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vom 14.03.2017, aktuelle Version,

Bärenwald Arbesbach

Vinzenz ist einer der ersten Braunbären aller Projekte der Vier Pfoten

Der Bärenwald Arbesbach (eigene Schreibung BÄRENWALD Arbesbach) ist ein Bärenschutzzentrum bei Arbesbach im niederösterreichischen Bezirk Zwettl. 1998 wurde das Freigehege eröffnet und ist so das erste Bärenschutzprojekt der Tierschutzorganisation Vier Pfoten.[1] Der Bärenwald bietet Bären aus schlechter Haltung eine verhaltensgerechte Haltung. Derzeit leben hier sieben Braunbären auf insgesamt 14.000 Quadratmetern. Auch Marbu, der letzte Zirkusbär Österreichs, fand in Arbesbach ein neues Zuhause.[2] Seit 28. Mai 2000 ist die Anlage von März bis Anfang November auch für Besucher geöffnet.

Hintergrund

Bären in Gefangenschaft können nicht mehr ausgewildert werden. Sie sind zu sehr an den Menschen gewöhnt und könnten dadurch erhebliche Schäden anrichten, die wohl den Abschuss des Tieres zur Folge haben würde. Durch schlechte Haltungsbedingungen sind viele schwer verhaltensgestört. Der Bärenwald Arbesbach bietet solchen Bären die Möglichkeit, Instinkte und ihr natürliches Verhalten wiederzuentdecken.

Ein Grundsatz aller Vier Pfoten-Bärenprojekte ist, dass die Bären nicht zur Schau gestellt werden. Der Kontakt zum Menschen wird auf ein notwendiges Minimum reduziert. Die Bären sollen die Möglichkeit haben, sich ihren eigenen Tagesablauf zu schaffen.

Nachdem die Tiere in den Bärenwald gebracht wurden, verpflichten sich die ehemaligen Bärenbesitzer mit der Übergabe der Tiere an Vier Pfoten, keine weiteren Bären mehr anzuschaffen oder zu halten.

In den Bärenwäldern wird keine Nachzucht von Wildtieren in Gefangenschaft betrieben. Alle männlichen Bären sind kastriert, da Jungbären, die unter kontrollierten Bedingungen heranwachsen, nicht ausgewildert werden können.

Die Anlage

Das reich strukturierte Gelände in der Naturlandschaft Arbesbach-Schönfeld im niederösterreichischen Waldviertel bietet Bären ein tiergerechtes Zuhause. Die Anlage ist in vier Sektoren unterteilt, die es ermöglichen die Bären voneinander zu trennen und die Tiere zur Fütterung in ein anderes Areal zu schleusen. Die Bären können hier ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben, baden, graben, umherstreifen, klettern und die arttypische Winterruhe halten. Videokameras ermöglichen es, die Bären in ihren Höhlen oder uneinsehbaren Bereichen zu beobachten, ohne die Tiere zu stören. Das Areal wurde gepachtet und 1998 darauf der erste Bärenwald der Tierschutzorganisation Vier Pfoten errichtet. 2009 wurde der Bärenwald Arbesbach erweitert eröffnet.[2] Ein Gehegeabschnitt wurde angebaut sowie ein Besucherzentrum errichtet, das über die Arbeit von Vier Pfoten und dessen Bärenschutzprojekte aufklären soll. Weiters behandelt der interaktive Rundweg den pädagogischen Auftrag in Bezug auf den Braunbären im Allgemeinen und in Österreich.

Die Bären

Im Bärenwald Arbesbach leben derzeit sieben Braunbären, davon drei Syrische Braunbären (Jerry, Tom und Vinzenz) und vier Europäische Braunbären (Brumca, Emma, Erich und Miri).

Die ersten Bären, die 1998 in den Bärenwald Arbesbach übersiedelten, waren Liese und ihr Bruder Vinzenz (* 1988 in Slowenien) sowie Brumca (* 1992 in der Slowakei). Das Geschwisterpaar wurde neun Jahre lang als Besucherattraktion in einer Betongrube nahe einer Liftstation gehalten und Brumca war ein Gastgeschenk eines slowakischen Geschäftsmannes. Sie musste fünf Jahre auf 35 m² ohne Struktur leben und galt als Prestige-Objekt. 2000 wurden dann die zwei ehemaligen Zirkusbären Tom und Jerry (* 1988 in Tschechien) in den Bärenwald Arbesbach gebracht. Im Jahr 2002 kam die in Deutschland geborene Lara (* 1980–2015) hinzu und 2006 wurde Marbu (* 1982–2007), der letzte Zirkusbär Österreichs, in den Bärenwald Arbesbach übersiedelt. Marbu musste im Sommer 2007 aufgrund von Nierenversagen eingeschläfert werden. Lara musste im November 2015 eingeschläfert werden, da sich ihr Bewegungsapparat stark verschlechterte und sie nicht mehr aufstehen konnte. Mit 35 Jahren war sie die älteste Bärin im Bärenwald Arbesbach.

Bärenjunges Eddie beim Spielen

2011 bereicherte ein jordanisches Bärenkind den Bärenwald Arbesbach. Eddie (* 2010–2014) kam in einem Zoo in Amman zur Welt und wurde kurz darauf von seiner Mutter getrennt um ihn zu verkaufen. Mit vier Monaten fanden ihn Mitarbeiter des Bärenwald Arbesbachs sowie der Princess Alia Foundation kurz PAF. Im Mai 2011 wurde Eddie von Jordanien nach Österreich gebracht, um hier von Artgenossen zu lernen und von seinen Verhaltensanomalien ab zu lassen.[3] Am 24. Mai 2014 geschah ein tragischer Unfall: Eddie verhedderte sich dermaßen unglücklich mit den zum Spielen angebrachten Seilen, die aus Sicherheitsgründen mit Schläuchen und Plastik ummantelt waren, geriet in Panik und erstickte.

Am 6. Oktober 2015 kamen drei weitere Bären in den Bärenwald Arbesbach. Die drei damals noch namenlosen Braunbären wurden aus dem seit 2012 behördlich geschlossenen Tierpark Enghagen (bei Windischgarsten in Oberösterreich) nach Arbesbach übersiedelt. Es handelte sich um eine etwa zwölfjährige Mutterbärin mit ihren beiden sechsjährigen Jungbären. Im Frühjahr 2016 erhielt die Mutterbärin den Namen Miri, die Tochterbärin den Namen Emma und der Bärensohn den Namen Erich.

Die Bärin Liese, eine der ersten drei Bewohner vom Bärenwald Arbesbach, musste im März 2017 eingeschläfert werden. Sie litt an einem bösartigen Tumor.[4]

Pflege

Einige Bären haben in den langen Jahren ihrer Gefangenschaft schwere Verhaltensstörungen ausgebildet, die sie unter den neuen Lebensbedingungen erst nach und nach ablegen. Hierfür wird ihr Lebensraum bereichert, um ihr natürliches Verhalten zu fördern (Behavioral and Environmental Enrichment).

Braunbärin Lara pflückt eine für sie aufgesteckte Birne

Ziel ist, für die Tiere Bedingungen zu schaffen, die sich an ihrem Leben in freier Wildbahn orientieren. So wird zum Beispiel die Nahrung versteckt, so dass der Bär einen Großteil seiner Zeit mit Nahrungssuche beschäftigt ist, wie in freier Wildbahn. Hierbei wird darauf geachtet, dass für jeden Bären genügend Nahrung zur Verfügung steht, sodass es zu keinen Kämpfen um das Futter kommt.

Erfahrene Tierpfleger und Wildtierärzte betreuen die Bären individuell, damit sie von ihren gesundheitlichen Leiden und stereotypen Verhaltensweisen genesen. Das Verhalten der Bären wird beobachtet und dokumentiert. Vier Pfoten arbeitet eng mit Wissenschaftlern und Universitäten zusammen.

Obwohl Braunbären in freier Wildbahn Einzelgänger sind, werden sie im Bärenwald Arbesbach teilweise „vergesellschaftet“ – sie leben in kleinen Gruppen zusammen. Dies kann sich positiv auf ihr Verhalten auswirken, wenn man die richtigen Partner findet. Hierbei wird sehr vorsichtig umgegangen, damit kein Bär gestresst wird oder gar den anderen attackiert. Unter kontrollierten Bedingungen kann die Nähe eines Artgenossen sogar bereichernd sein.

Das Gehege

In jedem Sektor des insgesamt 14.000 m² großen Areals befinden sich ein Teich sowie Winterhöhlen und Unterschlupfmöglichkeiten für die Tiere. In der naturnahen Umgebung können die Tiere ihre Instinkte wieder entdecken und die für sie bereitgestellten Enrichment-Objekte erkunden sowie den Großteil des Tages mit der Futtersuche verbringen.

Für Besucher

Der Bärenwald Arbesbach hat von Ostern bis Allerheiligen täglich für Besucher geöffnet. Hier können sie sich an Stationen im Gelände über das Leben der Tiere informieren. Betreute Führungen und Vorträge machen auf das Thema der privaten Wildtierhaltung in Österreich und die damit verbundene Tierschutzarbeit von Vier Pfoten aufmerksam. Spezielle Schulführungen sowie Kinder- und Jugendprogramme sollen die jungen Generationen für das Thema Bär sensibilisieren um in der Zukunft ein Leben „Tür an Tür“ mit freilebenden Bären zu ermöglichen. Ein Teil des Areals ist nur durch Glasscheiben einsehbar bzw. nur im Rahmen von Führungen zugänglich, um den Tieren eine Rückzugsmöglichkeit zu bieten.

Ziel

Ziel ist es, aufzuklären und strengere Haltungsrichtlinien für diese Tiere durchzusetzen. Bären sind weder Haustiere noch Zirkusclowns. Auch braucht man sie nicht zu fürchten, wenn man den richtigen Umgang kennt und den Freiraum der Tiere respektiert. Der Bär soll wieder einen Platz in seiner angestammten Heimat haben, dafür muss jedoch ein Umdenken stattfinden. Die Arbeit mit den Menschen ist gleichsam Tierschutz.

Externe Projekte

Kragenbärin Ali bei einem mit Datteln gefüllten Futterstamm

Das Bärenwald Arbesbach Team engagiert sich auch außerhalb des Bärenwaldes. Zum Beispiel in Wiener Neustadt, in dessen Stadtpark Kragenbären in einem Käfig gehalten wurden, konnten in Zusammenarbeit mit den dortigen Pflegern regelmäßig Verbesserungsarbeiten durchgeführt sowie Hilfestellungen in Bezug auf bärengerechte Haltungsweisen erbracht werden. Die dortige Kragenbärin Ali ist mittlerweile verstorben. Es wurde alles getan, um ihr das bestehende Gehege altersgerecht zu gestalten und in Zusammenarbeit mit dem dortigen Tierpfleger ein Beschäftigungsprogramm aus zu arbeiten. Ali wurde ihr Futter nun täglich altersgerecht verteilt sowie Reizeindrücke geschaffen, die den Alltag der Bärin bereicherten. Die Kragenbärin nahm die Veränderungen mit großem Interesse an. 2012 musste sie aufgrund von Organversagen eingeschläfert werden. Wiener Neustadt hat „Vier Pfoten“ schriftlich versichert, keine Bären mehr zu halten.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. BÄRENWALD Arbesbach auf der Seite von Vier Pfoten Österreich
  2. 1 2 Die Bären sind los. In: derStandard. 13. Mai 2009.
  3. Transport des jordanischen Bärenwaisen Eddie nach Arbesbach
  4. Arbesbach: Erste Bärin eingeschläfert auf ORF vom 10. März 2017 abgerufen am 10. März 2017