Braunschlag

Seriendaten
Originaltitel Braunschlag
Produktionsland Österreich
Originalsprache Österreichisches Deutsch
Produktionsjahr 2012
Produktions-
unternehmen
ORF/Superfilm
Länge 45 Minuten
Episoden 8 in 1 Staffel
Genre Dramedy
Produktion David Schalko, John Lüftner
Erstausstrahlung 18. September 2012 auf ORF eins
Besetzung

Besetzung[1]

Nebenfiguren

Besetzung[1]

Braunschlag ist eine Fernsehserie des Österreichischen Rundfunks, die 2011 in acht Folgen produziert wurde und von David Schalko stammt (Idee, Drehbuch, Regie und Produktion[2]). Ab 18. September 2012 (beginnend mit einer Doppelfolge im Hauptabendprogramm um 20:15 Uhr) wurde die Serie jeweils dienstags um 21:05 Uhr im Rahmen der neuen Serienschiene DIE.NACHT in ORF eins ausgestrahlt. Die zugehörige DVD erschien bereits am 9. März 2012.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Schauplatz der Handlung ist die fiktive Marktgemeinde Braunschlag, gelegen im Waldviertel an der Staatsgrenze zu Tschechien. Für den Bürgermeister Gerry Tschach ist es nicht einfach: Nach einigen gescheiterten Geschäftsideen ist seine Gemeinde pleite, sodass nur mehr ein Wunder helfen kann. Seine Ehe mit Herta Tschach ist am Ende und seine Tochter Babs will mit ihrem windigen Freund Ronnie, den sie aus Wien mitbringt, an sein Geld. Deshalb verbringt er die Nächte bei seinem „unfruchtbaren Freund“ und Geschäftsvisionär Richard Pfeisinger in dessen maroder Ortsdisco.[1] Gemeinsam brüten sie die Idee einer fingierten Marienerscheinung aus. Danach überschwemmen Touristen den insolventen Ort, bringen den erhofften finanziellen Aufschwung und Braunschlag beginnt wieder zu florieren. Doch bald entgleitet den beiden trinkfreudigen Wundererfindern die Situation, die zunehmend eskaliert: „…zwischen dem Wahnsinn der Einheimischen, dem Druck aus St. Pölten, unlösbaren Eheproblemen und dem Vatikan“ wird das Wunder von Braunschlag zum Albtraum.

Weitere Einwohner des Ortes sind Richard Pfeisingers Ehefrau Elfi, eine „wahrscheinlich ehemalige Miss Niederösterreich“ und die Schwester von Reinhard Matussek. Dieser betreibt einen UFO-Landeplatz (der in der realen Welt des Waldviertels tatsächlich in Kautzen existiert[3]) und beschäftigt sich mit dem Ausstopfen von Tieren. Elfis Vater Matussek ist ein reicher Textilfabrikant, der wenig mit seinen Kindern anzufangen weiß. Umso mehr ist er an den finanziellen Möglichkeiten des Wunders interessiert. Hinzu kommen ein metrosexueller Kommissar aus dem Vatikan „in Form des balzenden Inquisitors Banyardi“,[4] ein schräges Ärztepaar bestehend aus Vater und Sohn, eine seltsame Nachbarin des Bürgermeisters, seine derbe Mutter, eine deutsche Magd und der Neffe des niederösterreichischen Landeshauptmanns.[2]

Am Ende der Handlung flüchtet zuerst der Pfarrer aus dem Ort, Gerry tritt als Bürgermeister zurück und übergibt sein Amt Banyardi, der davor wegen der deutschen Magd Silke seine kirchlichen Ämter zurückgelegt hatte. Entdeckt wird, dass Gerrys Nachbarin Frau Berner zwei Männer über Jahre im Keller eingesperrt hatte. In den letzten Wochen sind noch zwei dazu gekommen. Danach kommt es zu einem Medienauflauf wie im Fall Amstetten. Herr Matussek wird von einem Hund zerrissen und die Affäre zwischen dem Bürgermeister und Elfi fliegt auf. Schlussendlich muss der Ort wegen eines illegalen Atommülllagers des Herrn Matussek komplett evakuiert werden. Freiwillig zurück bleiben nur Gerry und Richard ohne ihre Ehefrauen und die zwei im Keller Eingesperrten. Ein Happy End gibt es nur für Banyardi und Silke, die eigentlich Waltraud heißt. Sie ziehen zusammen nach Ramallah. Reinhard Matussek wird von einem UFO abgeholt.

Besetzung

Hauptdarsteller

Nebendarsteller

Episoden

  • Folge 1: Ein heiliges Wunder[1]
  • Folge 2: Das Wirtschaftswunder[5]
  • Folge 3: Der Fluch
  • Folge 4: Der Überfall
  • Folge 5: Bauxi
  • Folge 6: Der neue Bürgermeister
  • Folge 7: Im Keller
  • Folge 8: Freunde fürs Leben

Hintergründe

Die Dreharbeiten fanden vom 12. April bis zum 27. Juli 2011 in den Waldviertler Gemeinden Eisgarn, Heidenreichstein, sowie Litschau und Umgebung statt. Die einzelnen Folgen werden als Hörfilm ausgestrahlt.[1]

Der Öffentlichkeit vorgestellt wurde die ORF-Serie am 1. März 2012 im Wiener Künstlerhauskino, die nach Angaben der APA bereits ein halbes Jahr vor der Ausstrahlung Wellen geschlagen hat. Es seien „hunderte Produzenten, Schauspieler, Journalisten und Fans“ bei der Präsentation anwesend gewesen, was die APA jedoch auf die Besetzung mit Robert Palfrader („Kaiser Robert Heinrich I.“) und „Burg-Star“ Nicholas Ofczarek, sowie den verantwortlichen Drehbuchautor und Regisseur David Schalko zurückführt.[4]

Die Serie erschien am 9. März 2012 auf DVD und erreichte innerhalb weniger Tage über 10.000 und bis Anfang September rund 15.000 verkaufte Einheiten[6] der 3-DVD-Box. David Schalko begründete die ungewöhnliche Vermarktungsweise u. a. mit dem „modernen Serienverhalten“ der Zuschauer: „Die Gruppe derer, die Serien auf DVD schaut, ist kleiner, als jene, die im Fernsehen zuschauen. Aber sie macht die Stimmung.“[3]

Die (im März 2012 neue) ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner begründete den frühen Verkaufsstart der DVD-Box, noch Monate vor Ausstrahlung der Serie, damit, dass sie Braunschlag „als ein Filetstück ihrer programmlichen Neuerungen präsentieren“ will. Die achtteilige Reihe soll „in acht Wochen ohne Unterbrechung (etwa durch Fußball)“ gezeigt werden. Nach Aussage des Produzenten und Regisseurs sei das auch wichtig, „weil es nicht wie in episodischen Serien in jeder einzelnen Folge um eine in sich geschlossene Geschichte geht, sondern um einen Handlungsverlauf über acht Abende.“ Der ORF-Fernsehfilmchef Heinrich Mis will Braunschlag nicht als Serie, sondern als „neues Genre“, als „TV-Roman in [acht] Fortsetzungen verstanden wissen“.[3] Es handelt sich dabei um eine „urösterreichische“, mit dem „Who is Who der österreichischen Schauspielergarde“ „topbesetzte“ ORF-Serie mit „österreichische[n] Landschaften und österreichische[n] Phänomene[n]“.[2] Im Übrigen soll es nach Mis, wie er Anfang September noch vor Serienstart bekannt gab, keine Fortsetzung geben.[7]

Nach Aussage von Nicholas Ofczarek gab und gibt es für die Produktion von Braunschlag keinen Quotendruck. Auf die Frage, ob die Serie beim sogenannten breiten Publikum ankommen wird, gab es bei der Präsentation im März 2012 unterschiedliche Ansichten: Der Darsteller des Vatikan-Inquisitors, Manuel Rubey, hält Braunschlag für „nicht breitenwirksam“. David Schalko befindet abwägend, „dass dies lediglich eine ‚Frage der Aufnahmebereitschaft‘“ sei. Alexander Wrabetz, Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen ORF, vermutet, „dass sich "Braunschlag" aufgrund des enthaltenen Lokalkolorits für den internationalen Markt nicht eignet und wohl auch nicht refinanzierbar ist.“ Ein Privatsender würde seiner Meinung nach ein solches Format niemals produzieren. Kathrin Zechner jubelte hingegen in Anspielung auf Ofczarek, Palfrader und den Regisseur: „Ob Burgtheater, Kaiser oder Schalko – so kann man den ORF unverwechselbar lieben“.[4]

Nach Meinung von Doris Priesching Anfang September (noch vor dem Sendestart) im Interview mit Robert Palfrader im Standard finden bereits viele die Serie gut. So fragte sie Palfrader, ob er „überrascht [wäre] von den Hymnen“, was er verneinte. Dass das fiktive Braunschlag im Waldviertel liegt, begründet Palfrader damit, dass der von dort stammende David Schalko und er das Waldviertel lieben. Sie würden bereits seit 15 Jahren überlegen, was sie machen könnten, um in dieser Gegend zu drehen. Im Übrigen sei Braunschlag für Palfrader kein Glücksfall, wie Doris Priesching vermutete, sondern ein „Masterplan“ gewesen. Auf die Frage nach einer Fortsetzung, schloss er dies nicht so kategorisch aus, wie der ORF-Fernsehfilmchef Mis vor Journalisten (siehe oben): „Wenn David Schalko keine Lust hat, hat es keinen Sinn.“[6]

Zitate über die beiden Hauptrollen

„Bürgermeister Tschach ist ein Halbbauernschlauer. Er ist nicht blöd, aber er denkt die Dinge nicht zu Ende. Er hat schon Ideen, und er hat den Ehrgeiz, aber es wäre schon besser gewesen, wenn er ein paar Mal mehr über das nachgedacht hätte, was er so macht. Und das fällt ihm dann schließlich auch auf den Kopf. Ein guter Mensch im klassischen Sinn ist er jedenfalls nicht[.] […] Ich habe mir Tschach aus vielen Menschen aus meinem nahen Umfeld zusammengebastelt, aus Menschen, die ich sehr mag und die mir sehr nahe stehen.“

Robert Palfrader[2]

„Richard ist ein schwerer Alkoholiker mit einer unendlichen Leere in sich und seinem Leben. Ein Verlierer, wie viele in dieser Serie. Kein Held und einer, der auch nicht weiß, wie er da wieder rauskommt[.] […] Das Besondere an 'Braunschlag' ist, dass es eine Ensemblearbeit ist. Das ist im Theater sehr selten, im Film eigentlich unmöglich. Es gibt keine Hauptrollen in dem Sinn. Alle sind gleich wichtig, auch wenn jemand weniger Drehtage hat.“

Nicholas Ofczarek[2]

Rezensionen

  • Die Presse schreibt der Serie, anlässlich der Erscheinung der DVD-Box im März 2012, bereits im Vorfeld das Potential zum Kultstatus zu.[3]
  • News titelt im August 2012 zur Serie: „Aberwitzige Satire startet. Urösterreichische Nabelschau mit Palfrader und Ofczarek […]“[8]

Auffallende Parallelen gibt es zu der Mitte August 2012 in den österreichischen und deutschen Kinos gestarteten Koproduktion Wer’s glaubt, wird selig des Bayerischen Rundfunks: „Dörflich-katholische Bigotterie gepaart mit kleinbürgerlich-deftiger Schlaubergermentalität: Was David Schalko mit seiner ORF-Serie "Braunschlag" anhand eines kleinen niederösterreichischen Dorfes durchexerziert hat, kommt nun in der bayerischen Version als Spielfilm ins Kino. "Wer’s glaubt wird selig" nennt sich Marcus H. Rosenmüllers skurrile Heimatkomödie, […]“[9]

Die ersten beiden Folgen der Serie erreichten eine durchschnittliche Zuseherzahl von knapp unter einer Million und einen Marktanteil von 36 Prozent, was den besten Wert für den Dienstag auf ORF eins seit 1993 bedeutete.[10]

Auszeichnungen

Braunschlag wurde im Herbst 2012 beim 22. Internationalen Film- und Fernsehfestival Cologne Conference in Köln gezeigt und von der Jury in der Wettbewerbsreihe Top Ten als eine der zehn weltweit wichtigsten Arbeiten ausgewählt.[2]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d e Neue Serie: Braunschlag. Ein heiliges Wunder. In: ORF-eins-Programm tv.ORF.at, zum 18. September 2012. Abgerufen am 7. September 2012.
  2. a b c d e f ORF eins entführt ab 18. September nach "Braunschlag". In: kundendienst.ORF.at (ohne Datum). Abgerufen am 7. September 2012.
  3. a b c d Isabella Wallnöfer: Karpfen-Sushi und eine Madonna. In: Die Presse, Printausgabe 3. März 2012. Abgerufen am 7. September 2012.
  4. a b c Serie "Braunschlag": Palfrader sieht die Muttergottes. In: DiePresse.com/APA, 2. März 2012. Abgerufen am 7. September 2012.
  5. Braunschlag. Das Wirtschaftswunder. In: ORF-eins-Programm tv.ORF.at, zum 18. September 2012. Abgerufen am 7. September 2012.
  6. a b Der-Standard-Interview von Doris Priesching mit Robert Palfrader über die Dreharbeiten und Hintergründe zur Serie, sowie die frühe Veröffentlichung auf DVD; 7. September 2012 (siehe Weblinks).
  7. Braunschlag: Serien-Aus vor TV-Start. In: oe24.at, 7. September 2012. Abgerufen am 7. September 2012.
  8. Aberwitzige Satire startet. In: News/APA, 22. August 2012. Abgerufen am 7. September 2012.
  9. "Wer's glaubt wird selig". In: Kleine Zeitung, 14. August 2012. Abgerufen am 7. September 2012.
  10. http://kurier.at/kultur/4512762-topquoten-fuer-braunschlag-und-champions-league.php