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Österreichisches Museumsgütesiegel, © http://www.museumsguetesiegel.at

Naturhistorisches Museum #

1010 Wien, Maria-Theresien-Platz 1010 Wien, Maria-Theresien-Platz


Seit 2016 ermöglicht der virtuelle Rundgang Rundum-Ansichten der 39 Schausäle. In den "Top 100-Objekten" sind 4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte ebenso vertreten wie die belebte Natur. Das Highlight, die Venus von Willendorf, und 99 weitere Objekte "erzählen Geschichten", durch stimmungsvolle Bilder von Lois Lammerhuber illustriert, mit Basisinformationen und detaillierte Beschreibungen der Exponate versehen. Ein weiterer virtueller Rundgang verweist auf ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Tiere.

Das Naturhistorische Museum in Wien
Naturhistorisches Museum
Foto © P. Diem
Das naturhistorische Museum in Wien
Naturhistorisches Museum
Foto © P. Diem

Das Gebäude des Naturhistorischen Museums an der Wiener Ringstraße ist, wie das benachbarte Kunsthistorische Museum ein Werk von Gottfried Semper und Carl Hasenauer und damit eine der charakteristischen Schöpfungen des Historismus in Österreich. Zur Gestaltung sind alle Gattungen der bildenden Kunst – Architektur, Plastik, Malerei – herangezogen und Stilelemente aus den vorangegangenen Epochen, vor allem der Renaissance, verarbeitet worden. Das Zusammenspiel von Gebäude, Figuren- und Gemäldeschmuck, Mobiliar und kostbaren Ausstellungsstücken ist weitgehend im Originalzustand erhalten und macht das Haus als Museum des Museums auch zu einer kulturhistorischen Kostbarkeit. Seine frühesten Sammlungen sind mehr als 250 Jahre alt. Kaiser Franz I. gründete 1748 mit dem Ankauf der berühmten Sammlung Johann von Baillous ein privates Nauralienkabinett. Der bestehende Bau wurde 1889 eröffnet.

Heute ist das Naturhistorische Museum Wien mit etwa 30 Millionen Sammlungsobjekten eines der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Museen der Welt. Zu den berühmtesten Exponaten zählen neben der Venus von Willendorf, die vor über 200 Jahren ausgestorbene Stellersche Seekuh, riesige Saurierskelette sowie die weltweit größte und älteste Meteoritenschausammlung und die anthropologische Dauerausstellung zum Thema "Mensch(en) werden". In den Forschungsabteilungen betreiben etwa 60 WissenschaftlerInnen aktuelle Grundlagenforschung in den verschiedensten Gebieten der Erd-, Bio- und Humanwissenschaften. Damit ist das Museum ein wichtiges Kompetenzzentrum für öffentliche Fragen und eine der größten außeruniversitären Forschungsinstitutionen Österreichs.

Mineralogisch-petrographische Sammlung

Die Ausstellungssäle 1 bis 5 beinhalten eine der weltweit bedeutendsten mineralogisch-petrographischen Sammlungen. Mineralien, Erze, Edelsteine, Gesteine und Meteoriten werden in ihrer Vielfalt systematisch präsentiert. Die Sammlung verdankt ihren einzigartigen Ruf nicht nur den historischen Stücken aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie, sondern vor allem, dass bis heute neue Mineral-, Gesteins- und Meteoritenfunde integriert werden. Bemerkenswert ist auch die künstlerische Gestaltung der Säle. Historistische Gemälde stellen berühmte Mineralvorkommen vor. Saal 1 enthält große Mineralstufen, die Baumaterialiensammlung und Objekte der Mineralsystematik (Elemente, Silfide und verwandte Verbindungen). Saal 2 zeigt die weitere Mineralsystematik (Sulfide, Halogenide, Oxide, Hydroxide, Nitrate, Jodate und Karbonate). Saal 3 führt die Mineralsystematik fort (Karbonate, Borate, Sulfate, Chromate, Phosphate, Arsenate und Vanadate).

Bild 'NHM Turmalin'

Die Edel- und Schmucksteinsteinsammlung in Saal 4 gehört zu den historisch interessantesten Europas. Manche Objekte waren bereits vor Mitte des 18. Jahrhunderts vorhanden, wie ein großer Anhänger mit Citrin aus der Wiener Schatzkammer oder Mirabilien der Ambraser Kunst- und Wunderkammer von Ferdinand II. von Tirol (1529-1595). Seit Jänner 2018 ist die auf den aktuellsten technischen Stand gebrachte Edelsteinvitrine ein neues Highlight des Museums. Die rund 2.000 Objekte wurden nicht nur elegant präsentiert, sondern auch inventarisiert und in eine digitale Datenbank aufgenommen. Dazu zählen die historischen Überreste eines Experiments, das Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen durchführte, in dem er mehrere kleine zu einem großen Diamanten zusammenschmelzen wollte. Eine Glasreplik des berühmten „Florentiner“ Diamanten, der seit 1918 verschollen ist, Edelsteinsynthesen und drei große Tropfenschliffe gefertigt vom Goldschmied Peter Carl Fabergé. Maria Theresias "Edelsteinstrauß" aus dem Jahr 1764, eine Weltrarität aus 2.102 Brillanten und 761 farbigen Edel- und Schmucksteinen, wurde ebenfalls restauriert. Außerdem spricht die Ausstellung einige Spezialthemen an. So geht man der Frage nach, wann der Mensch begonnen hat, sich zu schmücken. Erstmals in einem Museum ausgestellt werden die ca. 130.000 Jahre alten Funde aus Krapina in Kroatien: Seeadlerklauen mit Bearbeitungsspuren. Saal 5 beherbergt die größte Meteoritenschau der Welt. Der 2012 vollständig renovierte und modernisierte Saal zeigt 1100 Meteorite.

Geologie-Paläontologie
Zentrales Thema der Säle 6 bis 9 ist die Entwicklungsgeschichte des Lebens in der Erdgeschichte. Beginnend mit den einfachsten algenartigen Lebensformen, die für die Bildung des Sauerstoffs in der Atmosphäre verantwortlich waren, führt die Ausstellung durch mehr als 4 Milliarden Jahre. Saal 6, der Kaisersaalist dem Planeten Erde und seiner Wechselwirkung mit der Biosphäre gewidmet. Saal 7 beschäftigt sich mit der Erdfrühzeit (Präkambrium), dem Erdaltertum (Paläozoikum) und deren Lebewesen, sowie dem Mosouoikum, dem Erdmittelalter vor 250 bis 65 Millionen Jahren. Saal 8 führt in das Känozoikum, die bis in die Gegenwart reichende Erdneuzeit. Besondere Objekte sind u. a. das vollständige Skelett eines 17 Millionen Jahre alten Hauerelefanten (Prodeinotherium), ein gewaltiges fossiles Palmblatt sowie drei Evolutionsstufen der Pferdeentwicklung. Saal 10, der Sauriersaal, bildet eine Hauptattraktion des Naturhistorischen Museums. Auf dem zentralen Podium stehen die großen Skelette von Diplodocus (Langhalssaurier, eines der größten jemand lebenden Landwirbeltiere), des Pflanzenfressers Iguanodon und des Allosaurus (Skelettabguss eines 150 Millionen Jahre alten Allosaurus fragilis aus Utah). Ein 6 m großes Animatronics-Modell eines Jungtieres dieses Raubdinosauriers vermittelt einen "lebendigen" Eindruck. Den Luftraum des Saales beherrscht ein lebensgroßes Modell eines Pteranodon mit 7 Meter Flügelspannweite. Computeranimationen erklären Umfeld und Lebensweise der Saurier.

Venus von Willendorf, Foto. Lammerhuber, NHM

Prähistorische Sammlung
Seit Oktober 2015 präsentiert sich die Prähistorische Abteilung in renovierten Schausälen. Die Adaptierung von zwei kleineren Räumen ermöglicht es, die Figuren der Venus von Willendorf und der Fanny von Stratzing in effektvoller Beleuchtung sowie bedeutende Goldfunde, entsprechend der modernen Ausstellungs- und Sicherheitstechnik zu zeigen. Das Venuskabinett enthält nur die beiden prähistorischen Frauengestalten - die nach aktuellen Forschungen älter sind als bisher angenommen: Das Alter der Venus wird jetzt mit 29.500 Jahren angegeben (4.500 mehr als zuvor festgestellt), "Fanny", weltweit eine der ältesten Figuren eines Menschen, ist 36.000 Jahre alt. Die neue Schatzkammer zeigt prähistorische Pretiosen. Die Goldscheiben von Stollhof (Niederösterreich) aus dem 4. vorchristlichen Jahrtausend zählen zu den ältesten ihrer Art überhaupt. Schalen und Ketten verweisen auf das "goldene Zeitalter" der späten Bronzezeit. Der 3000-jährige Schatz vom Arikogel (Steiermark) besteht aus 14 Schmuckstücken. Saal 11 präsentiert die allgemeine Urgeschichte Zentraleuropas. Anhand ausgewählter Exponate werden die großen Kulturen zitiert und neue Forschungsergebnisse vorgestellt. Grafiken und Multimedia-Elemente bieten zusätzliche Informationen. Saal 12 widmet sich dem Fundort Hallstatt mit seinem bronze- und eisenzeitlichen Bergbau. In Saal 13 runden Funde aus dem ersten nachchristlichen Jahrtausend den Streifzug durch die Kulturepochen ab.

Anthropologie
Die Säle 14 und 15 folgen dem Motto "Mensch(en) werden". Sie behandeln zwei große Themen - den aufrechte Gang und die Gehirnevolution. Sechs Hands-On Stationen sollen die Etappen der Menschwerdung „begreifbar“ machen. Von den Objekten, sind vor allem die Abformungen von Australopithecus sediba, einer in Südafrika entdeckten neuen Art, zu erwähnen. Sie wird als möglicher direkter Vorfahre der Gattung Homo diskutiert. Wichtige Elemente der Wissensvermittlung bilden die Rekonstruktionen von „Lucy“, Homo neanderthalensis und Proconsul (ausgestorbene Primatengattung, die zu den frühesten Vertretern der Menschenartigen zählt).

Saal 16 enthält das Digitale „Fulldome“-Planetarium. Die Bilder werden auf eine 8,5 m durchmessende Innenkuppel projiziert. So können alle bekannten astronomischen Objekte dargestellt werden. Es ist möglich, zum Mond zu fliegen, durch die Saturnringe, zu entfernten Nebeln, Exoplaneten oder sogar an den Rand des Milchstraßensystems – und das alles wissenschaftlich exakt. Filme und Bilder können integriert werden, Live-Streaming verschiedenster Datensätze (z.B. aktuelle Bilder der Sonne in verschiedenen Wellenlängenbereichen) ist ebenfalls möglich. Außerdem bietet das Digitale Planetarium Fulldome-Filme über Astronomie, Biologie, Prähistorie, Paläontologie und andere Themen des Naturmuseums. Im selben Raum befindet sich der „Vision Globe“, auf dem erdwissenschaftliche Themen und Ansichten von Himmelskörpern räumlich dargestellt werden. Die dreidimensionale Wiedergabe gleicht der Sicht eines Astronauten. Über einen Touchscreen kann der Betrachter verschiedene Inhalte - z.B. Klimaprozesse, Kontinentalverschiebung und andere erdgeschichtliche Entwicklungen - auswählen

Mikrokosmos
Saal 21, der "Mikrokosmos" oder "Ernst Haeckel Saal" ist den kleinsten Vertretern der Tier- und Pflanzenwelt gewidmet: winzige Einzeller, Wasserflöhe und Insektenlarven können auf einer Leinwand in Großprojektion und in 3D beobachtet werden. Der Saal ist wie ein begehbares Bühnenbild gestaltet und ganz im Stil der Wissenschaftsromantik des 19. Jahrhunderts gehalten, und bietet auch Möglichkeiten, an Mikroskopen selbst aktiv zu werden.

Wirbellose Tiere
In den Sälen 22 und 23 geht es um Einzeller, Schwämme, Hohltiere, unterschiedlichste "Würmer", Schnecken, Muscheln, Tintenfische, Stachelhäuter etc. Seit der Gründung des Museums vor etwa 250 Jahren haben seine Mitarbeiter weltweit wirbellose Tiere gesammelt und erforscht. Die Sammlungen, von denen nur ein kleiner Teil ausgestellt ist, sind ein Kulturgut von internationaler Bedeutung.

Gliederfüßer
Saal 24 ist den Krebsen, Spinnen, Tausendfüßern und Insekten vorbehalten. Die Gliederfüßer sind ein außerordentlich erfolgreicher und artenreicher Tierstamm. Anhand der systematischen Aufstellung heute lebender Insekten kann man dem Weg der Evolution folgen. Den optischen Mittelpunkt bildet ein Amazonas-Diorama.

Fische
Die wissenschaftliche Fischsammlung des Naturhistorischen Museums umfasst rund eine Million Exemplare und zählt damit weltweit zu den bedeutendsten Einrichtungen ihrer Art. Nur ein Promille der Bestände kann in der Schausammlung ausgestellt werden. Saal 25 stellt die Knorpelfische (Chondrichthyes), Saal 26 die Knochenfische (Osteichthyes) vor. Im Saal 25, dem "Hans-Hass-Saal" sind mehr als fünfzig historische und jüngere Hai- und Rochenpräparate ausgestellt. Darunter finden sich Sammelstücke von den legendären Expeditionen der österreichischen Marine wie der Schwarzspitzenriffhai, der aufregende "Basilisken"-Fund und der vermutlich größte bekannte Japanische Wobbegong.

Lurche und Kriechtiere
Die Herpetologische Schausammlung präsentiert etwa 930 Feuchtpräparate und 130 Trockenpräparate und damit weniger als 0,5% der wissenschaftlichen Sammlungsbestände, die weit über 210.000 Objekte umfassen. Saal 27 beinhaltet eine systematische Aufstellung der Amphibien (Froschlurche, Schwanzlurche, Blindwühlen), der Schuppenkriechtiere (Schlangen und Echsen) und der Brückenechsen. An den Wänden befinden sich große Schlangenskelette. Saal 28 beherbergt die Reptilienordnungen der Schildkröten und Krokodile.

Vögel
Die Vogelgalerien in den Sälen 29 bis 32 gleichen dreidimensionalen Bestimmungsbüchern. In vier Schausälen sind ca. 2.500 Objekte ausgestellt - mehr als in jedem anderen Museum der Welt. In Saal 29 werden mehr als 500 Stopfpräparate der bislang ca. 420 Arten umfassenden österreichischen Avifauna präsentiert. Die Schausäle 30 bis 32 bieten einen Überblick über die hohe Diversität der weltweit ca. 9.700 Arten umfassenden Vogelwelt. Die Aufstellung der 2.500 Stopfpräparate folgt der "Checklist of Birds of the World" (J.L. Peters, 1931-1987).

Säugetiere
In den Sälen 33 bis 39 werden 470 Dermoplastiken von Säugetieren in systematischer Ordnung präsentiert. Die Wiener Säugetiersammlung umfasst jedoch rund 75.000 Exemplare. Saal 33 stellt Kloakentiere, Beuteltiere, Fledermäuse, Eulipotyphla, Nagetiere, Nebengelenktiere und Schuppentiere vor. Die Zweizehenfaultiere (Choloepus didactylus)wurden bereits im Jahre 1831 von J. Natterer in Brasilien gesammelt. Weiters sind in diesem Saal z. B. ein Beutelwolf und drei ausgestorbene Känguru-Arten zu sehen. Im Saal 34, dem Großsäugersaal, ist ein Präparat eines Amazonasdelphins (Inia geoffrensis) einer der Höhepunkte. Im Saal 35, dem Huftiersaal, sind vier der fünf lebenden Nashornarten zu sehen. Die Zebravitrine wurde 2007 neu gestaltet. In den Sälen 36 und 37 sind Paarhufer, wie Ziegen, Schafe, Steinböcke, Gazellen, Antilopen und seltene Ducker (Cephalophus spp.) zu sehen. Einige Dermoplastiken montaner Wiederkäuer wurden erst kürzlich in der hauseigenen Präparation hergestellt. Unter den Raubtieren im Saal 38 befindet sich ein Wolf (Canis lupus) aus dem letzten in Österreich eingewanderte Wolfsrudel, der 1950 in Gegend von Mariazell erlegt worden ist. Saal 39, der Primatenssaal ist zur Gänze den Halbaffen und Affen gewidmet. Hier befinden sich Präparate von Tieren, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Brasilien gesammelt worden sind.

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Siehe auch:
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