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vom 05.07.2016, aktuelle Version,

Rondartschier

Portugiesischer Rodelero im Fechtbuch Opera Nova (1536)
Rondartschen aus dem 17. Jahrhundert ( Landeszeughaus Graz)

Der Rondartschier war ein beispielsweise in Österreich eingesetzter Schwertkämpfer, der mit Stahlbrustharnisch, Arm- und Beinschienen, einem leichten Kettenhemd, Helm, Langschwert und der Rondartsche (einem Rundschild) bewaffnet war.

Hintergrund

Ein Rondartschier war eine Gattung von Schwertkämpfern im 17. Jahrhundert. Der als Rundtartsche oder Rondartsche bezeichnete Schild wurde ursprünglich von den türkischen Truppen bei den Belagerungen von Wien in den Jahren 1529 und 1683 geführt.[1] Rondartsche ist ein französischer Ausdruck für den am Arm getragenen Rundschild die zu den Tartschen zählen, von dem sich die Bezeichnung der Kämpfer ableitete. Die Aufgabe der Rondatschiere war es das Bataillon vor frontalen oder an den Flanken ausgeführten Angriffen zu schützen.[2] Als Waffen führten sie zumeist Breitschwerter oder Rapiere. Rondartschierformationen waren die letzten mit „kaltem Stahl“ bewaffneten Infanterieregimenter. Sie wurden im 17. Jahrhundert eingesetzt, um in quadratischen Formationen auf eine Feuerpause zu warten und anschließend die feindlichen Musketierformationen zu zerschlagen. Sie wurden meist von Musketenfeuer von hinten gedeckt. Sie waren außerordentlich erfolgreich und fügten den feindlichen Musketieren und Pikenieren schwere Verluste zu. Da sie den Pikenieren, welche die anderen europäischen Staaten als Nahkämpfer verwendeten, überlegen waren, rekrutierten auch bald die Bayern[3] und Polen Söldnerrondartschiere. Sie wurden auch erfolgreich eingesetzt, wenn sich zwei gegnerische Pikenierfomationen verkeilt hatten, denn sie versuchten, die gegnerischen Piken mit den Schilden abzuwehren und die Pikeniere mit dem Schwert niederzuschlagen. Trotz ihrer Erfolge verschwand im 18. Jahrhundert dieser letzte „mittelalterliche Rest“ aus dem österreichischen Heer, da die Musketen schon so weit verbessert waren, dass die Musketiere keine Feuerpause zum Nachladen mehr brauchten.[3] Die Rondartschen wurden aufgrund ihrer Kugelfestigkeit auch bei der Reiterei geschätzt. Sie wurde entweder im Halsbereich des Pferdes befestigt oder an der Schulter des Reiters befestigt, solange er sie nicht einsetzte.[4]

Spätmittelalterliche Schildformen

Der Einsatz von Schilden wurde im Bereich der Kriegsführung zwar seltener, sie kamen aber, je nach Region, von 1490 bis in die 1690er zum Einsatz. Es gab dabei unterschiedliche Formen, so benutzten die Schotten und Engländer einen ähnlichen kleinen Rundschild, der zu den Targen zählt. Es gab die asymmetrischen Flügeltartschen oder den türkischen Kalkan der osteuropäischen Streiter, sowie den Buckler und die aus Stahl gefertigte Rondartsche.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Rondartsche auf beyars.com, abgerufen am 28. August 2014.
  2. Mittelalter Waffenglossar – Rondartsche (PDF; 1,18 MB)
  3. 1 2 Kurbairisches Dragonerregiment Johann Wolf – Rondartschier auf regimentjohannwolf.de, abgerufen am 28. August 2014.
  4. Georg Dietrich von der Groeben: Von der Rüstung. in: Neue Kriegsbibliothek oder Gesammlete Beytráge zur Kriegswissenschaft. S. 68.