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10.11.1989: Information und Sprachregelung Gesandter Plattner
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Dok. 69
deutschen2 Verhältnisses wird im Einvernehmen mit der Abt. II.33 zu do. Infor-
mation und Sprachregelung folgendes mitgeteilt:
1) Grundsatzdokumente4
Über die Teilung Deutschlands hatten sich die Siegermächte bereits bei der
Konferenz von Jalta (Anfang 1945)5 geeinigt („Westverschiebung“ Polens; Zer-
stückelung Deutschlands: „ In der Ausübung dieser Macht werden sie (die Sieger-
mächte) solche Maßnahmen treffen…einschließlich der völligen Entwaffnung…
und Zerstückelung Deutschlands…als sie für den künftigen Frieden…für not-
wendig halten“).
Durch die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz (Sommer 1945)6 übernahmen
die Siegermächte die Regierungsgewalt in Deutschland7 und teilten das Land in
sensible Antwort erteilen zu müssen, kann sich auch ein österreichischer Diskutant dieser
Diskussion nicht entschlagen. Das Generalkonsulat wäre daher der Zentrale um eine grund-
sätzliche Stellungnahme und Sprachregelung i. G. dankbar. Das alte Sprichwort: ‚Schweigen ist
Gold, Reden ist Silber‘ kann im vorliegenden Zusammenhang aus österreichischer Perspektive
als Richtschnur nämlich nicht ungefährlich sein. Die Lektüre des beiliegenden Artikels des
Chefredakteurs der angesehenen Zeitschrift ‚US New & World Report‘ in ihrer letzten Num-
mer vom 23. Oktober d. J. lässt etwas unangenehm aufhorchen, wenn darin die Vorstellung
von zwei deutschen Staaten, oder sogar drei, wenn man Österreich dazuzählt, als nicht unver-
nünftig darstellt.“ Die Zeitung hatte ausgeführt: „But the identity of a state is not necessarily
tied up with its ideology. It does not seem unreasonable to imagine two Germanys, or even
three if you count Austria, continuing to exist.“ Generalkonsul Franz Cede an BMAA, Los
Angeles, 23. Oktober 1989, ÖStA, AdR, BMAA, II-Pol 1989, GZ. 22.17.01/9-II.1/89. Es dauerte
aber bis zum Tag nach der Maueröffnung als „nach Besprechung“ zwischen Sucharipa und
Plattner am 10. November 1989 eine „einvernehmliche Fassung“ erstellt wurde. Die fortan
auch als Sprachregelung und Grundlage für Erklärungen des Bundesministers dienen sollte.
Diese Fassung erging an den Bundesminister, den Generalsekretär, die Sektionsleiter, die
Abteilungen II.3 und II.6 sowie an die österreichischen Auslandsvertretungen gemäß Liste
„Ost+West“. In der hier abgedruckten abgestimmten Information werden die ursprünglichen
Formulierungen der Abteilung II.1 in den Anmerkungen ausgewiesen.
2 Korrigiert aus: innerdeutschen.
3 Einfügung in dieser Fassung: im Einvernehmen mit der Abt. II.3.
4 Korrigiert aus: Vertragliche Grundlagen. Die Abteilung II.3 wollte eine Trennung „vertrag-
licher Grundlagen und BRD-interner Rechtsgrundlagen“.
5 Franklin D. Roosevelt (USA), Winston Churchill (Großbritannien) und Josef Stalin (UdSSR)
trafen vom 4. bis 11. Februar 1945 in Jalta auf der Krim zusammen. Es handelt sich um das
zweite Treffen, bei dem die „großen Drei“ über die europäische und globale Nachkriegsord-
nung berieten.
6 Die Potsdamer Konferenz oder Dreimächtekonferenz von Berlin fand vom 17. Juli bis 1. August
1945 im Schloss Cecilienhof in Potsdam statt. Beteiligt waren Vertreter der USA, Großbritan-
niens und der UdSSR, die über die Nachkriegsordnung konferierten. Für den Wortlaut des
Kommuniqués vom 2. August 1945 („Potsdamer Abkommen“) vgl. Dokumente zur Deutsch-
landpolitik II/1, S. 2102–2148.
7 Diese Ansicht ist unzutreffend, die Regierungsgewalt wurde bereits vor Potsdam übernom-
men. Die Berliner Erklärung der Alliierten vom 5. Juni 1945 (auch als Berliner Deklaration
oder Juni-Deklaration bezeichnet) erfolgte einen knappen Monat nach der bedingungslosen
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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Title
- Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
- Subtitle
- Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Editor
- Michael Gehler
- Maximilian Graf
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-666-35587-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 792
- Categories
- Geschichte Nach 1918
Table of contents
- Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
- I. Vorbemerkungen 7
- II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
- 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
- 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
- 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
- 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
- 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
- III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
- 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
- 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
- 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
- 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
- 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
- 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
- 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
- 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
- IV. Editorische Vorbemerkungen 99