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Michael, hl.#

Hl. Michael, Fresko in der Michelerkirche Wien 1. Foto: Doris Wolf

Der Erzengel Michael gilt seit  frühchristlicher Zeit als Fürsprecher der Menschen bei Gott und Beschützer der Kirche. Er steht den Sterbenden bei, wägt die Seelen und geleitet sie ins Paradies. Nach weit verbreiteter Vorstellung vertrieb er Adam und Eva nach dem Sündenfall mit dem Flammenschwert aus dem Paradies. Aus der Verehrung Michaels als Heerführer der Engel erwuchs die Wertschätzung des christlichen Ritterideals. Eine Michaels-Fahne soll sich hilfreich bei der Schlacht auf dem Lechfeld (955) ausgewirkt haben. Man glaubte an den Schutz des Erzengels gegen die Ungarn ebenso wie in den Kreuzzügen.

Das Gedächtnis am 29. September (urspünglich Gedächtnis der Kirchweihe von San Michele in Rom) ist seit 1969 das gemeinsame Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Rafael. Besonders in Deutschland wurde Michael zum Schutzpatron (der „deutsche Michel“) und später weit verbreiteter Taufname. Nachdem Karl der Große (747-814) kurz vor seinem Tod auf der Synode von Mainz (813) das Michaelsfest zum Reichsfest erhoben hatte, waren im Frankenreich Engelnamen als Taufnamen nicht mehr tabu. Ein halbes Jahrhundert davor (745) waren sie Thema  einer römischen Synode, da ein Wanderprediger behauptet hatte, die Namen der Engel zu kennen. Nur Michael, Gabriel und Rafael wurden anerkannt, die anderen als Dämonennamen von der Anrufung ausgeschlossen. 

Darstellungen zeigen Michael seit dem 6. Jahrhundert allein oder mit Gabriel in langem, weißem Gewand, als Thronassistent Christi. In der karolingisch-ottonischen Zeit wird er mit Schwert und Lanze zum Bekämpfer des höllischen Drachens. Seit der Gegenreformation ist sein Bild mit dem des Engelssturzes verknüpft.

Der hl. Michael ist der Patron der Apotheker, Armen Seelen, Bankangestellten, Deutschen, Drechsler, Friedhöfe, Gewichtemacher, Glaser, Kaufleute, katholischen Kirche, Maler, Metallgießer, Radiofachleute, Ritter(-orden), Schneider, Soldaten, Sterbenden, Vergolder; gegen Gewitter.

Bräuche: Mit Michaeli beginnen die Goldenen Samstage bzw. Sonntage, die in vielen Orten für Wallfahrten genutzt werden und Termine für den Almabtrieb sind. Die Armen erhielten Michaelsminne und Michaelsbrote. Der Tag war Zinstermin und Lostag für das Wetter: Ein schöner Michaelitag verheißt einen guten Herbst. 


Quellen: 
Alle heiligen Zeiten. Lieder und Texte im Jahreskreis. Atzenbrugg 2010. S. 184f.
Hiltgart L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Stuttgart 1970. S. 379f.
Otto Wimmer, Hartmann Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen (Bearb. Josef Gelmi). Innsbruck 1988. S. 586f.
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 150
Heiligenlexikon

Bild:
Hl. Michael als Seelenwäger, Fresko in der Michelerkirche Wien 1. Foto: Doris Wolf


Siehe auch:
Michaeli in: Verschwundene BräucheDas Buch der untergegangenen RitualeHelga Maria WolfBrandstätter VerlagWien2015jetzt im Buch blättern