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Verzehrungssteuer#

Verzehrungssteueramt Wien 9

Wien erhielt 1704 eine innere Grenze, den Linienwall, im Verlauf der heutigen Gürtelstraße. Nach den Überlegungen von Prinz Eugen (1663-1736) sollte der Wall die Stadt vor Kuruzzen-Einfällen schützen. Neben der Schutzfunktion diente er später als Zollgrenze. Die früheren Mautstellen übersiedelten 1705 und 1811 an die Linientore. Hier wurde ab 1829 die allgemeine Verzehrungssteuer eingehoben. 

Sie betraf in den Städten zahlreiche Konsumartikel, auf dem flachen Land nur Getränke und Schlachtvieh. In Wien galt sie für 220 Artikel und war höher als in anderen Städten. Zahlreich waren die Versuche der Steuerhinterziehung und die Beschwerden gegen die Unfreundlichkeit und Willkür der Beamten. Oft kamen Bauern wegen der schikanösen Behandlung zu spät auf den Markt. Die schlecht besoldeten, als „Spinatwachter“ verspotteten Zöllner waren an den Einnahmen beteiligt. Nach der Revolution 1848 hob man die Verzehrungssteuer auf Grünware, Milch und Milchprodukte auf.

Die Eingemeindung der Vororte (1890), wo die Lebenshaltungskosten niedriger waren, und der Bau der Gürtelstraße bedeuteten keineswegs das Ende der verhassten Abgabe. Die Verzehrungssteuergrenze rückte nur weiter hinaus und am Stadtrand entstanden neue Linienämter. Allerdings waren nun nur noch 34 Artikel zu versteuern, darunter Wein, Most, Trauben, Fleisch, Wild, Schweine und Geflügel. Die „Accise“ bestand fast ein Jahrhundert lang und wurde 1923 durch die Warenumsatzsteuer ersetzt.


Quellen:
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd 4 / S.69 f.
Werner Nachbagauer: Bauern auf Wiener Märkten. Dissertation Wien 1983. S. 25 f.

Bild: Das Verzehrungssteueramt an der Währinger Linie, 1897