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vom 10.06.2017, aktuelle Version,

Anton Reinthaller

Anton Reinthaller

Anton Reinthaller (* 14. April 1895 in Mettmach, Oberösterreich; † 6. März 1958 ebenda) war ein österreichischer Gutsbesitzer, ab 1938 Minister für Land- und Forstwirtschaft im Anschlusskabinett Seyß-Inquart, NSDAP-Reichstagsabgeordneter und ab 1939 bis Kriegsende Unterstaatssekretär in Berlin. Zuletzt war er Bundesparteiobmann der FPÖ.

Leben

Anton Reinthaller war der Sohn eines Bauern. Er besuchte in seinem Heimatort die Volksschule und in Linz das Realgymnasium. Am Ersten Weltkrieg nahm Reinthaller als Soldat der k.u.k. Armee teil und befand sich von Juni 1916 bis Juni 1918 in russischer Kriegsgefangenschaft. Er erreichte den Rang eines Oberleutnants der Reserve.[1] Zurückgekehrt nach Österreich, studierte er Land- und Forstwirtschaft an der Hochschule für Bodenkultur in Wien. Nach dem Studium arbeitete er als Forstwirt in Lilienfeld, Attersee und Haus im Ennstal. Er war auch als Landwirt tätig.

Betätigungen in der Zeit des autoritären Ständestaates

Während der Ersten Republik war er zuerst Mitglied des Landbundes und ab 1930 Mitglied der NSDAP in Österreich, die dort 1933 für illegal erklärt wurde. Reinthaller vertrat in der NSDAP eine nicht betont gewalttätige Linie und kam deswegen in Konflikt mit Theodor Habicht. Nach dem Scheitern des Juliputsches 1934 wurde er im Anhaltelager Kaisersteinbruch interniert. Dort freundete er sich mit Ernst Kaltenbrunner an. Er versuchte danach, die NSDAP in Österreich wieder neu aufzubauen (Gründung des Komitees der „Nationalen Aktion“); sie sollte 1934 unter dem Titel „Nationalsozialistischer Volksbund Österreichs“ zusammengefasst werden und dann der Vaterländischen Front beitreten. Bekannt wurde diese „Aktion Reinthaller“ als der Versuch einer Befriedung zwischen der österreichischen NSDAP und dem Ständestaat. Dieser Versuch wurde vom Sicherheitsdirektor von Salzburg und Ernst Rüdiger Starhemberg zu Fall gebracht, u. a. weil die NSDAP weiterhin umstürzlerische Flugzettel verteilte. Auch sonst fanden diese Bestrebungen von Seiten der Politik und der Sicherheitsbehörden keinerlei Zustimmung; mit Schreiben vom 10. Oktober 1934 wurde Reinthaller von der Bundespolizeidirektion Wien unter Strafandrohung aufgefordert, diese Bestrebungen sofort einzustellen.[2][3] Reinthaller wurde in der NSDAP von Hermann Neubacher abgelöst und verlor 1937 seine Positionen in der Partei. Gestützt wurde er weiterhin von Rudolf Heß und Richard Walther Darré.

Karriere in der NS-Zeit

Nach dem „Anschluss“ Österreichs wurde er am 11. März 1938 Minister für Land- und Forstwirtschaft im Anschlusskabinett Seyß-Inquart. Des Weiteren wurde er im April 1938 Reichstagsabgeordneter bis zum Kriegsende im Mai 1945 sowie 1939 Unterstaatssekretär in Berlin. In seiner Antrittsrede erklärte er: „Der nationale Gedanke bedeutet in seinem Wesen nichts anders als das Bekenntnis der Zugehörigkeit zum deutschen Volk.“ Charakteristisch für sein familiäres Umfeld war, dass die Ehefrau Theresia Reinthaller zusammen mit Margarethe von Pausinger (Zitat aus dem Protokoll der Gendarmerie: zwei streng nationalsozialistisch eingestellte Frauen) am 30. Dezember 1939 den Berliner Maler Fritz Wingen, der in Lambach auf Besuch war, bei der Gendarmerie denunzierte, da er gesagt haben soll, Deutschland mit der heutigen Regierung (werde) noch ganz auf den Hund kommen. Diese Denunziation hatte zur Folge, dass Wingen vom Sondergericht Linz nach dem „Heimtückegesetz“ als „Volksschädling“ zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt wurde.[4]

Im Dezember 1938 trat er der SS bei (SS-Nr. 292.775).[1] Reinthaller erhielt am 30. Januar 1941 den Ehrenrang SS-Brigadeführer.[5] Im SS-Oberabschnitt Donau war er Inspekteur des SS-Reiterwesens. Er war Landesbauernführer und Landesjägermeister im Donauland.[1] Er war zudem Träger des Ehrenwinkels der SS und des Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP.

Politische Karriere in der Zweiten Republik

1950 bzw. 1952 verurteilten ihn die Volksgerichte wegen seiner Verstrickung während des nationalsozialistischen Regimes wegen Hochverrats zu 3 bzw. 2½ Jahre Kerker und 1952 zu Vermögensverlust.

1955 hatte Anton Reinthaller zusammen mit Friedrich Peter und Emil van Tongel die deutschnational gesinnte „Freiheitspartei“ mitgegründet, deren Ziel es war, dem VdU eine prononciert deutschnationale Ausrichtung zu geben. Beim Zusammenschluss des VdU mit der „Freiheitspartei“ zur FPÖ am 17. Oktober 1955 wurde er deren stellvertretender Vorsitzender. Auf dem konstituierenden Parteitag der FPÖ im Hotel „Weißer Hahn“ in Wien am 7. April 1956 wurde Reinthaller zum ersten Bundesparteiobmann der FPÖ gewählt; diese Funktion nahm er bis zu seinem Tode 1958 ein. Danach folgte ihm am 3. ordentlichen Bundesparteitag der FPÖ, der vom 12. bis 14. September 1958 in Salzburg tagte, Friedrich Peter, den mit Anton Reinthaller ein politisches Vater-Sohn-Verhältnis verband.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Wolfgang Graf: Österreichische SS-Generäle. Himmlers verlässliche Vasallen, Klagenfurt/ Ljubljana/ Wien 2012, S. 89
  2. Der Text des von Reinthaller ausgearbeiteten "Etappenplans" findet sich in Reichhold, L. (1984). Kampf um Österreich. Die Vaterländische Front und ihr Widerstand gegen den Anschluss 1933 - 1938. Herausgegeben vom DÖW. Wien: Österreichischer Bundesverlag. S. 153 ff.
  3. Ludwig Jedlicka, Rudolf Neck (Hrsg.): Von Justizpalast zum Heldenplatz. Studien und Dokumentationen 1927 bis 1938. Österreichische Staatsdruckerei, Wien 1975, S. 479.
  4. http://ns-ooe.contextxxi.at/item14.html Der Konflikt um die Ehrenbürgerschaft der NS-Denunziantin Margarethe Pausinger.
  5. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 475.