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vom 29.09.2016, aktuelle Version,

Marchfeldschlösser

Osterreich  Marchfeldschlösser Revitalisierungs- und Betriebsgesellschaft
 MRBG p1
Staatliche Ebene Bundesebene
Stellung Staatliches Unternehmen
Rechtsform Ges.m.b.H.
Aufsicht Wirtschaftsministerium (dzt. BMWFJ)
Gründung 2002
Hauptsitz Marchegg, Schloßhof 1
Leitung Barbara Göss[1]
Mitarbeiter 65[1]
Branche Revitalisierung und touristischer Betrieb zweier Schlösser
Umsatz ca. 1,80 Mio [1]
Website www.schlosshof.at
Basisdaten
Titel: Marchfeldschlösser-Gesetz
Langtitel: Bundesgesetz zur Errichtung einer Marchfeldschlösser Revitalisierungs- und Betriebsgesellschaft m.b.H.
Typ: Bundesgesetz
Geltungsbereich: Republik Österreich
Fundstelle: BGBl. I Nr. 83/2002 (StF)
Gesetzestext: ris.bka
Bitte beachte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung!

Unter dem Begriff Marchfeldschlösser werden mehrere im niederösterreichischen Marchfeld gelegene Schlösser zusammengefasst. Sie sind unter der Marke Marchfelder Schlösserstraße touristisch vernetzt.

Die Schlösser sind Hof, Niederweiden, Orth/Nationalparkzentrum, Marchegg, Eckartsau, sowie Obersiebenbrunn.

Grundlagen

Im Marchfeld liegen mehrere bedeutende Ansitze, die Adelige (unter anderem Eugen von Savoyen) in den vergangenen Jahrhunderten als Kultur- und Sommersitze errichten ließen. In der „Kornkammer“ Wiens gelegen, waren diese Schlösser in erster Linie landwirtschaftliche Großbetriebe, die die wirtschaftliche Grundlage ihrer Besitzer waren. Sie sind Glanzlichter des herrschaftlichen Baugeschehens und Lebens am Lande und von Bedeutung für das Kulturerbe Österreichs. Die überwiegend im Barock des 18. Jahrhunderts errichteten Schlösser und zugehörigen Gartenanlagen repräsentieren eine entscheidende Epoche mitteleuropäischer Geschichte, die aus dem wirtschaftlichen Boom Zentraleuropas nach dem Ende der Türkenkriege hervorgegangen ist: Einige der Schlösser sind ehemalige Burgen, die in den Kriegen zerstört und nach der zweiten Türkenbelagerung revitalisiert wurden.

Das Marchfeldschlösser-Gesetz

Schloss Hof und Niederweiden sind im Besitz der Republik Österreich, die sie durch das Habsburgergesetz aus dem Hofärar der Monarchie übernahm. 2002, unter der Regierung Schüssel, wurde beschlossen, für diese beiden Objekte ein Nutzungskonzept zu erarbeiten und die bewährten modernen Verwaltungsstrukturen etwa der Wiener Schlösser um Schönbrunn oder der Bundesmuseen zu übertragen.

„Die bundeseigenen Schlösser des Marchfeldes Schloß Hof und Niederweiden sind ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes Österreichs. Deren Restaurierung, Erhaltung, Öffnung und Belebung unter Bedachtnahme auf deren historische Konzeption und auf Grundlage kunsthistorischer und denkmalpflegerischer Erkenntnisse, zählen daher zu den kulturellen Aufgaben des Staates. Durch den Aufbau von Kooperationen mit kulturell und touristisch bedeutenden benachbarten Schlössern soll darüber hinaus eine “historische Schlösserstraße” entwickelt werden.“

– § 1 Kulturpolitischer Auftrag des Marchfeldschlösser-Gesetz

Zu diesem Zweck wurde das Marchfeldschlösser-Gesetz 2002 im Nationalrat beschlossen.[2] Es regelt Geschäftsführung, Aufsichtsrat und einen Beirat als „beratendes Organ im Hinblick auf den kulturpolitischen Auftrag“ und „zur Wahrung der ökonomischen, kulturellen, gesellschaftlichen und regionalen Interessen“  3).

Marchfeldschlösser Revitalisierungs- und Betriebsgesellschaft

Per Gesetz wurde die Marchfeldschlösser Revitalisierungs- und Betriebsgesellschaft m.b.H. (MRBG) als 100-%-Eigentum des Bundes errichtet.[3][1] Sie ist für Revitalisierung und touristischen Betrieb der Schlösser Hof und Niederweiden zuständig. Sie untersteht dem Wirtschaftsministerium, und wird vom Land Niederösterreich kofinanziert.

Insgesamt verbrauchte die Revitalisierung bis 2011 etwa 70 Millionen Euro. Schon 2009 stellt der Rechnungshof[4] Mängel in den Konzepten, der „Zuverlässigkeit der Planungsrechnung“ und der „internen Kontrollsysteme“ fest, und „dass eine Selbstfinanzierung des Betriebes nicht möglich sein wird.“[5] Gerade Festschloss Hof, zuungunsten von Niederweiden vorrangig positioniert,[5] konnte die Erwartungen in Besucherzahlen bei weitem nicht erfüllen (2012 nur 100.000 gegenüber für die Kostendeckung notwendigen 400.000).[6]

Per 31. Dezember 2012 ging die Verantwortung für die Objekte vollständig auf die GmbH über, und diese wurde gleichzeitig als Tochtergesellschaft der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft (SKB) zugeordnet, über die auch die weitere Finanzierung abgewickelt wird.[3] Deren Geschäftsführung zeigte sich wenig begeistert, da der Aufwand für Schloss Hof vom Finanzamt nicht als Betriebsausgabe anerkannt, sondern als private Liebhaberei der Gesellschaft eingeschätzt würde, die aus dem versteuerten Betriebsertrag zu finanzieren wäre.[7]

ARGE Marchfeldschlösser

2013 wurde dann eine Arbeitsgemeinschaft Marchfeldschlösser eingerichtet.[8] Sie umfasst Schloss Hof und Niederweiden, Schloss Orth/Nationalparkzentrum, Schloss Eckartsau (beide ebenfalls Bundesbesitz, aber unter anderweitiger Betreuung) und Schloss Marchegg (Besitz der Stadt). Auch wurde die Donau Niederösterreich Tourismus GmbH als Partner beteiligt.[9] Zusammenarbeit besteht nun besonders auch mit der LEADER-Region Marchfeld, die den Tourismus auf Gemeindeebene entwickelt.

Die neue Kooperation soll die Liegenschaften „in ihrem gemeinsamen Auftritt stärken.“ Innerhalb der ARGE soll wieder mehr Fokus auf das ursprüngliche Konzept der Schlösserstraße gelegt werden, so etwa mit einer gemeinsamen Online-Plattform, und „zeitgemäßer Ticket-Schiene“.[8]

Schloss Obersiebenbrunn, seit 2001 Privatbesitz der Koptisch-orthodoxen Kirche und Kloster, ist an der ARGE vorerst nicht beteiligt.

Marchfelder Schlösserstraße

Schon in den 1980ern wurde vom Verein Forum Marchfeld (Gänserndorf), einer lokalen Kulturinitiative, der Begriff der Marchfeld Schlösserstraße entwickelt, um wichtige Schlösser des Marchfeldes zu einer Themenstraße zu vernetzen,[10] und so auch im Marchfeldschlösser-Gesetz 2002 als Auftrag verankert.[2] 1985 erfolgte auch eine Ausschilderung, mit über 120 Straßenschildern.[11]

Seinerzeit wurde auch angedacht, diese Route grenzüberschreitend nach Südmähren oder Ungarn fortzusetzen.[12] Ausdrücklich geplant war auch eine gute Erschließung durch öffentliche Verkehrsmittel.[12][13]

Nachdem aber lange Jahre die Revitalisierung der Bundesschlösser auf sich warten ließ, und das touristische Konzept stagnierte, wurde erst 2012 ein Kooperationsvertrag zwischen beteiligten Betreibern und Gebietskörperschaften abgeschlossen, im Rahmen dessen das Projekt forciert werden soll. Die Rahmenbedingungen erscheinen durch erfolgreiche überregionale Kooperationen wie der Europaregion Centrope, den Verkehrsverbund Ost-Region, oder die parallel verlaufenden Donau-Radweg und Marchfeldkanal-Radwanderweg[14] (Variante Marchfelder-Schlösser-Radweg)[15] heute günstiger.

Die Marchfeldschlösser

erste Spalte: Bild, sortiert sich nach Datierung des heutigen Erscheinungsbildes
vorletzte Spalte: ∗ … Mitglied der ARGE Marchfeldschlösser
Bild (Dat.) Schloss Ort historische Bedeutung Besitz Nutzung
Eckartsau Eckartsau, Ortsrand, im Nationalpark Donauauen alte Burg, Jagdschloss im habsburgischen Privat- und Familienfonds; der letzte Kaiser, Karl I. unterzeichnete hier 1918 die Abdankungsurkunde Republik Österreich (Bundesforste) * Schauschloss
Hof Engelhartstetten-Schloßhof, an der March alter befestigter Hof, Landschloss des Prinzen Eugen, dann habsburgischer Privat- und Familienfonds, k.k. Ausbildungslager Republik Österreich (MRBG/SKB) * Schauschloss
Marchegg Marchegg, Ortsrand ehem. Stadtburg, Jagdschloss und Sommersitz der Pálffy Stadt Marchegg * Pálffy-Museum
Niederweiden Engelhartstetten, etwas auswärts Jagdschloss der Starhemberg, dann des Prinzen Eugen, dann habsburgischer Privat- und Familienfonds Republik Österreich (MRBG/SKB) * Restaurant, Veranstaltungszentrum
Obersiebenbrunn Obersiebenbrunn, Ort alte Burg, Landschloss des Prinzen Eugen Koptisch-orthodoxe Kirche in Österreich Kloster (seit 2001)
Orth Orth an der Donau, Ortsrand alte Burg, habsburgischer Privat- und Familienfonds Republik Österreich * Nationalparkverwaltung Donauauen, Museum (wechselnde Ausstellungen), Veranstaltungszentrum

Teilweise wird auch Schloss Neugebäude am Stadtrand Wiens dazugezählt, auch andere Schlösser waren oder sind in der Einbindung im Gespräch, etwa Schloss Sachsengang bei Groß-Enzersdorf.[10]

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Firma Marchfeldschlösser Revitalisierungs- und Betriebsgesellschaft m.b.H. in Marchegg. Firmenbuchdaten Creditreform/firmenabc.at
  2. 1 2 vergl. etwa Bericht des Bautenausschusses über den Antrag 628/A der Abgeordneten Mag. Walter Tancsits, Mag. Reinhard Firlinger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz zur Errichtung einer Marchfeldschlösser Revitalisierungs- und Betriebsgesellschaft m.b.H. – Marchfeldschlösser-Gesetz, 1076 der Beilagen zu den Stenographischen Protokollen des Nationalrates XXI. GP, ausgedruckt am 15. April 2002 (online, parlament.gv.at, Parlamentsakte).
  3. 1 2 Die Marchfeldschlösser Revitalisierungs- und Betriebsgesellschaft, Impressum, beide schlosshof.at
  4. Rechnungshof: Marchfeldschlösser Revitalisierungs- und Betriebsgesellschaft m.b.H.. Bericht. In: Bund 2009/1, Band 6, S. 225–249 (Berichte, pdf, beide rechnungshof.gv.at).
  5. 1 2 Rechnungshofbericht, Abschnitt Kurzfassung, S. 225 ff. (pdf S. 1 ff.)
  6. Schloss Hof hat nicht genug Besucher, noe.orf.at, publiziert am 23. März 2013.
  7. Thomas Trenkler: Schloss Hof, eine kostspielige Liebhaberei. In: Der Standard, Wien, 24. August 2012, S. 8, und Website, 23. August 2012.
  8. 1 2 Marchfeldschlösser gehen in Offensive, noe.orf.at, publiziert am 10. Mai 2013.
  9. Burgen & Schlösser, Donau Niederösterreich Tourismus (donau.com)
  10. 1 2 Forum Marchfeld Kunst-Kultur-Geschichte-Literatur, S. 2, 3 (Geschichte des Forum Marchfeld, pdf; 264 kB); Forum Marchfeld; beide lafwurm.at.
  11. Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter, Bände 40-41, 1985, S. 59 (LIX, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche);
    Karl Gutkas: Landeschronik Niederösterreich: 3000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Verlag C. Brandstätter, 1990, S. 470 ff (LIX, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  12. 1 2 vergl. etwa Schönbrunn-Erfolgsstory soll im Marchfeld fortgesetzt werden. Bautenausschuss für Marchfeldschlösser-Betriebsgesellschaft, Ausschusssitzung des NR, Parlamentskorrespondenz Nr. 239 vom 5. April 2002 (PK-Nr. 239/2002, online, parlament.gv.at, Parlamentsakte).
  13. so etwa auch Marfeldschlösser und Donauauen, Nr. 5 in Catherine Ludwig, Walter M. Weiss: Wien: Reisen mit Insider Tipps. Reihe Marco Polo Reiseführer : Reisen mit Insider-Tipps, 7. Auflage, Verlag Mair Dumont Marco Polo, 2008, ISBN 978-382970592-9, S. 109 ff (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  14. Marchfeldkanal Radweg, weinviertel.at
  15. Radfahren In Engelhartstetten, bergfex.at;
    vergl. auch Weblink Karte Marchfeldkanal-Radwanderweg