Lieboch
Lieboch | ||
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Wappen | Österreichkarte | |
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Basisdaten | ||
Staat: | Österreich | |
Bundesland: | Steiermark | |
Politischer Bezirk: | Graz-Umgebung | |
Kfz-Kennzeichen: | GU | |
Fläche: | 11,73 km² | |
Koordinaten: | 46° 58′ N, 15° 20′ O | |
Höhe: | 334 m ü. A. | |
Einwohner: | 5.060 (1. Jän. 2017) | |
Bevölkerungsdichte: | 431 Einw. pro km² | |
Postleitzahl: | 8501 | |
Vorwahl: | 0 31 36 | |
Gemeindekennziffer: | 6 06 29 | |
NUTS-Region | AT221 | |
Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Packerstraße 85 8501 Lieboch |
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Website: | ||
Politik | ||
Bürgermeister: | Rudolf Aichbauer (SPÖ) | |
Gemeinderat: (2010) (21 Mitglieder) |
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Lage der Marktgemeinde Lieboch im Bezirk Graz-Umgebung | ||
Die Pfarrkirche von Lieboch im März 2012 |
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Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria |
Lieboch ist eine Marktgemeinde mit 5060 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) in der Weststeiermark, 16 Kilometer südwestlich von Graz im Bezirk Graz-Umgebung.
Geografie
Geografische Lage
Lieboch liegt im flacheren Teil des weststeirischen Hügellandes. Durch das Ortsgebiet fließen drei Bäche: der Liebochbach, der Lusenbach und der Arkenbach. Alle drei münden im äußersten Südwesten des Gemeindegebiets in die Kainach.
Gemeindegliederung
Ortschaften
- Lieboch (2.485 Einwohner mit 15. Mai 2001)
- Spatenhof (815 Einwohner mit 15. Mai 2001)
- Schadendorf (695 Einwohner mit 15. Mai 2001)
Nachbargemeinden
Söding | Attendorf | Haselsdorf-Tobelbad |
Mooskirchen | ![]() |
Dobl |
Mooskirchen | Lannach | Dobl |
Geschichte
Das Gebiet, in dem das heutige Lieboch liegt, gehörte in vorchristlicher Zeit zum keltischen Königreich Noricum und ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. zur römischen Provinz gleichen Namens. Während der Völkerwanderungszeit im 5. und 6. Jahrhundert herrschten – zumindest nominell – Ostgoten bzw. Byzantiner sowie Langobarden über die Reste der noch ansässigen christlichen keltoromanischen Bevölkerung.
Nach dem Abzug der meisten Langobarden im Jahre 568 wanderten in das nun schutzlos gewordene Land spätestens während des frühen 7. und des 8. Jahrhunderts nach und nach Slawen (Slowenen) ein [1], welche in der Folge von Salzburg aus christianisiert wurden.[2] Der Ortsname „Lieboch“ könnte aus dieser „slawischen Periode“ stammen und leitet sich möglicherweise vom slawischen Wort „ljüb“ ab, was soviel wie „lieblich“ bedeutet und sich auf die Landschaft beziehen könnte.[3] Den Slawen folgten, da sie in die Abhängigkeit des Herzogtums Bayern geraten waren, im späten 8. und 9. Jahrhundert wiederum größere Gruppen von Bajuwaren[4], die sich im Gebiet um Lieboch (Kainachtal) niederließen - erkenntlich ist das an den in dieser Zeit neu gegründeten Ortschaften mit der typisch bajuwarischen Endung „ing“ (z. B. „Zwaring“, „Fading“,[5] Söding“).[6] Spätestens im 12. Jh war die teils slawische Bevölkerung in und um Lieboch durch diese bajuwarischen Zuwanderer assimiliert bzw. „eingedeutscht“ worden.[7]
Die erste indirekte urkundliche Erwähnung Liebochs betrifft einen Gutsbesitzer bzw. ritterlichen Dienstmann mit dem Namen Ruedperth, de Liboche und stammt aus dem Jahre 1138. Lieboch selbst wird explizit in einer salzburgischen Urkunde aus dem Jahr 1157 erwähnt.[8]
Im Mittelalter existierten zwei Ortschaften mit dem Namen Lieboch (durch beide fließt der Liebochbach): Ein Lywoch in sand Bartholomens pfarr (die heutige Gemeinde Sankt Bartholomä) und ein Nyder Lywoch (das heutige Lieboch).[9]
Eine größere Bedeutung und Bevölkerungszahl erlangte der Ort durch den Bau der Graz-Köflacher Eisenbahn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Da sich die Bahnstrecken nach Köflach und nach Wies-Eibiswald in Lieboch trennen, ist der Ort ein kleiner Eisenbahnknotenpunkt. Die Bahngesellschaft verkaufte Anfang des 20. Jahrhunderts Grundstücke nahe der Trasse an ihre Mitarbeiter, wodurch die Besiedelung vorangetrieben wurde.
Als in den frühen 1970er Jahren die Süd Autobahn gebaut wurde, wurde die Gemeinde auch für die Industrie interessant, etliche Betriebe siedelten sich an, und die Bevölkerungszahl stieg weiter.
1979 wurde Lieboch zur Marktgemeinde erhoben.
Ortsteil Spatenhof
Die kleine Weiler-Siedlung Spatenhof entstand aus jenem Gutshof, der im 12. Jh. im Besitz des ritterlichen Geschlechts des Ruedperth de Liboche war. Dieser Hof lag vermutlich irgendwo zwischen der Eisenbahnunterführung beim Gasthof Kohnhauser (Spitzwirt) und dem Bahnhof Lieboch.
Nach dem Aussterben der Familie im 13. Jh., wurde das zum Gutshof gehörende Land aufgeteilt und kam in bäuerliche Hände.[10]
Ortsteil Schadendorf
Schadendorf ist eine bayrisch-deutsche Gründung, die 1265 erstmals als Seydeinsdorf urkundlich erwähnt wird. Der Ortsname leitet sich von althochdeutschen, männlichen Vornamen Seydein (bzw. Seitti) ab. Er bedeutet also sinngemäß, „das Dorf des Seydein“.[11]
Religionen
1785 wurde Lieboch, inklusive Schadendorf und Spatenhof, nach längerem Bemühen eine eigenständige Pfarre. Davor gehörte das Gemeindegebiet seit dem Mittelalter zur Pfarre Mooskirchen. 1786 fand in Lieboch die Einweihung der Kirche statt (dieses Gebäude wurde 1966 durch einen Neubau ersetzt). 1785 wurde im alten Pfarrhaus außerdem eine Volksschule untergebracht.[12] Die Gemeinde gehört heute zum Pfarramt Lieboch der Diözese Graz-Seckau.
Geologische Geschichte
Im Liebochgraben und seiner Umgebung befinden sich eine Reihe kleiner, wirtschaftlich nicht mehr abbauwürdiger Erz- und Kohlelagerstätten, die zu jenen des Grazer Paläozoikums gehören. Sie wurden eingehend untersucht.[13]
Bevölkerungsentwicklung
Bevölkerungs- entwicklung |
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Datum | Einwohner |
1869 | 614 |
1880 | 664 |
1890 | 769 |
1900 | 733 |
1910 | 827 |
1923 | 894 |
1934 | 1.160 |
1939 | 1.198 |
1951 | 1.642 |
1961 | 2.004 |
1971 | 2.457 |
1981 | 2.859 |
1991 | 3.363 |
2001 | 3.995 |
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Technisches Eisenbahnmuseum Lieboch (TEML)
Im ehemaligen Heizhaus des Bahnhofs Lieboch wurde am 4. September 2004 nach einer Totalrenovierung das Technische Eisenbahnmuseum Lieboch eröffnet. Hier werden Exponate aus der Eisenbahngeschichte und der Geschichte der Graz-Köflacher Bahn gezeigt. Das größte Ausstellungsstück ist eine Dampflokomotive der GKB, die GKB 56.3115, die mitten im Ausstellungsraum, der auch für Veranstaltungen genutzt werden kann, hinterstellt ist.[14]
Bauwerke
Der Kirchenneubau stammt aus dem Jahr 1965 und wurde in der Bevölkerung kontroversiell aufgenommen.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Die Marktgemeinde ist verkehrsmäßig sehr gut angeschlossen. Im Gemeindegebiet befindet sich die Anschlussstelle Lieboch (194) der Süd Autobahn (A2). Die Packer Straße (B 70) von Graz nach Klagenfurt und die Radlpass Straße (B 76) von Lieboch nach Deutschlandsberg führen ebenfalls durch das Gemeindegebiet.
In Lieboch befindet sich ein Bahnhof der Graz-Köflacher Eisenbahn. Im Ort teilt sich die Strecke nach Köflach und nach Deutschlandsberg. In beide Richtungen sowie nach Graz bestehen stündliche S-Bahn-Verbindungen. Darüber hinaus verkehren regelmäßige Busverbindungen nach Graz.
Der Flughafen Graz ist rund 12 Kilometer entfernt.
Medien
- Liebocher Nachrichten (ambitioniertes Gemeindeblatt)
Öffentliche Einrichtungen
Im Ort ist eine Polizeiinspektion der Bundespolizei, zugehörig dem Bezirkspolizeikommando Graz-Umgebung, etabliert.
Bildung
Die Marktgemeinde Lieboch verfügt über einen Kindergarten samt Kinderkrippe, eine Volksschule und eine Musikschule. In der Veranstaltungshalle werden auch Volkshochschulkurse angeboten.
Politik
Gemeinderat
Der Gemeinderat besteht aus 21 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2010 aus Mandaten der folgenden Parteien zusammen:
- 11 SPÖ – stellt den Bürgermeister und den 1. Vizebürgermeister und den Gemeindekassier
- 7 ÖVP – stellt den 2. Vizebürgermeister
- 1 Die Grünen Lieboch
- 1 Bürgerliste Lieboch Neu
- 1 FPÖ

Bürgermeister
Bürgermeister ist Rudolf Aichbauer (SPÖ). 1. Vizebürgermeister ist Gernot Feiel (SPÖ) und 2. Vizebürgermeister Stefan Helmreich (ÖVP).
Wappen
Die Verleihung des Gemeindewappens erfolgte mit Wirkung vom 1. Oktober 1978.[15]
Das Wappen von Lieboch, das anlässlich der Erhebung zur Marktgemeinde 1979 entworfen wurde, zeigt in der Mitte einen goldenen Flusskrebs (wie sie früher zum Verzehr aus der Kainach gefischt wurden) auf rotem Grund, der in seinen Zangen ein Kreuz trägt. Links unten ist ein Mühlrad zu sehen (rot auf Gold, steht für den Ortsteil Mühlau), rechts unten ein Spaten (ebenf. rot auf Gold, steht für den Ortsteil Spatenhof).
Städtepartnerschaften
Sonstiges
Die Graz-Köflacher Eisenbahn hat im Jahr 1864 eine Tenderlokomotive der Serie EWA IIId nach Lieboch benannt.
Weblinks
- 60629 – Lieboch. Gemeindedaten, Statistik Austria.
- Pfarramt Lieboch
Historische Landkarten
- Das Gebiet von Lieboch in Landesaufnahmen in der Zeit von ca. 1789 bis 1910
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Lieboch in der Josephinischen Landesaufnahme um 1790
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Der Westen von Lieboch um 1878, Aufnahmeblatt der Landesaufnahme
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Das Kainachtal östlich von Lieboch, um 1878
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Der Westen von Lieboch (rechts oben) in der franzisco-josephinischen Landesaufnahme, ca. 1910
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Osten von Lieboch (links oben)
Einzelnachweise
- ↑ Hermann Baltl: Die Steiermark im Frühmittelalter. Verlag Leykam, Graz 2004. ISBN 3-7011-7485-7. S. 46.
- ↑ Hermann Baltl: Die Steiermark im Frühmittelalter. S. 79.
- ↑ Franz Lambauer: 850 Jahre Lieboch: 1138–1988 (Festschrift), S. 9–10.
- ↑ Hermann Baltl: Die Steiermark im Frühmittelalter. S. 101.
- ↑ Heinrich Purkarthofer: Fading im Kainachtal. Zur Problematik und Methode siedlungsgeschichtlicher Forschung im Topographiebezirk Graz-Umgebung. In: Gerhard Pferschy: Siedlung, Macht und Wirtschaft. Festschrift Fritz Posch zum 70. Geburtstag. Veröffentlichungen des steiermärkischen Landesarchives. Band 12. Graz 1982. Keine ISBN. Seiten 23–44.
- ↑ Fritz Freiherr Lochner von Hüttenbach: Frühmittelalterliche Namen in der Steiermark. In: Hermann Baltl: Die Steiermark im Frühmittelalter. Verlag Leykam, Graz 2004. ISBN 3-7011-7485-7. S. 159–162.
- ↑ Franz Lambauer: 850 Jahre Lieboch: 1138–1988 (Festschrift), S. 10.
- ↑ Franz Lambauer: 850 Jahre Lieboch: 1138–1988 (Festschrift), S. 12.
- ↑ Franz Lambauer: 850 Jahre Lieboch: 1138–1988 (Festschrift), S. 18.
- ↑ Franz Lambauer: 850 Jahre Lieboch: 1138–1988 (Festschrift), S. 55.
- ↑ Franz Lambauer: 850 Jahre Lieboch: 1138–1988 (Festschrift), S. 57.
- ↑ Franz Lambauer: 850 Jahre Lieboch: 1138–1988 (Festschrift), S. 67–72.
- ↑ Leopold Weber: Die Blei-Zinkerzlagerstätten des Grazer Paläozoikums und ihr geologischer Rahmen. Archiv für Lagerstättenforschung der Geologischen Bundesanstalt Band 12, Wien 1990. ISBN 978-3-900312-72-5. (PDF; 29 MB)
- ↑ Eisenbahnmuseum auf kultur.steiermark.at
- ↑ Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 29, 1979, S. 31.