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Kaiser Karl VI. und seine Kriegsmarine#

Von Ernst Zentner

IM AUFBAU

Im ZEDLER UNIVERSALLEXIKON (Halle und Leipzig Band 19 Halle und Leipzig 1739, Spalte 1558) steht unter dem Stichwort "Marine" folgendes: "MARINE, heisset die Schiff= oder Seefahrt, ferner die See=Kunst, und denn auch das gesammte See=Volck, wie auch die Verfassung der See=Sachen, Lat. Res maritime, und überhaupt alles, was zur See= und Schiff=Fahrt dienet."

Der Habsburger und das große Meer
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Vor mehr als 300 Jahren war Österreich dank Prinz Eugen eine respektable Großmacht auf dem südeuropäischen Kontinent gewesen. Nun was die Seefahrt anlangte, und damit Handelsrouten und militärische Hoheitsgebiete auf dem Meer anzuspielen, war das eher rar gesät. Triest war so ein relevanter Knotenpunkt für die Marine. Aber das war es auch schon. Abgesehen von der Donau, die von Süddeutschland über den Balkan bis zum Schwarzmeer reichte gab es offenbar nichts, wofür sich eine intensiv betriebene Seefahrt lohnte. Die Monarchia Austriaca im Hochbarock stieß im Südosten an das Ottomanische Reich. Dann existierte Preußen, Bayern, das große Frankreich und Holland sowie Niederlande. Im Norden lag das Königreich Großbritannien (Schottland und Irland) - sie mussten als Insel sowieso eine Kriegs- und Handelsmarine unterhalten. Das galt ebenso für Frankreich und Spanien, die beide nebeneinander und mit Mitteleuropa verbunden waren.
So sehen wir uns die Verhältnisse der Kriegsmarinen verschiedener Mächte wie Großbritannien, Niederlande und Frankreich an. Ich erlaube mir hier einige Zahlenspielereien - obwohl da Vorsicht angedacht sei: Mitte des 17. Jh. besaßen die Niederlande 20.000 große und kleine Handels- sowie Kriegsschiffe (Handelsflotte: 16.000 bzw. 35.000 große und kleine Schiffe, das waren zwei Drittel bzw. vier Fünftel weltweit!) Und jedes Jahr wurden 2.000 größere und kleiner Handels- und Kriegsschiffe gebaut, jährlich heuerten 70.000 Seeleute an, darunter die meisten aus Deutschland. Kurz: Niederlande war die Seemacht vor Großbritannien oder Frankreich.[1]
Nun sei hier was Statistik anlangt Vorsicht angebracht.
Aber angemerkt sei hier die Tatsache, dass diese gigantische Anzahl an Segelschiffen auch Holzbeschaffung aus den Wäldern und Forsten bedeutete …
Andererseits war die französische Kriegsmarine vom 17. Jh. an - bis Anfang des 20. Jh. - die zweitstärkste Kriegsflotte nach der britischen Royal Navy. Dazu müssen wir außerhalb des Zeitrahmen um Karls VI. hinausgehen. Der einstige Chefminister Kardinal Richelieu (1624-1646) wusste längst um Handelsschiffe zu schützen waren Kriegsschiffe notwendig geworden. Auch der Sonnenkönig Ludwig XIV. (1651-1715) wollte, weil er die größte Armee Europas befehligte, eine starke Kriegsflotte haben. Dazu sei erwähnt, dass Frankreich das bevölkerungsreichste Land damals war. Ludwig XIV. steckte immense Summen in das Projekt. Sein damaliger Finanzminister Jean-Baptiste Colbert schuf 1661/62 ein Marineministerium, das noch als Staatssekretariat bezeichnet wurde. Colbert ordnete die Flotten ganz neu und strategisch. Die Mittelmeerflotte blieb in Toulon. Die Atlantik-Flotte wurde in den neu errichteten Hafen Rocheford und nach Lorient verlegt. In Brest kam eine Nordflotte zustande, der auch in Cherbourg stationiertes eigenes Geschwader für die Ärmelkanalsicherung hinzugesetzt wurde. In den Indischen Ozean wurde ein "Persisches Geschwader" geschickt. In Le Havre und Dunkerque sowie in Saint-Malo, Nantes (alle eher im Norden) und Bordeaux (Südwest) und Marseille (Süden) wurden Marinearsenale eingerichtet. In den Niederlanden wurden Schiffe gekauft und in französischen Werften nachgebaut, und verbessert sowie mit fortschrittlichen Schiffsbautechniken. Colbert verlangte von den Werften, dass sie ausschließlich mit Holz aus französischen Wäldern bauten und erließ auch ein entsprechendes Gesetz. Um die Rekrutierung der Besatzungen zu ermöglichen, erhielten die Hafenorte und Regionen entlang der Küste ein eigenes Aushebungsgesetz. Nach zwei Jahrzehnten war der Schiffsbestand verdoppelt. Später war die französische Kriegsmarine der britischen und der niederländischen zeitweise überlegen. Allerdings die französische Handelsmarine nahm nach der niederländischen und der britischen den dritten Rang ein.[2]
Großbritannien als Inselstaat war stets von seiner Flotte abhängig gewesen, vor allem im Konfliktfall. Zuerst waren es einzelne kleinere Flotten, die von Königen im Mittelalter äußere Feinde abwehrten. Erst im 16. Jh. kam im Kampf gegen Spanien und gegen seine Armada eine stehende und ständige Flotte (Royal Navy) zustande. Im 17. Jh. wurde sie eine feste Einrichtung, besonders seit 1690 gegen Frankreich und endlich bis in die Ära Napoleons.[3]

Von 1711 bis 1740 regierte Kaiser Karl VI.
Zuerst ein Rückblick: Weil nach dem Tod Karls II. von Spanien im Herbst 1700 die Funktion des Königs von Spanien vakant war, wurden drei mögliche Anwärter genannt: Erzherzog Karl von Österreich, Sohn Kaiser Leopolds I. (Habsburg); Philipp von Anjou, Enkel König Ludwigs XIV. von Frankreich (Bourbon) und Kurprinz Joseph Ferdinand von Bayern (1692-1699), Sohn des Kurfürsten Maximilian II. Emanuel von Bayern (Wittelsbach). Der Sonnenkönig rief seinen Enkel Philipp von Anjou zum König Philipp V. von Spanien aus. Wütend erklärte der Kaiser seinen zweitältesten Sohn Erzherzog Karl zum offiziellen König Karl III. von Spanien. Wien entschied den Weg zum Krieg zu betreten. London war nicht begeistert über den Machtzuwachs der Bourbonen im Stile der einstigen Weltmacht Karls V. Jedenfalls war der Spanische Erbfolgekrieg ausgebrochen.
Eine Reise über Italien und über das Mittelmeer schien wegen der gefährlichen Anwesenheit der französischen Kriegsmarine - es sollen über 600 Segler gewesen sein - nicht angezeigt.
Der junge Karl reiste im September 1703 mit einem Tross aus 200 Wagen und Pferden über Nordeuropa nach England und versuchte im Dezember mit einem britischen Kriegssegler weiterzureisen. Doch im Atlantik herrschende Unwetter zerstörten einen Teil der englischen Flotte und er musste am Hofe Königin Annas ausharren. Außerdem wollte die Herrscherin erst abwarten, bis ihre Kriegsflotte wieder regeneriert war. Zumindest lernte er dort die britische Gelassenheit kennen. Immerhin begriff er den Anteil des Handels der Seemächte Hollands und Großbritanniens. Dazu bot ein honoriger Adeliger ihm ein entsprechendes Regiment kampfbereiter Soldaten an. Karl lehnte aus Geldmangel höflich ab. Nach Epiphanie 1704 konnte er endlich in See stechen und langte im Spätwinter vor Lissabon an.
Nach jahrelangen militärischen Auseinandersetzungen mit König Philipps V. konnte Karl III. sich in Barcelona festsetzen. Immerhin wurde er König von Katalonien. 1711 starb sein älterer Bruder Kaiser Joseph I. Auf Drängen Wiens wurde er ersucht als Kaiser nach Mitteleuropa zu kommen. Am 27. September 1711 verließ er mit der britischen "Blenheim" (Hinweis auf die Schlacht bei Höchstedt 1704!) - geleitet von Kriegsseglern - Barcelona und langte am 12. Oktober im Hafen von Genova ein. Zeitgleich wurde er von nur fünf Kurfürsten - ohne die wittelsbachischen Kurfürsten von Bayern und von Köln zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt.
Eine historische Darstellung der alt-österreichischen Kriegsmarine, vor allem in der Epoche des Hochbarock war von jeher für die Geschichtsforscher ein unentdecktes Land, und das bleibt es leider auch. Zu karg sind die Quellen. Höchstens vermittelt die Leistungsbilanz Karls VI. und seines Feldherrn Prinz Eugen gewisse Hinweise. Auch die geographische Lage des alten Habsburg-Österreichs ist hier zu berücksichtigen. So bleibt nur die Wasserstraße Donau als Hinweis, vor allem ihre Häfen an den wichtigsten Städten wie Passau, Linz, Wien, Pressburg und Budapest, dann endlich bis zum Eisernen Tor beim Schwarzen Meer. Neben den Handelsverkehr gab es schon lange Personenbeförderung auf dem Wasserweg. Die Ulmer Schachtel, ein kastenartiges Schiff war eines der vorrangigsten "Passagierschiffe" (mitsamt Frachtgut) und dazu eine problematische Strecke auf der Donau mit den scharfkantigen Felsen im Flussbett. Ein Ertrinkungstod war meistens etwas endgültiges und ein Achsbruch mit einer von Pferden gezogenen Postkutsche offenbar leichter zu verkraften.
(Der uralte Plan eines Donau-Oder-Kanals gelangte unter Kaiser Leopold I. auch nicht gerade in das Stadium der Realisation.) Im imposanten Deckenfresko des Prunksaales der Nationalbibliothek - gemalt von Daniel Gran - in Wien gibt es auch eine Abbildung eines Segelschiffes. Eine Anspielung auf die Bestrebungen Kaiser Karls VI. den Handel mittels Handelskompanien auszubauen und hohe Einnahmen zu erzielen. Doch Karls VI. Pragmatische Sanktion (1713) und die Verstrickung in die Weltpolitik, machten das Vorhaben in der weltweiten Wirtschaftspolitik tätig zu sein zunichte.
Karl VI. hatte als König Karl III. von Spanien (eher von Katalonien) den massiven Einsatz von Kriegsschiffen, besonders in der erfolgreichen Verteidigung Barcelonas kennengelernt. Damals bestürmten seine katalanischen Parteigänger ihn, er solle mit ihnen die Flucht vor Philipp V. ergreifen. Doch der Österreicher legte darauf keinen wert.
Aber die Idee, dass auch macht- und wirtschaftliche Interessen seiner Allianzpartner dahinterstecken könnten, das schien der Habsburger nicht sonderlich akzeptiert haben. Kein Staat hat jemals ohne eigene Interessen bestimmte Ziele in der Außenpolitik abgesteckt. Die Briten eroberten für Habsburg-Österreich die strategische Meerenge von Gibraltar aber die Flagge Karls von Österreich hatten sie nicht aufgepflanzt …

Aber wenigstens wurde die Anschaffung einer Kriegsmarine überlegt
Ein aus Frankreich geflohener Agent mit Namen Francois de St. Hilaire wurde wegen Hochverrat beschuldigt. Sein Weg führte über Portugal nach Großbritannien, wo er in London Ausnahme fand. Dort kontaktierte er den kaiserlichen Gesandten Johann Wenzel Graf von Gallas. Mit ihm ging er in die niederländischen Generalstaaten. Gallas vermittelte ihn an Hofkanzler Philipp Graf von Sinzendorf. St. Hilaire kam nach Wien und wurde vom Kaiser dreimal in Audienz empfangen. Das war 1712. Der Franzose unterbreitete dem Kaiser ein Konzept zur Errichtung einer habsburgisch-österreichischen Marine im Mittelmeer. Das Projekt wurde nicht geheim besprochen sondern öffentlich, das wiederum bedeutete, das eine Realisierung sowieso nicht beabsichtigt wurde - Es lag am Geld.[4] Irgendwie Wiener Schlamperei.
St. Hilaire stellte dem Kaiser ein Vorhaben vor, das 20 Schiffe mit 1270 Kanonen umfasste. Dieses Geschwader war für das Königreich Neapel gedacht. Pro Schiff wurden 140.000 bis 150.000 Gulden veranschlagt. In den Werften der Niederlande und in Danzig sollten die Seefahrzeuge gebaut werden und wären innerhalb eines Jahres einsatzbereit. Allerdings die fehlende Schiffbauinfrastruktur in Neapel, Triest und Fiume hatte zur Folge, dass es noch zwei Jahre dauern würde, bis dort gleichermaßen ähnliche Schiffe gebaut werden konnten. Die Zukunft des Königreiches Neapel war noch ungeklärt - die dortige Führungsschicht war bereit den Aufbau einer Flotte mitzufinanzieren. Sie fürchteten die nordafrikanischen Piraten. Die sogenannten Barbareskenstaaten.
Unter Karl VI. wurden Triest, Fiume, Aquilea, Duino, Buccari/Bakar und Porto Ré/Kraljevica als Handels- oder Kriegshäfen geplant. Nun der Aufbau einer österreichischen Mittelmeerflotte war den Intrigen der Venezianer - sie sahen übrigens in St. Hilaire einen Gegner -, Genuesen und Frankreich ausgesetzt.[5] Die Wahrheit war doch letztere duldeten aus handelspolitischen Interessen keine weitere Konkurrenz. Der Litorale austriaco - die österreichischen Küstengegenden wurden von der Republik Venedig dominiert und zwar Istrien und Dalmatien. Dazu fehlte eine schützenswerte habsburgisch-österreichische Handelsmarine. Geld war wie schon erwähnt keines da. Der Spanische Erbfolgekrieg war noch im Gange und auch eine österreichische Kriegsflotte würde nicht mehr zeitgerecht kommen. St. Hilaire - er hatte für sich eigenen finanzielle Vorteile gesehen - verließ als "kaiserlicher" Hauptmann Wien im Dezember 1712 …[6] Der Kaiser und seine Minister hofften weiter.

Prinz Eugen war einer der bemerkenswertesten Feldherrn seiner Epoche. Er riet stets zu voller Kasse und einem kriegsbereiten stehenden Heer. Kaiser Joseph I. ging daran seine Kaisermacht zu restaurieren und auch den Weg zu einer funktionierenden Kriegsflotte zu reformieren. Er starb zu früh. Damals war Österreich von den Seemächten doch abhängig.
Die nächste Auseinandersetzung ereignete sich 1716 bis 1717 mit dem Osmanischen Reich. Prinz Eugen entschied den außenpolitischen Konflikt gegen die Hohe Pforte mit militärischen Mitteln zu lösen. Seine Strategie war gegen die Osmanen entlang der Donau zu kämpfen. Dazu brauchte der Prinz Kriegsschiffe. Und die wurden gebaut. (In den Praterauen wurde das benötigte Holz für den Bau der habsburgischen "Armada" geholt. Deswegen wirken manche heute noch erhaltene Forste in der Leopoldstadt bzw. in den Erholungsgebieten des Praters doch noch immer irgendwie "gelichtet". Aber das ist auch nur Einbildungssache.
Vor der Donauregulierung in den 1870er Jahren sahen die Aulandschaften doch anders aus.)
Die von Prinz Eugen eingesetzten Kriegssegler hatten entscheidenden Anteil bei der Eroberung von Belgrad.
Der Friede von Passarowitz wurde von Prinz Eugen ausgehandelt und vom Kaiser sowie vom Sultan unterschrieben. Mit dem Osmanischen Reich wurde ein Handels- und Schifffahrtsvertrag ausgehandelt. Dieser sah vor, dass die Donau abwärts als Handelsroute bis zum Schwarzen Meer (das war jedoch ausgenommen) frei befahrbar sei.[7]
Nun die im Krieg gegen die Osmanen eingesetzten Kriegsschiffen waren noch lange keine offizielle Kriegsmarine. Neun Jahre mussten vergehen bis endlich nach Einverständnis des Kaisers und der maroden Hofkammer (sowas ähnliches wie ein barockes Finanzamt) wenigstens einige Schiffe (Segler und Galeeren) vom Stapel liefen. Der Kaiser benannte seine Schiffe nach populären Heiligen. Schon 1716/17 hießen drei Schiffe Hl. Maria, St. Stephan und St. Theresia; endlich später kamen hinzu: St. Johannes Capistranus, St. Eugenius, St. Franziscus, St. Giacomo, St. Gennaro, St. Leopoldo, St. Barbara und St. Carlo. Das Wienerische Diarium beschrieb die Wasserfahrzeuge: "'vorhero dergleichen noch nie große Schiffe allhier gesehen'" Am 15. Juli 1716 taufte in Anwesenheit des päpstlichen Nuntius der Wiener Erzbischof Kollonitsch die Schiffe, die insgesamt 400 Kanonen aufgeboten hatten. Zuerst drei dieser Schiffe wurden vom Augsburg stammenden Kapitän Kaspar Schwendimann donauabwärts kommandiert. Mit drei weiteren Kriegsschiffen erwuchs die Flotte zu seiner Armada, die vom dänischen "Vizeadmiral" Peter Andersen nach Peterwardein kommandiert wurde. [8]
1736 starb Habsburg-Österreich gefährlichste Waffe Prinz Eugen von Savoyen-Carignan. 1737 machte sich die Hohe Pforte große Hoffnungen die fast zwanzig Jahre zuvor verlorenen Territorien wieder zurück zu erlangen. Die Intentionen des Kaisers lagen darin seine Monarchie bis zum Schwarzen Meer auszuweiten. Russland hatte ihn dazu überredet. Am 1. Juli 1737 wurden vier neue Kriegsschiffe unter den Namen Adler, Löwe, Meerroß und Wassermann – bestückt mit 35 bis 40 Kanonen - geweiht.[9] Doch der Einsatz am 4. Juli gereichte zu einem Desaster. Unter dem Kommando des Admirals Marchese Pallavicini und mit Besatzungen aus Hamburg, Genua und Liverpool blieben die erwähnten Schiffe gleich auf den Sandbänken der unteren Prater-Donau stecken.[10] Die Donau führte damals wohl Niederwasser und die Wasserverdrängung der Seefahrzeuge wurde nie kalkuliert. Zumeist waren diese Schiffe oft Nachbauten diverser Meeressegler. Ein Jahr später wurde bei Belgrad das Kampfschiff St. Carlo von den Donaufluten überspült - Hochwasser nach einem Gewitter? - und ward nicht mehr verwendbar.
Vermutlich wurde der Kaiser nicht ordentlich informiert; dazu die Tatsache eines undisziplinierten und devastierten Heeres, obendrein die horrenden Militärkosten und unfähige Generale. Dazu die Streitereien zwischen katholische und evangelische Offiziere. Dieser Feldzug gegen das Osmanische Reich wurde für dem Kaiser eine unerträgliche Niederlage. Der Traum die barocke Großmacht Österreich bis zum Schwarzen Meer auszudehnen war realpolitisch gesehen nicht mehr verwirklichbar. Für den Kaiser war das eine Schmach, von der er sich nicht mehr erholte.

Bildteil

Ganzbildnis Kaiser Karl VI. als Erzherzog von Österreich bzw. König von Spanien, 1703/04 im Auftrag von Queen Anne gemalt
Ganzporträt des jungen Erzherzog Karl von Österreich, öl auf Leinwand, Godfrey Kneller, um 1703/04; Royal Collection, Buckingham Palace. Hier ist der nachmalige Kaiser Karl VI. abgebildet, als Erzherzog von Österreich-Habsburg mit der Krone von Spanien. Damals zählte er über 18 Jahre. Links unten - auf dem Foto doch nur schwer auszumachen - britische Schiffe, die Salutschüsse abgeben - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Marmorstatue Kaiser Karls VI.
Kaiser Karl VI. als Statue, und zwar als antiker Imperator. Marmorfigur im Mittelpunkt des Prunksaales der Österreichischen Nationalbibliothek - Foto: Ernst Zentner - Im Deckenfresko des Prunksaals der Österreichischen Nationalbibliothek, gemalt von Daniel Gran, ist ein typisches Segelschiff aus der Zeit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts dargestellt. Eigentlich ein Hinweis, dass Kaiser Karl VI. - als mächtige Marmorfigur vorhanden - die Seefahrt unterstützt hatte.
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Der Hafen von Rotterdam. Segelschiffe ankern. Links könnte eine spanische Galeone sein. So ein Schiffstyp hatte drei Masten und galt in dieser Epoche als einer der schnellsten Seefahrzeuge überhaupt - jedenfalls bei günstigem Wind … (Und beim Windstille wurden Galeeren eingesetzt!) So sah mancher Hafen in den europäischen Küstenstädten aus. Das Gemälde wurde von Simon de Vlieger 1642 geschaffen; Eremitage, St. Petersburg - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
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Plan der Stadt und des Hafens von Triest im Jahre 1718 (gezeichnet um 1857 von Joh. Righetti) - Foto: Löwenthal: Geschichte der Stadt Triest, Vol. I, 1857, Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Statue Kaiser Karls VI. in Triest mit Blick auf das Meer - (Aufgehelltes) Foto von Pvt Pauline, Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Statue Kaiser Karls VI. in Triest mit Blick auf das Meer - (Aufgehelltes) Foto von Pvt Pauline, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Nachwort
Wenn wir von einer Marine Österreichs hören oder lesen, dann fällt uns am ehestens die Seeschlacht von Lissa ein (1866), in der ein Admiral Wilhelm von Tegetthoff mit Tapferkeit und Wagemut die italienischen Kriegsschiffe versenkte. Der gleiche Tegetthoff hatte noch zwei Jahre zuvor - gemeinsam mit Preußen - ein Seegefecht gegen Dänemark vor Helgoland mehr oder weniger sieglos bestritten. Es ging nur um die Sicherheit der deutschen Handelsrouten. Aber da war es auch schon. Am Wiener Praterstern steht seit langer Zeit ein weithin sichtbares Tegetthoff-Denkmal. Natürlich gab die Kriegsmarine auch im Ersten Weltkrieg einige kräftige Lebenszeichen von sich.
Wenn von einer österreichischen Marine gesprochen wird, dann meinten die Experten eher die Gesamtheit der Seestreitkräfte Österreichs. Und parallel bestand die österreichische Handelsmarine.
Ursprünglich entstammte die Marine der seit dem 16. Jahrhundert vorhandenen Donauflottille und der seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bestehenden Mittelmeerflotte. Bis 1867 (Ausgleich) hieß sie "österreichische Kriegsmarine" oder "k. k. Kriegsmarine" und danach bis zum Zerfall der Donaumonarchie "k. u. k. Kriegsmarine". Bis 1914 galt sie die sechstgrößte Marine der Welt.


Was für eine Ironie: Eine Reflexion gab es auf die einstige "Größe" der Kriegsmarine Kaiser Karls VI. und das war ein Schlachtkreuzer im Ersten Weltkrieg, die "SMS Kaiser Karl VI." Sie wurde 1898 vom Stapel gelassen, seit 1900 im Dienst der Monarchie, "fuhr" in der Ägäis, diente in Einsätzen im Ersten Weltkrieg (Mittelmeer), dann wurde sie im Frühling 1918 Wohnsitz und endlich von den Briten abgeschleppt, an ein italienisches Stahlwerk verkauft und abgewrackt. So mächtig kann Geschichte sein …
Das soll die SMS Karl VI. gewesen sein, zeitgenössische Photographie von 1906 - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Das soll die SMS Karl VI. gewesen sein, zeitgenössische Photographie von 1906 - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
SMS Kaiser Karl VI. Skizze, Brassey s Naval Annual 1915 - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
SMS Kaiser Karl VI. Skizze, Brassey s Naval Annual 1915 - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Anmerkungen
[1] Die Geschichte der Niederländischen Marine, Wikipedia
[2] Geschichte der Französischen Marine, Wikipedia
[3] Royal Navy, Wikipedia
[4] Haidinger 2013, 23-24
[5] Haidinger 2013, 25
[6] Haidinger 2013, 26
[7] Hutterer, 147
[8] Alt und Neu Wien. Geschichte der österreichischen Kaiserstadt, Von Karl Eduard Schimmer. Zweite, vollkommen neu bearbeitete Auflage. Zweiter Band. Wien und Leipzig 1904, Seite 120
[9] Schimmer, 120
[10] Schimmer, 120

Benützte Quellen

  • Johann Christoph Allmayer-Beck – Erich Lessing (Hrsg.), Die kaiserlichen Kriegsvölker von Maximilian I. bis Prinz Eugen. Habsburgs Armeen 1479 – 1718. München 1978
  • Johann Christoph Allmayer-Beck – Erich Lessing (Hrsg.), Das Heer unter dem Doppeladler. Habsburgs Armeen 1718 – 1848. München 1981
  • Johann Christoph Allmayer-Beck, Die Geschichte von Österreichs Seemacht als historiographisches Problem. In: Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien (Militärwissenschaftliches Institut). Hrsg. v. d. Direktion. Bd. 8. Österreich zur See. Wien 1980, 7–20
  • Renate Basch-Ritter, Österreich auf allen Meeren. Geschichte der k. (u.) K. Kriegsmarine von 1382 bis 1918. Graz – Wien – Köln 1987
  • Robert Haidinger, Kaiser Karl VI. und die Marine. Wien phil. Dissertation 2013
  • Herbert Hutterer, Handelskompanien. In: Stefan Seitschek, Herbert Hutterer, Gerald Theimer (Hg.), 300 Jahre Karl VI. (1711-1740). Spuren der Herrschaft des "letzten" Habsburgers. Begleitband zur Ausstellung des Österreichischen Staatsarchivs (Wien 2011)
  • Franz Pesendorfer, Österreich – Großmacht im Mittelmeer. Das Königreich Neapel-Sizilien unter Kaiser Karl VI. (1707/20 – 1734/35). Wien – Köln – Weimar 1998
  • Josef Rechberger von Rechkron, Geschichte der K.K. Kriegs-Marine. I. Theil. Österreichs Seewesen in dem Zeitraume von 1500–1797 (Wien 1882)
  • Elmar Samsinger / M. Christian Ortner (Hg.), Unsere Kriegsflotte 1556-1908/1918. Berndorf 2019 (Erweiterter Neudruck des Marine-Prachtalbums 1908 von k.u.k. Fregattenkapitän Alfred Koudelka und Alexander Kirchner). Zugleich Publikation des HGM
  • Kurt Schaefer und Erich Gabriel, Kaiserliche Holz-Kriegsschiffe auf der Donau. AK des Heeresgeschichtlichen Museums Wien. Wien 1978
  • Anthony Eugene Sokol, The Imperial and Royal Austro-Hungarian Navy. (Annapolis 1968)
  • Helmut Winkler, Österreichs Levantehandelspolitik im Zeitalter des Merkantilismus. Ungedr. (phil.) Diplomarbeit Universität Innsbruck 1989 (Ära Kaiser Karls VI. pag. 34–47)
  • Wikipedia

Weiterführendes

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