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Notiz 015: Langstrecken-Haflinger#

von Martin Vormann

Was bewegt einen Sauerländer mit dem Motor getriebenen Haflinger auf Reisen zu gehen? Meinen Haflinger besitze ich seit Oktober 1995. Es war ein wunderschöner Herbsttag in der Schweiz/Wallis/Sion, bei einer Wanderung durch die Weinberge unterhalb von Anser kam ich an einer Tankstelle vorbei und dort stand ein solcher Haflinger. Der französischen Sprache nicht mächtig, erklärte ich mit Händen und Füßen, doch bitte mal mit diesem Gefährt fahren zu wollen.

Martin Vormann zu Besuch im Einser-Werk in Graz. (Foto: Martin Krusche)
Martin Vormann zu Besuch im Einser-Werk in Graz. (Foto: Martin Krusche)

Der Besitzer erklärte sich freudig bereit, gemeinsam durch die wunderschöne Landschaft eine Probefahrt zu machen. Ich war total begeistert, wir tauschten unsere Anschriften aus, ich bat ihn, sollte er einen solchen vielleicht zu verkaufen haben, würde ich ihn gerne kaufen. Gesagt getan, eine Woche später haben wir das Geschäft per Fax erledigt, diesen Kauf habe ich bis heute nicht bereut und bin stolz, den Wagen mein Eigen zu nennen.

Immer schon haben mich besondere Fahrzeuge interessiert, das scheint angewölft zu sein. Mein Vater hat es mir in die Wiege gelegt und ich bin glücklich und froh dieses Hobby leben zu können.

Die Idee, mit dem Haflinger auf längere Touren zu gehen, kam vom Radsport, hier legte ich alleine oder mit Freunden schon seit Jahren lange Strecken zurück, ob nach Süden Westen Osten oder Norden, es waren spannende Erlebnisse auf weiten Touren nur mit Rucksack und Lenkertasche.

So hatte ich mir gedacht, was du mit dem Rad auf den Landstraßen schaffst, ist mit dem Haflinger eine Leichtigkeit. Den Wagen halte ich ständig in einem einsatzbereiten technischen Zustand. Übernommen habe ich ihn mit km 28.000, jetzt stehen km 54.000 auf dem Tacho. Auf all den Reisen hat er bis auf eine oxidierte Kraftstoffpumpe so gut wie nie technische Schwierigkeiten bereitet.

Beachten Sie die Sonderausführung links im Bild. (Foto: Martin Vormann)
Beachten Sie die Sonderausführung links im Bild. (Foto: Martin Vormann)

Die erste längere Tour plante ich nach Soloturn in der Schweiz. Die Schweizer Swiss Haflinger Association hatte zum fünfjährigen Jubiläum eingeladen. Wie schon mit dem Rad, Start war auch hier um sechs Uhr morgens. Zu diesem Unternehmen hatte ich einen Beifahrer an der Seite. Streckenführung wie mit dem Rad, Landstraße und quer Beet am ersten Tag, bis nach Neustadt Weinstraße, Übernachtung bei meinem Vetter. Es war eine herrliche Tour durchs Bergische, Westerwald zum Rhein, rübersetzen in die Pfalz und schon waren wir 380 km, zum Vier-Uhr-Tee am ersten Ziel, gelandet. Das Wetter spielte mit, der Haflinger hat ja in der Schweizer Ausführung keine Türen verbaut, so nimmt man die Natur/Geräusche und Düfte direkt wahr. Werde alle diese einmaligen Eindrücke nie vergessen und kann immer auf Einzelheiten des Erlebten zurückgreifen, das ist die wahre Freude. Am zweiten Tag gesellte sich ein weiterer Haflinger zu uns und es ging über die Pfälzische Weinstraße durchs Elsass bis nach Weil am Rhein, etwas über 300 km.

Diesen Teil konnten wir ohne Plane offen genießen, herrliche Alleen, traumhafte Dörfer, und ein Straßburg, zum vergessen, verkehrstechnisch! In Weil am Rhein gibt es einen Steyr-Puch Haflinger Freund, gute Küche und tolle Freunde. Eine kleine technische Überprüfung und schon ging es am folgenden Tag weiter zum Ziel Solothurn. Gefahrene km ca. 300. Solothurn liegt an der Südseite des Schweizer Jura, hier trafen wir unsere Schweizer Haflinger-Freunde. Die Touren sind einmalig, eigentlich unvorstellbar was die Burschen organisieren. Hier wird dem Fahrzeug alles abverlangt, artgerecht über Stock und Stein, bleibende Erinnerungen. wofür ich den Schweizer Freunden sehr dankbar bin. An den zweieinhalb Tagen waren es gut 180 km Schotter und Geländestrecken.

Der Haflinger als Zweitwohnsitz. (Foto: Martin Vormann)
Der Haflinger als Zweitwohnsitz. (Foto: Martin Vormann)

Die Rückfahrt gestaltete sich schon in der Früh zur Regenschlacht. Über den Gänsepass Richtung Delmont, das gehasste Straßburg, verkehrstechnisch, weiter bis Neustadt an der Weinstraße, das waren gute 600 km Regen. Was so ein kleiner Wischermotor alles schafft, der Regen peitschte das Wasser an der Plane nach rückwärts. Gut das das Bodenblech genügend Ablaufmöglichkeiten bietet. Am kommenden Tag, auch der ohne Pannen, lediglich die morgendliche Motorölkontrolle, ging es wieder Richtung Heimat, über Alzey Limburg/Lahn Westerwald, die B 54 nach Hause. Bewiesen habe ich mir, was mit dem Rad möglich war, das macht der Hafi mit Bravour. In den Folge Jahren habe ich den Haflinger auf einem Anhänger zu den Veranstaltungen der Schweizer oder auch den Südtirolern gezogen. (Die Reise mit drei Fahrzeugen „Haflingerwandern einmal anders“ beschreibe ich in unserer Thondorf Zeitung von 2014.)

Seit einigen Jahren habe ich den Haflinger mit kleinen Modifikationen versehen, Bordwandtür rechts zum besseren Ausstieg, komplette Plane regendicht zum Campen dort wo es gefällt, geschlafen immer auf der Maschine, Roß und Reiter eng beisammen. So waren einige Touren in Südfrankreich unternommen worden, hier standen sich Italiener und Franzosen in der k.u.k.-Zeit zur Beobachtung gegenüber, was dort in der Vergangenheit in höchsten Höhen gebaut wurde erstaunt immer wieder. Gerade hier ist ein Haflinger im wahrsten Sinne bestens aufgehoben und perfekt im Umgang, wie die Maultiere in verflossenen Tagen. Beste Hinweise für spannende Touren bietet das Tourenbuch von Harald Denzel: „Großer Alpen Straßenführer“.

Der Steyr-Puch Haflinger ist mir ein lieb gewordener Freund, egal ob ich ihn fahre oder ihn mir betrachte, dem Motorgeräusch lausche, ein säuselnder Zweizylinder Boxer, die Motorleistung, völlig ausreichend, fahre ihn fast täglich bei gutem Wetter. Er behindert nie, im Gegenteil, er bringt strahlende Gesichter der Passanten. Die Wendigkeit, fahre ihn wie ein Go Kart. Praktisch kommt er auch zum Einsatz, Holz einfahren zur Winterfeuerung. Für mich das perfekte, zuverlässigste, beruhigende Fahrzeug meiner Steyr-Puch-Sammlung.

Im Lastenheft zum Bau des Haflingers fehlte mit Sicherheit der Punkt „Langstreckenfahrzeug“. Hier ist der Besitzer/Chauffeur gefragt, wie komme ich mit Genuss erlebnisreich von A nach B. Wenn meine Gesundheit es zulässt, sollen noch einige spannende Touren folgen, das habe ich in einer ruhigen Minute mit meinem Freund, dem Haflinger, besprochen.

  • P.S. #1: Das Wort angewölft kommt aus der Jagdsprache und meint angeborene Eigenschaften des Jagdhundes.
  • P.S. #2: Martin Vormann ist Funktionstragender des Steyr-Puch Freundeskreis