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Der erste Tourist am Hochschwab#

Erzherzog Johann, der „steirische Prinz“, führte 1803 die erste touristische Überquerung des Hochschwabgebirges durch - und berichtete darüber.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Erzherzog Johann am Hochschwab
Erzherzog Johann am Hochschwab
Foto: UMJ

Als im Juli des Jahres 1803 dem 21-jährigen Erzherzog Johann von Österreich gnädig zwei Wochen Abwesenheit von Wien und von den prinzlichen Verpflichtungen gewährt wurden, nutzte er die Zeit, in den steirischen Bergen des Hochschwabmassivs „einen neuen Vorrat Gesundheit zu sammeln“, berichtet Bergfex und Buchautor Hans Hödl, der durch zwei Jahrzehnte mit seiner Kolumne „Auf Schusters Rappen“ der Wander- und Bergexperte der Kleinen Zeitung war. In seinem neuen Buch „Der Hochschwab. Die abenteuerlichen Berichte der Erstbesteiger“ druckt Hödl einen Brief des schreibfreudigen Erzherzogs an den Salzburger Gelehrten Carl Freiherr von Moll ab, in dem der Prinz persönlich die erste touristische Überquerung des Hochschwabgebirges vom 11. bis 15. Juli 1803 schildert.

Johann wanderte damals mit seinen Begleitern vom Brandhof über die Aflenzer Staritzen auf den Hochwabgipfel, weiter zur Sonnschienalm und vorbei am Leopoldsteinersee nach Eisenerz. Der Prinz war ein ausdauernder Bergwanderer, der auch große Strecken in kurzer Zeit zurücklegen konnte und viele Berggipfel bestieg. Norbert Hausegger hat den Text für das Buch lesbar eingerichtet:

„Nachmittags wurde bis zu dem Brandhofe auf der halben Höhe des Seeberges gefahren. Hier verließen wir die Straße und gingen über den Fußsteig durch den Wald der Aflenzer Starize zu; da, wo die Waldregion ein Ende nimmt und das Krummholz anfängt, liegt die erste Alpe ... Den 12ten gingen wir über die Höhe der Aflenzer Starize dem Hohen Weixel zu, einem schon beträchtlich hohen Berge, der zwischen dem Ringtale und der Schlucht der Roßhölle liegt. Auf der Höhe dieses Gebirgsrückens hatten wir die schönsten Aussichten... Alle diese Gebirge bilden fürchterliche, oft überhängige Wände von 1000 und mehr Schuhen, die an vielen Orten selbst die Gemsen nicht erklimmen. Von der Hohen Ringwand kann man durch zwei Schluchten hinabgelangen, die eine neben dem Hohen Weixel, die andere bei dem Höllenkamm, die der Wasserfall genannt wird: durch beide nicht ohne Steigeisen und einen sicheren Führer; alle Wände sind kahl, voll Spitzen und durch die Verwitterung schneidig und zackig, besonders der Höllenkamm. … Am 14ten ging es über eine starke Höhe hinauf und dann zu der Alpe Sonnschien, die nach Tragöß gehört. Sie liegt schon viel tiefer am Fuße des steilen und kahlen Ebensteins; niedere krüppelige Tannen wachsen nebst derselben mit Krummholz gemischt; auch fanden wir Juniperus nana (Wacholder), die ich auf dieser ganzen Gebirgskette an keinem Orte sah. Die Sonnschien ist nach der Schneealpe die schönste Alpe; sie enthält 22 Schwaighütten, die auf einem fruchtbaren, ebenen Boden zerstreut liegen. …“ In einer Hütte auf der Antroth-Alm wurde übernachtet. „Den 15ten setzten wir unseren Weg bei dem Brandstein und den Kolmerstöcken vorüber durch die Fobis hinunter bis in das waldige Seetal fort, wo wir nach fünf starken Stunden an dem Leopoldsteinersee ankamen. Er ist eine halbe Stunde lang, äußerst tief und nördlich von den Seemauern und der Arzeralpe umgeben; er soll bei starken Winden, so wie die meisten dieser Bergseen, sehr gefährlich zu beschiffen sein; südlich ist er mit niedrigen waldigen Hügeln von dem Eisenerzer Tale umgeben. Von dem See folgten wir der Hauptstraße nach Eisenerz...“

Viel später schrieb der Erzherzog, der 1818 den Brandhof, „eine Schwaige am Seeberg“ erworben und zum Mustergut ausgebaut hatte, rückblickend: „Zu Anfang unseres 19. Jahrhunderts waren unsere Gebirge vollkommen unbekannt; es gab keinen Touristen; ich war der erste, welcher von dem österreichischen Schneeberge aus die steiermärkischen Alpen sehend, mich dahin wandte...“

Brandhof
Der Brandhof, die "Schwaige am Seeberg"
Foto: Hans Hödl
Hochschwab-Südwand
Hochschwab-Südwand
Foto: Hans Hödl



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele