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Erinnerungen an Univac#

Franz Starnberger, Sommer 2017

Im Herbst 1962 hat meine Computer-Karriere begonnen: bei UNIVAC (auch Remington Rand hieß es einmal), damals noch vertreten von Weigl-Büromaschinen. Später übernahm Sperry Univac selbst die Firma und wir wurden ein amerikanisches Unternehmen. Wir hießen 1962 - fortschrittlich - Lochkartenabteilung.

Es wurden eine Reihe von Technikern zur Installation und Betreuung der erfolgreichen Computerverkäufe aufgenommen.

Univac
Univac
Univac
Univac

Meines Wissens, war es der erste, echt kommerziell, eingesetzte Computer mit der Seriennummer 003 (der Welt) und stand seit Ende der 50er Jahre bei der Bundesländerversicherung in Wien: Der UCT - Univac Calculating Tabulator (oder auch USSC90 - Univac Solid State Computer 90 column punched cards), hatte einen zentralen Trommelspeicher mit 5.000 zehnstelligen Worten; konnte bereits Kernspeicher für die Register und die Recheneinheit vorweisen und er wurde von einer leistungsstarken „Clock“ getaktet. Der UCT wurde in Maschinensprache und Z-Assembler programmiert, arbeitete mit 90-stelligen Lochkarten zur Ein- und Ausgabe und hatte einen riesigen Schnelldrucker. Die zweite Maschine die ebenfalls bei der Bundesländer stand bekam auch Magnetbänder als wechselbare Massenspeicher.

Soweit ich mich erinnern kann, waren in Wien fünf und in Oberösterreich ein UCT Computer bei anderen Kunden installiert. Der hier angeführte Link berichtet von einer späteren Installation in den Niederlanden http://www.ussc90.nl/. Er beschreibt das System sehr gut.

1970 kam das 1100er Realtime System (36 Bit-Worte) mit drei FASTRANDs (physisch riesige Trommelspeicher mit 99 MB Speicherkapazität), neuesten Platten und Kommunikationseinrichtungen für Uniscopes - die ersten Bildschirmterminals, und für Remotecomputer. Zum Einsatz kamen natürlich schon höhere Programmiersprachen. Damit wurden Filialen und Büros in ganz Österreich versorgt und es entstand ein geografisch österreichweites Netzwerk.

Auch byteorientierte Peripherie konnte daran angeschlossen werden.

Univac
Univac 1108 Realtime Computersystem
Univac
Fastrand (Storage capacity: 22,020,096 36-bit words = 132,120,576 6-bit FIELDATA characters = 99 megabytes (8-bit bytes) per device)

In das Rechenzentrum der TU-Graz kam in diesen Jahren ebenfalls ein Mainframe dieser Größenklasse: eine Univac 490 Realtime System. Dieses arbeitete mit 30 Bit-Worten. Im ehemaligen Jugoslawien leitete ich in den 70er Jahren Installationen von 1100er Systemen im Wert von 10 Mio$. Damals war gerade ein Fenster offen für den Handel von Amerika mit Jugoslawien. Und wir, in Österreich, hatten die Verantwortung für diesen Markt. Später war organisatorisch wieder alles anders.

Von wegen Netzwerk und Switching: In den 70er Jahren installierten wir für Reuters ein Remote-Switching-System für die Verbindungen nach Osteuropa. Es war ein Remotecomputer zur Univac 418 einem als Messageswitchingsystem in Paris eingesetzten Computer. Irgendwie war es ein Vorläufer des Internets, natürlich auf privater Basis (ja, wir waren damals schon gut… ). Ab da begann die Datenkommunikation hochinteressant zu werden und wir waren damals die Experten dafür.

Zu dieser Zeit sprach man schon von der Elektronischen Datenverarbeitung - der EDV. Es gab natürlich im Laufe der Zeit noch viele andere Computersysteme von Univac, ich habe hier über den Schwerpunkt Large Scale Computer oder Mainframe Computer berichtet.

Anfang der Achtziger Jahren verließ ich die Firma und danach fusionierte Sperry Univac mit Burroughs und wurden Unisys.

Das große Geschäft mit den Computern hatte längst IBM übernommen, und ein paar andere Firmen bemühten sich auch einige Jahre erfolgreich um den Kuchen der Großcomputer. Heute ist die Zeit der Mainframes in Österreich vorbei. Ja, das waren noch Zeiten...

Ich wandte mich der Telekommunikation zu, gerade zur rechten Zeit, denn diese war um nichts weniger spannend. Bis …, ja bis auch die Zeit der klassischen Telekommunikation vorbei war. Aber da war ich dann schon in Pension und hatte meinen Beitrag ausreichend und auch international erbracht. Und heute wird bereits in den HTLs der Unterricht über Telekommunikation stark reduziert und es gibt nur mehr eine FH in Österreich, an der in Telekommunikation ein Masterstudium angeboten wird. Das Netz ist ein Serviceangebot geworden, auf der einen Seite schicke ich Daten hinein, auf der richtigen Seite kommt das Richtige heraus. Die Einrichtungen dafür kommen aus China.

Fotos: Univac Archive im Internet, www.ussc90.nl , wikipedia Univac History, Univac Memories by John Walker