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Puppentheater#

Bild 'Puppenbühne'

Auf einer Miniaturbühne agieren bewegliche oder starre, zwei- oder dreidimensionale Figuren. Handpuppen sind die einfachsten der plastischen Typen. Stabpuppen werden unter der Bühne von einem oder mehreren Spielern mit Stöcken bewegt, Marionetten über Drähte von oben gesteuert. Aus dem 15. Jahrhundert sind deutschsprachige Puppenspiele bekannt. Seit dem 16. Jahrhundert finden sich bekannte Figuren der Commedia dell' Arte auf der Puppenbühne. Doch auch klassische Stücke wurden mit Marionetten gespielt.

Es entwickelten sich nationale Charakterpuppen, wie Pulcinella (Italien), Punch and Judy (England), Guignol (Frankreich), Karagöz (Türkei), Petruschka (Russland), Hans Wurst und Kasperl. Im 16. Jahrhundert entstanden in England die ersten festen Puppenbühnen. Sie waren es, die später das Puppenspiel für satirische Stoffe einsetzten.

In der Barockzeit schuf sich das Puppentheater einen "weihnachtlichen Ableger" (Leopold Schmidt). Wiener Marionettenbühnen, wie die "Frau Godel" im 7. Bezirk, gaben Krippenspiele. Josef Richter spottete 1802 über die Besucher: "Zur Mode ist es euch geworden, dass man hinaus in ganzen Horden alljährlich zur Frau Godel geht … doch wer geht um der Krippe willen ? … So mancher treibt hier Spöttereien, so mancher sucht sich zu zerstreuen."

Für populäre Stoffe war bis ins 20. Jahrhundert die Marionettenbühne Walcher in Wien 14 bekannt. Ihren Fundus übernahm der Instrumentenbauer und akad. Restaurator Mag. Peter Kukelka (1934-2018), der mit seiner Frau, der Malerin Helene Kukelka, in Karnabrunn (Niederösterreich) die Puppenbühne Ultima Ratio betrieb. Sie pflegten den Spielstil des volkstümlichen Alt-Wiener Marionettentheaters mit eigenen Stücken, wobei die traditionellen Charaktere (Kasperl, Pimperl usw.) beibehalten wurden und Peter Kukelka alle Rollen sprach.

Um die Jahrhundertwende zählte das Puppenspiel prominente künstlerische Mitarbeiter, wie Gustav Klimt (1862-1918). In der Zwischenkriegszeit war der "Figurenspiegel" von Richard Teschner (1879-1948) in Wien-Gersthof berühmt. Seine Marionettenbühne befindet sich im Österreichischen Theatermuseum

1913 eröffnete der akademische Bildhauer Prof. Anton Aicher das Salzburger Marionettentheater. Er erhob den Anspruch eines „Künstler-Marionetten-Theaters“, was in den Physiognomien der einzelnen Figuren und in den kunstvollen Kleidern zum Ausdruck kommt. Der Gründer erfand auch ein Spielkreuz, das bis heute in Verwendung ist. Die "Urfigur" des Salzburger Marionettentheaters ist der Salzburger Kasperl, der dem Lungauer Sauschneider, einer lustigen Figur aus bäuerlicher Umgebung nachempfunden ist und um 1700 von einem fahrenden Puppenspieler auf die Bühne gebracht wurde. Nach Aicher übernahmen seine Kinder das Marionettentheater, das weltweit einzige, das sich der Aufführung von Opern widmet. 2016 wurde seine Spielpraxis in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO in Österreich aufgenommen. 105 Jahre war das renommierte Theater ohne Subventionen ausgekommen, doch 2018 musste es alle 14 Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung anmelden. Für 2019 übernahmen Stadt, Land und der Förderverein „Internationale Salzburg Association“ mit 300.000 Euro die Ausfallhaftung Danach soll ein neuer Trägerverein, in den die Geschäftsanteile an der Marionettentheater GmbH eingebracht werden, den Fortbestand sichern.

Im Schönbrunner Marionettentheater spielte man 1777 „Alceste“ eine Parodie auf die gleichnamige Oper von Christoph Willibald Gluck. Anlässlich hohen Besuches gastierten die Marionettenspieler des Fürsten Esterházy und „es wurden deswegen zu Schönbrunn ein Theater erbaut und die Marionetten und Decorationen nach Wien geführt“. Nach großzügiger Renovierung etablierte sich 1994 im Hofratstrakt das privat geführte "Marionettentheater Schloss Schönbrunn". Seine Gründer Christine Hierzer und Werner Hierzer hatten mehr als 30-jährige, internationale Erfahrung. Seit 1995 bildet das Theater Spielernachwuchs aus. Es gibt ganzjährig Vorstellungen in Schönbrunn und auf Tourneen. 

Das Urania-Puppentheater wurde 1949 von den Lehrern Hans Kraus (1923-1995) und seine Marianne Kraus (+ 1999) gegründet. Zunächst fanden die Aufführungen im privaten Kreis statt, dann in einem Gasthaus und im Gänsehäufel. Seit 1950 traten die Figuren Kasperl und Pezi mit ihren Freunden Strolchi, Hopsi und Dagobert und dem Gegenspieler Tintifax in der Wiener Urania auf. 1953 übertrug der Österreichische Rundfunk (RAVAG) die Aufführungen im Radio, 1957 als weltweit älteste Fernsehkindersendung auch im Fernsehen. Nach dem Tod von Marianne Kraus übernahm das Ensemblemitglied Manfred Müller die Leitung. Seine Ankündigung, mit seiner Pensionierung die Bühne zu schließen, erweckte großes Interesse. Für den Kauf meldeten sich 27 Bewerber. Im 70. Jahr des Bestehens, 2019, übernimmt André Heller den Betrieb.

In dritter Generation spielt der Germanist und Romanist Mag. Leo Grausam im Marionettentheater "Märchen an Fäden"Geschichten von der Antike bis heute, Märchen, Sagen und Klassiker der Weltliteratur. Gründer war sein Großvater Leopold F. Grausam (1946 - 2010), der nicht nur als Schau- und Puppenspieler, sondern vor allem als Bildhauer, Maler und Graphiker bekannt war. Als künstlerischer Leiter der Städtischen Steinmetzwerkstätte schuf er zahlreiche Denkmäler und Mahnmale.


Quellen:
Information zur Ausstellung "Kleine Theater ganz groß" im Haus Wien Energie, November 2006
Der Figurenspiegel Richard Teschner. Wien 1991
Marionettentheater Schönbrunn
Märchen an Fäden
UNESCO
Salzburg 2019

Bild: Gastspiel der Puppenbühne "Märchen an Fäden" im KulturQuartier, Wien 19, "Das Gespenst von Canterville". Foto: Doris Wolf, 2010