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Vor der letzten Raunacht des Winters#

Mit der Nacht vor Dreikönig enden die gefürchteten Raunächte. Was sie bedeuten und wie man sich vor ihnen geschützt hat.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Das Bedrohliche im Leben wird zur Zeit der Raunächte in Gestalten wie die Perchten gefasst
Das Bedrohliche im Leben wird zur Zeit der Raunächte in Gestalten wie die Perchten gefasst
Foto: © APA
Bis heute gehört das Räuchern zu den Ritualen, das Böse zu vertreiben
Bis heute gehört das Räuchern zu den Ritualen, das Böse zu vertreiben, unter PD

Heute Nacht vor dem Dreikönigstag erleben wir die letzte Raunacht dieses Winters. Sie zählt mit der Weihnacht und der Silvesternacht zu den drei bedeutendsten Raunächten, die in manchen Regionen auch als Rauch-Nächte bezeichnet werden. Seit Urzeiten stehen die zwölf Raunächte für Anfang und Ende, für Unsicherheit und Hoffnung - eben für die Zeit zwischen dem alten und dem neuen Jahr.

Vorchristlicher Aberglaube und uraltes Brauchtum ranken sich um die Mitte des Winters. Und da diese Nächte den Jahreswechsel markieren, wurde ihnen stets geheimnisvolle Bedeutung für die Zukunft zugewiesen, sogar Tiere schienen in dieser Zeit sprechen zu können. Was man in diesen Nächten träumte, sollte im kommenden Jahr in Erfüllung gehen. Mit Los- und Orakelbräuchen glaubten unsere Vorfahren in die Zukunft blicken zu können, das noch immer beliebte Bleigießen zu Silvester ist ein letzter Rest davon. Durch Räuchern (daher stammt auch der Name „Raunächte“) und Lärm wie Böllerschießen, Feuerwerke oder das Abfeuern von Raketen vertrieb man böse Dämonen. In christlicher Zeit wurden Haus und Hof dann mit Weihwasser gesprengt und geweihter Weihrauch wehrte alle schädlichen Einflüsse ab. Aber immer war höchste Vorsicht angebracht, schließlich fährt in diesen Nächten nach germanischem Glauben das wilde Heer Odins (Wotans) und der Frau Holle durch die Luft und reißt jeden mit, der ihm begegnet.

Keineswegs durfte in diesen Nächten Wäsche zum Trocknen auf der Leine hängen oder das Herdfeuer verlöschen. Dann drohten Strafen oder gar der Tod, fürchteten die abergläubischen Menschen. Das alles sollte vermitteln, dass immer das Alte ganz abgeschlossen, fertig gestellt oder vertrieben werden muss, bevor das Neue richtig begrüßt werden kann. Überdies wurde das Bedrohliche des Lebens zur Zeit der Raunächte in Gestalten gefasst, von den alpinen Perchten über die nordischen Trolle bis zu den griechischen Kalikanzari (Teufel). Großzügige Spenden an „Heischende“, also an Bettler wie die Sternsinger, Frisch- und Gsundschläger am Unschuldigen Kinder-Tag und später auch Müllabfuhr und Briefträger sollten hingegen das Glück bewahren. Sogar der Schweinsrüssel, der von vielen heute noch gerne zu Silvester gegessen wird, erinnert an die alten Kultmahle unserer Urahnen, die zur Zeit des Julfestes zur Wintersonnenwende den Jul-Eber verspeist haben. Dieser galt als das Heilige Tier Wotans und sein Verzehr bedeutete Fruchtbarkeit und Reichtum.

Das neue Jahr wurde einst in Graz traditionell durch den beschriebenen Lärm in der Silvesternacht und am Dreikönigstag mit einem Salveschießen der Schloßbergsoldaten begrüßt, und die Stadttürmer bliesen vom Uhrturm und den Türmen der Stadttore „eindrucksvolle Weisen“, schreibt Fritz Popelka in seiner „Geschichte der Stadt Graz“. Kaum waren die Gaben heischenden Neujahrssinger abgezogen, kamen am Dreikönigstag die Sternsinger und sangen sich von Haus zu Haus. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts zogen auch die Insassen des Bürgerspitals mit einem Karren durch Graz, auf dem der Paradeisbaum stand, eine Fichte, auf welche Äpfel gehängt waren und die am Abend mit Kerzen beleuchtet war - ein früher Vorläufer unseres Christbaums, der in der Steiermark aber erst im frühen 19. Jahrhundert heimisch wurde. Unter diesem Baum spielte man das Paradeisspiel, das den Sündenfall von Adam und Eva zeigte. Als auch Komödianten und Studenten dieses Spiel aufführen wollten, wurden sie aber schnell vom Magistrat abgewiesen, weil ihnen „straffällige Exorbitantien“ unterliefen. Doch die behördlichen Verbote zeigten bis ins späte 18. Jahrhundert keine Wirkung. Erst 1770 wurden die beliebten Paradeisspiele zu Neujahr, Dreikönig und Lichtmess endgültig abgestellt.

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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele