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24.4.1990: Resümeeprotokoll Gesandter Plattner Dok. 146
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KSZE-Gipfel:
Wenn Frankreich den Gipfel in Paris haben wolle, könne die BRD nicht dagegen
sein. Das gleiche gelte für die übrigen EG-Mitglieder. (Zum Schreiben von AM
Dumas45 meinte der Mitarbeiter Teltschiks, die Franzosen „würden es versuchen“,
es gebe aber keine Vorausverpflichtung der EG-Staaten.)
Nach Teltschik habe Wien aber für die Unterzeichnung der beiden hier verhan-
delten Abkommen reelle Chancen.
Der HGS erläuterte sodann, über Ersuchen Teltschiks, die österreichische Ein-
schätzung in den Oststaaten, insbesondere in Jugoslawien.
(Teltschik wird sich im Juni d. J. zur Konferenz vom Institut für die Wis-
senschaften vom Menschen „Central Europe on the Way to Democracy“, 28.6.–
1.7.1990, nach Wien begeben.)
Wertung:
Große Entschlossenheit und Eile der Bonner Regierung bei der Durchführung
der Deutschen Vereinigung, jedoch Rücksichtnahme auf sowjetisches Sicherheits-
bedürfnis.
Die Europäische Politische Union ist nicht wirklich ein Hauptanliegen Bonns,
der militärischen Komponente in der EG werden kaum Chancen gegeben. (NATO
muß – wenn auch modifiziert – bleiben!) Die gemeinsame Initiative Kohls mit
Mitterrand in Richtung Europäische Politische Union46 ist weniger als prioritäres
deutsches Anliegen, als vielmehr als Geste gegenüber einem der Deutschen Verei-
nigung reserviert gegenüberstehenden Frankreich zu sehen.
Österreich:
Aufrichtige Unterstützung in der EG-Frage; allzu starkes Drängen auf zeitliche
Verkürzung des Beitritts-Prozesses wird deutscherseits nicht für opportun gehal-
ten. Österreich werden für die Beteiligung an der DDR-Wirtschaftsentwicklung
gute Chancen gegeben. Die österreichische Haltung in der deutschen Frage wurde
sehr positiv registriert.
Wien, am 26. April 1990
Plattner m. p.
45 In seinem Schreiben hatte Dumas um Unterstützung für Paris als Austragungsort des Gipfels
geworben.
46 Dazu bereits Dok. 141, Anm. 14.
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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Title
- Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
- Subtitle
- Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Editor
- Michael Gehler
- Maximilian Graf
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-666-35587-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 792
- Categories
- Geschichte Nach 1918
Table of contents
- Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
- I. Vorbemerkungen 7
- II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
- 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
- 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
- 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
- 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
- 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
- III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
- 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
- 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
- 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
- 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
- 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
- 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
- 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
- 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
- IV. Editorische Vorbemerkungen 99