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Cottage Wien 18#

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"Heimatlexikon - Unser Österreich"
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Cottageviertel
Cottage Anlagen, kolorierte Lithographie, 1875.
© IMAGNO/Austrian Archives

Cottageviertel
Villa von Arthur Schnitzler, Wien 18, Sternwartestraße 71, um 1910.
© IMAGNO/Austrian Archives

Cottage, das deutsche Wort für Bauernhaus, bezeichnet in Wien ein Villenviertel. In der Hochgründerzeit, als die spekulative Bautätigkeit, angeheizt durch die Euphorie des Weltausstellungsjahres 1873 einen Höhepunkt erreichte, suchte der Wiener Cottage-Verein nach Alternativen. Einfamilienhäuser mit Gärten sollten mehr Lebensqualität bieten als die Mietwohnungen in den massenhaft entstehenden "Zinskasernen". In Wien propagierte der Ringstraßen-Architekt Heinrich von Ferstel (1828-1883) und der Kunsthistoriker Rudolf von Eitelberger (1817-1885) die Ideen der aus England stammenden Cottage-Bewegung. 1860 veröffentlichten sie eine Schrift über „Das bürgerliche Wohnhaus und das Wiener Zinshaus“, in der sie Einfamilienhäuser für den bürgerlichen Mittelstand, die Verbindung von Arbeits- und Wohnstätten und eine Auflockerung der Verbauung durch Gartenanlagen vorschlugen. Auf Initiative von Edmund Kral und Heinrich von Ferstel wurde am 13. 4. 1872 der Wiener Cottage-Verein gegründet. Nach Ferstels Tod übernahm Dombaumeister Friedrich Schmidt (1825-1891) die Leitung.

Das Währinger Cottage befindet sich im 18. und 19.Bezirk, in einem Geviert zwischen Sternwartepark, Türkenschanzpark und der Hasenauerstraße (Cottagegasse, Blaasstraße, Weimarer Straße, Felix-Mottl-Straße, Sternwartestraße. Es umfasst eine Fläche von 64 Hektar mit 350 Häusern in 16 Gassen. Architekt Carl von Borkowski verfasste die Parzellierungspläne. Am 26. 3. 1873 fand der Spatenstich für die ersten 50 Objekte statt, die unter der Leitung Karl von Borkowskis und unter Mitarbeit von Anton Zöchmann, Julius Deininger und Karl Haas errichtet wurden. Sie gestalteten Häuser in gotisierenden Formen mit unregelmäßigen Grundrissen, Erkern, Holzveranden und abgestuften Giebeln. Nach der Übernahme der Bauleitung durch Hermann Müller wurden die Bauten größer und eleganter, darunter Zweifamilienhäuser und Zinsvillen. Prominente Künstler und Wissenschafter waren unter den Bauherren. Bis heute ist das Cottage eine noble Wohngegend bekannter Persönlichkeiten. Es entstanden ein Sportplatz zum Eislaufen, Radfahren und Tennisspielen mit eigenem Clubhaus. Außerdem engagierten sich die Mitglieder für die Anlage des Türkenschanzparks.

1884 war das erste Areal in Währing verbaut, und der Verein erschloss nun auch Döbling. Insgesamt errichtete der Wiener Cottage Verein mehr als 350 Häuser. Währing wurde zum Vorbild für Cottageanlagen im 12 (Hetzendorf)., 13.(Ober St. Veit) und 14. Bezirk (Hütteldorf). Die Erfahrungen des Vereins beeinflussten auch die Wiener Bauordnung.

Quellen:

  • Lexikon der Wiener Kunst und Kultur. Nina Nemetschke, Georg J. Klüger, Mitarbeit von Ulrike Müller Kaspar. Ueberreuter Verlag, Wien. 1990
  • Helga Maria Wolf: Archivbilder Wien-Währing. Erfurt 2004

Redaktion: hmw