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vom 01.05.2016, aktuelle Version,

Rohrwald

Der Wiesenbach im Rohrwald

Der Rohrwald stellt mit einem Gesamtausmaß von ca. 24 km² nach den Donauauen und dem Ernstbrunner Wald den drittgrößten geschlossenen Waldkomplex des Bezirkes Korneuburg.

Der Rohrwald erstreckt sich über die Gemeinden Harmannsdorf, Leobendorf, Leitzersdorf und Niederhollabrunn, wobei der größte Teil in der Katastralgemeinde Rückersdorf liegt.

Der Rohrwald liegt auf einem Ausläufer der Flyschzone und ist daher für das Weinviertel eher untypisch von mehreren Bachläufen durchzogen. Im waldarmen, agrarisch intensiv genutzten Weinviertel hat der Rohrwald eine hohe ökologische Wertigkeit und wichtige Funktion als Naherholungsgebiet.

Geologie

Geologisch zählen die westlichen, selbst nicht mehr bewaldeten und damit gute Rundumsicht gewährenden Gipfel des Rohrwaldes – der Waschberg und der Michelberg – zur Waschbergzone bzw. Weinviertler Klippenzone (Niederösterreichische Inselbergschwelle), die über die Leiser Berge, Falkenstein und den Mährischen Karst nördlich Nikolsburgs (Mikulov) die Alpen mit den Karpaten verbinden. Die Weinviertler Klippenzone und somit auch Teile des Rohrwalds gehören zu den Natura 2000 und FFH Schutzgebiet Weinviertler Klippenzone.[1][2][3] Die Grundgesteine des Gebietes sind schiefrige Tone, Tonmergel und Greifensteiner Sandstein, die alle mehr oder weniger von Löß überlagert sind. Alte und neue Steinbrüche zeigen Kalkgestein, in dem sich Überreste von Urtieren finden.

Berge

Der Rohrwald mit seinen Bergen

Der Rohrwaldzug verläuft parallel zum Bisambergzug. Das Rohrbachtal teilt ihn in zwei Züge, den Kreuzensteinerzug und den Waschberg-Michelberg-Zug.

Der Kreuzensteinzug wird aus dem Schliefberg (246 m), dem Kreuzenstein (266 m) gekrönt von der Burg Kreuzenstein, dem Toblerberg (355 m), dem Daberg, dem Karnabrunner Kirchberg (358 m) und dem Galgenberg (398 m) gebildet.

Der Waschberg-Michelberg-Zug verläuft parallel zum Kreuzensteinzug und wird aus dem Waschberg (388 m), dem Michelberg (409 m), dem Höchberg (347 m) und dem Steinberg (375 m) gebildet.

Vegetation und Nutzung

Trocken-warmer Zerr-Eichenwald mit Purpur-Knabenkraut ( Orchis purpurea)
Wiesenrauten-Muschelblümchen ( Isopyrum thalictroides) in einem feuchteren Talgrund
Feuchtwiese am Rohrbach mit Sumpfdotterblumen ( Caltha palustris)

Dem trockenen, sommerwarmen, pannonischen Klima entsprechend, ist der Eichen-Hainbuchenwald die natürliche Vegetationsdecke. Begleitend bilden Vogelkirschen, Elsbeeren, Hainbuchen und lokal auch Rotbuchen die Oberschicht der Mittelwaldbestände. In der Unterschichte sind Stockausschläge von Hainbuche, Eiche, Winterlinde, Feldahorn und Hasel am häufigsten, in manchen Beständen sind auch Zitterpappel, Birke und Salweide in größerem Umfang beteiligt. Im Rohrwald gedeihen seltene Orchideenarten wie das Breitblatt-Waldvöglein (Cephalanthera damasonium), das Purpur- und Helm-Knabenkraut (Orchis purpurea und O. militaris), die Weiß- und Grünlich-Waldhyazinthe (Platanthera bifolia und P. montana) sowie der Frauenschuh (Cypripedium calceolus).

Die im Besitz von Agrargemeinschaften stehenden Flächen werden seit mehreren 1000 Jahren als Mittelwald (Ausschlagwald) bewirtschaftet, um die Bevölkerung mit Brennholz zu versorgen. Bei den in Großgrundbesitz befindlichen Flächen wird durch Erhöhung der Umtriebszeit eine Umwandlung in einen hochwaldartige Bestand angestrebt. Neben dem Rohrbach fließen der Wiesenbach und mehrere kleinere Zubringer durch den Wald. Die kleinen Bachläufe werden großteils von Mähwiesen eingenommen, zum Teil sind von Bruchweiden dominierte Bachauenwälder ausgebildet.

Die für das Weinviertel eher untypischen Bachläufe erhöhen die Habitateignung für den Schwarzstorch. Ein im Jahr 2010 entdeckter Großhorst lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Schwarzstorch zuordnen.[4]

Über Brutzeitbeobachtungen wurden insgesamt 46 Vogelarten als sichere oder mögliche Brutvögel erfasst, wobei in der Bachau die größte Artenvielfalt festgestellt wurde.[5] Fünf der insgesamt sechsundvierzig beobachten Arten sind besonders gefährdet und stehen auch auf der Rote Liste gefährdeten Arten. Es sind dies Sakerfalke, Wespenbussard, Ziegenmelker, Wendehals und der Mittelspecht. Der ebenfalls beobachtete Kuckuck zählt laut BirdLife auch zu den regelmäßig gefährdeten Brutvögeln. Im Jahr 2010 wurde ein, leider abgestützter, Großhorst entdeckt, der mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Schwarzstorch zuzuordnen ist.[6][4][7]

Der Rohrwald ist aufgrund seiner Nähe zu Wien auch ein wichtiges Naherholungsgebiet und beliebtes Ausflugsziel.

Besonderheiten

Schauerkreuz im Rohrwald
48° 24′ 26″ N, 16° 19′ 53″ O

An einer markanten Kreuzung von acht Wegen befindet sich das sogenannte "Schauerkreuz". Am 16. Mai 1878 fand an dieser Stelle die Einweihung eines Holzkreuzes statt. Jahr für Jahr findet eine Bittprozession zur Abwehr von Schlechtwetter und Hagel von der Kirche Harmannsdorf zum Schauerkreuz statt. Im Jahre 1903 wurde ein steinernes Denkmal errichtet.

Im Rohrwald war im 15. Jahrhundert ein Dorf namens Wielandsdorf angesiedelt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts flüchtete die Bevölkerung nach Rückersdorf, um Schutz zu suchen. Die Siedlung war so dem Verfall preisgegeben. Einige Grundmauern dieser Siedlung waren lt. Zeitzeugen noch bis 1970 sichtbar.[8] Die Überreste der Siedlung Wielensdorf befinden sich unter der Bezeichnung Wüstung Wilantisdorf unter Denkmalschutz.

Die sogenannten "Schwedenhöhlen" sind im Löß geschlagene Erdställe. Sie dienten, einer Sage nach, im 17. Jahrhundert während der Schwedenkriege als Unterschlupf und Versteck für die Bewohner der umliegenden Ortschaften.

Der Michelberg hat eine lange Vergangenheit als Kultstätte und ist ein beliebtes Ausflugsziel in unmittelbarer Nähe zu Wien.

Der Jakobsweg Weinviertel sowie zwei Wanderwege (Rohrwaldweg 633, Kreuzensteiner Rundwanderweg 636) durchqueren den Rohrwald.

Es führen zwei Radwege durch den Wald: Der Themenradweg "Sagenhaft - Rund um die Burg Kreuzenstein" und die 2011 eröffnete Mountainbike-Strecke "Michelberg-Runde".

Die sogenannte "Schöne Säule" ist eine über fünf Meter hohe Pest- bzw. Dreifaltigkeitssäule. Sie wurde 1730 aus Dankbarkeit für einen an dieser Stelle unverletzt überstandenen Reitunfall im Jahre 1729 errichtet.[9] Siehe auch Liste der denkmalgeschützten Objekte in Harmannsdorf

Bilder

  Commons: Rohrwald  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. noe.gv.at | Karte
  2. noe.gv.at | Kurzdarstellung der Europaschutzgebiete
  3. noel.gv.at | Detailpläne zum FFH - Gebiet Weinviertler Klippenzone auf Seite des Land Niederösterreich.
  4. 1 2 BirdLife-Studie des Umweltbericht zum NÖ SekROP Windkraftnutzung, Erstellt von Gábor Wichman und Manuell Denner im Auftrag der NÖ Umweltanwaltschaft, vom 11. November 2013
  5. Brutzeitbeobachtung im Rohrwald bei Stockerau (PDF; 543 kB) - Ein Beitrag zur Avifauna der Eichen-Mittelwälder im Weinviertel (NÖ) von Ulrich Straka, 1998
  6. salzburg.gv.at Aufgerufen am 30.Oktober 2013
  7. Positionspapier Hybridfalken (PDF, 77KB) von BirdLife Österreich
  8. Heimatbuch Harmannsdorf-Rückersdorf, Zusammengestellt von Pfarrer Rudolf Neumayer
  9. Inschriften am Sockel: "Anno 1730"