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Licht

Licht ist Leben. Unter Einwirkung von Licht verwandeln Pflanzen anorganische Stoffe in organische Substanz. Der Gegensatz zwischen Licht und Finsternis hat Philosophie und Religionen in aller Welt und zu allen Zeiten beeinflusst. Politiker ließen sich gern als Licht ihrer Völker bezeichnen. Positiv formuliert vom Bayernherzog Wilhelm V. (+ 1597) "Der Fürst muss einer Kerze gleichen, die sich selbst verzehrt, indem sie anderen leuchtet". Für Künstler ist die Darstellung von Licht und Schatten ein interessantes Thema. 

Tag und Licht sind Synonyme des Bewußtseins, Nacht und Dunkel des Unbewußten. Wem etwas bewußt wird, dem "geht ein Licht auf". Mit dem Morgen ist nicht nur der Anfang verbunden, sondern auch der Blick nach oben. Die Chimären der Nacht verschwinden, mit der Sonne steigt neue Hoffnung auf, Wahrheit kommt an den Tag. "Morgenstund' hat Gold im Mund" sagt ein Sprichwort, und dieses Gold steht für Sonne, Licht, Leben, Glück und Hoffnung. 

Nach dem biblischen Bericht schuf Gott im Anfang den Himmel und die Erde, die "wüst und wirr" (tohuwabohu) war: "Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war." Er nannte das Licht "Tag" und die Finsternis "Nacht". Damit endete der erste Schöpfungstag. (Gen 1,3-5) 

Das Hervorbrechen des Lichtes aus der Dunkelheit zeigt die Geburtsgeschichte des Mithras. Die Epiphanie des persischen Lichtgottes fällt auf den 25. Dezember, nahe beim Wendepunkt der Sonne. Sein mystischer Kult wurde in Felsengrotten und unterirdischen Räumen begangen. Er verbreitete sich von Persien über Kleinasien, Griechenland und (seit 70 v.Chr.) durch die Soldaten von Rom bis Germanien und Britannien. In Petronell-Carnuntum befanden sich fünf Mithräen. Darstellungen zeigen, wie der jugendliche Sonnengott der Erde entsteigt. 

Nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, verfolgten die römischen Obrigkeiten die Mithras-Anhänger. Als die Kirche den Geburtstag Jesu - der von sich sagt: "Ich bin das Licht der Welt" - festlegte, wählte sie als Termin ihres Weihnachtsfestes den 25. Dezember. Die byzantinische Kunst zeigt das Jesuskind nicht in der Krippe, sondern in einer dunklen Höhle oder Grotte. Auf Darstellungen der Westkirche geht ein Licht von der Krippe aus, in dem man den Schweif des Kometen erkennen wollte. Gemeint war aber die Bezeichnung "Lichtstrahl" oder "Abglanz" der Herrlichkeit Gottes (Heb 1,3) für das Christuskind. 

Im Johannesprolog im Neuen Testament heisst es nicht nur: "Im Anfang war das Wort", sondern wenig später auch: "In ihm war das Leben und das Leben war das Licht des Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfaßt. … (Jesus Christus) das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt" (Joh 1,1;4;9). Matthäus spricht allen Gläubigen zu: "Ihr seid das Licht der Welt" (Mt 5,14). Das geistliche Licht heiligmäßiger Menschen zeigt sich in der Kunst als Nimbus. Anfangs nur Christus und den Engeln zugedacht, wurden seit dem 6. Jahrhundert auch Propheten, Apostel, Märtyrer und Heilige durch einen Glorienschein als Auserwählte gekennzeichnet. 

Zahlreiche Bräuche haben mit Licht zu tun: Lichterschwemmen, Orakel, Ostern, Geburtstag, Taufe, Kommunion, Firmung, Trauung, Begräbnis, Allerseelen, Laternenumzug, Advent, Weihnachten, Silvester. Der Lichtbratmontag in Bad Ischl hat es sogar zu einer Eintragung in die nationale UNESCO-Kulturerbeliste gebracht. Am ersten Montag nach Michaeli (29. September), an dem die Winterarbeit bei Licht begann, luden die Meister ihre Gesellen zu einem Festessen ein - wie sie anderswo zu Martini eine "Lichtgans" spendierten. Jetzt feiert ein eigenes Komitee die Ischler, die einen runden Geburtstag feiern, und die Geschäfte haben geschlossen.


Quellen:
Hannelore Fielhauer: Die Kerze. Ein Lichtblick der Kulturgeschichte. Wien 1987
Herbert Rauchenecker: Licht- und Feuerbräuche. München 2003. S. 51
Helga Maria Wolf: Vortragsmanuskript "Lichterfeste & Feuerbräuche", 3. Dezember 2002
Lichtbratlmontag
Kulturerbe

Bild: See im Sonnenlicht. Farbpostkarte um 1900. Gemeinfrei