Page - 607 - in Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 - Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
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8.5.1990: Bericht Botschafter Bauer und Gesandter Loibl Dok. 149
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politischen Union nicht zustimmen können, solange nicht völlig klar definiert
sei, worin diese politische Union bestehen solle. Sorge bereite ihr vor allem, dass
keine demokratische Kontrolle und keine demokratische Rechenschaftspflicht
vorgesehen sei[en]. Sie sehe die EG vor allem als eine Zusammenarbeit im wirt-
schaftlichen und finanziellen Bereich. Alle weiteren Maßnahmen müssten zuerst
klar definiert werden. Mit Bezug auf die KSZE betonte Premierminister Thatcher,
dass die KSZE Strukturen für ihre Zusammenarbeit brauchen würde. Ihrer Mei-
nung nach müsse die NATO das Zentrum der westlichen Verteidigung bleiben.
Die NATO sei das aktive Verteidigungsinstrument, und in der NATO sei auch
die politische Struktur über den Atlantik hinweg durch die Zusammenarbeit mit
den USA und Kanada gewährleistet, auf die sie größten Wert lege. In einem euro-
päischen Sicherheitssystem, das in der KSZE seine Verankerung finden sollte,
sehe sie vor allem die politische Rolle, mit der Sowjetunion zu konsultieren und
zu kooperieren. Ihrer Meinung nach wäre es notwendig, dass sich [sic!] die KSZE
mindestens zweimal jährlich zusammentreten sollte.5
Dok. 149: Bericht. „2+4“-Gespräche der Außenminister in Bonn, 8.5.1990
Botschafter Friedrich Bauer und Gesandter Wolfgang Loibl an BMAA, Bonn, 8. Mai 1990, ÖStA, AdR, BMAA, II-Pol 1990,
GZ. 22.17.02/129-II.1/901
BRD; „2+4“-Gespräche der Außenminister in Bonn, 5.5.19902
– Erklärungen (Info)
Für stellv. politischen Direktor im AA, Höynck,3 der an Gesprächen teilnahm,
wurde dabei Zusammenhang zwischen Lösung der äußeren Aspekte der deut-
schen Frage und Gesamtentwicklung in Europa (insbes. KSZE und Abrüstung)
5 So im Original.
1 Der Bericht wurde in Verfolg von Telefax Zl. 257-A/90 vom 8. Mai 1990 als Fernschreiben
Nr. 25105 erstattet und war an die Sektion II, das Generalsekretariat und das Kabinett des
Bundesministers gerichtet. Er wurde am 9. Mai 1990 durch die Abteilung II.1 in Bearbeitung
genommen. Abteilungsleiter Gesandter Johann Plattner veranlasste seine Weiterleitung als
Fernschreiben Nr. 85338 an die österreichischen Botschaften in Berlin, Moskau, Washington,
Paris und London. Sämtliche Unterstreichungen wurden durch Plattner vorgenommen.
2 Siehe zu den 2+4-Gesprächen der Außenminister am 5. Mai 1990 in Bonn: Dokument 95, in:
Die Einheit; Dokument 268, in: Deutsche Einheit; Dokumente 97–98, in: Die Außenpolitik
der DDR; Dokument 196, in: DBPO III / VII: German Unification; Dokumente 21–22, in: Der
Kreml und die deutsche Wiedervereinigung 1990.
3 Wilhelm Friedrich Höynck, Leiter der Unterabteilung 21 (Politische Abteilung) im Auswär-
tigen Amt, seit Februar 1990 Vorsitzender der Projektgruppe „Deutsche Einheit“, siehe Per-
sonenregister mit Funktionsangaben.
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Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Title
- Österreich und die deutsche Frage 1987–1990
- Subtitle
- Vom Honecker-Besuch in Bonn bis zur Einheit
- Editor
- Michael Gehler
- Maximilian Graf
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-666-35587-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 792
- Categories
- Geschichte Nach 1918
Table of contents
- Einleitung: Österreich und die deutsche Frage 1945–1990 7
- I. Vorbemerkungen 7
- II. Ausgangsbedingungen und Vorgeschichte: Von der „doppelten Staatsgründung“ zur Perpetuierung deutscher Zweistaatlichkeit (1949–1987) 11
- 1. Die Entwicklung bis zum Entscheidungs- und Zäsurjahr 1955 11
- 2. Gescheiterte Vermittlungsversuche (1958–1963) 19
- 3. Die Entwicklung bis zum Grundlagenvertrag 1972 23
- 4. Österreich, die europäische Integration und die Anerkennung der DDR im Zeichen der Entspannung (1961–1972) 28
- 5. Das Verhältnis Österreichs zu den beiden deutschen Staaten bis zum Bonn-Besuch Honeckers (1972–1987) 32
- III. Österreich und die deutsche Frage 1987–1990 38
- 1. Österreich und die scheinbare Stabilität des SED-Regimes 38
- 2. Die Grenzöffnung im Kontext der Langzeitentwicklungen und ihre direkten Folgen 43
- 3. Österreichs Annäherungen an das gemeinschaftliche Europa, die Bundesrepublik und die deutsche Frage 50
- 4. „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“: Die Haltung Österreichs bis Ende 1989 63
- 5. Österreich und die deutsche Frage Anfang 1990 75
- 6. Der Einigungsprozess und seine internationale Durchsetzung aus österreichischer Sicht 86
- 7. Österreichs Abschied von der DDR 92
- 8. Österreich, die deutsche Einheit und der Weg nach Europa – Bilanz und Ausblick 95
- IV. Editorische Vorbemerkungen 99