Die Kaiserin opferte einen wertvollen Kelch mit Edelsteinen.

Geschenke an Klöster#

Stift Admont, Ennstal
Stift Admont, Aquarell auf Papier, weiße Gouache, Joseph Mössmer, 1845 - Foto: Dorotheum, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Den Äbten und Pröbsten den generös gestalteten Klöstern rings im Land verehrte er jeweils Pektoralen und andere Geschenke.

Abt Anselm Luerzer von Zechenthal von Stift Admont
Abt Anselm Luerzer von Zechenthal von Stift Admont - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Nach 1715 überreichte er dem Abt des Stiftes Admont, Anselm Luerzer von Zechenthal – dieser betreute auch die Wallfahrtskirche Frauenberg und amtierte in hohe politische Funktionen des Erzherzogtums Steiermark – eine kostbare Pektorale, Karl VI. wusste um die schwierige Konkurrenzstellung des Admonter Abtes im Ennstal zu dem Erzbistum Salzburg und (Erz-)Bistum Bamberg Bescheid.
Vermutlich versuchte der Kaiser eine ideelle politische Annäherung an die höchsten steiermärkischen Kirchenfürsten. Wohl in Konkurrenz zum Salzburger Erzbischof und Bamberg …
1717 stiftete Karl I. in Wien-Alsergrund das Spanische Spital für Untertanen aus den spanischen Provinzen. Die Gelder dazu kamen aus den spanisch-italienischen Besitzungen. Am 12. Februar 1718 erfolgte die Grundsteinlegung für einen Neubau. Die Verwaltung oblag den Mercedarier. In früheren Zeiten sammelte der Orden Geld, um damit gefangene und versklavte Christen aus den Händen der Sarazenen freizukaufen. 1722/23 wurde von Anton Ospel die anliegende Kirche "Maria de Mercede" – spätere ehemalige Waisenhauskirche – erbaut – die Grundsteinlegung geschah am 2. August 1722 – und am 24. September 1723 – den Festtag "Barmherzige Maria" – geweiht. Vier Jahre später stiftete er deren ersten Seitenaltar. Diese bekam Symbole auf spanisch-italienische Besitzungen: Ein Blick in die Innenausstattung zeigt, dass die Altäre mit Heiligen und Wappen ausgestattet wurden, die im Zusammenhang mit den spanischen Ländern Karls VI. standen (Niederlande, Mailand, Neapel und Sizilien). Der von Ospel entworfene Hochaltar enthält in seitlichen Nischen Heiligenfiguren, die auf Spanien hinweisen. Jacobus der Ältere bietet die Reflexion auf Santiago di Compostela und Eulalia gilt als Patronin von Barcelona. 1727 stiftete der Kaiser den ersten Seitenaltar aus Marmor, darin ein Leinwandbild "Christus und Petrus auf dem See Genezareth" von Francois von Roettiers. Der Marmoraltar selbst birgt allegorische Anspielungen auf das Motto Karls VI. "Constantia et fortitudine".
Die 1683 zerstörte Leopoldskirche auf dem Leopoldsberg in Wien-Döbling wurde 1693 von Kaiser Leopold I. wiedererrichtet und von Kaiser Karl VI. ab 1717 baulich erweitert. Das Gotteshaus erinnerte ihn an den Triumph der Kaiserlichen gegen die Osmanen bei Wien und wohl vom Namen her auch an seinem früh verstorbenen Thronfolger Erzherzog Leopold Johann von Österreich (1716-1716).
1717 stifteten Kaiser Karl VI. und Kaiserin Elisabeth Christine für die Basilika Mariazell einen sogenannten "Kaiserornat". Das kostbare Parament bestand aus einer Kasel, vier Dalmatiken, zwei Pluvialen. Das Ganze bestand aus einen angeblich französischen Silberstoff und Stickereien aus Seide, Gold und Silber. Als Hersteller wirkten die Englischen Fräulein in St. Pölten – erinnern wir uns doch an die von Titular-Kaiserin Elisabeth Christine angeordnete Grundsteinlegung zwei Jahre zuvor. (Seit 1833 in der Kunstsammlung des Stiftes St. Lambrecht.)
Nach dem für Habsburg erfolgreich geschlagenen Krieg gegen das Osmanische Reich und nach dem Friedensschluss 1718 sandte der Kaiser, vertreten durch seinen Kämmerer Graf Jakob Anton Dietrichstein, vier Fahnen und einen Rossschweif als Dank an die Gnadenmutter in Mariazell.
1719 stiftete Kaiser Karl VI. für die Pietà aus dem Spätmittelalter am Altar in der Krypta der Stiftskirche von Göttweig eine Spangenkrone. Das war ein tiefsinniger Ausdruck habsburgischer Marienverehrung. Damals begann Hildebrandt mit dem Neubau der Benediktinerabtei. Allerdings blieb das österreichische Montecassino architektonisch unvollendet. Die erwähnte Pieta wurde später zweimal erneuert.
Der Kaiser stiftete stets. Er setzte die Stiftertradition seiner Vorgänger wie Friedrich III. fort. 1720 bekam der (Fürst-)Abt von St. Blasien, Franz II. Schächtelein – dieser war auch Vorstand des vorderösterreichischen Prälatenstandes – einen 1.859 Gulden teuren Prachtmesskelch (Stift St. Paul im Lavanttal). Normalerweise kostete sonst so ein gewöhnlicherer Messkelch immerhin 300 Gulden. Im gleichen Jahr stiftete er an die Linzer Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt einen Kaiserornat (Türkenornat) eines italienischen Paramentenerzeugers (Schlossmuseum Linz). Dem Stift Melk schenkte der Kaiser einen italienischen Kruzifixus aus Inkarnatsmarmor. Der Abt des Stiftes Melk, Berthold Dietmayr, Bauherr des grandiosen Barockneubaues war seit 1728 Geheimer Kaiserlicher Rat und Vorstand des niederösterreichischen Prälatenstandes. Der Abt des Wiener Stiftes Schotten, Carl Fetzer, lehnte höflich, das vom Kaiser angebotene Amt eines Geheimrates ab, und erhielt dafür vom Kaiser eine Pektorale und von der Kaiserin einen Diamantenring. 1732 schenkte Karl VI. an den Abt des Stiftes Kremsmünster, Alexander III. Fixlmillner – ebenso in der Funktion des oberösterreichischen Prälatenstandes – eine Pektorale.

Kaiser Karl VI. überreicht als König Károly III. von Ungarn dem Abt des Zisterzienserstiftes Robert Leeb das ungarische Stift Szentgotthárd (1734)
Kaiser Karl VI. überreicht als König Károly III. von Ungarn dem Abt des Zisterzienserstiftes Robert Leeb das ungarische Stift Szentgotthárd, Stephan Dorfmeister (1734), 1795-96; Stiftsmuseum Heiligenkreuz - Foto: ?, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

1734 überreichte der Kaiser dem Abt des Stiftes Heiligenkreuz im Wienerwald, Robert Leeb, das ungarische Stift Szentgotthárd (St. Gotthart). Vor 1735 überreichte der Kaiser dem Fürstabt von St. Blasien eine Ehrengabe in Gestalt einer ordensartigen Wahlspruchmedaille, gefasst von Brillanten an einem roten Seidenband. Künstlerisch aufwendige Ehrenzeichen oder Orden waren doch erschwinglicher als überbordende Geldpräsente. Oder nicht? Zumindest konnte der Fürstabt von St. Blasien sich geehrt fühlen und den Orden in die klösterliche Kunstsammlung zu den übrigen Staubfängern legen.
Für die Taufe des ersehnten Thronfolgers am 14. April 1716 ließ der Herrscher sämtliche vorhandene hl. Reliquien aus der Geistlichen Schatzkammer herbeischaffen. Die Namen Leopold Johann erinnerten an den hl. Leopold III. von Österreich, an Kaiser Leopold I. und an Johann Capistran, einen der berühmtesten Kreuzzugprediger des ausklingenden Mittelalters. Noch im Juni/Juli 1716 fand eine Dankwallfahrt nach Mariazell statt. Damals stiftete die Kaiserfamilie ein mit Edelsteinen besetztes Ziborium und einen Kelch. Die Trauer um den frühverstorbenen Thronfolger wich im Mai 1717 einer Freude über die in Wien geborene Erzherzogin Maria Theresia. Eilens wurde sie auf Maria Theresia Walpurga Amalia Christine getauft. Ihr erster Name erinnerte an die hl. Muttergottes und der zweite Name stammte von einer spanischen Heiligen. An die 1622 heiliggesprochene Theresia von Ávila (1515 – 1582) und wohl an die 1705 seliggesprochene Theresia von Portugal (1178 – 1250). Das kaiserliche Elternpaar beschloss wenige Wochen nach der Geburt der Erzherzogin Maria Theresia, am 2. Juni in der Wallfahrtskirche Mariazell eine Goldschmiedearbeit in Gestalt eines Kindes, die so schwer war, wie der verstorbene Prinz, opfern zu lassen. Die Inschrift auf der Votivgabe bezog sich auf das tragische Schicksal des Thronfolgers und nannte die Namen des Spenders und der Spenderin. Später ließ der Kaiser im Juli 1717 Votivgaben, ein silbernes Altarkreuz und eine Figur in Gestalt und Gewicht seines verstorbenen Sohnes im Wert von 1.100 Gulden nach Mariazell übersenden. Hier übernahm der Kaiser den Part Gottes, der seinen Sohn Jesus für die Hinwegnahme der Sünden der Welt, opferte. Noch im September stiftete die Kaiserin einen prächtigen "Kaiserornat", der ein knappes Jahrhundert später nach St. Lambrecht kam.
Der Kaiser ließ seine Handels- und Kriegsschiffe fast ausnahmslos nach populären Heiligen benennen: "Hl. Maria" (1716/17), "St. Stephan" (1716/17), "St. Theresia" (1716/17), "St. Johannes Capistranus", "St. Eugenius", "St. Franziscus", "St. Giacomo", "St. Gennaro", "St. Leopoldo", "St. Barbara", "St. Carlo".
Vor dem Feldzug gegen die Osmanen überreichte der Kaiser seinem Feldherrn Prinz Eugen ein Kruzifix, das der Savoyer während der ganzen Aktionen im Kriegszelt aufgehängt behielt.
Die 1683 zerstörte Leopoldskirche auf dem Leopoldsberg in Wien-Döbling wurde 1693 von Kaiser Leopold I. wiedererrichte und von Kaiser Karl VI. ab 1717 baulich erweitert. Das Gotteshaus erinnerte ihn an den Triumph der Kaiserlichen gegen die Osmanen bei Wien und wohl vom Namen her auch an seinem früh verstorbenen Thronfolger Erzherzog Leopold Johann von Österreich (1716-1716).
Am 2. Juli 1719 vollzog im Namen des Kaisers der "Generaldirecteur über alle kaiserlichen Hof-, Lust- und Gartengebäude" Gundacker Graf Althann die Grundsteinlegung des Neubaues des Stiftes Göttweig, das zuvor durch eine fürchterliche Brandkatastrophe verwüstet wurde. Hildebrandt schuf die Entwürfe für eher ein Märchenschloss in der Wachau statt einem österreichischen Montecassino. Dazu eine Randgeschichte über das Bauvorhaben: 1719 Friedrich Karl von Schönborn, welcher mit

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Abt Gottfried Bessel von Stift Göttweig - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

dem Abt des Stiftes Göttweig, Gottfried Bessel (reg. 1714-1749), die Pläne zum Klosterneubau besprochen hatte, schreibt an seinem Onkel Lothar Franz von Schönborn: "der Jean Luca wahrhaftig ein meisterstuck nostri temporis ratione situs auff diesem tzipflichten Berg angetragen". Lothar Franz von Schönborn antwortete über das "opus summe perfectum" folgendermassen: "Das muß ein greuliches gebaue werden, wann ein einziger flügel in 49 fenstern bestehet".
(Es hat immer Diskussionen über Ästhetik und Sinnhaftigkeit hochzuziehender Bauwerke gegeben - es wäre ja nicht Österreich … Bedenken wir, dass Baustellen Arbeitsplätze und Aufträge für lokale Handwerksbetriebe bedeutet hatten.)

Kupferstich der geplanten Klosteranlage Stift Göttweig
Kupferstich der geplanten Klosteranlage des Stiftes Göttweig, Salomon Kleiner nach Hildebrandt (Zeichnungen, Modell) - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Der tiefgläubige Monarch verehrte einen seiner landesfürstlichen Vorgänger, den babenbergischen Markgrafen hl. Leopold III. von Österreich, dessen Gebeine bestattet in Stift Klosterneuburg lagen und liegen. So ordnete er den Umbau dessen stiftseigene Leopoldskirche auf dem Leopoldsberg nahe Wien an (1718 – 30). Gleichzeitig betrieb der Kaiser eine Erneuerung des durch den hl. Adalbert, Bischof von Prag – ein Verwandter Kaiser Ottos II. und offizieller Landespatron Böhmens – gegründeten Benediktinerklosters Stift Břevnov in Prag. An dem Kloster verlief die Route in Richtung Karlsbad. Der damalige Abt Othmar Daniel Zinke hatte längst eine bauliche Erneuerung seines Hauses begonnen.

Luthertum#

Nun waren auch in Karls VI. Epoche neue religiöse Strömungen nichts Ungewöhnliches. Auch wenn der Triumph des Tridentinischen Konzils im 16. Jahrhundert über Jahrhunderte fortwirkte, blieben dennoch protestantische und später jansenistische Bewegungen erhalten. Noch unter Kaiser Joseph I. kamen antijesuitische Ansichten zum Vorschein. Unter Karl VI. wurden sie irgendwie mit Ach und Krach fortgesetzt.
Schon 1713 verurteilte Rom - unter Papst Clemens XI. - den Jansenismus. Im niederländischen Löwen wurden von der dortigen Universität 28 Jansenismus-Professoren vertrieben.
Eine theologische Denkweise, die von den Anhängern des holländischen Theologen Cornelis Jansen (1585-1638) gegen Jesuiten und Päpste verteidigt wurde. Jansen verfocht die strenge Lehre des hl. Augustinus (Gnadenlehre) und lehnte traditionelle Ansichten ab.

Graf Franz Anton von Sporck
Graf Franz Anton von Sporck, 1735 - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Ein Zeitgenosse, nämlich Graf Franz Anton von Sporck unterstützte die Verbreitung protestantischen und jansenistischen Schriftgutes. Bald, 1730, wurde er der Ketzerei und Verbreitung von Irrlehren angeklagt. Karl VI. stand, dank der exprotestantischen Kaiserin, ungebrochen zu Graf Sporck und hielt schützend seine kaiserliche Hand über ihn. Sporck kam mit einer Geldstrafe in Höhe von 6.000 Dukaten davon.
Sporck soll Begründer der Freimaurerei in Böhmen gewesen sein.
Die Frage des Protestantismus beschäftigte den Kaiser unentwegt. In seinem Reich schlug die Gegenreformation ihre letzten großen Wellen. Im österreichischen Barock herrschte ein christlich dominierter Fanatismus, frei nach dem Prinzip, wer ein Protestant ist, das bestimme noch immer ich. Erstaunlicherweise herrschte in seiner Ära eine furchtbar ausgeprägte Weise des latenten Antiprotestantismus, der selbstverständlich auch vom toleranten Kaiser nicht ordentlich bekämpft wurde. Ganz im Gegenteil: Seit 1717 veröffentlichte er jährlich Dekrete gegen Protestanten in Böhmen – und Mähren. Vier Jahre danach kam es zu einer Verschärfung in dieser Angelegenheit und 1725 zu einer Massenauswanderung. Das Vorhandensein von Protestanten wurde gewollt in den Augen der Behörden schon als Rebellion interpretiert. 1728/29 kam es zu einer Unterdrückungswelle der Protestanten unterm Salzburger Erzbischof Firmian. Dieser unterfertigte Ende Oktober 1731 ein Protestantenpatent. Karl VI. blieb scheinbar untätig, andererseits unterstützte er toleranthalber die Salzburger Protestantischen Bauern gegen ihren Unterdrücker. Um einen größeren Aufstand zu verhindern, befahl der kaiserliche Beichtvater Tönnemann den Einmarsch kaiserlicher Truppen. (Bayern verriegelte aus Sorge vor Ausschreitungen seine Grenzen.) Wahrscheinlich handelte Karl VI. indirekt. Wohl dürfte dem Kaiser und die Kirchenspitze die Angst bewegt haben, das Ganze könnte in eine Massenbewegung eskalieren, die alle Werte der römisch-katholischen Religion und des politischen Systems untergraben könnte. Das hieße ein noch brutaleres Vorgehen als Konsequenz. Die Habsburger besaßen eine interessante Tradition schwierige Entscheidungen indirekt zu fällen – wahrscheinlich über ein Beichtgespräch – ohne rhetorisch in ideelle Schwierigkeiten zu geraten. Der Beichtvater unterstand zumeist inoffiziell dem Kardinal oder dem päpstlichen Nuntius. Kirchenmänner mussten eigenständig im Sinne der Weltkirche, vor allem im Sinne des Allerhöchsten Entscheidungen fällen und tragen. Tönnemann hatte im Interesse der Kirche gehandelt und Karl VI. konnte beruhigt sein. Allerdings ging es bloß nur um Machtausübung. Macht und Toleranz und christlicher Glauben gingen niemals zu keiner Zeit der letzten eineinhalb Jahrtausende Hand in Hand. Die Beziehung Karls VI. zu seinem Beichtvater war damit durch äußere Umstände untergraben … In Extremsituationen tat einfach niemand das Richtige. Karl VI. war nicht einmal imstande Salzburg einfach durch einen Handstreich zum Reich Habsburg zu setzen. Er war von unfähigen Möchtegernpolitikern umgeben und Tönnemann – er mag als Mensch integer gewesen sein – war einer von ihnen. Im Zedler-Universal-Lexikon gibt es keinen Zusammenhang zwischen Tönnemann und dem Exulantendrama. Eigentlich war das ganze Geschehen für Österreich bedeutungslos. Letztlich einem vom Erzbischof Firmian unterfertigten Patent (31. Oktober 1731) gipfelte das alles in eine Exulantenbewegung 1731/32 mit nahezu 22.000 Menschen. Beschwerden an den Deutschen Reichstag blieben fruchtlos. Ebenso die Mahnungen des – scheinbar unparteiisch agierenden – Kaisers und des Papstes an den Erzbischof. Sogar eine persönliche Begegnung Karls VI. mit dem Salzburger Erzbischof in Linz im Spätsommer 1732 schien da kaum erfolgreich verlaufen zu sein. Protestantische Höfe in Europa und die ex-protestantische Kaiserin äußerten ihren berechtigten Unmut. Weil der Kaiser keinerlei – rechtliche – Handhabe über Salzburg besaß, konnte er oder wollte wohl auch nicht.

Empfang der Salzburger Exulanten in Preußen
Empfang der Salzburger Exulanten durch König Friedrich Wilhelm I. - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Ein Teil der Vertriebenen fand ein Gutteil in Ost-Preußen, Holland und Georgia (Nordamerika) willkommene Aufnahme, worauf von seitens Preußens Spannungen bis in die Schlacht bei Königgrätz 1866 vorgegeben waren. Noch 1734 befahl der Kaiser wegen der ungelösten Protestantenfrage die Installierung einer Kommission unter dem Nuntius Paolucci, Kardinal Sinzendorf und – als einziges weltliches Mitglied – Hofkanzler Sinzendorf. Vom erwähnten Jahr an bis zum Beginn des Türkenkrieges 1737 wurden aus Oberösterreich und Kärnten an die 1.200 Protestanten nach Siebenbürgen transmigriert.
Zum Ärger der Protestanten in Ungarn erlaubte der Karl VI. am 31. März 1731 mit seiner "Carolina Resolutio" den verstärkten Einfluss der katholischen Kirche im religiösen Leben der Protestanten. Schließlich wurde ihnen die Erlangung öffentlicher Ämter verweigert.
Aber auch eine Sonderform des Protestantismus versuchte der Kaiser zu bekämpfen. In Harpersdorf (Twardocice, Goldberg), damals in Schlesien existierte die Sekte der Kaspar von Schwenckenfelder. 1719 hatte Kaiser Karl VI. dort eine Jesuitenniederlassung ermöglicht, um die Mitglieder der Schwenckenfelder zum Katholizismus zu bekehren. Ohne Erfolg.

Stephansdom, vor 1649
Stephansdom, Wien, Topographia Austriacarum, Matthäus Merian, 1649 - Ausschnitt eines Fotos: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Stephansdom im Bistum Wien 1718 bis 1722 und 1731. Obendrein achtete der Kaiser auf die Erhaltung und eventuellen Ausbaus des Wiener Stephansdomes. So etwa der Ausbau zweier Domsakristeien (1718-22 und 1731) und Ausschmückung dieselben unter anderem mit Malereien eines Martino Altomonte (um 1720 und 1732). Nebenher befahl der Kaiser die Restaurierung des Hochgrabes Friedrichs III. im Wiener Stephansdom. Vielleicht im Zuge der Bistumserhebung. Karl VI. wusste um Friedrich III., dass dieser mit Papst Nikolaus V. 1448 ein erstes so genanntes Wiener Konkordat, das die Beziehungen zwischen Staat und Papstkirche regelte. Dazu ging es um die Kirchenrechte in den österreichischen Erblanden und Vorrechte Habsburg-Österreichs. Es ging um den Verzicht auf eine Kirchenreform. Das Konkordat blieb bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches in Kraft. Vielleicht tat Karl VI. dies deswegen, weil er die gleichen Rechte einmahnte wie sein Ahne des Spätmittelalters. Nicht nur das allein, Kaiser Friedrich III. bewerkstelligte die Gründung zweier Bistümer in Niederösterreich: Wien und Wiener Neustadt.
Um 1720 sandte der Kaiser Benediktiner in das Benediktinerkloster St. Adrian bei Zalavár am Kis Balathon (Kleinen Plattensee) aus Stift Göttweig in Niederösterreich. Das Kloster wurde 1019 von König Stephan I. von Ungarn gegründet. Karl VI. wollte die einstigen im Mittelalter gegründeten Diözesangrenzen unterstreichen und unterstellte die Abtei dem niederösterreichischen Stift Göttweig. In der Zeit Maria Theresias wurde das St. Adriankloster im neun Kilometer entfernte Zalaapáti neu aufgebaut.
Ein offizieller Volksheiliger für die Untertanen im Königreich Böhmen Um die böhmischen Untertanen freundlich zu stimmen – sowie deren hussitischen und protestantischen Zeitgenossen zu vergrämen –, initiierte er die offizielle Heiligsprechung ihres heimlichen Landesheiligen Johannes von Nepomuk. Seit dem 1670er Jahren hatte Kaiser Leopold I. die offizielle Heiligsprechung des böhmischen Volksheiligen – betrieben vom Prager Erzbischof Ernst Adalbert von Harrach (1598/1623 – 1667) – stets unterstützt. Doch erst seinem Sohn Karl VI. gelang die Verwirklichung des Vorhabens.

Hl. Johannes Nepomuk, um 1720. Wien-Döbling
Hl. Johannes Nepomuk, um 1720. Wien-Döbling - Foto: Ernst Zentner

Papst Innozenz XIII. sprach 1721 den böhmischen Volksheiligen Johannes Nepomuk selig und am 19. März 1729 sprach Papst Benedikt XIII. ihn heilig. 1729 feierten Wien und Prag acht Tage lang die Heiligsprechung. Das Innere des Stephansdomes war mit Purpur ausgekleidet und nach Prag sollen aus allen Teilen Böhmens 400 Prozessionen herbeigekommen sein. Sogar den Innsbruckern erlaubte der Kaiser den Bau einer Johannes von Nepomuk-Kirche in Innerain. Sogar den Innsbruckern erlaubte der Kaiser den Bau einer Johannes von Nepomuk-Kirche in Innerain. Dann ermöglichte der Kaiser den Bau einer Johannes von Nepomuk-Kapelle südwestlich der Residenzstadt Wien (Wien-Meidling, Meidlinger Pfarrkirche, Migazziplatz).

Grabmal Hl. Johannes Nepomuk, St. Veitsdom, Prag
Grabmal Hl. Johannes Nepomuk im St. Veitsdom, Prag - Foto: Rémi Diligent, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

1736 bezahlte Karl VI. die Anfertigung eines kostbaren Johannes von Nepomuk-Grabmales im Prager St. Veitsdom. Diese außergewöhnliche Goldschmiedearbeit beinhielt auch das Regierungsmotto des Kaisers in ausgeklügelter Symbolsprache.
Zwietracht Protestanten wurden damals nur geduldet. Die ernsthafte Rivalität zwischen Katholiken und Protestanten während des Feldzuges gegen die Osmanen 1737 bis 1739 erbrachte in der Kriegsstrategie der Kaiserlichen keinen Vorteil, sondern nur Misserfolge. Kaiser Karl VI. hatte stets seine Generäle erfolglos ermahnt.
1721 stiftete der Kaiser eine Pazifikale (Kusstafel) – sie befindet sich in der Geistlichen Schatzkammer. Der Ausbau der Maria Troster Straße von Graz zur gleichnamigen Wallfahrtskirche 1721 gehörte auch zu den Leistungen des katholischen Kaisers.
Merkwürdiges? Ein interessantes Detail am Rande, das aus heutiger Sicht skurril erscheint: 1722 stritten die Jesuiten am Collegium in Rom um den eigentlichen Geburtstermin Jesus von Nazareth. Endlich einigten sie darauf das Fest in den Monat Mai zu verlegen. "Weyhnachten" im Wonnemonat? Dazu kam es Gott sei Dank nicht mehr.
Stiftete 1722 eine silberne Kreuzigungsgruppe für den Hauptaltar der Wallfahrtskirche Mariazell. Längst durch Holzskulpturen ausgetauscht.(???)
Am 3. August 1722 unternahm das Kaiserpaar wieder eine Kirchfahrtreise zum Mariazeller Gnadenbild. Zu diesem Anlass wurden zuvor die Straßen ausgebessert. (Ankündigung im "Wienerischen Diarium", Nr. 61, 1. August 1722). Der Kaiser überreichte damals als Spende sechs Bergkristallleuchter und ein Altarkruzifix.

Peterskirche, Wien-Innere Stadt
Peterskirche, Wien-Innere Stadt - Foto: © Bwag, CC-BY-SA-4.0, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Die Wiener Peterskirche Die Wiener Peterskirche erhielt ein Kupferdach – legendenhalber war dieses allerdings bereits im vierten Jahrhundert gegründetes Gotteshaus eine Gründung Karls des Großen ... Allerdings ließ der Kaiser das Gotteshaus, das sich eigentlich unweit vom Stephansdom befindet im Sinne seines Vaters Leopolds I. – der Chor wurde um 1730 erweitert – vollenden. Leopold I. hatte 1679 während einer früheren Pestepidemie gelobt dieses Gotteshaus – ein Kuppelbau mit gedrängter Doppelturmfassade – errichten zu lassen.
1725 nahm das Kaiserehepaar an einem Festakt an der halbwegs hochgezogenen Schwarzspanierkirche in Wien-Alsergrund teil. Das Gotteshaus wurde schon 1690 mit der Grundsteinlegung begonnen und diente als Nachfolgebau einer 1683 zerstörten Kirche. Das Kaiserpaar nahm an der Einweihung des fertigen Kirchenbaues durch Fürsterzbischof Sigismund Graf von Kollonitsch am 6. September 1739 – Tag der hl. Maria von Montserrat – ebenfalls teil. (Im benachbarten Gebäude des einstigen Schwarzspanierhauses wird ein Ludwig van Beethoven wirken. Heute ist nur mehr die interessante Kirchenfassade eines wohl unbekannten Baumeisters erhalten geblieben und schmückt das Albert Schweizer-Studentenheim.)
Mittelalterliche Brutalität gegen Irrlehrende Trotz aller Frömmigkeit zeigte sich in Karls VI. Weltbild auch ein bitterer, furchtbarer Anachronismus: Anfang April 1723 wurden zwei vermeintliche Häretiker (eine Benediktinerin und ein Augustiner-Barfüßer) wegen (des) Vorwurf des Quietismus und Molinismus) im sizilianischen Palermo öffentlich verbrannt. Der Kaiser wollte einer uralten Tradition wegen überflüssiger Härte aufbieten und finanzierte dieses Autodafé aus dem königlichen Schatz von Neapel. In dem religiösen Weltbild Karls VI. wirkte die grausame Hinrichtung zweier vermeintlicher Häretiker wie ein furchtbarer Anachronismus. Ein Relikt einer vergangenen finsteren Epoche gemahnend an die spanische Inquisition.

Thorner Blutgericht. Zeitgenössische Darstellung, 1725 - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Thorner Blutgericht. Zeitgenössische Darstellung, 1725 - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Möglicherweise kannte Kaiser Karl VI. auch die dramatischen Ereignisse um das Thorner Blutgericht vom 7. Dezember 1724 – Lutheraner wurden brutal hingerichtet. Das "Wienerische Diarium" an der Jahreswende berichtete darüber. Diese Begebenheit dürfte den Kaiser – vor allem seine Ehefrau, die Kaiserin (eine ehemalige Lutheranerin) – ziemlich konsterniert haben. Dem Kaiser dürften die Gewaltmaßnahmen benachbarter Regionalfürsten gegen lutherische Untertanen bestimmt bekannt gewesen sein. Vielleicht hatte der Kaiser davon erst im Nachhinein erfahren – aber was hätte er bei fanatischen Behörden, die nicht einmal ihm bewusst unterstanden, unternehmen können?

Stiftungen, Wallfahrten, Heiligenverehrung und Kirchenpolitik#

Der Kaiser kümmerte sich auch um Stiftungen seiner Ahnen, wie etwa ein Kloster mitsamt Kirche St. Oswald in Seefeld in Tirol. Die Wallfahrtskirche wurde aufgrund des Hostienwunders 1384 gegründet. Die Habsburger Friedrich IV. mit der leeren Tasche und sein Sohn Siegmund der Münzreiche bauten an der Kirche. Kaiser Maximilian I. stiftete ein Frauenkloster, das später von den Augustiner Eremiten übernommen wurde. Karl VI. sorgte für eine barocke Ausgestaltung der in der Kirche eingerichteten Heiligenblutkapelle 1724. Das Hostienwunder-Fresko soll von Franz Michael Hueber stammen.
Zwischen 1711/12 und 1725 ließ der Kaiser in seinem alten landesfürstlichen Schloss Weinburg (bei Radkersburg), in der Schlosskapelle St. Katharina einen Hochaltar im Bandlwerkstil stiften. Das Oberbild zeigte den hl. Karl Borromäus. (Ursprünglich befand sich das Schloss im Besitz des Erzherzoges Karl von Innerösterreich (- Bruder Karls V.).)
In der Hoffnung um einen Sohn unternahm er 1725 wieder eine Wallfahrt nach Mariazell. Dort überreichte Karl VI. eine Bergkristallmonstranz.
1725 ließ er den Sohn des Hofkanzlers, Philipp Ludwig Graf Sinzendorf zum Bischof von Györ erheben und Anfang April 1728 in den Rang eines Kardinals versetzen. Kardinal Sinzendorf nahm beim Konklave 1730 teil, woraus Papst Clemens XII. hervortrat. Kaiser Karl VI. erhoffte wohl (angesichts des hohen Alters des vorigen Papstes Benedikt XIII.) eine künftige Papstwahl zu beeinflussen.

Papst Clemens XII., 1730-40
Papst Clemens XII., 1730-40, gemalt von Agostino Masucci - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Karl VI. besuchte 1732 während seiner Erbhuldigungsreise sogar Mauthausen, um der Verehrung einer lokal befindlichen Marienstatue nachzukommen. Karl VI. war nicht nur ein Marienverehrer, sondern auch ein Verehrer des Namen Jesu. Am 15. Januar 1727 erhielt er die Erlaubnis des Papstes, das Fest des hl. Namen Jesu in den Erbländern feiern zu dürfen.
Karl VI. gab die Einwilligung Missionaren gratis auf den Segelschiffen seiner Ostendischen Handelskompagnie die Reise nach Indien zu ermöglichen. Dagegen wurden hierfür Inder nach Europa geschifft.
Eine kostbare Pazifkale fertigte der Hofjuwelier Johann Baptist Känischbauer von Hohenried 1711 im Auftrag des Kaisers an, die er in der Geistlichen Schatzkammer der Hofburg unterbringen ließ. Dieser eindrucksvolle goldene Sakralgegenstand birgt die von Papst Clemens IX. geschenkte Kreuzpartikel und zeigt Christus als Weltenherrscher.
Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Oberägeri unweit der im schweizerischen (Kanton) Zug beim Ägerisee bekam – nach Verlust der Sakralgegenstände – vom Kaiser Karl VI. eine kostbare "Kaisermonstranz" (1727, vom Augsburger Goldschmied Franz Taddäus Lang angefertigt) geschenkt. Unweit von Zug fand am 15. November 1315 die Schlacht am Morgarten statt, die der Habsburger Leopold I. von Österreich gegen die Eidgenossen verloren hatte. Wahrscheinlich schenkte der Kaiser dieses Sakralgerät als Versöhnungsgeste und als politischen Ausdruck auf die schweizerischen Besitzungen der Habsburger. Doch damit blieb er nicht allein: Ein Jahr später stiftete König Ludwig XV. von Frankreich der Pfarrkirche der gegenüberliegenden Stadt Unterägeri eine Sonnenmonstranz. (Die oberägerische Version besitzt an der linken Ecke die Figur des hl. Karl Borromäus, rechts den hl. Leopold von Österreich und einer Marienfigur.) (Die oberägerische Version birgt Gottvater mit Heilig-Geist-Taube, seitlich den hl. Karl Borromäus, auch als hl. Johannes Nepomuk oder hl. Johannes vom Kreuz (Juan de la Cruz) – ein spanischer Mystiker, Kirchenlehrer, Gründer des Ordens der unbeschuhten Karmeliter, 1726 zur Ehre der Altäre erhoben – deutbar, hl. Leopold von Österreich.) {Oberägeri, Kanton Zug "Kaisermonstranz" Kaiser Karls VI., angefertigt vom Augsburger Goldschmied Franz Thaddäus Lang 1727. Auf der Sonnenmonstranz oben Gottvater mit Heilig-Geist-Taube, darunter Custodie, Hostie verkörpert Gottes Sohn Jesus von Nazareth. Links: Hl. Karl Borromäus, auch als Hl. Johannes von Nepomuk oder Hl. Johannes vom Kreuz (Juan de la Cruz, spanischer Mystiker, Kirchenlehrer, Gründer des Ordens der unbeschuhten Karmeliter, 1726 heiliggesprochen) deutbar. Rechts: Hl. Leopold von Österreich. Unten Maria Muttergottes – eher sogar als Maria auf der Mondsichel interpretierbar – als "Maria de Victoria" (Maria vom Siege). Ich denke, dass diese Kaisermonstranz eigentlich als Schenkung jemanden anderen zugedacht war – aus der Situation heraus, und vor allem als Erinnerung an die einstige gewaltige Habsburgerherrschaft in der Schweiz gelangte sie in den Kirchenschatz von Oberägeri. Die Darstellung der siegreichen Madonna ließe eher den Sieg über die Osmanen, der damals nahezu zehn Jahre zurücklag, vermuten.}
Zwischen 1712 und 1731: Vermutlich ließ Kaiser Karl VI. die Kirche und Kloster des Clarissenklosters in Wien-Innere Stadt – gegründet von Kaiserin Eleonore 1625 – vormals Nikolaikloster – erneuern. In der Ära Kaiser Josephs II. wurde es aufgelassen (1782) und abgetragen (1785).
Papst Benedikt XIII. führte 1728 das Fest des hl. Papstes Gregor VII. ein. Das war jener Investiturstreitpapst des Hochmittelalters. Jenes Fest wurde in Österreich wie auch in Frankreich verboten.

Erzherzogin Maria Theresia
Erzherzogin Maria Theresia als Elfjährige, die nachmalige große Maria Theresia, Andreas Møller, 1728; KHM Wien - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

1728 unternahm der Kaiser abermals eine Wallfahrt nach Mariazell. Hierbei nahm er erstmals seine elfjährige Tochter Erzherzogin Maria Theresia mit. Sie feierte in der Wallfahrtskirche ihre Erstkommunion und ihre Firmung.
Der Kaiser befahl die Errichtung des Bundesladen- und Versöhnungsdenkmal in Györ, nächst dem dortigen Dom (1729 – 30). Auch das hatte seine Ursache. Bei einer Fronleichnamsprozession soll ein entsprungener Häftling das Allerheiligste angeblich geschändet haben. Damals war noch die Geschichte der mittelalterlichen Hostienschändung in aller Munde. Sie wurde stets zum Vergleich herangezogen. Ich denke, es wird auch im Barockzeitalter allgemeine Gegner der Kirche gegeben haben. Auch wenn das heute nicht gern geglaubt wird, Kritiker an der Kirche gab es immer, was auch für Ursachen sie aufbrachten. Nebenher: Was für ein Widerspruch: In diesen Tagen ging es den Menschen mit israelischem Glaubensbekenntnis ungut und gleichzeitig erinnerte der Klerus an die jüdischen Ursprünge des Christentums. Das vom kaiserlichen Hofbildhauer Antonio Corradini geschaffene Monument, das nach einem Entwurf vom Wiener Architekten Joseph Emanuel Fischer von Erlach nachgebildet wurde, enthält ein geheimnisvolles alt- und neutestamentarisches Thema. Die vergoldete Bundeslade als sinnbildliche Existenz Gottes im jüdischen Tempel, darüber das Lamm Gottes auf dem Buch mit den sieben Siegeln – Anspielung auf den Gedanken der Welterlösung … Mit der Errichtung des Monuments hoffte der gottesfürchtige Kaiser den Zorn des Allmächtigen angesichts der misshandelten Hostie – den Leib Christi – zu besänftigen. Auch hier folgte der Monarch einer alten Geschichte. Sein spanischer Vorgänger König Karl II. hatte eine während niederländischer Glaubensstreitigkeiten Ende des 16. Jahrhunderts beschädigte Hostie in die Kapelle San Forma im Escorial gebracht.
Während regelmäßigen Abständen traf er während Jagdreisen seit 1722 mit Frater Benignus, ein Augustiner-Eremit aus dem Kloster in Wien-Landstraße, der die Neumühle bei Mannswörth (Wien/Schwechat) verwaltete und mit ihm in derb-harmloser Umgangssprache verkehrte. Für den Kaiser waren diese regelmäßig stattfindenden Begegnungen eine Erbauung und Erlösung vom stocksteifen Zeremoniell geplagten Hof gewesen. Bald entstand so was wie eine Tradition, dass der herzensgute Eremit dem Kaiser stets zwei Laib Brot und Wein als Erfrischungsgabe überreichte. Dafür schenkte der Monarch dem schlauen Geistlichen einen bei der Jagd erlegten Hirschen oder ein Wildschwein. Manchmal auch einen oder mehreren Dukaten.
In den späten 1720er Jahren ließ Karl VI. in seinem Jagd-Sitz Wolkersdorf die örtliche Kirche Hl. Margaretha baulich erweitern. So ließ er die wichtigsten Heiligen der Habsburgermonarchie als Statuen am Zugang aufstellen: Hl. Maria Immaculata, Hl. Leopold III. von Österreich, Hl. Joseph, Hl. Karl Borromäus, Hl. Johannes von Nepomuk und Hl. Florian. 1727 wurde das Langhaus geschaffen und weitere bauliche Erneuerungen folgten.
Als ordentlicher Jäger mit Gottvertrauen befahl der Kaiser die Erneuerung der Nikolaikapelle (Eustachiuskapelle) im Lainzer Tiergarten. Der zuständige Pfarrer trug (1730) die Kosten. Anfang der 1730er Jahre finanzierte der Kaiser gemeinsam mit weiteren Adeligen die Stiftung eines Altares für die Pfarrkirche Mariabrunn in Wien-Penzing (vor/um 1731).

Klosterneuburg - Stift und Schloss#

Marmorsaaltrakt, Stift Klosterneuburg bei Wien
Marmorsaaltrakt im Kaisertrakt des Stiftes Klosterneuburg - Foto: Ernst Zentner

Am Donnerstag, dem 25. Mai 1730 erfolgte die Grundsteinlegung des vom Kaiser befohlenen Neubaus des Stiftes Klosterneuburg. Während der üblichen "Hofwallfahrt" nach Klosterneuburg am 15. November 1730 – Festtag des hl. Leopold von Österreich – begutachtete der Monarch die Pläne von Donato Felice d'Allio und bestätigte (nach Abänderungen) den Neubau. An der Grundsteinlegung beteiligte sich der Leiter des Hofbauamtes, Gundacker Graf von Althann, Abt Berthold Dietmayr von Melk und der Klosterneuburger Propst Ernest Johannes Perger. Zu Leopoldi 1739 bewohnte der Herrscher erste Mal die Kaiserzimmer. Der Kloster-/Schlossbau, der im Sinne des spanischen (El) Escorial entstehen sollte blieb nach dem Tod des Kaisers, ein titanischer Torso und unvollendet. Im Escorial befinden sich die Grabstätten der spanischen Könige.

Escorial, Joan Blaeu, vor 1700?
Escorial, Joan Blaeu, vor 1700? - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Vielleicht wollte Karl VI. Schloss Klosterneuburg für sich selber als letzte Ruhestätte neben dem hl. Leopold von Österreich konzipieren? Die Bekrönungen des Barocktraktes weisen auf das deutsch-römische Kaiserreich und andererseits auf das Erzherzogtum Österreich hin. Einige der alten Rueland Frueland-d.-J.-Tafelbilder zeigen die Szenen "Hl. Leopold von Österreich auf der Wildschweinjagd" und "Grundsteinlegung des Stiftes Klosterneuburg durch den hl. Leopold". Wer weiß, wie lange der Kaiser – als Jäger und Stifter – diese Bilder betrachtet hatte ... Der nach Wien und zur Donau gerichtete barocke Trakt wurde zur geistigen Anspielung der visuellen, politischen Machtsphäre des Kaisers. Im letzten Raum der Kaiserzimmerflucht nächst der Donau findet der Besucher ein von Kellner gemaltes eingedunkeltes Ganzporträt des Kaisers. Dieses Zimmer mit der stuckierten vergoldeten Deckeninschrift der Devise Karls VI. "Constantia et fortitudine" hätte das Arbeitszimmer des Kaisers werden sollen. Mit dem Ableben Kaiser Karls VI. am 20. Oktober 1740 fand auch die altgewohnte Hofwallfahrt nach Klosterneuburg, zum Grab des hl. Markgrafen Leopold III. von Österreich ihr offizielles Ende.

Idealansicht des Stiftes Klosterneuburg, 1774
Aquarellierte Federzeichnung, Joseph Knapp, 1774

Stift Klosterneuburg, um 1850?
Stift Klosterneuburg an der Donau. Aussehen gegen 1850 (?). Öl auf Leinwand. Aus dem Umfeld von Johann Wilhelm Jankowski (1800–1870) - Foto: Dorotheum, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Stift St. Florian, Oberösterreich
Stift St. Florian, Oberösterreich - Foto: Fb78, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Äbte, Prälaten und Pröbste als Kaiserliche Räte#

Äbte, Prälaten und Pröbste ernannte der Herrscher zu offiziellen kaiserlichen Räten. Am 12. Januar 1717 ernannte Kaiser Karl VI. den 31. Abt des Stiftes Stams, Tirol, Abt Augustin Kastner (1714 bis 1731) und seinen Nachfolger zum kaiserlichen Rat und Hofkaplan. Kaiser Karl VI. erhob 1731 die Äbte des Benediktinerklosters St. Emmeram in Regensburg in den Reichsfürstenstand). Abt Anselm Godin de Tampezo (1725–1742) war der erste Fürstabt der Abtei.
Der Abt des Stiftes Melk, Berthold Dietmayr (1700 bis 1739), bereits unter Leopold I. Kaiserlicher Rat, wurde im Auftrag Karls VI. in der Funktion als Kaiserlicher Gesandter nach Rom und Polen beordert (1720). 1728 wurde er Wirklicher Geheimer Rat. Als solcher und mit seinen geistlichen Amtskollegen hatte er das Recht den Kaiser während seiner Abwesenheit zu vertreten. Das zeigte den Stellenwert des Klerus unter Karl VI.
1731 finanzierte der Kaiser einen sechsarmigen Metallhängeleuchter für die steiermärkische Kirche St. Anna ob Schwanberg (Umgebung Deutschlandsberg).
Wahrscheinlich vor 1732 stiftete der Kaiser für die Klosterkirche des Stiftes Stams in Tirol ein Seitenaltarbild "Verehrung des hl. Bernhard von Clairvaux durch Vertreter der geistlichen und weltlichen Macht". Ein aus Augsburg stammender Künstler namens Johann Georg Wolcker d. J. hatte das Bild um diese Zeit vollendet. Neuerdings sollen die darin abgebildeten Beifiguren Papst Clemens XII. – regierte 1730 bis 1740 – und Kaiser Karl VI. sein.
Jedenfalls unterstützte Kaiser Karl VI. stets die baulichen Erneuerungen vorhandener Klöster – im damaligen Kunststil – soweit Geld vorhanden war. Der Kaiser stiftete stets.

St. Marien-Magdalene-Kirche, Karlsbad (Karlovy Vary)
St. Marien-Magdalene-Kirche, errichtet von Kilian Ignaz Dientzenhofer, 1732-36; Karlsbad (Karlovy Vary, Tschechien) - Ausschnitt eines Fotos von Walter J. Pilsak, Waldsassen, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Die Kreuzherren in Karlsbad inspirierte der Kaiser zu einem Neubau ihrer veralteten gotischen Stadtpfarrkirche St. Magdalena durch Kilian Ignaz Dientzenhofer in den Jahren 1732 bis 1736.
Karl VI. unterhielt sogar kurzzeitig Kontakt mit dem Kloster Fulda in Hessen, das damals Reichsfürstentum im Heiligen Römischen Reich war. In das damalige Kloster konnte nur jemand eintreten, der seine adlige Herkunft auch ordentlich belegen konnte. Am 13. März 1733 unterstützte er mit einem Privileg die Gründung der Universität Fulda durch Anton Adolph (auch Adolf) Freiherr von Dalberg. Die sogenannte Adolphsuniversität wurde am 19. September 1734 feierlich eröffnet. Sie bestand aus vier Fakultäten: Katholische Theologie, Philosophie, Medizin und Rechtswissenschaften. Kaiser Karl VI. bestätigte dem Nachfolger Dalbergs, Abt Amand von Buseck der Fürstabtei Fulda in Hessen 1739 die Regalien.

Karl VI. und die Schweiz#

Für Kaiser Karl VI. gab es auch historische Verbindungen zur Benediktinerabtei Kloster Einsiedeln im Kanton Schwyz – neben Kanton Zug. Das im Zusammenhang mit der Schlacht am Morgarten 1315. Der Verlierer dieser Schlacht war der Habsburger Herzog Leopold I. von Österreich (und der Steiermark) und Schirmherr von Einsiedeln. Somit hatte auch der Kaiser die Schirmherrschaft über Einsiedeln sozusagen ererbt. Unter Abt Maurus von Roll aus Solothurn (1653/1698 – 1714 – er entstammte einer der geachtesten Solothurner Familien) erhielt das Kloster vom Kaiser Karl VI. am 22. August 1714 die Regalien (Allgemein: wirtschaftlich nutzbare Hoheitsrechte).
Der Bischof von Chur, Ulrich VII. von Federspiel (1657, 1692-1728) bot am 21. April 1728 brieflich dem Kaiser das Münsterthal (rätoromanisch Val Müstair) - die bischöflichen Rechte - zum Kauf an. Ein Tal in den Alpen des Kanton Graubünden bis in das italienische Südtirol liegt. Allerdings schienen fünf Jahre über die Schweiz gegangen zu sein, als der Kaiser das Kaufgebot höflich annahm und antwortete ihm am 17. Juni 1733 aus Laxenburg. Eine weitere Verzögerung wurde durch den Tod des Bischofs verursacht. Obendrein: Die Schwierigkeiten lagen im Polnischen Thronfolgekrieg. Genau ein Jahr später war der Kauf durch ein "Kauf-Instrument" Realität geworden. Erst sein Nachfolger Bischof Joseph Benedikt von Rost (1698, 1729-54) setzte die Abtretung des Gebietes in die Tat um. Das Münsterthal gelangte um 17.000 Gulden (= zirka 17.000.000 Euro) an Tyrol. Karl VI. kaufte am 17. Juni 1733 das halbe Münstertal vom Churer Bischof Joseph Benedikt um 17.000 rheinische Gulden. Der Kaiser übernahm das kaiserliche Protektorat über die Kirche St. Maria im Münstertal. In Chur wurde der Vertrag aufgesetzt. Sechs Jahre später, am 18. Juli 1739, verkaufte er das Münstertal an die Drei Bünde. Ein politisches Gebilde das als Freistaat im Europa der frühen Neuzeit achtbar war. Der Vertrag wurde in Wien geschrieben. Anscheinend erwartete der Kaiser durch seine direkte Tat eine bessere Beziehung mit der neutralen Schweiz.
Auffallend wie Karl VI. – er hätte Geistlicher werden sollen – die römisch-katholische Kirche in seinem Herrschaftsbereich intensiv unterstützte.
Die 1706 unter Kaiser Joseph I. begonnene "Josephssäule" – "Vermählungsbrunnen" – auf dem Hohen Markt in Wien-Innere Stadt wurde im Auftrag Karls VI. vollendet.

Schwierigkeiten und ein Skandal, Freimaurer und Zuversicht - der "arme Sünder"#

Der kaiserliche Rat und Leibarzt Karls VI. Pius Nikolaus Garelli (Pio Niccolò de Garelli) war der prominenteste Wiener Jansenist und ein erklärter Gegner der Jesuiten. Den Kaiser beeinflusste er 1735 zu einem Erlass das Erziehungsmonopol der Jesuiten zu beeinträchtigen. Offenbar war Karl VI. über die Jesuiten – als Kirchenpolitiker – ergrollt. War es Zufall, dass Maria Theresia in ihrer Epoche den Jesuitenorden verbot?
In der Augustiner-Hofkirche fand im Februar 1736 die Hochzeit zwischen Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen statt. Es kam bei der Trauung zu einem Skandal. Der päpstliche Nuntius Passionei wollte die Verehelichungszeremonie nicht stehend vollziehen. Karl VI. änderte das Protokoll kurzerhand und zwang den Nuntius – stellvertretend für Papst Clemens XII. – gefälligst stehend den Segen zu geben. Übrigens indigniert hatte der zuständige Kardinal Sigismund Graf von Kollonitsch – er wäre für die Trauung zuständig gewesen – sich auf seine Güter außerhalb der Stadt zurückgezogen …
Karl VI. war die Existenz von Freimaurern nicht unbekannt geblieben. Jedenfalls während der Reise nach Großbritannien trat sein künftiger Schwiegersohn in einer (niederländisch-britischen) Freimaurerloge bei. Papst Clemens XII. Veröffentlichte eine Exkommunikationsbulle gegen die Freimaurerei (1738) und der Kaiser machte keinerlei Anstalten der päpstlichen Anordnung Folge zu leisten. Karl VI. fühlte sich wieder einmal berechtigt über den Papst zu stehen.
Für die Curpriester an St. Stephan beauftragte der Kaiser den Bau eines eigenen Curhauses am Stephansplatz (1737). 1737 bewilligte der Kaiser in schwierigen Verhandlungen mit dem Wiener Magistrat und dem Erzbischof von Wien den Bau des "Curhauses" am Stephansplatz.
Am 8. Juli 1737 dekretierte Kaiser Karl VI. brieflich den Magistrat von Hildesheim, Niedersachsen, die Mahnung, dass sie die Bernwardsäule, eine eiserne kostbare Christussäule aus dem Mittelalter gefälligst erhalten zu haben.

Christussäule; Dom, Hildesheim
Christussäule bzw. Bernwardsäule, 10./11. Jahrhundert; Dom, Hildesheim - Foto: GodeNehler, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Im Fall einer Zuwiderhandlung ermahnte er sie zu einer horrenden Geldstrafe in Höhe von 20 Mark löthigen Goldes. Er hatte von den Mönchen des Klosters St. Michael in Hildesheim davon erfahren. Inzwischen steht das Kleinod im Dom zu Hildesheim.
Vermutlich hatte Kaiser Karl VI. den Bau einer Nikolauskirche auf der Landstraßer Hauptstraße angeregt. Die Grundsteinlegung fand am 26. Januar 1738 statt. Erst unter Maria Theresia wurde sie geweiht. Nach alten Abbildungen zu urteilen, war das beeindruckende Gotteshaus eine eintürmige Barockkirche. In der Ära Josephs II. wurde sie demoliert (1784).
1738 gab der Kaiser den Ausbau der Geistlichen Schatzkammer (damals "Kleine Schatzkammer" genannt) in der alten Hofburg in Auftrag.
Für Kunstwerke sakraler Art bot der Herrscher die besten Künstler seiner Zeit auf.
Vor 1740 beabsichtigte der Kaiser als König von Jerusalem einen "Jerusalemleuchter" für die Grabeskirche zu Jerusalem zu stiften. Noch in dieser Zeit gab der Kaiser Paul Troger den Auftrag für die Schönbrunner Schlosskapelle ein Altargemälde "Vermählung Mariens" anzufertigen.

Die Verlobung Mariä war ein eigenes, jedoch lokal abgehaltenes Fest, das Papst Benedikt XIII. 1725 eingeführt hatte. Im Verlauf der Liturgiereform nach dem II. Vatikanum wurde es abgeschafft.

Sarkophag Kaiser Karls VI., Kapuzinergruft, Wien
Der Sarkophag Kaiser Karls VI. in der Wiener Kapuzinergruft. Erst unter Maria Theresia in Auftrag gegeben - Foto: Welleschik, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Etwas schwarzer Humor am Rande. Als der Kaiser die letzte Ölung empfangen sollte, ärgerte er sich, weil nur zwei Kerzen aufgestellt wurden. Er forderte als höchster irdischer Herrscher vier Kerzen!

Im Oktober 1740 erfolgte die Beisetzung des Kaisers in der Kapuzinergruft nach altem Ritual als "armen Sünder". So verlangt es eine alte Legende. Aber das stimmt sowieso nicht. Alles was an ihm irdisch war, wurde diskret in den dunklen Gewölben der Gruft beigesetzt. (Sein Herz wurde in der Augustinerkirche bestattet. Der Behälter kann heute noch besichtigt werden.)

Anmerkung

[1] Helga Maria Wolf, 8. Dezember - Der missverstandene Feiertag/Kunst und Kultur/Advent/Dezember 08
[2] CORETH 1982, 67

Benützte Quellen (in Auswahl)

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  • Joseph GELMI, Die Päpste in Lebensbildern. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage. Graz – Wien – Köln (1983) 1989.
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  • Jodok STÜLZ, Geschichte des regulirten Chorherrn=Stiftes St. Florian. Ein Beitrag zur Geschichte des Landes Oesterreich ob der Enns. Von Jodok Stülz, regulirtem Chorherrn zu St. Florian. Linz 1835
  • Hans TIETZE, Die Juden Wiens. Geschichte – Wirtschaft – Kultur. Wien – Leipzig 1933 / Wien 1987 (Nachdruck)
  • Ernst TOMEK, Kirchengeschichte Österreichs. 3. Teil. Das Zeitalter der Aufklärung und des Absolutismus. Innsbruck – Wien – München 1959, 134 – 138 / 113 – 208: Karl VI.
  • AK Der Traum vom Weltreich. Österreichs unvollendeter Escorial mit Beiträgen von Elisabeth OLLINGER, Floridus RÖHRIG, Ilse SCHÜTZ, Huberta WEIGL. Fotos von Inge KITLITSCHKA und Michael HIMML. Stiftsmuseum Klosterneuburg (Klosterneuburg) 1999
  • Franz WAGNER, Meisterwerke barocker Goldschmiede- und Steinschneidekunst als Votivgaben für Mariazell. In: AK Schatz und Schicksal. Steirische Landesausstellung 1996 Mariazell & Neuberg an der Mürz. (Band) Mariazell. Graz 1996, 173 – 182
  • Adam WANDRUSZKA, Österreich und der Vatikan in der Neuzeit. In: AK Österreich und der Vatikan. Eine fast tausendjährige Geschichte aus Dokumenten des Archivs, der Bibliothek und der Museen des Vatikans. Wien 1986, 23 – 34
  • WIENNERISCHES DIARIUM (vor allem von 1712 bis 1740; generell betreffend die Nachrichten des kaiserlichen Hofes, wenn es um religiöse Aktionen ging)
  • Adam WOLF, Kaiser Karl VI. und der Frater Benignus (1722 – 1740) In: Archiv für österreichische Geschichte 60. Band. Wien 1880, 1 – 18
  • Lisa WURZER, Akkulturation der Oberschicht. Die Annäherung der jüdischen an die christliche Welt im 18. Jahrhundert am Beispiel Wiens. Diplomarbeit Universität Wien 2008
  • Marlene ZYKAN, Der Stephansdom – Wiener Geschichtsbücher hrsg. v. Peter PÖTSCHNER Bd. 26/27. Wien – Hamburg 1981

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