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vom 19.03.2017, aktuelle Version,

Gustinus Ambrosi

Reliefbüste des Künstlers im Museum in Stallhofen

Gustinus Ambrosi (August Arthur Ambrosi) (* 24. Februar 1893 in Eisenstadt; † 1. Juli 1975 in Wien) war ein österreichischer Bildhauer und Lyriker.

Leben

Kindheit und Jugend

Gustinus Ambrosi hatte vielseitig begabte Eltern. Der Vater, Friedrich Ambrosi (1851–1908), sorgte als k.u.k.-Hauptmann der österreichisch-ungarischen Monarchie für den Unterhalt der Familie; er war aber auch Kunstmaler und wirkte als Chorleiter und Komponist. Zunächst unterrichtete er an der Militärunterrealschule in Eisenstadt, ab 1894 in St. Pölten, 1899 wurde er nach Prag versetzt, wo er dem 8. Korpskommando zugeteilt wurde. Die Mutter, Natalie Ambrosi, geborene de Lángh, dichtete und spielte ausgezeichnet Klavier.

Der jüngste Sohn August (später Gustinus) erstaunte durch seine auffallende musikalische Begabung; er spielte bereits als 6-Jähriger in Quartetten die Geige. 1900 erkrankte er in Prag an einer epidemisch auftretenden Meningitis mit völliger Gehörlosigkeit als Folge. Von 1902 bis 1906 besuchte Gustinus das Prager Privat-Taubstummeninstitut.

Lehre und Studium

Am 2. Oktober 1906 begann sein Arbeitsleben. Er wurde zuerst probeweise als Praktikant, ab 1907 als Lehrling im größten Prager Bildhauer- und Stuckateurunternehmen „Jakob Kozourek“ aufgenommen.

Nach dem Tod des Vaters (1908) übersiedelte die Familie 1909 nach Graz; hier setzte Gustinus die Lehre bei der Firma Suppan, Haushofer und Nikisch fort, seine Freisprechung erfolgte am 15. Januar 1911. Noch als Lehrling besuchte er die Meisterklasse für Modelleure der Grazer k.u.k. Staatsgewerbeschule. Hier förderte ihn besonders der Bildhauer Georg Winkler, der seine spezielle Porträtbegabung entdeckte. Erste öffentliche Anerkennung erfuhr Ambrosi mit dem Werk Der Mann mit dem gebrochenen Genick (1909); damit wurde der erst 16-Jährige in die Genossenschaft bildender Künstler Steiermarks aufgenommen.

Von 1910 bis 1912 beteiligte er sich erfolgreich an Kollektivausstellungen im Grazer Landesmuseum; 1912 wurde dem jungen Künstler der Staatspreis für Plastik der österreichisch-ungarischen Monarchie verliehen. 1913 erhielt er – nach Fürsprache des k.u.k. Statthalters der Steiermark, Graf Manfred von Clary-Aldringen, – von Kaiser Franz Josef I. ein Staatsatelier auf Lebenszeit in Wien.

Zur weiteren Ausbildung übersiedelte Ambrosi 1912 mit seiner Mutter nach Wien und studierte bis 1914 als außerordentlicher Hörer an der Akademie der bildenden Künste (Gasthörer bei Josef Müllner und Edmund Hellmer, bei Kaspar von Zumbusch Privatunterricht).

1918 vermählte sich Gustinus Ambrosi mit Anni Murmayer, diese Ehe wurde 1922 geschieden; die im selben Jahr geschlossene Ehe mit Maria Louise Janik aus Lemberg endete im Jänner 1925. Erst mit Berta Mayer, die er am 14. Februar 1928 ehelichte, fand er für die nachfolgenden 47 Jahre sein Lebensglück.

Der intensive schriftliche Austausch war für den gehörlosen Künstler von großer Bedeutung, stellte er ihm doch den Kontakt mit der hörenden Umwelt her. Seine schriftliche Hinterlassenschaft ist daher sehr umfangreich; sie enthält nicht nur Korrespondenzen mit Persönlichkeiten aus allen Gesellschaftsschichten, sondern auch Gesprächsaufzeichnungen, Textfragmente und Tagebücher. Dieses authentische Quellenmaterial beweist, dass Ambrosi mit anerkannten Dichtern und Schriftstellern seiner Zeit freundschaftlich verbunden war, wie beispielsweise mit Felix Braun, Stefan Zweig, Anton Wildgans, Franz Karl Ginzkey, Alfons Petzold, Franz Theodor Csokor oder Arthur Fischer-Colbrie Manche porträtierte er aus Begeisterung unentgeltlich.

Zwischenkriegszeit

In der Zwischenkriegszeit war Ambrosi gezwungen, unter großen Anstrengungen Aufträge aus dem Ausland zu erlangen; er arbeitete in vielen Großstädten Europas (Amsterdam, Brüssel, Antwerpen, Paris, Rom, Basel, Zürich, Köln und anderen) und besaß Ateliers in Rom, Paris und Köln.

Im Auftrag des österreichischen Außenministeriums schuf Ambrosi im April 1924 die Mussolini-Büste. Die Beziehungen zum faschistischen Italien brachten ihm den Titel „Commendatore“ ein, den er in den 1920ern fortan auf seinem Briefkopf führte.[1]

1925 beauftragte man ihn, als Kommissär Österreich bei der III. Biennale in Rom zu vertreten; er präsentierte auch heute hoch bewertete Künstler wie etwa Alfons Walde, Gustav Klimt, Egon Schiele, Alfred Kubin, Anton Faistauer, Franz Barwig. In den 1930ern porträtierte Ambrosi den ungarischen Reichsverweser Miklós Horthy und schuf ein Denkmal des 1934 ermordeten Diktators Engelbert Dollfuß, das am Grazer Opernring (damals in „Dollfuß-Ring“ umbenannt) aufgestellt wurde. Das Denkmal wurde am 12. März 1938 von nationalsozialistischen Sympathisanten zerstört.[1]

Zeit des Nationalsozialismus

Ambrosi selbst verweilte zum Zeitpunkt des „Anschlusses“ in Zürich. Nach eigenen Angaben wollte er seine Werke in den drei großen Ateliers in Wien retten und kehrte trotz Warnungen seiner Angehörigen im Juli 1938 nach Wien zurück. Ambrosi wurde prompt von der Gestapo verhört und mit antinationalistischen Zeitungsartikeln aus dem Jahr 1937 konfrontiert, jedoch bald wieder entlassen.[1] Ahnungslos blieb Ambrosi sein Leben lang von den Verfolgungen Leopold Blauensteiners, des Landesleiters der Reichskammer der bildenden Künste für den Gau Wien. Dieser schrieb immer wieder an Adolf Ziegler, den Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, Berlin, dass man ihn, den unzuverlässigen Künstler, nicht mit Aufträgen für die Neue Reichskanzlei betrauen dürfe. Noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war Ambrosi von Generallandesbauinspektor Albert Speer benachrichtigt worden, dass er für die Mitwirkung an der bildhauerischen Gestaltung des Gartens der Reichskanzlei in Berlin ausgewählt worden sei. Nachdem seine Modelle von vier dekorativen Brunnenfiguren aus dem Themenbereich der griechisch-römischen Mythologie (Narziss, Venus, Diana und Bacchus) Gefallen gefunden hatten, erhielt er den Auftrag sie zu schaffen. Infolge des herrschenden Materialmangels während des Krieges konnten nur zwei Skulpturen in Bronze gegossen werden. Die neue Nähe zu Regimegrößen wie dem Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, Adolf Ziegler, half Ambrosi dabei, Denunziationen wegen seiner Nähe zum austrofaschistischen Regime abzuwenden. Ein im Mai 1938 gestellter Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP wurde 1941 zurückgestellt, da einige NSDAP-Funktionäre Ambrosis Mitgliedschaft in der Vaterländischen Front kritisch betrachteten, obwohl Ambrosi seine Mitgliedschaft in der Einheitspartei des Dollfuß-Schuschnigg-Regimes als Zwangsmitgliedschaft ohne aktive Teilnahme bezeichnete. Erst ein internes Schreiben von Speer an Heinrich Himmler machte Ambrosi in den Augen des neuen Regimes über jeden Zweifel erhaben. Speer schrieb: „Daß Ambrosi vor dem Umschwung ein bewußter Anhänger des Dollfuß‐und Schuschnigg‐Regimes gewesen wäre, könnte ihn (Adolf Hitler) nicht dazu veranlassen, auch nur einen Augenblick von der Beschäftigung eines der befähigtsten Bildhauer Deutschlands abzusehen.“ Die politische Vernetzung und Akzeptanz Ambrosis in Berlin half ihm in den folgenden Jahren, weitere Denunziationsversuche zu unterbinden.[1]

Hitler ließ für den von ihm geschätzten Ambrosi durch Reichsbaurat Architekt Roderich Fick in Linz auf dem Pöstlingberg ein Ateliergebäude planen; das Projekt wurde wegen des Kriegsverlaufs bereits in der Planungsphase abgebrochen. Außerdem gab Albert Speer noch 1944 den Auftrag, den für Linz zuständigen Generalbaurat Hermann Giesler damit zu beauftragen, Ambrosi für die Neugestaltung von Linz ebenfalls mit Aufträgen zu versorgen.[2] Kriegsbedingt wurden alle Linzer Projekte sowie die zur künstlerischen Gestaltung der Reichskanzlei zurückgestellt, Giesler nahm auch nie Kontakt mit Ambrosi auf, stand er doch während der Planung der Linzer Projekte in direkter Konkurrenz zu Reichsgrößen wie Arno Breker und Josef Thorak.

Ambrosi arbeitete in dieser für ihn „toten Zeit“ an seinen Dichtungen. Ambrosi versuchte erfolglos, ein Ausweichdepot für seine Werke in Wien 4., Waaggasse 19, und im Staatsatelier im Wiener Prater zu erhalten. In weiterer Folge wurde durch die Bombardierung Wiens sein Staatsatelier im Prater verwüstet und geplündert, 663 seiner Werke wurden zerstört.

Nach 1945

Im Sommer 1945 wandte sich Ambrosi an das Ministerium für Wiederaufbau und bat um Hilfe für das im Dachgeschoss befindliche, schwer zerstörte Stadtatelier, 1040 Wien, Waaggasse 19. Es konnte ihm keine Unterstützung gewährt werden. Weiters suchte er Ausweichquartiere für die noch vorhandenen Werke, die sich im zerstörten Prater Staatsatelier befanden. Fürst Franz Josef II. von Liechtenstein bot ihm Hilfe an. Ambrosi durfte ein Atelier im Park des Stadtpalais des Fürsten benützen. Auch sein Freund, Robert Strebinger, Mikrochemiker der Technischen Hochschule, konnte ihm Räume zur Verfügung stellen. Ambrosi ahnte, dass man ihn nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, Vorwürfe wegen seiner Arbeiten für den Garten der Reichskanzlei machen würde. Vorsorglich schickte Ambrosi einen Brief an die Staatskanzlei, in dem er um Dispens von der Registrierungspflicht als ehemaliger NSDAP-Anwärter bat. Dazu erwähnte er eine Reihe von Namen bekannter Künstler wie Thomas Mann, Romain Rolland, Felix Braun oder Stefan Zweig, die über seine Einstellung gegenüber dem Nationalsozialismus Bescheid wussten. Weiters verteidigte sich Ambrosi, indem er angab, dass sein Schwiegervater seine NSDAP-Mitgliedschaft beantragt und seine Frau die Mitgliedsbeiträge bis 1942 bezahlt hätte. Diese Angaben überzeugten die Staatskanzlei; Ambrosi wurde bescheinigt, der NSDAP nie als Mitglied angehört zu haben. Laut Registrierungsbehörde des Bundesministeriums für Inneres für den 4. Bezirk, Preßgasse 24, wurde festgestellt: „Gustinus Ambrosi - politisch nichts Belastendes“ (Akt 137.313 vom 15. September 1948). 1947 erfüllte Ambrosi erste Porträtaufträge, wie die Bildnisse des Kommandanten Meyer, der Miss Anne Gerard und des Dichters Nicola Sidney. 1948 porträtierte er den französischen Kulturattache Prof. Eugene Susini, Hugo Huppert und den Unterrichtsminister Felix Hurdes. Mit dem Porträt des Bundespräsidenten Dr. Karl Renner, 1949 eröffnete sich für Ambrosi ein neues Betätigungsfeld; erhielt weitere Porträtaufträge von führenden Politikern der Zweiten Republik, darunter Julius Raab (1957),Leopold Figl (1958) und Adolf Schärf (1960).[1]

Das von Ambrosi in Stallhofen erbaute Haus

Nach 1945 strebte Ambrosi die Sicherung seines verbliebenen Lebenswerkes an. Er pochte auf sein Anrecht eines Staatsateliers auf Lebenszeit, vor allem verfolgte er vehement die Idee, einen Teil seines Lebenswerkes dem österreichischen Staat zu schenken. Am 10. Juli 1951 erfolgte der einstimmige Beschluss des Ministerrates, für Gustinus Ambrosi – auf Grund seiner außergewöhnlichen Leistungen auf dem Gebiete der bildenden Kunst – ein Museum zu errichten; den angeschlossenen Wohn- und Ateliertrakt wollte man ihm als Mieter mit allen Pflichten und Lasten zur Verfügung stellen.

Nach den Entwürfen des Architekten Georg Lippert entstand 1953 bis 1957 der Gebäudekomplex im Augarten. Am 20. Mai 1957 unterschrieb Gustinus Ambrosi den Notariatsakt mit der Republik Österreich. 165 Werke in Bronze und Marmor gingen als Schenkung in das Eigentum der Republik über, – 1971 übergab Gustinus Ambrosi weitere 56 Werke an die Republik Österreich (siehe hier).

Infolge der jahrzehntelangen, schweren Arbeit litt Ambrosi in den letzten Lebensjahren unter starken Gelenksbeschwerden der Oberarme; immer wieder erkrankte er in den Wintermonaten an Lungenentzündungen. Trotzdem begann er 1969, im Alter von 76 Jahren, in Stallhofen, Weststeiermark, seinen Alterssitz zu bauen.

Ambrosi schied kurz vor dem Bezug des neu erbauten Hauses am 1. Juli 1975 durch Selbstmord aus dem Leben. Seit 1988 ist das im toskanischen Stil von ihm entworfene Haus ein Museum und zugleich eine Gedenkstätte. Gustinus Ambrosi liegt in einem Ehrengrab der Stadt Graz am St.-Leonhard-Friedhof in Graz begraben.

1978 wurde im Augarten in Wien Leopoldstadt das Gustinus-Ambrosi-Museum eröffnet, das nach dem Konzept des Künstlers gestaltet worden war; es ist heute Teil der Österreichischen Galerie Belvedere. Im selben Jahr wurde auch die Gustinus-Ambrosi-Gesellschaft gegründet. Im Jahr 1984 wurde in Wien Donaustadt (22. Bezirk) die Ambrosigasse nach ihm benannt.

Ambrosis bildhauerisches Werk umfasst rund 2300 Arbeiten, davon etwa 650 Porträts.

Auszeichnungen

  • 1912: Staatspreis für Bildhauerei der österreichisch-ungarischen Monarchie in Graz
  • 1925: Kommandeur des Ordens der Krone Italiens
  • 1927: Große goldene Ehrenmedaille von Papst Pius XI.
  • 1949: Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst
  • 1952: Ritter der französischen Ehrenlegion – Ehrenmedaille der Stadt Triest
  • 1957: Internationale Ausstellung gehörloser Künstler in Rom. Gustinus Ambrosi erhält als bester Bildhauer den „Silbernen Ehrenpokal“ des italienischen Handelsministeriums.
  • 1958: Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse – Große silberne Ehrenmedaille von Papst Johannes XXIII.
  • 1960: Dr.-Adolf-Schärf-Medaille
  • 1963: Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold; Goldener Lorbeer des Wiener Künstlerhauses; Goldene Medaille des Schubertbundes Wien.
  • 1974: Verdienstzeichen I. Stufe des Landesfeuerwehrverbandes, Burgenland

Mitgliedschaften

  • 1932 Mitglied des Wiener Künstlerhauses
  • 1932 Ehrenmitglied der Karl-Franzens-Universität, Graz
  • 1935 Ehrenbürger von Graz
  • 1936 Ehrenbürger von Eisenstadt
  • 1947 Mitglied des Künstlerbundes Tirol
  • 1950 Ehrenmitglied der Friedensgesellschaft Berta von Suttner
  • 1953 Ehrenbürger von Oggau, Burgenland
  • 1956 Korrespondierendes Mitglied der National Sculpture Society New York
  • 1957 Mitglied des Gründungskomitees der Stefan Zweig-Gesellschaft in Wien

Bedeutende Skulpturen (Auszug)

  • Der Mann mit dem gebrochenen Genick, 1909, Ambrosi-Museum, Wien
  • Genie und Idee,1915, Ambrosi-Museum, Wien
  • Denkmal Wilhelm Kienzl,Grazer Opernhaus
  • Promethidenlos, 1916–1918, Ambrosi-Museum, Wien
  • Der ewige Frühling, 1916, Ambrosi-Museum, Wien
  • Der opfernde Abel, 1917, Ambrosi-Museum, Wien
  • Die Erschaffung Adams, 1913–1919, Ambrosi-Museum, Wien
  • Orpheus und Eurydice, 1919, Ambrosi-Museum, Wien
  • Der Mensch und sein Schicksal, um 1920, Ambrosi-Museum, Wien
  • Kain, 1922, Ambrosi-Museum, Wien
  • Die Erkenntnis, 1922, Ambrosi-Museum, Wien
  • Ikaros, 1923, Ambrosi-Museum, Wien
  • Heiliger Sebastian, 1926, Ambrosi-Museum, Wien
  • Mutter Erde, 1929
  • Eli, Eli, lama sabachthani [Kreuz Christi], 1937, Ambrosi-Museum, Wien
  • Bildnisbüste Karl Renner, 1949, Heeresgeschichtliches Museum, Wien
  • Phaidros, 1953, Bank Austria
  • Bildnisbüste Theodor Körner, 1959, Heeresgeschichtliches Museum, Wien
  • Bildnisbüste Adolf Schärf, 1960, Heeresgeschichtliches Museum, Wien[3]
  • Die Blüte, 1965–1975, Ambrosi-Museum, Stallhofen, Weststeiermark
Grabmal für den Physiker Ludwig Boltzmann auf dem Wiener Zentralfriedhof

Ambrosi als Porträtist

Gustinus Ambrosi kann als bedeutender Porträtist des 20. Jahrhunderts angesehen werden; seine Porträts stellen einen wichtigen Beitrag zur Geistes- und Kulturgeschichte dieses Jahrhunderts dar. Er schuf die Porträts der Päpste Pius XI. (1927), Pius XII. (1957) und Johannes XXIII. (1961); es entstanden die Bildnisse von Künstlern, Kardinälen, Fürsten, Staatsmännern, Politikern, Wissenschaftlern, Wirtschaftstreibenden.

Das lyrische Werk

  • Die Sonette an Gott, 1923
  • Die Sonette am Grab einer Liebe, 1926
  • Einer Toten, 1937
  • Das Buch der Einschau, 1959
  • Die Sonette an Beethoven, 1974
  • Das Buch der kleinen Lieder, 1995, 2. Auflage: 2000. Hrsg. G. Ambrosi-Gesellschaft.

Gustinus Ambrosi fand Anerkennung als geistvoller Briefschreiber und Zeitkritiker; er stellte Gott, die Natur, das Schicksal des Menschen, die Ethik und die Ästhetik in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen.

Kritik

Politisch gefärbte Kritik wurde Ambrosi insbesondere in der Phase der verstärkten Vergangenheitsbewältigung in den 80er Jahren zuteil. Liesbeth Wächter-Böhm kritisierte etwa Ambrosis Stellungswechsel vom Dollfußporträtisten zum Großplastiker im Auftrag Albert Speers und weiter zum prominenten Künstler der Zweiten Republik, und Jan Tabor nannte Ambrosi den „prominenten Bildhauer sämtlicher österreichischer Staatsformen dieses Jahrhunderts“. Eingemahnt wurde auch, dass diese Wendungen im Ambrosi-Museum offen dokumentiert werden sollten.[4]

Literatur

  • Stefanie Leitner: Der österreichische Bildhauer Gustinus Ambrosi sein Leben und Schaffen von der Monarchie bis in die 2. Republik. AV Akademikerverlag, 2012
  • Ambrosi Mappe. Mit einem Geleitwort von Felix Braun. Leipzig, Wien: Eduard Strache [1919].[5]
  • Max Hayek: Gustinus Ambrosi. In: Illustrierte Zeitung (Leipzig) 152 (1919), Nr. 3947, S. 197.
  • Fritz Karpfen: Gustinus Ambrosi. Thyros, Leipzig, Wien 1923.
  • Ambrosi-Festschrift 1948. Burgenland, Wien. (Die Fähre. Sonderdruck)
  • Artikelserie in den Zeitschriften Der physiognomische Beobachter. und Der gute Menschenkenner. Hrsg. Siegfried Kupfer. Nürnberg 1953–1977.
  • Mitteilungen und Festschriften der G. Ambrosi-Gesellschaft. Wien 1978–2009.
  • Natalie Ambrosi: Gespräche mit meinem tauben Sohn Gustinus (1906–12). Hrsg. G. Ambrosi-Gesellschaft. 2003.
  • Roswitha Plettenbacher: Einführung in die Korrespondenzen des Bildhauers Gustinus Ambrosi, Hrsg. G. Ambrosi-Gesellschaft, 2013.
  • Franz Renisch: Gustinus Ambrosi. Eigenverlag, ISBN 3-9500018-0-8.
  • Ilse Krumpöck: Die Bildwerke im Heeresgeschichtlichen Museum, Wien 2004, S. 20–22.
  • Otto E. Plettenbacher:"Gustinus Ambrosi, ein Künstlerschicksal in den kulturellen und politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts", Wien 2015, Kremayr & Scheriau, ISBN 978-3-218-01016-0

Quellen

  • Elisabeth Zerlauth: Das dichterische Schaffen Gustinus Ambrosis. Dissertation. Universität Innsbruck, 1982.
  • Anna Maria Hufnagl: Gustinus Ambrosi – Porträtist seiner Zeit. Diplomarbeit. Universität Graz, 1991.
  • Saur – Allgemeines Künstlerlexikon. Band 3. München, Leipzig 1992, S. 156.
  • Felix Czeike: Historisches Lexikon der Stadt Wien, Band 1., S. 81.
  • Ausstellungskataloge (Personale): St. Gallen – Kunstverein, 1923; Budapest – Ernstmuseum, 1933; Graz – Genossenschaft bildender Künstler Steiermarks, 1937; Wien – Palais Lobkowitz, 1951.
  • D. Trier: Ambrosi, Gustinus. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950. 2. überarbeitete Auflage (nur online).
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Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ (PDF; 4,4 MB), S. 136ff, Forschungsprojektendbericht, Wien, Juli 2013
  2. Boelcke, Deutsche Rüstung, 1969, S. 361f.
  3. Ilse Krumpöck: Die Bildwerke im Heeresgeschichtlichen Museum, Wien 2004, S. 21 f
  4. Vgl. Liesbeth Wächter-Böhm (Hrsg.): Wien 1945 davor/danach. Wien 1985, S. 132
  5. Rezension von Hermann Bahr: Kritik der Gegenwart. Augsburg: Haas 1922, 244-247.