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Ankeruhr, Wien 1

Die ältesten Zeitmesser funktionierten mit Hilfe der Sonne oder des Wassers. Die Ägypter verwendeten seit dem 16. vorchristlichen Jahrhundert Wasseruhren. Griechen und Römer übernahmen das Prinzip der Sonnen- und Wasseruhren. In Europa waren Sand- und Kerzenuhren (ab 900 n. Chr.) bekannt. Die erste urkundliche Erwähnung einer Räderuhr erfolgte 1335 in Mailand. 1370 wurde in Paris die erste öffentlich sichtbare Schlaguhr angebracht. Im 14. Jahrhundert entstanden in den Städten Europas in schneller Folge viele öffentliche Räderuhren. Sie zählten zu den Merkmalen einer Stadt: "Portae, pulsus, pueri" (Tore, Schlaguhren, Schüler). 1504 konstruierte der Schlossermeister Peter Henlein (1479-1542) eine Taschenuhr mit Federantrieb, das so genannte "Nürnberger Ei". Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in verschiedenen Zentren die Massenproduktion von Uhren. Kuckucksuhren kamen aus dem Schwarzwald (Deutschland). Das nördliche Waldviertel rund um Karlstein an der Thaya (NÖ) war das "Horologenland", wo man die Uhrenherstellung als Nebenerwerb betrieb. 1830 produzierten 280 Menschen rund 130.000 Uhren, Wanderhändler vertrieben sie in der ganzen Monarchie. 1873 wurde die „k. u. k. Fachschule für Uhrenindustrie“ gegründet. Heute zählt die "Höhere technische Bundeslehranstalt für Elektronik und Bundesberufsschule für Uhrmacher Karlstein" zu den ältesten Ausbildungsstätten Österreichs im technischen Schulwesen.

Armbanduhren wurden um 1900 zuerst für Damen produziert, Herren blieben noch länger bei der traditionellen Taschenuhr. Automatische Uhren gibt es seit 1923, Quarzuhren seit 1927. Um der Konkurrenz der traditionsreichen Schweizer Uhrenindustrie durch asiatische Billigprodukte zu begegnen, wurde 1983 "Swatch" angekündigt. Die bunten Zweituhren (second watch) entwickelten sich in kürzester Zeit zum Sammel- und Kultobjekt, und der Industriezweig war gerettet. Die erste Million war in einem Jahr produziert, Als die Idee 2018 den 35. Geburtstag feierte, war von "Abermillionen" in 6000 Modellen die Rede. 

Wegen ihrer Kostbarkeit war die "goldene Uhr" früher "das" Geschenk bei der Firmung. Auch zu Jubiläen und bei Verdiensten wurde sie überreicht. Weit verbreitet war der Brauch, Stubenuhren anzuhalten, wenn jemand starb. Andererseits galt unvermitteltes Stehenbleiben der Uhr als böses Omen

Eine Wiener Sehenswürdigkeit ist die "Ankeruhr" aus den Jahren 1912-14. Im historischen Gebäude Schulhof 2 besteht seit 1921 das Uhrenmuseum als Außenstelle des Wienmuseums. Schauräume in drei Stockwerken belegen die Entwicklung der Zeitmesser seit dem 15. Jahrhundert. Darunter sind attraktive und seltene Objekte wie Bilderuhren mit versteckten Zifferblättern, eine astronomische Kunstuhr aus dem 18. Jahrhundert, Kommodenstanduhren mit reichem figuralem Schmuck aus Biedermeier und Gründerzeit.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S.842 f.
Wikipedia:Uhr (Stand 30.1.2019)
Wienmuseum
"Kurier", 14.3.2018

Bild:
Kunstuhr auf dem Hohen Markt in Wien 1 von Franz Matsch. Foto: Alfred Wolf, 2007


Siehe auch:

Das Buch über die Uhren in Wien Die synchronisierte StadtÖffentliche Uhren und Zeitwahrnehmung, Wien 1850 bis heutePeter PayerVerlag HolzhausenWien2015jetzt im Buch blättern