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Tourismus#

Bild 'Tourismus'

Der Tourismus ist in Österreich ein bedeutender Wirtschaftszweig. Voraussetzungen bilden naturnahe Seen- und Gebirgslandschaften (Alpen, Granit- und Gneishochland), Kulturdenkmale, attraktive Städte und ausgebaute Infrastruktur. Dazu kommen die zentrale Lage in Europa und die gute Erreichbarkeit. Positive Aspekte sind nicht nur wirtschaftlicher Art. Oft belebt der Tourismus wenig erschlossene Gebiete - besonders bei Landesausstellungen - und die Einnahmen ermöglichen großzügige Revitalisierungen, wie in Schlosshof (NÖ), das als Festschloss zum Vorzeigeobjekt geworden ist. Die Kehrseite, die Auswirkungen auf die "Bereisten" darf nicht übersehen werden. Schon den ersten "Sommerfrischlern" zuliebe räumten Bauern ihre Schlafzimmer und nächtigten selbst in unbequemen Räumen. Das Familienleben musste sich umstellen, wenn Zimmer vermietet wurden, Kinder hatten schon früh mitzuhelfen. Volkskundler beklagten die Veränderung von Bräuchen und folkloristische Darbietungen, wie etwa Tiroler Heimatabende.

Die Geschichte des organisierten Tourismus in Österreich begann im 19. Jahrhundert. Erste Angebote fanden sich in Kur- bzw. Badeorten an den ab den 1840er Jahren entstandenen Eisenbahnlinien. Bad Ischl wurde als Kurort und Sommerresidenz von Kaiser Franz Joseph I. und Bad Gastein als Kurort, den vor allem das Großbürgertum besuchte, bekannt. Wohlhabende Städter begaben sich mit ihrem gesamten Haushalt inklusive Dienstboten auf Sommerfrische in vorerst in stadtnahe Gegenden, nach dem Ausbau des Eisenbahnnetzes auch in entferntere ländliche Ziele.

Zu den Aufgaben des 1896 eingerichteten k.k. Eisenbahnministeriums zählten "grundsätzliche Maßnahmen zur Hebung des Fremdenverkehrs". Die Erschließung der österreichischen Alpen begann Mitte des 19. Jahrhunderts. Dabei spielte der 1862 in Wien gegründete Österreichische Alpenverein durch die Anlage von Wanderwegen und Schutzhütten eine Rolle, ebenso der 1895 entstandene Touristenverein "Die Naturfreunde". 1907 richtete die Post, zuerst in Südtirol, Autobusverbindungen ein. An den Ufern der Alpenseen und in hochgelegenen Talschlüssen entstanden große Hotels. 1909 konnten die alpinen Regionen Altösterreichs 2,5 Millionen Gäste verbuchen, davon mehr als 880.000 in Nord- und Südtirol. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg setzte der mit Skisport verbundene Tourismus ein. Die ersten Skikurse wurden 1905 in Stuben am Arlberg abgehalten. 1908 nahm der erste Skilift Österreichs am Bödele ob Dornbirn (Vbg.) den Betrieb auf.

1917 wurde in Wien das staatliche Österreichische Verkehrsbüro als Auskunftsstelle für Reiseinformationen und zum Vertrieb von Eisenbahnfahrkarten gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg förderte das Wirtschaftministerium die Tourismuswerbung durch die "Stelle für den Wiederaufbau der Österreichischen Fremdenverkehrswirtschaft". Daraus entstand 1955 der Verein Österreichische Fremdenverkehrswerbung (ÖFVW) mit den Mitgliedern: Bund (vertreten durch das Ministerium), neun Bundesländer (vertreten durch das Amt der jeweiligen Landesregierung) und Bundeswirtschaftskammer (vertreten durch die Sektion Fremdenverkehr). Seit Ende der 90er Jahre wird die Österreich Werbung (ÖW) als nationale Tourismusmarketingorganisation vom Bund und der Wirtschaftskammer getragen. Das Budget der Österreich Werbung setzt sich aus 32 Millionen € Mitgliedsbeiträgen des Bundes (75%: 24 Mio. €) und der Wirtschaftskammer Österreich (WKO, 25%: 8 Mio. €) sowie aus Leistungsbeiträgen der österreichischen Tourismuswirtschaft zusammen. Das Gesamtbudget 2017 beträgt ca. 50 Millionen €. Rund 200 MitarbeiterInnen sind weltweit in 20 Vertretungen tätig. Seit 2006 ist die Politikwissenschaftlerin Dr. Petra Stolba Geschäftsführerin.

Zu den großen Attraktionen Wiens zählt Schloss Schönbrunn. 2017 verzeichnete es wieder einen Besucheranstieg. Mit 2,74 Millionen Gästen kamen sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Nachdem die Restaurierung der Chinesischen Kabinette und der Schlosskapelle abgeschlossen sind, sollen nun sollen Sicherheitsschleusen eingebaut, der Park saniert und die Umgebung umgestaltet werden. Die Schloss Schönbrunn Gesellschaft (SKB) zog für 2017 eine Rekordbilanz. Der Umsatz lag bei rund 61 Mio. Euro - ein Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es handelt sich um das beste Ergebnis seit Gründung der SKB 1992. Rund zwei Drittel des Gesamtumsatzes stammen aus Eintrittsgeldern und je rund ein Sechstel aus Shopeinnahmen sowie aus Vermietungen und Verpachtungen. Die SKB verwaltet mit Schloß Schönbrunn, dem Hofmobiliendepot ● Möbel Museum Wien, den Kaiserappartements in der Wiener Hofburg mit Sisi Museum und Silberkammer sowie Schloss Hof und Schloss Niederweiden die wichtigsten Attraktionen des imperialen Erbes Österreichs.


Bild:
Führung im Barockschloss Hof, NÖ. Foto: Doris Wolf

Quelle:
Schönbrunn 2017