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vom 04.06.2017, aktuelle Version,

Gattendorf (Burgenland)

Gattendorf
Wappen Österreichkarte
Wappen von Gattendorf
Gattendorf (Burgenland) (Österreich)
Gattendorf (Burgenland)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Neusiedl am See
Kfz-Kennzeichen: ND
Fläche: 25,1 km²
Koordinaten: 48° 1′ N, 16° 59′ O
Einwohner: 1.325 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 53 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2474
Gemeindekennziffer: 1 07 06
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 4
2474 Gattendorf
Website: www.gattendorf.at
Politik
Bürgermeister: Franz Vihanek (ÖVP)
Gemeinderat: (2012)
(19 Mitglieder)
9
8
1
1
9  8  1  1 
Von 19 Sitzen entfallen auf:

Lage der Gemeinde Gattendorf im Bezirk Neusiedl am See
Andau Apetlon Bruckneudorf Deutsch Jahrndorf Edelstal Frauenkirchen Gattendorf Gols Halbturn Illmitz Jois Kittsee Mönchhof Neudorf bei Parndorf Neusiedl am See Neusiedl am See Nickelsdorf Pama Pamhagen Parndorf Podersdorf am See Potzneusiedl Sankt Andrä am Zicksee Tadten Wallern im Burgenland Weiden am See Winden am See Zurndorf Bezirk Neusiedl am See Lage der Gemeinde Gattendorf (Burgenland) im Bezirk Neusiedl am See (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Gattendorf ist eine Gemeinde mit 1325 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) im Burgenland im Bezirk Neusiedl am See in Österreich. Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Gáta, der kroatische Raušer.

Gemeindegliederung

Gattendorf ist der einzige Ort in der Gemeinde.

Geschichte

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Gáta verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Gattendorf 1209 als „Kata“ in der Grenzbeschreibung von Csallo. Im Gemeindegebiet stand aber schon 1146 eine hölzerne Kapelle. Dort soll nach der Schlacht der zehnjährige Ungarkönig Géza II., Sohn Bélas II., wehrhaft gemacht worden sein. 1264 wurde der Ort von Grenzwächtern für das ungarische Gyepűsystem besiedelt, die 1339 von König Karl I. in ihren alten Rechten bestätigt wurden. In der Folge wechselte der Ort häufig den Eigentümer oder gehörte mehreren Grundherren zugleich. Von diesen waren das bedeutendste Geschlecht die Herren von Rauscher. Während ihrer Grundherrschaft wurden um 1550 Kroaten im Ort angesiedelt. Später gehörte der Ort der Familie Esterházy. Nach der Aufhebung der Zins- und Robotleistungen kam der im Besitz der Familie Esterházy verbliebene Gutshof Gattendorf an die Familie Czell, in deren Besitz er heute noch ist.

Von ca. 1720 bis 1938 gab es eine jüdische Gemeinde in Gattendorf, die aber nach einem Höchststand von 206 Personen im Jahr 1857 immer kleiner wurde, sodass sie 1885 an die jüdische Gemeinde von Kittsee angeschlossen werden musste.[1] 1934 wohnten nur mehr 19 Juden in Gattendorf, von denen einige der Shoah zum Opfer fielen.[2] An diese jüdische Gemeinde erinnert heute nur noch der Jüdische Friedhof Gattendorf außerhalb der Ortschaft.

Gattendorf verlor zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine kroatische Mehrheit; bis in die Gegenwart ist auch die kroatischsprachige Minderheit -wenn überhaupt – nur mehr auf vereinzelte Sprecher zusammen geschmolzen (Anteil der Kroaten an der Gesamtbevölkerung – 1910: 36,5 %, 1934: 29,8 %, 1951: 5,0 %, 2001: 1,2 %).

Die Gemeinden Gattendorf, Neudorf und Potzneusiedl wurden 1971 durch Zusammenlegung zur Gemeinde Gattendorf-Neudorf. Nach der Trennung der Gemeinden am 1. Jänner 1990 erlangte jede wieder ihre Eigenständigkeit und die Gemeinde Gattendorf wieder ihre Selbstverwaltung.

Bevölkerungsentwicklung

Politik

Die Gemeindevertretung hat insgesamt 19 Sitze.

Bürgermeister
  • bis 2007 Josef Kovacs (LIKO)
  • seit 2007 Franz Vihanek (ÖVP)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Katholische Pfarrkirche Gattendorf
  • Jüdischer Friedhof Gattendorf
  • Altes und neues Schloss: Das alte Schloss ist ein mächtiger Zweiflügelbau mit einer Kernsubstanz aus dem 17. Jahrhundert. Das rustizierte Portal in der siebenachsigen Hauptfront stammt aus dem 17. Jahrhundert und die ionischen Riesenpilaster aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.
  • Kapelle hl. Anna: Sie wurde südwestlich von Gattendorf auf einer Anhöhe als Grabkapelle für den in Gattendorf ansässigen Familienzweige der Esterházy 1712 von Gräfin Maria Esterházy (1668–1720) errichtet.

Bildung

  • Kindergarten
  • Volksschule

Ehrenbürger der Gemeinde

  • Oskar Helmer (1887–1963), Politiker, Innenminister Österreichs der Nachkriegszeit
  • Ervin Kovács (* 1943), ungarischer Unternehmer und Ehrenbürger der Stadt aufgrund besonderer Verdienste

Literatur

  • Klaus Derks: Die St. Anna-Kapelle bei Gattendorf. 2003
  • Klaus Derks: Der Stockwiesenkrieg in Gattendorf: zur Geschichte der Burgenländisch-Niederösterreichischen Landesgrenze. In: Burgenländische Heimatblätter. Nr. 67/2005. Eisenstadt 2005, S. 1–24.
  • Verein zur Erforschung der Ortsgeschichte von Gattendorf [Hg.]: Gattendorfer Rückblicke. Ein historisches Kaleidoskop. Betrachtung der Geschichte Gattendorfs in einzelnen Themen. Verlag Klaus Derks. Erscheint jährlich: Band 1: 2005, Band 2: 2006, Band 3: 2007, Band 4: 2008, Band 5: 2009, Band 6: 2010, Band 7: 2011, Band 8 (Fotoband): 2012
  • Stefan Geosits: Ergebnisse der Volkszählungen 1900–1981. In: Stefan Geosits (Hg.): Die burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeit. Edition Tusch, Wien 1986, S 354-376. ISBN 3-85063-160-5.
  • Nikolaus Wilhelm-Stempin: Das Siedlungsgebiet der Burgenlandkroaten in Österreich, Ungarn, Mähren und der Slowakei. BoD. 2008. ISBN 978-3-8370-4278-8.
  • Erwin Pinter: „Die Geschichte über Gulasch“
  Commons: Gattendorf, Burgenland  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Jüdische Gemeinde Gattendorf, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 24. Februar 2015
  2. Geschichte der Juden im Burgenland, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 24. Februar 2015