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Tresterer#

In den Salzburger Gemeinden Stuhlfelden, Unken, Zell am See und neuerdings Bruck an der Glocknerstraße laufen am Dreikönigstag die Tresterer (trestern = stampfen) von Haus zu Haus. Voran der Hanswurst, dann die schiachen und schließlich die schönen Perchten. Sie führen in der Stube einen rhythmischen Stampf- und Sprungtanz auf. Das Schuhplatteln steht wohl im Zusammenhang mit der Wiedereinführung des Brauches im Jahr 1911. Ein Jahrhundert später (2013) wurde der Pinzgauer Tresterertanz in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Die Tresterer tragen Jacken und Kniehosen aus rotem Stoff mit floralem Dekor, einen breiten Ledergürtel mit Federkielstickerei (Ranzen) und Schuhe, die aus schwarzem Leder und dem Stoff der Kostüme angefertigt sind. Die weißen Stutzen zieren bunte Bänder. Auf einem verzierten Hut ragen lange, weiße Hahnenfedern und hängen färbige Seidenbänder.

Schon im frühen 19. Jahrhundert zeigte sich der Einfluss des Tourismus - die Akteure standen in Kontakt mit Bayern, dessen Trachten- und Heimat-Vereine damals besonders aktiv waren. Ein Jahrhundert später zeigten pflegerische Tendenzen Auswirkungen auf das Brauchgeschehen. Man bemühte sich nun, alles möglichst "echt" vorzuführen. Abzulehnen ist jedenfalls die Deutung als "ur- und naturkultischer Segensbrauch". Die Salzburger Ethnologin Ulrike Kammerhofer-Aggermann verweist auf Ähnlichkeiten der Tresterer mit venetianischen Karnevalstänzern, spanischen und baskischen Mauriskentänzern.

2017 widmete sich die Ausstellung "Matthias tanzt" im Österreichischen Museum für Volkskunde dem Tresterer-Brauch. In diesem Rahmen gab der 1. Salzburger Gebirgstrachten-Vereins Alpinia am 14.1.2017 eine Vorführung.

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Quellen: 
CD-ROM "Im Winter und zur Weihnachtszeit". (Hg. Lucia Luidold, Ulrike Kammerhofer-Aggermann) Salzburger Beiträge zur Volkskunde 13. Salzburg 2002
UNESCO
Buchbesprechung "Matthias tanzt"

Bilder:
Tresterer im Volkskunde-Museum, 2017. Fotos: Helga Maria Wolf