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Papiertheater#

Papiertheater
Die große Zeit der Papiertheater waren Biedermeier und Historismus. Das bürgerliche Spielzeug sollte Kindern Unterhaltung und Belehrung bieten. Vor der Aufführung wurden die Figuren ausgeschnitten, auf Karton oder Sperrholz kaschiert und zusammengestellt. Zu den Stücken erschienen Bauanleitungen, Texthefte, Regieanweisungen und Tipps zur Herstellung von Geräuschen, wie Regen, Donner, Sturm, Beleuchtungseffekten und "Geistererscheinungen".

Vorläufer lassen sich bis ins 17. Jahrhundert verfolgen. In Augsburg waren die Verleger Will und Martin Engelbrecht (1684-1756) bekannt. Seit 1878 war der Verlag J. F. Schreiber aus Esslingen bei Stuttgart führend, der rasch den österreichischen Markt eroberte. "Schreibers Kindertheater" war das Kindertheater schlechthin, da es sich auf Märchen und populäre Stoffe, wie Weihnachtsspiele, konzentrierte. Bis 1920 produzierte man dreidimensionale Dekorationen im großen und kleinen Format. 

In Wien stellte "Trentsenskys Artistische Anstalt" ab 1820 Theater-Mandlbogen her. Die Steindruckerei beauftragte prominente Künstler, wie Moritz von Schwind (1804-1871), mit den Entwürfen. Der spätere Ausstattungsleiter des K.K. Hofoperntheaters, Theodor Jachimovitz, konzipierte das "große" Kindertheater, das letztlich aus 120 Bogen für Bühne und Versatzstücke und 96 für die Figurinen bestand. Zusätzlich gab es das kleinere und billigere "Mignon-Theater". Der Verlag spezialisierte sich auf Opern, "Conversations-, Ritter- und Feenstücke". Die Guckkasten enthielten unbewegliche, gestaffelte Ausschneidebogen, wobei ein 45 ° geneigter Spiegel die Illusion räumlicher Tiefe vermittelte. 

Seit 2003 erweckt "Ulrich Chmel's Papiertheater" diese Form zu neuem Leben. Der Künstler spielt mit historischen oder selbst angefertigten Figuren und Kulissen, veranstaltet Workshops, Gastspiele und Führungen.


Quellen:
Werner Galler: Papiertheater. Ausstellungskatalog Wien 1974
Schreibers Papiertheater, in: SammlerJournal Schwäbisch Hall. 1984, S. 404 f.
Ulrich Chmel

Bild:
Papiertheater im ehem. Niederösterreichischen Museum für Volkskultur, Groß-Schweinbart. Foto: H. M. Wolf


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