Kirchberg an der Wild

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Kirchberg an der Wild (MarktOrtschaft)
Katastralgemeinde Kirchberg an der Wild
Kirchberg an der Wild (Österreich)
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Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Zwettl (ZT), Niederösterreich
Gerichtsbezirk Zwettl
Pol. Gemeinde Göpfritz an der Wild
Koordinaten 48° 45′ 4″ N, 15° 24′ 13″ O48.75111111111115.403611111111564Koordinaten: 48° 45′ 4″ N, 15° 24′ 13″ O
Höhe 564 m ü. A.
Einwohner d. Ortsch. 188 (2001)
Gebäudestand 102 (2001)
Fläche d. KG 6,5826 km²
Postleitzahl A-3811f1
Statistische Kennzeichnung
Ortschaftskennziffer 06767
Katastralgemeindenummer 24028
Zählbezirk/Zählsprengel Kirchberg an der Wild (32505 006)
Bild
Kirche (linker Turm) und Schloss (rechts) in Kirchberg an der Wild an einem nebligen Herbsttag
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM

Kirchberg der Wild ist eine Katastralgemeinde mit circa 200 Einwohnern der Marktgemeinde Göpfritz an der Wild im Bezirk Zwettl in Niederösterreich.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Kirchberg an der Wild (Höhe 564 m) liegt im nördlichen Waldviertel zwischen Horn und der tschechischen Grenze. Der Beiname Wild bezieht sich auf das Waldgebiet im Umland und wird bei mehreren Ortsnamen dieser Gegend verwendet. Noch zum Einzugsgebiet Groß-Siegharts gehörend (13 km) kann man es als Teil des "Bandlkramerlands" betrachten.

An der stark abfallenden Westseite des Hügels befindet sich der künstlich angelegte Schlossteich, mit der für das Waldviertel typischen moorig-trüben Färbung. Der Teich wird vom (südlich) zu- und (nördlich) abfließenden Seebsbach gespeist, welcher in der Wild entspringt, und über Schönfeld an der Wild und Blumau an der Wild bei Seebs in den Edelbach einfließt. Dadurch ist der westliche und nördliche Ortsteil von starker Feuchtigkeit geprägt, welche andererseits auf kleinen Raum einen hohen Artenreichtum bei Insekten und Vögel (Störche, Schwalben und Elstern) vorweisen kann.

Geschichte

Kirchberg an der Wild entstand vermutlich in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Der erste zentrale Gebäudekomplex dürfte als Burg-Kirchen-Anlage um 1130/40 errichtet worden sein, dort wo sich heute die Pfarrkirche befindet. Für das Jahr 1153 gibt es bereits die erste urkundliche Erwähnung als Pfarrort. In diesem Dokument ist die Schenkung der Kirche zu Kirchberg (mit dem Drittelzehent) von Ulrich von Pernegg an das Stift Geras vermerkt.

Wappenstein aus dem Jahre 1686 in der Kirche

Folgende Inhaber des Schlosses und der umliegenden Ländereien sind dokumentiert:

  • Jahr 1153: Stift Geras
  • Jahr 1385: Andre Chaczinger von Chirchperg
  • Jahr 1450: Georg von Kuenring-Seefeld
  • 15. oder 16.Jhd.: Johann der Fünfte von Chunringer (*1474 †1513))
  • Jahr 1492: Valentin Gundisch
  • 16. Jahrhundert: Leopold Hager (protestantischer Adeliger)
  • Jahr 1548: Maquard von Khunring (gekauft durch Vertrag von Hanns und Wilhelm Puechheim)
  • Jahr 1552, 1561: Wenzel von Krackwitz
  • Jahr 1561: Hieronymus Stubner
  • Jahr 1605: Johann Ludwig von Krackwitz (Verlust der Güter 1620 an die k.und.k Hofkammer durch Konfiszierung)
  • ab Jahr 1627: Ferdinand Kulmer von Rosenbühel (durch Kauf)
  • ab Jahr 1631: Sohn Ferdinand Kulmer von Rosenbühel (durch Erbschaft)
  • 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts: Susanne Winklerin und Georg Ehrenreich
  • 1641-1653: Joachim Enzmilner welcher sich später Graf von Windhag nennen durfte
  • Jahr 1719: Johann Christoph Ferdinand Graf von Mallenthein
  • bis Mitte der 50er Jahre des 20.Jahrhundert: Van der Straten-Ponthoz
  • bis heute: Familie Frühwirth
Postkarte mit einer Flugaufnahme von Kirchberg an der Wild (vermutlich aus den 1930er Jahren)
Kirchberg an der Wild im Jahre 1672 (Sicht aus Norden)

Es wird angenommen, dass am 14. Oktober 1431 auf der Ebene zwischen Georgenberg und Kirchberg die bedeutende Schlacht gegen die Hussiten stattgefunden hat, bei der die Hussiten eine schwere Niederlage gegen die Österreicher unter der Führung Leopolds von Kraigk erlitten. Allerdings sind die Quellenhinweise zum Ort der Schlacht nicht eindeutig. Nach aktuellem Forschungsstand könnte das Schlachtfeld auch östlich von Thaya am Harder Wald gelegen sein.

Im Ersten Weltkrieg diente das Schloss als Internierungslager für Kriegsgefangene.

1929 wurde Kirchberg zum Markt erhoben. In den Jahren von 1945 bis 1955 wurden im Schloss und den Häusern der Ortschaft russische Truppen untergebracht.

Historische Gebäude

Kirche

Der romanische Baukern der Pfarrkirche (heilige Peter und Paul), welche als älteste im Waldviertel gilt, geht auf das Jahr 1153 zurück. Von der ursprünglichen Anlage ist der romanische vierkantige Turm, der Grundriss des Langhauses und der Triumphbogen erhalten. Burg (Vorläufer vom heutigen Schloss) und Kirche waren ursprünglich durch eine gemeinsame Befestigung gesichert (siehe Stich von Georg Matthäus Vischer von 1672).

Die über eine Schalung gemauerte Sakristei (Mittelding zwischen rundbogiger Tonne und spitzbogigem Knick im Gewölbe) dürfte aus dem Mitte des 13. Jahrhundert stammen. Der Chorbau im Stile der Spätgotik stammte aus dem Ende des 15. Jahrhundert und wurde 1761 barocksieriert.

Der spätgotische kreuzgewölbte Chor mit 5/8 Schluss stammte aus dem 15. Jahrhundert und das Chorquadrat ist mit einem Kreuzrippengewölbe ausgestattet. Das flachgedeckte Langhaus wurde um 1761 im barocken Stile erneuert. Auf den Innenwänden sind vier ovale Ölbilder in Stuckrahmen angebracht, welche um das Jahr 1740 entstanden sind. Es handelt sich dabei um die Heiligen Florian, Petrus, Paulus und Donatus.

Im Turmquadrat befindet sich das Renaissance-Grabmal von Balthasar Winkler von Neuhaus und Kirchberg (kaiserlicher Rat, heiratete 1563 Katarina Susanna von Grünthal).

Der westlichen Vorraum enthält einen 3-teiligen Wappenstein mit einem figuralen Flachrelief aus dem Jahre 1686. Die Pfarre wurde im 12. Jahrhundert dem Stift Geras inkorporiert, und dann im Zeitraum 1611 bis 1700 mit Blumau vereinigt. Danach wurde die Pfarre selbständig.

Der zur Kirche gehörende Pfarrhof (Marktplatz Nummer 2) ist ein schlichter josephinischer Bau mit typischen Putzfelder.

Heute gehört die Pfarre zum Dekanat Geras, welche wiederum der Diözese St. Pölten unterstellt ist

Schloss

Schloss Kirchberg an der Wild

Unter Wenzel von Krackwitz wurde die mittelalterliche Burg um 1555 großzügig zu einem befestigten, dreiflügeligen Renaissanceschloß umgebaut. Beim Schloss selbst handelt es sich um einen massiven zweistöckigen Rechteckbau mit [Lisene|Lisenengliederung].

Vor dem Umbau 1740 war das Gebäude von einem Graben umgeben und zum Haupttor (schmiedeeisernes Torgitter existiert noch) dürfte eine Brücke geführt haben. Sein gedrungener Ostturm mit quadratischem Grundriss ist dem Kirchturm im Stil nachempfunden worden, war jedoch vor den Umbauten 1740 noch ein Rundturm.[1]

Ein Brand im Jahr 1895 zerstörte den nordwestlichen Zubau. Die Zimmer sind noch mit Stuckdecken aus der 2. Hälfte des 19.Jahrhundert ausgestattet.

Die Inschrift A.D 1933 am Turm (unter dem oberen Turmfenster Richtung Marktplatz), lässt vermuten, dass auch in diesem Jahr eine größere Renovierung stattgefunden hat. Auf dem Schlossturm war eine Turmuhr angebracht, mit Zifferblätter Richtung Marktplatz (Osten) und Richtung Göpfritz an der Wild (Süden). Spuren von der Ziffernfeldumrandung und den Mauerlöchern für die Zeiger sind noch heute zu erkennen. Das Schloss ist heute in Privatbesitz und kann nicht besichtet werden.

Marktplatz

Mariensäule am Hauptplatz

Der ehemalige Anger ist ein rechteckiger Platz im Verhältnis 1 zu 6. Im Zentrum befindet sich in einer kleinen Baumgruppe eine Mariensäule aus dem Jahre 1720 (dahinter liegt auch ein unterirdisches Löschwasser-Reservoir). Das Haus Nummer 17 hatte vor seiner Renovierung (ca. 80er-Jahre des 20. Jahrhundert) noch einen barocken Baukern. Davon ist aber nur noch eine volkstümliche Plastik des heiligen Florians in einer Nische erhalten geblieben. Ungefähr die Hälfte der Marktplatzgebäude besitzt noch die Originalfassade aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert.

Historische Siedlungsentwicklung

historische Entwicklung der Siedlungsgebiete in Kirchberg an der Wild

Der ursprünglich Siedlungskernbereich (Zone A) liegt am Hügel rund um den Hauptplatz, mit der Kirche und dem Schloss am westlichen Ende und der Straße Richtung Osten (Verlängerung des Platzes) zum Friedhof und den Feldern.

Danach dürfte die Besiedlung entlang der steilen südlichen Ausfallstraße (Zone B) Richtung Göpfritz an der Wild fortgesetzt worden sein. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden für Pächter (des Schlosses) kleine Bauparzellen westlich der nördlichen Ausfallstraße am Fuße des Hügels (Zone C) zur Verfügung gestellt. Dort entstanden kellerlose Wohnhäuser im einfachen Cottage-Stil, d.h. Außenmauer auf Rahmenfundament aus Felssteinen, strohgedeckte Dächer, Zwischenmauern aus luftgetrockneten Lehmziegeln).

Im 20. Jahrhundert begann dann die Besiedlung an der Ostseite der nördlichen Ausfallstraße (Zone D). Die Entwicklung lässt sich auch gut an den Hausnummer ablesen, die innerhalb der Ortschaft aufsteigend nach Aufschließung der Gründe vergeben wurde (und nicht je nach Straßen, wie es in größeren Orten üblich ist).

So wurde im Jahr 1853 berichtet, dass Kirchberg an der Wild 54 Häuser besaß. Dies entspricht ziemlich genau der Siedlungszonen A und B. Heute befinden sich etwas über 100 bebaute Parzellen im Ort.

Historische Entwicklung der Wirtschaft, Infrastruktur und Kommunaleinrichtungen

Bis zum 2. Weltkrieg war die Beschäftigungsstruktur grob in drei Bereiche gegliedert:

  1. Selbständige Bauern und Gewerbe
  2. Unselbständige, die im direkten und indirekten Dienst des Schlosses standen (Tagelöhner, Pächter, Angestellte) und
  3. staatliche Bedienstete (Bahn, Post, Gemeinde)

Dies änderte sich in der zweiten Republik. Einerseits stand der Arbeitgeber „Schlossherr“ nur noch bedingt zur Verfügung (Verkauf des Schlosses), andererseits verursachte der eiserne Vorhang eine Blockierung des Waren- und Dienstleistungsaustausches in Richtung der damaligen Tschechoslowakei. Dies führte nicht nur zu einem ökonomischen Niedergang, sondern auch zu einem Rückgang der Bevölkerungsdichte durch Abwanderung und einer Auflösung der dörflichen und regionalen Infrastruktur. Dieser Effekt war nicht nur auf Kirchberg an der Wild begrenzt, sondern erfasste das gesamte nördliche Waldviertel.

Diese Rückentwicklung, welche noch bis Anfang der 90er (des 20. Jhd.) andauerte, manifestierten sich im Rückbau der Franz-Josefs-Bahn (Österreich) auf ein Gleis (1959-1967), Stilllegung der Lokalbahn Göpfritz–Raabs (1986), Auflösung des Postamts und der Volksschule im Dorf, und Schließung von dörflichen Betrieben wie Fleischer, Bäcker, Gasthaus und zwei kleinen Kaufhäusern. Diese Situation veränderte natürlich auch das Arbeitsangebot und viele Bewohner waren daher gezwungen einer Beschäftigung als Pendler nachzugehen (Wochenpendler bis nach Wien).

Bis in die Zwischenkriegszeit gab es auch noch folgende Betriebe zusätzlich in Kirchberg an der Wild:

  • Mühle (das Gebäude existiert noch; das Mühlrad wurde jedoch in den 1970er demontiert)
  • Spiritusbrennerei am Schlossgelände (aus den hiesigen Kartoffeln; der Schlot ist heute noch sichtbar)
  • Gewerbliche Fischzucht (Karpfen) im Schlossteich

Mit Öffnung der Grenzen (1989) erlebte die Region einen kleinen Aufschwung, welche durch den Beitritt von Tschechien zur EU (2004) noch verstärkt wurde. Es erfolgte ein Ausbau und eine Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur; z.B.: das gesamten Ortsgebiet wurde an eine zentrale Wasser-, Kanal- und Gasversorgung angeschlossen; die Franz-Josefs-Bahn (Österreich) wurde im Streckenabschnitt Göpfritz an der Wild (2,5 Kilometer von Kirchberg entfernt) elektrifiziert. Auch haben sich die Versorgungsmöglichkeit seit Anfang des 20. Jahrhunderts durch Ansiedlung von großen Handelsketten in der Region stark verbessert.

Bedeutende hier geborene oder hier wirkende Menschen

Wichtige Politiker:

  • Erich Mautner, Bürgermeister und Ortsvorsteher in Ruhe
  • Erich Beranek, Ortsvorsteher

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Kirchberg an der Wild – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  • Karl Gutkas: Geschichte des Landes Niederösterreich. Niederösterr.Pressehaus Druck- und VerlagsgesmbH, St. Pölten 1983
  • Richard Kurt Donin: Dehio Handbuch - Die Kunstdenkmäler Österreichs - Niederösterreich. Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1953
  • Franz Karl Wißgrill: Schauplatz des landsässigen Niederösterr. Adels, Band 5, gedruckt bey Christrian Fridrich Wappler 1804
  • Franz Xavier Joseph Schweickhardt (Ritter von Sickingen): Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens,gedruckt bei Anton Benko, Wien 1841
  • Historische Kommission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften: Fontes rerum Austriacarum: Diplomataria et acta (zweite Abtheilung - VI.Band), k.u.k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1853
  • Historische Commission Kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien, Notizenblatt. Beilage zum Archiv für Kunde Österreichischer Geschichtsquellen, 1853
  • Gemeindedaten von Göpfritz an der Wild. In: Statistik Austria.
  1. (siehe Stich von Georg Matthäus Vischer von 1672)