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vom 13.10.2018, aktuelle Version,

Mehrfachmord in Annaberg

Denkmal für die Opfer des Mehrfachmordes bei Lassingrotte

Zum Mord an drei Polizisten und einem Sanitäter in Annaberg kam es am 17. September 2013, nachdem ein Wilderer kontrolliert werden sollte. Schließlich beging der Täter Suizid. Seit 1945 wurden bei keiner Amtshandlung in Österreich (ausgenommen bei den Polizistenmorden von Linz unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg) so viele Polizisten getötet. Es starben dabei drei Polizisten sowie ein Rettungssanitäter.

Verlauf

Vorgeschichte

Der Täter Alois Huber war laut Süddeutscher Zeitung ein hervorragender Jäger, fiel in seinem sozialen Umfeld nicht auf und lebte allein auf einem Bauernhof bei Großpriel, einer Katastralgemeinde von Melk im Bezirk Melk in Niederösterreich. Laut der österreichischen Tageszeitung Die Presse besaß er einen Jagdschein und ein Revier. Er durfte dort aber nur die Jagd auf Niederwild, also etwa Hasen oder Fasane ausüben. Er war legal im Besitz von sechs Waffen, vor allem für die Jagd.[1] Der zum Zeitpunkt der Tat 55-jährige arbeitete als Transportunternehmer. Nach Berichten österreichischer Medien soll er auch illegal Handgranaten besessen haben. Laut dem Magazin OE24 hatte Huber eventuell damit gerechnet, dass er gestellt werden würde: Zwei Monate vor der Tat fing er an, seinen Besitz zu veräußern. So verkaufte er zum Beispiel sein Motorrad, eine BMW R 1200 GS.[2]

Seit 2008 ermittelte die Polizei in mindestens acht Fällen von Wilderei in Niederösterreich und der Steiermark. Im März 2011 wurde ein Wilderer, vermutlich Huber, von einem Jäger im Bezirk Melk auf frischer Tat ertappt. Der Verdächtige attackierte damals den Jäger und flüchtete mit seinem Auto, auf dem er gestohlene Kennzeichen verwendet hatte.

Seit 2009 wurden im Bezirk Lilienfeld acht Torsos von Hirschen gefunden, deren Häupter mit scharfen Klingen abgetrennt worden waren. Die erste derartige Tat wurde 2008 im Gesäuse in der Steiermark registriert, später tauchten Fälle im Bezirk Lilienfeld auf. Dort wurden in den Jahren 2009 und 2010 mindestens acht derartige Hirschkadaver gefunden.

Tathergang

Die Polizei führte eine Überwachungsaktion gegen den oder die gesuchten Wilderer durch. An einer Straßensperre bei der L101 nahe Annaberg versuchten drei Cobra-Beamte, den Wagen von Alois Huber anzuhalten. Der Täter durchbrach diese Straßensperre, indem er einen Polizeiwagen rammte und Richtung Äußere Schmelz flüchtete. Die Polizisten schossen dem Flüchtenden nach und begannen die Verfolgung. Dabei geriet der Flüchtende mit seinem Kfz von der Fahrbahn ab und durchstieß einen Zaun. Dort eröffnete er mit einem Stg 77 das Feuer.[3] Dabei wurde ein Cobra-Polizist schwer verletzt und starb zwei Stunden später an seinem Blutverlust im Landesklinikum St. Pölten. Nahe dem dort liegenden Sägewerk schoss der Täter auf einen zu Hilfe eilenden Rettungswagen. Ein weiterer Polizist wurde verletzt. Ein 70-Jähriger Sanitäter des Roten Kreuzes wurde erschossen, als er dem verletzten Polizisten helfen wollte.

Dann flüchtete der Täter weiter zu Fuß durch den Wald in Richtung Lassinghof. Er stieß nach ungefähr einem Kilometer auf eine weitere Polizeistreife und feuerte sofort wieder. Einen der Polizisten soll der Täter sofort mit einem Kopfschuss getötet haben. Der zweite Polizist erwiderte das Feuer und traf den Täter im Bauchbereich. Dieser schoss jedoch abermals zurück und tötete auch den zweiten Polizisten. Huber entwendete den Streifenwagen und nahm den Körper des zweiten Polizisten mit, der am späten Nachmittag tot in der Nähe des Wohnhauses in einer Scheune gefunden wurde. Der Leichnam wurde mit Panzerfahrzeugen geborgen. Der Täter verschanzte sich in seinem auf einer Anhöhe gelegenen Vierkanthof. Laut Polizei schoss der Täter immer wieder aus dem Bauernhaus heraus, sobald er jemanden sah. Am Vormittag und Mittag hatten die Einsatzkräfte stundenlang versucht, mit dem Verdächtigen zu sprechen, doch die Kontaktaufnahme scheiterte. Allerdings telefonierte er mit einem Freund und soll dabei seinen Suizid angekündigt haben. Dem Freund gegenüber sagte er, seinen Hund habe er schon erschossen. Bei dem Telefonat habe er eingeräumt, „der Wilderer vom Annaberg“ zu sein.

Das letzte Lebenszeichen des Verdächtigen gab es gegen 17:30 Uhr, als ein einzelner Schuss aus dem Bauernhof abgegeben wurde. Gegen 18:20 Uhr begann die Cobra-Sondereinheit mit dem Zugriff auf dem Gehöft. Zuvor waren Panzerfahrzeuge vor dem Bauernhof vorgefahren. Mehrere Hubschrauber observierten von oben das Gehöft. Die Cobra führte eine sogenannte „gesicherte Durchsuchung“ des weitverzweigten und verwinkelten Anwesens durch. Am Abend begann es in Strömen zu regnen. Um 19:13 Uhr wurde laut ORF der Strom im Haus des Verdächtigen abgeschaltet. Um 19:31 Uhr fielen laut Reportern Schüsse. Um 21:38 Uhr berichtete „Heute.at“, dass es unsicher sei, ob sich der Täter überhaupt noch auf dem Hof befindet oder am Leben ist. Um 23:04 Uhr fielen erneut Schüsse auf dem Gelände.

Durch begleitende Ermittlungsarbeiten erfuhr die Polizei von einem Versteck, das nur durch eine Geheimtür zu erreichen war. Die Einsatzkräfte öffneten die Tür und wollten in den Raum eindringen. In dem Raum selbst brannte es, der zuströmende Sauerstoff fachte die Flammen zusätzlich an. Als das Feuer gelöscht wurde, entdeckte die Polizei eine verbrannte Leiche. Der Körper war zur Unkenntlichkeit verkohlt. Allerdings ging die Polizei davon aus, dass es sich um den Leichnam von Alois Huber handelte.

Polizeieinsatz

Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei rückte nach dem mehrfachen Mord an. Rund hundert Polizisten umzingelten ab 7:00 Uhr das Anwesen des Täters. Die Umgebung wurde großräumig abgesperrt. Ein Kriseninterventionsteam war ebenfalls vor Ort. Mehrere Kontaktaufnahmen zum Täter seitens der Polizei schlugen fehl.

Am Vormittag hatte die Polizei die Medien gebeten, einige Details nicht zu veröffentlichen um eventuelle Geiseln zu schützen, die der Mann möglicherweise bei sich haben könnte. Im Lauf des Nachmittags wurden die vier Toten offiziell bestätigt. Um 17 Uhr gab die Polizei eine Pressekonferenz, da sicher war, dass er alleine im Haus war.

Am Einsatz waren rund 135 Polizisten des Sonderkommandos Cobra und 200 Exekutivbeamte beteiligt.[4] Für die Durchsuchung des Anwesens war die Cobra-Einheit rund sechs Stunden beschäftigt.

Das Österreichische Verteidigungsministerium teilte mit, Schützenpanzer des Bundesheeres seien angefordert worden, damit sich die Polizisten geschützt dem Bauernhaus nähern könnten. Neben einem Radpanzer der Polizei kamen so auch zwei Saurer Schützenpanzer und ein Pionierpanzer des Bundesheeres zum Einsatz. Unsicher war sich die Polizei darin, ob sich Sprengstoff im Haus befindet. Der "Entminungsdienst" wurde als Vorsichtsmaßnahme hinzugezogen. Da der Amokläufer eine Langfeuerwaffe besaß, hatte die Polizei das Gebiet um das Haus weiträumig absperren müssen. Nachbarn mussten ihre Häuser verlassen.

Eine Evaluierung des Polizeieinsatzes folgte nach dem Amoklauf. Die Polizei dementierte Kritik, sie habe die Gefährlichkeit des Täters unterschätzt.[5]

Ermittlungen

Nach dem Amoklauf versuchte die Polizei zunächst sicher zu klären, ob es sich bei der Leiche auf dem Hof um Alois Huber handelte. Der Tote starb durch einen Kopfschuss. Die Staatsanwaltschaft St. Pölten ging von einem Selbstmord aus. Die Leiche wurde obduziert. Der Leichnam war von Angehörigen identifiziert worden.

Das Feuer auf dem Hof wurde gelegt und hatte bereits längere Zeit gebrannt als die Polizei zugriff.

Bei den auf dem Anwesen sichergestellten Waffen handelt es sich um zahlreiche Lang- sowie Faustfeuerwaffen. Die Polizei überprüfte deren Herkunft, da unsicher war, ob alle legal erworben wurden. Zusammenhänge mit einer schon länger zurückliegenden Einbruchs- und Brandstiftungsserie in Jagdvillen im Umkreis des Täters werden geprüft. Es wurde jeweils in Jagdvillen und -schlösser eingebrochen und ausschließlich Jagdgewehre entwendet. In vielen Fällen wurde danach das Haus angezündet. Ein Cobra-Kommandant sagte, im Keller von Huber sei ein umfangreiches Waffenarsenal im dreistelligen Bereich sichergestellt worden. Der Mann dürfte somit mehr als hundert Waffen gehortet haben. Im Zuge des Einsatzes hatte er laut Polizei von vielen Waffen Gebrauch gemacht.

Reaktionen

„Mein volles Mitgefühl und meine tief empfundene Anteilnahme gilt in diesen Stunden den Angehörigen und den Kolleginnen und Kollegen der zu Tode gekommenen Einsatzkräfte.“ (Werner Faymann (Bundeskanzler): Vienna Online)[6]

„Die Dramatik des heutigen Tages ist ohne Beispiel in der österreichischen Polizeigeschichte. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Familien der Opfer. Und mein Dank gilt den Einsatzkräften für ihre Besonnenheit während des Zugriffs. “ ( Johanna Mikl-Leitner (Innenministerin): Vienna online) Die Innenministerin lud für den 1. Oktober 2013 auch zu einem Trauergottesdienst im Wiener Stephansdom, zelebriert von Kardinal Christoph Schönborn ein. Die Einladung bezog sich auf die Angehörigen, Mitglieder der Blaulichtorganisationen, sowie die gesamte Staatsspitze.[7]

Der österreichische Nationalrat gedachte der Opfer mit einer Schweigeminute.[8]

Auch der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn bekundete den Angehörigen sein tiefstes Mitgefühl. Besonders berührt hat ihn, „dass sie bei der großen Polizeiwallfahrt in Mariazell am Freitag noch Gott danken konnten, dass im vergangenen Arbeitsjahr kein Beamter in Ausübung seines Dienstes umgekommen ist.“ ( Christoph Schönborn (Erzbischof von Wien): Vienna online)

Der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll ordnete in seiner Reaktion die Trauerbeflaggung aller öffentlicher Gebäude in Niederösterreich an.[9]

Einzelnachweise

  1. Polizei durchsucht Grundstück von mutmaßlichem Wilderer. In: sueddeutsche.de. 17. September 2013, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  2. http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/slideshow/Das-ist-der-Wilderer-Alois-H/116312672
  3. Annaberg-Morde: Gewehr stammte vom Bundesheer. In: kurier.at. 13. August 2014, abgerufen am 25. Dezember 2017.
  4. Zeit im Bild Spezial am 18. September 2013; 7:00 Uhr
  5. Mutmaßlicher Amokläufer starb durch Kopfschuss. In: derStandard.at. 18. September 2013, abgerufen am 12. Dezember 2017.
  6. Vienna online
  7. Vienna Online
  8. Die Presse (Reaktionen)
  9. Vienna online