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Werk: Mostpresse#

(Eine Quelle von Wohltaten)#

von Martin Krusche

Die agrarische Welt war einst von vielen Dienstboten, Taglöhnern, Hauslosen und Bettlern belebt, die keinen eigenen Hausstand haben konnten, also auch keine Familienleben, wie wir es heute für selbstverständliche halten. Für diese Menschen war erst einmal nur Wasser als Getränk verfügbar, denn Bier oder Wein hätte man kaufen müssen, also dafür Geld ausgeben, wie ich hier schon zum Thema Sturm notiert hab.

Wie aus dem Vollen gefräst: Die Baumpresse. (Foto: Martin Krusche)
Wie aus dem Vollen gefräst: Die Baumpresse. (Foto: Martin Krusche)

Wasser war bis ins 19. Jahrhundert hinein das übliche Hausgetränk der Bauernfamilien und des Gesindes. Dagegen wurde der Most schließlich zu einem geradezu kulinarischen Vergnügen. Allerdings war das Zerstampfen von Äpfeln und Birnen eine mühsame Arbeit um erstens Preß-Saft zu erhalten und zweitens den verbleibenden Trester mit Wasser aufzugießen. Aus dem Süßmost wird durch die Gärung ein Gärmost, auch Obstwein genannt. Der setzte sich im 17. und 18. Jahrhundert langsam als Haustrunk durch, weil er aus Obstsorten gewonnen wurde, an denen die Herrschaft wegen ihrer mäßigen Qualität kein Interesse hatte.

Das Obst landet im „Kost“. (Foto: Martin Krusche)
Das Obst landet im „Kost“. (Foto: Martin Krusche)
Ursprünglich wurde Obst zerstampft, in einen Kübel gegeben, der unten weiter war als oben, mit Wasser bedeckt, das durchsickerte und den Obstgeschmack annahm. Der Nursch, den ich hier schon gezeigt hab, ein senkrecht geführter Mühlstein in einem halbrunden Trog, war dem gegenüber ein radikaler Technologiesprung.

Mit Fortschritten im Obstbau wurden größer Mengen verfügbar, die mit einer Obstpresse verarbeitet werden konnten, wie man sie hier sieht. Diese Baumpresse, deren Preßbaum mit einer Spindel bewegt wird, war seinerzeit geradezu eine High Tech-Lösung. Das Obst kam in den Holzkäfig, Kost genannt, wo der Trester nach dem Preßvorgang für eine weitere Verarbeitung zurückblieb, während der Saft in die hölzerne Wanne rann. (Eine noch komplexere Anwendung der Hebelgesetze fand man damals in den Zahnrad-Garnituren des Göpels.) Dise Presse steh im Freilichtmuseum Vorau.