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Notiz 046: Sommerzeit im Glutnest#

von Martin Krusche

Ich hatte gedacht, mit dem Sonntag würde nicht bloß der Juni enden, sondern auch die Hitzewelle. Irrtum! Am Montag möchte die Sahara-Glut hier noch 35 Grad hinbekommen. Die werde ich nicht am gewohnten Arbeitsplatz aussitzen. Am frühen Abend ist mein Büro unterm Dach derzeit so aufgeheizt, als hätte ich einen offenen Kamin befeuert. Doch ich verfüge über zwei Reservebüros.

Das ist noch ein Prototyp in Nirosta. (Foto: Martin Krusche)
Das ist noch ein Prototyp in Nirosta. (Foto: Martin Krusche)

Das eine liegt unter hohen Büschen hinter dem Rathaus, wo verschiedene Pfade zum Haus der Musik führen. Das andere liegt im Gleisdorfer Stadtpark, wo alte Bäume für ein solides Laubdach sorgen. Unter all dem Grünzeug finde ich ein angenehmes Klima. Dazu den Laptop im Rucksack und eine Thermoskanne voll Kaffee. Das sind passable Bedingungen für die laufende Arbeit, die durchgängig in den Herbst hineinführt.

Selfie mit Verdienstorden und Informatiker Hermann Maurer. (Foto: Martin Krusche)
Selfie mit Verdienstorden und Informatiker Hermann Maurer. (Foto: Martin Krusche)

Dazwischen kleine Nischen und Ausfahrten, wie kürzlich mit Informatiker Hermann Maurer, Emeritus an der Technischen Universität Graz, wo Erich Ledwinka seinen Doktorargrad erworben hat. Maurer ist ein Wissenschafter, den seine Laufbahn auf mehre Kontinente gebracht hat.

Er steht mir für spannende Debatten zur Verfügung. Bei der Gelegenheit bekam ich diesmal mit Augenzwinkern einen aus dem Vollen gefrästen Verdienstorden des Austria-Forum verpaßt, bin damit eine von 20 Personen mit dieser schußsicheren Plakette.

Mein Reserve-Büro unter Blättern. (Foto: Martin Krusche)
Mein Reserve-Büro unter Blättern. (Foto: Martin Krusche)

Davor hatte mir Altmeister Fredi Thaler einen kleinen Prototypen zum Geschenk gemacht. Einen Haflinger aus kräftigem Nirosta, etwa im Maßstab 1:43 gehalten. So pendle ich in meiner Arbeit zwischen sehr unversieglichen Feldern, wobei ich mich gelegentlich ins externe Büro Nr. 1 hinters Rathaus zurückziehe oder in den Stadtpark hinuntergehe.

Dem Manuskript zum Haflinger-Buch fehlt noch der Schluß. (Foto: Martin Krusche)
Dem Manuskript zum Haflinger-Buch fehlt noch der Schluß. (Foto: Martin Krusche)

Das Korrekturlesen des bisher verfügbaren Manuskripts geschieht nun mit ausreichender Distanz zu ursprünglichen Schreibakt. Dieser Schritt der Entfremdung, um einen neuen Blick darauf zu bekommen, verlangt eben nach Zeit. Außerdem hat der Layouter das Material umgesetzt, was eine zusätzlich Entfremdung schafft, die dem Wiederlesen nützt.

Sie werden nun völlig zurecht annehmen, daß man als Schriftsteller ein angenehmes Leben führt. Das gelingt unbedingt, wenn man seine materiellen Ansprüche an der kurzen Leine hält. Der größte Gewinn daran ist das hohe Maß an Selbstbestimmung. Gerade auch in so einem Sommer, wo es große Vorteile hat, seinen Tagesverlauf nach der Wetterlage zu richten und allenfalls vor der Hitze in die Nacht hinein auszuweichen.