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Papierbranche wächst#

Nachfrage nach Rohstoff Holz kann nur durch teure Importe aus den Nachbarländern gedeckt werden.#


Von der Wiener Zeitung (Donnerstag, 20. April 2017) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Papierfabrik Laakirchen
Papierfabrik Laakirchen: In Österreich wurden im Vorjahr fünf Millionen Tonnen Papier produziert.
Foto: © lichtmeister.com/Laakirchen Papier

Wien. (ede) Ein Deckel aus schwarzer Hartpappe, ein Umschlag aus Faltschachtelkarton, dazwischen die einzelnen Kapitel in verschiedenen Papiersorten wie Kraft-, Natur-, Recycling- oder Etikettenpapier: Der liebevoll gestaltete Jahresbericht 2016/2017 der österreichischen Papierindustrie bietet nicht nur Daten und Fakten, sondern auch etwas zum Angreifen.

Zu den Fakten: Die Papierproduktion stieg im Vorjahr in den 24 österreichischen Betrieben um 0,6 Prozent auf fünf Millionen Tonnen - weit mehr als der Inlandsverbrauch von zwei Millionen Tonnen. Die Zellstoffproduktion wurde - nach umbaubedingten Stillständen in zwei Werken im Jahr 2015 - um 16,8 Prozent auf 2,1 Millionen Tonnen ausgeweitet. Der Umsatz legte um 2,5 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro zu. Der Holzeinsatz in der Papierindustrie stieg um 19 Prozent auf 8,7 Millionen Festmeter.

Immer mehr hof-ferne Waldbesitzer#

Die Branche wächst, doch es wird immer schwieriger, die Nachfrage nach dem Rohstoff Holz aus dem Inland zu decken, so der Tenor bei der Jahrespressekonferenz der Austropapier am Mittwoch. Speziell im Kleinwald werde Holz nicht genutzt, sagte der Industrielle Christian Skilich (Mondi Europe and International), Vizepräsident der Austropapier. Es gebe immer mehr "hof-ferne" Waldbesitzer - zum Beispiel Menschen aus der Stadt, die einen Wald geerbt haben -, die den Rohstoff Holz nicht als Einkommensquelle brauchen und den Wald quasi sich selbst überlassen. Die Importquote bei Holz stieg im vergangenen Jahr von 28,2 auf 30,6 Prozent. Wegen der Transportkosten ist jedoch etwa Holz aus Ungarn um 20 Prozent teurer als inländisches, Holz aus Schweden kostet sogar doppelt so viel.

Mengenmäßig ebenso wichtig wie Holz ist der Rohstoff Altpapier: Österreich verarbeitet 2,4 Millionen Tonnen Altpapier jährlich. Trotz einer im Europa-Vergleich überdurchschnittlich hohen Rücklaufquote von 78,6 Prozent wird mehr als die Hälfte des eingesetzten Altpapiers importiert. Eine Tonne Altpapier kostet derzeit schon über 120 Euro, ein Indiz für einen zunehmend angespannten Markt.

Ökostromgesetz: Forderung nach großer Novelle#

Die größte Herausforderung für die Branche bleibt das "an allen Ecken und Enden mangelhafte" Ökostromgesetz, das den Holzmarkt verzerre und von den Stromkonsumenten immer höhere Beiträge verlange. Die Regierung plane jetzt in einer kleinen Novelle auch noch Schließungsprämien für ineffiziente Biogasanlagen, beklagt Austropapier-Präsident und Sappi-Austria-Manager Max Oberhumer. Er fordert von der Politik, gleich eine große Novelle anzugehen. Die Papierindustrie erzeuge selbst 1700 Gigawattstunden Ökostrom im Jahr, und das ohne Förderungen.

Die Investitionen an den österreichischen Papierstandorten betrugen im Vorjahr 240 Millionen Euro, berichtete der Sappi-Chef. Große Projekte liefen in Lenzing, wo das Zellstoffwerk ausgebaut wird, in Frohnleiten, wo Mayr-Melnhof ein großes neues Kraftwerk aufstellt, und in Nettingsdorf, wo Smurfit Kappa die Papiermaschine (PM) 6 umfangreich verbessert. Im Sommer 2017 startet der Umbau der PM 10 in Laakirchen.

Wiener Zeitung, Donnerstag, 20. April 2017