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Nach 1918
Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
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Page - 397 - in Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit

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30.11.1989: Bericht Botschafter Bauer und Gesandter Loibl Dok. 83 397 kapital kommen müssen, muss DDR insbesonders Voraussetzung für Joint Ventu- res, Investitionsschutz und Gewinntransfermöglichkeiten schaffen. Am interessantesten ist Punkt 5 (siehe FAZ), wo BK an Modrows „Vertrags- gemeinschaft“5 anschließt: Formulierungen scheinen konkret, lassen aber alles offen: 1. „Konföderative Strukturen“ sind noch keine Konföderation, auch keine Wie- dervereinigung: besorgte Nachbarn könnten (wenn sie wollen) aufatmen. 2. Für Einheitssuchende wird gleichzeitig das  – lang- oder längerfristige  – „Ziel, danach eine Föderation“ zu schaffen, formuliert. 3. Alles wird abhängig gemacht von „wenn die Menschen in Deutschland sie wollen“, also Selbstbestimmungsrecht: dieser Wille ist heute noch nicht bekannt, insbes. nicht für die DDR. Klar ist dort nur, dass man das bestehende System be- seitigen will  – nicht aber, wodurch es ersetzt werden soll. Im Falle weiteren wirt- schaftlichen Niedergangs könnte freilich Wiedervereinigung zuletzt als einzig möglicher Ausweg erscheinen. Auch Meinungsumfragen in der BRD-Bevölkerung mit Mehrheit für Wieder- vereinigung sind zu undifferenziert für verlässlichen Aussagewert: BRD-Bevöl- kerung wird sich nämlich langsam auch möglicher Belastungen durch DDR (Be- zahlung von DDR-Urlaubsreisen, Arbeitsplatzdruck usw.) bewusst. Und Frage ist gestattet, ob Wiedervereinigung mit traditionell sozialistischen Hochburgen wie Sachsen und Thüringen nicht einer SPD-Grünen-Koalition strukturelle Mehr- heit verschaffen könnten, was nicht im Interesse gegenwärtiger Bundesregierung liegen könnte. Inwieweit Erklärung des Bundeskanzlers über BRD-Innenpolitik hinaus etwas bewirken wird, ist angesichts unkontrollierbar erscheinender Volksbewegung in der DDR ungewiss: Bundesregierung ist in ihrer Haltung in Wirklichkeit abhän- gig von der DDR-Entwicklung und kann schon deshalb schwer wissen, was sie selbst konkret tun kann oder soll. Spiel auf Zeitgewinn deshalb nützlich: Aller- dings werden als Voraussetzung geforderte DDR-Wirtschaftsreformen vermutlich länger brauchen, womit DDR-Situation entgegen Wunsch der Bundesregierung sich weiter destabilisieren könnte (BKA bezweifelt z. B., dass SU ihre Energieliefe- rungs-Zusagen an die DDR halten kann. Hinzu kämen drastisch verschlechterte terms of trade für DDR im Handel mit SU). Möglicherweise zur Beruhigung der Verbündeten und als Versuch zur Be- ruhigung erregter BRD-Öffentlichkeit gedachte Erklärung (Konföderation nach DDR-Reformen, mit dem Ziel eines Bundesstaates also langfristig gedachte Ent- wicklung) könnte freilich bisher in der DDR scheinbar nicht im Vordergrund ste- 5 Unter Punkt fünf hatte Kohl einleitend ausgeführt: „Wir sind auch bereit, noch einen entschei- denden Schritt weiterzugehen, nämlich konföderative Strukturen zwischen beiden Staaten in Deutschland zu entwickeln mit dem Ziel, danach eine Föderation, das heißt eine bundes- staatliche Ordnung in Deutschland zu schaffen.“ Dies war eine eindeutige Bezugnahme auf die „Vertragsgemeinschaft“ in Modrows Regierungserklärung vom 17. November 1989 (siehe dazu Dok. 77, Anm. 4 und Dok. 78, Anm. 9).
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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Title
Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Subtitle
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
Editor
Michael Gehler
Maximilian Graf
Publisher
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY-ND 4.0
ISBN
978-3-666-35587-5
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
792
Categories
Geschichte Nach 1918

Table of contents

  1. Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
  2. I. Vorbemerkungen 7
  3. II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
    1. 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
    2. 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
    3. 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
    4. 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
    5. 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
  4. III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
    1. 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
    2. 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
    3. 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
    4. 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
    5. 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
    6. 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
    7. 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
    8. 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
  5. IV. Editorische Vorbemerkungen 99
    1. Verzeichnis der Dokumente 103
    2. Dokumente 111
    3. Abkürzungsverzeichnis 723
    4. Literaturverzeichnis 731
    5. Personenregister 735
    6. Sachregister 773
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